Scale Walker – Siebensaiter Multiscale

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Nobi
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Scale Walker – Siebensaiter Multiscale

#1

Beitrag von Nobi » 29.09.2026, 18:14

Für diese Gitarre musste ich mir zunächst zwei zusätzliche Jigs anfertigen.

Das erste Jig war für das Schlitzen der Bünde notwendig. Mein bisheriges Jig ist ausschließlich für gerade, parallel verlaufende Bünde ausgelegt. Da die Bünde bei einer Multiscale-Gitarre entsprechend der unterschiedlichen Mensuren gefächert angeordnet sind, musste ich dafür ein eigenes Jig bauen, mit dem sich die erforderlichen Winkel präzise schneiden lassen.

Die Konstruktion

Der Korpus besteht aus Erle, der Hals aus laminiertem Ahorn. Das Griffbrett ist ebenfalls aus Ahorn, wurde gebeizt und anschließend mit True Oil behandelt. Als Bünde habe ich Jumbo-Bünde verwendet.

Das Griffbrett hat einen Radius von 16 Zoll, was bei einer siebensaitigen Multiscale-Gitarre für mich eine gute Kombination darstellt. Den Hals selbst habe ich sehr schlank gehalten. Er ist über weite Bereiche nur etwa 21 mm stark.

Ursprünglich hatte ich geplant, ein etwa 4 mm starkes Epoxidharz-Top direkt auf den Korpus zu gießen. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass das Gießharz in das Holz einzieht und an den Seiten wieder austreten würde. Dadurch wäre es schwierig geworden, eine saubere und kontrollierte Schichtstärke zu erreichen.

Deshalb habe ich das Epoxidharz-Top separat in drei Schichten aufgebaut: Zuerst eine schwarze Grundschicht, darauf die farbige Gestaltung und abschließend eine transparente Schicht. Dadurch konnte ich das Top kontrolliert auf eine Stärke von etwa 4 mm bringen.

Anschließend wurde das fertige Epoxidharz-Top mit einem Zwei-Komponenten-Kleber auf den Korpus aufgeklebt.

Für das genaue Positionieren des Covers habe ich zwei Fixierstifte eingesetzt. Das war besonders praktisch, weil ich das Top während der verschiedenen Arbeitsschritte immer wieder abnehmen und exakt an derselben Position auflegen konnte.

Die Ausfräsungen für die Pickups und das Elektronikfach hatte ich zunächst ganz normal in den Holzkorpus gefräst. Erst danach wurde das Epoxidharz-Top aufgeklebt. Die entsprechenden Öffnungen habe ich anschließend von oben durch das Epoxidharz gefräst. Dafür konnte ich einen Fräser mit einem obenliegenden Anlaufring verwenden, der innerhalb der bereits vorhandenen Ausfräsung geführt wurde. So ließen sich die Konturen sauber vom darunterliegenden Korpus auf das Epoxidharz übertragen.

Mensur und Tonabnehmer

Als Mensur habe ich 25,5" bis 27" gewählt. Die Gitarre hat 24 Bünde, wobei der 6. Bund der gerade Bund ist.

Damit habe ich es mir allerdings selbst etwas schwer gemacht. Ein gerader Bund am 7. oder sogar 9. Bund wäre konstruktiv wahrscheinlich günstiger gewesen. Andererseits liegt gerade im Bereich um den 6. Bund ein großer Teil der normalen Spielarbeit – und optisch gefällt mir die starke Fächerung der Bünde einfach sehr gut.

Was ich bei der Konstruktion zunächst nicht bedacht hatte, war der relativ steile Winkel, der sich durch die Multiscale-Mensur an der Brücke ergibt. Dieser beträgt etwa 23°.

Dadurch ergab sich ein Problem mit den ursprünglich geplanten Tonabnehmern. Vorgesehen waren zunächst ein Seymour Duncan JB (SH-4) für die Bridge-Position und ein Seymour Duncan Jazz (SH-2/SH-2n) für die Halsposition.

Mit den herkömmlichen Tonabnehmern mit einzelnen Pole Pieces hätte ich aufgrund der Saitenführung lediglich einen maximalen Einbauwinkel von etwa 7° sinnvoll realisieren können. Die Saiten wären dann teilweise in einem ungünstigen Bereich über die Pole Pieces gelaufen.

Deshalb habe ich mich letztlich für die entsprechenden Rail-/Blade-Versionen entschieden. Diese konnte ich deutlich stärker, etwa 10°, zur Saitenführung ausrichten. Durch die durchgehenden Blades bin ich nicht mehr auf die genaue Position einzelner Pole Pieces angewiesen.

Leider gibt es die entsprechende Blade-Ausführung für die Bridge-Position nicht als 8-saitige Variante. Sonst hätte ich hier sogar eine 8-saitige Version verwenden können und hätte den Tonabnehmer parallel zur Brücke ausrichten können.

Eine weitere Besonderheit ist meine ungewöhnliche Verdrahtung der Humbucker. Entgegen der üblichen Belegung habe ich den grünen Draht, der normalerweise als Masse verwendet wird, als Hot genommen und den schwarzen Draht als Ground angeschlossen.

Der Grund dafür liegt in meinem Coil Mix Controller: Durch diese Verdrahtung liegt beim Betrieb als Single Coil die zur Brücke hin liegende Spule aktiv. Bei der normalen Verdrahtung wäre stattdessen die innere Spule aktiv gewesen und damit weiter von der Brücke entfernt. Für den gewünschten Single-Coil-Sound war mir die Position der aktiven Spule direkt an der Brücke wichtig.

Die Humbucker habe ich rahmenlos eingelassen und direkt im Korpus montiert. Die Befestigung erfolgt über eine Gewindeeinschlaghülse, zwischen Hülse und Humbucker-Halterung sitzt eine Feder zur Höhenverstellung.

Dafür musste ich das Befestigungsloch im Humbucker-Schuh auf 3 mm aufbohren. Das war allerdings problemlos und ließ sich auf Anhieb sauber ausführen.

Zwischen der Ausfräsung im Korpus und dem Humbucker habe ich zusätzlich Schaumstoff eingelegt, sodass die Tonabnehmer trotz der schrägen Einbausituation sauber und waagerecht liegen.

Halsbefestigung

Für die Befestigung des Halses habe ich im Hals vier Gewindemuffen eingesetzt. Dadurch konnte ich den Hals von der Rückseite des Korpus aus mit entsprechenden Inbusschrauben sicher verschrauben.

Im Bereich dieser Halsbefestigung habe ich die Rückseite des Korpus zusätzlich bearbeitet. Dort habe ich eine etwa 5 mm tiefe Aussparung geschaffen. Dadurch ergibt sich beim Spielen in den hohen Lagen ein angenehmerer und freierer Übergang zum Hals und damit ein besseres Spielgefühl.

Lackierung und Finish

Den Korpus habe ich zunächst schwarz lackiert und anschließend mit einem matten 2K-Lack versehen.

Das Epoxidharz-Top beziehungsweise die Abdeckung habe ich dagegen mit 2K-PU-Lack lackiert. Dafür habe ich mich bewusst für PU-Lack entschieden, da dieser sich besser mit dem Acrylharz verträgt. Das Top ist deshalb jetzt hochglänzend ausgeführt.

Bridge, Grundplatte und Feinstimmer

Um das Sustain zu verbessern, habe ich unter der Bridge eine 4 mm starke Grundplatte aus Flugzeugaluminium angefertigt. Die Einzelbrücken sitzen dadurch nicht direkt auf dem Epoxidharz-Top.

Die schwarz lackierte Aluminiumplatte sorgt dafür, dass die Kräfte und Schwingungen der Einzelbrücken direkt in den Holzkorpus übertragen werden und nicht zunächst über das etwa 4 mm starke Epoxidharz laufen.

Am Ende der sieben Einzelbrücken befinden sich außerdem sieben Feinstimmer. Diese habe ich selbst mit einem CAD-Programm konstruiert und anschließend mit einem 3D-Drucker hergestellt.

Zunächst hatte ich Bedenken, dass sich die Schwingungen der kleinen Saitenreiter auf die Feinstimmer übertragen könnten und diese dadurch selbst in Schwingung geraten. In der Praxis funktioniert das System jedoch tadellos. Durch die Konstruktion und das verwendete gedruckte Kunststoffmaterial gibt es hier keinerlei Probleme.

Elektronik

Bei der Elektronik habe ich einen normalen 3-Wege-Schalter für die Pickup-Auswahl verwendet. Dazu kommt ein Volume-Poti mit Treble-Blend sowie eine umschaltbare Last von 500 kΩ auf 250 kΩ.

Die Umschaltung erfolgt über ein Push-Pull-Poti. Dazu habe ich einen 470-kΩ-Widerstand in das Push-Pull-Poti eingelötet. Im gezogenen Zustand ergibt sich dadurch eine effektive Last von ungefähr 250 kΩ, während im gedrückten Zustand die vollen 500 kΩ zur Verfügung stehen.

Der Grund für diese Umschaltung ist insbesondere der Single-Coil-Betrieb. Bei Single Coils passt die geringere Last von 250 kΩ für mich klanglich besser. So kann ich für den Humbucker-Betrieb 500 kΩ und für den Single-Coil-Betrieb 250 kΩ verwenden.

Als zusätzliches Feature habe ich einen weiteren 4-Wege-Schalter zweckentfremdet und daraus meinen „Coil Mix Controller“ gemacht.

In Stellung 1 arbeitet der jeweilige Pickup als vollständiger Humbucker.

In Stellung 4 geht die Schaltung bis zum Single-Coil-Betrieb.

Die Stellungen 2 und 3 bilden die Zwischenstufen. Hier werden über Widerstände jeweils die Spule, die der aktiven Spule benachbart ist, schrittweise gedämpft. Dadurch entsteht kein harter Sprung von Humbucker zu Single Coil, sondern ein stufenweiser Übergang.

Insgesamt sind dafür vier Widerstände verbaut: jeweils zwei für den Hals-Pickup und zwei für den Bridge-Pickup. Die Werte habe ich bewusst so gewählt, wie ich sie für sinnvoll halte. Hier sehe ich allerdings noch einiges an Experimentierpotenzial. Mit anderen Widerstandswerten ließen sich die Zwischenstufen sicherlich noch weiter an den persönlichen Geschmack anpassen.

Die Schaltung funktioniert selbstverständlich auch in der Mittelstellung des 3-Wege-Schalters, wenn also beide Pickups gleichzeitig aktiv sind. Dafür müssen die Widerstände entsprechend auf die beiden Ebenen des 4-Wege-Schalters verteilt und passend miteinander verdrahtet werden.

Auf einen weiteren Push-Pull-Schalter für eine zusätzliche Umschaltung des Kondensators im Single-Coil-Betrieb habe ich bewusst verzichtet. Die Schaltung bietet bereits jetzt insgesamt 24 verschiedene Schaltmöglichkeiten – irgendwann muss man es auch gut sein lassen.

Selbst gefertigte Potiknöpfe

Auch die Potiknöpfe habe ich selbst hergestellt. Dafür habe ich eine 20-mm-Aluminiumstange verwendet und die Knöpfe zunächst auf das gewünschte Maß gebracht.

Die beiden umlaufenden beziehungsweise seitlichen Einkerbungen in den Knöpfen hätte man theoretisch relativ einfach mit einer Gehrungssäge herstellen können. Das Ergebnis war mir jedoch zu ungleichmäßig und zu rau. Deshalb habe ich dafür mein zweites, relativ aufwendiges Jig gebaut – letztlich nur für diese beiden kleinen Einkerbungen an den Potiknöpfen.

Anschließend wurden die Knöpfe weiter bearbeitet und mit Madenschrauben zur Befestigung auf den Potiachsen versehen. Den abschließenden Schliff habe ich bis zu Körnung 3000 durchgeführt und die Oberfläche anschließend poliert.

Das Interessante daran ist, dass sich die komplette Herstellung der Knöpfe mit den vorhandenen Möglichkeiten sehr gut realisieren ließ – im Wesentlichen mit Bohrmaschine und Tischbohrmaschine, ohne dafür umfangreiche zusätzliche Metallbearbeitungsmaschinen zu benötigen.

Ein persönliches Fazit zum Bau

Ich hatte ursprünglich gedacht, dass der Bau nach der Fertigstellung des Halses eigentlich weitgehend Routine sein würde und – abgesehen vom Aufkleben und Bearbeiten des Covers – nicht mehr allzu viele Überraschungen bereithalten würde.

Das war allerdings ganz anders.

Bis zum Schluss gab es immer wieder neue Probleme und kleine Dinge, die ich ändern oder anders lösen musste. Genau das macht den Bau für mich aber auch aus. Man baut letztlich immer wieder einen Prototypen. Fehler oder Entscheidungen, die man beim ersten Bau trifft, kann man nicht einfach bei einem zweiten Exemplar korrigieren, weil es dieses zweite Exemplar zunächst gar nicht gibt.

Das ist vermutlich bei vielen Gitarrenbauern so, die ihre Instrumente jeweils als Einzelstücke bauen. Und genau deshalb ist am Ende nicht nur das fertige Instrument interessant, sondern auch der Weg dorthin.
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Re: Scale Walker – Siebensaiter Multiscale

#2

Beitrag von HolzHeißIch » 29.09.2026, 20:07

Wow! Ganz schön geiles Teil! Wenn du möchtest kannst du ja noch ein paar Bilder vom Bau und von deinen Jigs zeigen - das wäre schon interessant.
Viele Grüße
Johann

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Re: Scale Walker – Siebensaiter Multiscale

#3

Beitrag von Nobi » 29.09.2026, 21:07

Hallo Johann
Bilder vom Bau mache ich selten.
Die Jigs werde ich die Tage zeigen.
Wenn du willst, besuche meine Hompage.

Anbei ein paar jigs die ich eigentlich immer benutze.
Die Kopfplatten-Abnahme geht am schnellsten mit einem Exzenterschleifer, 7 bis 8 Durchgängige und fertig.
Für den Fretboard Radius geht's am schnellsten mit einem Radiussegment mit dem gewünschten Radius.
2 Stück davon, eine 8mm Acrylglasplatte zur Befestigung des Akkufräser und der Länge nach Abnehmen.
Das ist so schnell und exakt das danach nur eine minimale Schleifarbeit notwendig ist.




Norbert Trischler
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Re: Scale Walker – Siebensaiter Multiscale

#4

Beitrag von Nobi » 29.09.2026, 21:38

.... und noch etwas zu dem - Coil Mix Controller
Ich hatte mir mehr davon versprochen.
Er funktioniert, die stufenweise Drosselung der benachbarten Spule ist gut zu hören.
Dennoch bin ich nicht ganz zufrieden.
Zugegeben, ich habe nicht viel experimentiert.
Vielleicht verbessern andere Widerstandswerte das Ergebnis.
Zur Auswahl stehen entsprechend des jeweiligen Tonabnehmers etwas ein Dutzend Kandidaten.

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