{012} [Elektrisch] Simplex

Moderator: jhg

Benutzeravatar
Yiti
Halsbauer
Beiträge: 379
Registriert: 27.04.2010, 18:43
Wohnort: X=9,01411 Y=48,70784
Hat sich bedankt: 34 Mal
Danksagung erhalten: 36 Mal
Kontaktdaten:

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#26

Beitrag von Yiti » 02.05.2020, 22:14

Ausgangspunkt für diese Gitarre waren also die "Brettgitarren" Telecaster und Les Paul Junior. Beide Singlecut. Ohne Schnickschnack, ohne .........
Hallo Markus,
die Korpusform deiner "Simplex" und ihre Entstehung finde ich sehr interessant. Auch deine manuellen Arbeitsmethoden sind mir sehr sympathisch.
Noch eine Frage: Welche Mensurlänge bekommt die Gitarre?

Gruß Jan

Benutzeravatar
Barbarossa
Bodyshaper
Beiträge: 275
Registriert: 02.10.2019, 10:08
Hat sich bedankt: 115 Mal
Danksagung erhalten: 36 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#27

Beitrag von Barbarossa » 02.05.2020, 22:18

cabriolet hat geschrieben:
02.05.2020, 22:02
Gute Frage... (think)

Das ist ganz einfach der Standardgriff, den verschiedene Baumarktsägen haben (diese hier ist vom Bauhaus, gibt´s aber auch baugleich bei Globus/hela). Ich finde den Griff praktisch, wenn man nur mit einer Hand sägt; für beidhändiges Sägen ist wohl dein gerader Griff/Stiel besser.
Und eine Ryoba, die ja auf beiden Seiten Zähne hat, ginge mit diesem gebogenen Griff natürlich nicht. Die hat dann auch im Baumarkt einen geraden Stiel.
Oh okay :) dann muss ich wohl mal im Baumarkt vorbeischauen und das mal ausprobieren.

Danke dir

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#28

Beitrag von cabriolet » 02.05.2020, 22:31

Yiti hat geschrieben:
02.05.2020, 22:14
Noch eine Frage: Welche Mensurlänge bekommt die Gitarre?

Gruß Jan
650mm. Das ist sozusagen meine "Standardmensur". Falls du sie in dein Koordinatensystem packen willst, kann ich dir gerne den Entwurf fotokopieren und zuschicken (Scanner habe ich leider keinen, und ob das mit der Kamera parallaxefrei gelingt, wage ich zu bezweifeln).
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
Yiti
Halsbauer
Beiträge: 379
Registriert: 27.04.2010, 18:43
Wohnort: X=9,01411 Y=48,70784
Hat sich bedankt: 34 Mal
Danksagung erhalten: 36 Mal
Kontaktdaten:

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#29

Beitrag von Yiti » 03.05.2020, 13:52

.... Falls du sie in dein Koordinatensystem packen willst, kann ich dir gerne den Entwurf fotokopieren und zuschicken
(clap3) Ja :!: Natürlich, gerne ;)

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#30

Beitrag von cabriolet » 03.05.2020, 14:46

Ein wenig abweichend vom "Simplex"-Gedanken habe ich dem Bodyblank eine Tonnenwölbung verpasst, die Gitarre wird also kein vollständig flaches Brett.
Obwohl eigentlich auch das ganz simpel war: Einfach nach Augenmaß immer nur in Längsrichtung hobeln, dabei von außen nach innen arbeiten und natürlich außen öfter/mehr wegnehmen. Einen vorgegebenen Radius hatte ich nicht, ich habe gehobelt, bis mir das Ergebnis gefallen hat. Dabei habe ich ganz bewusst die dickeste Stelle unterhalb der Mittellinie gelassen, damit der Korpus später oben dünner ist als unten.

Angefangen hatte ich schon gestern abend, das war der Stand nach etwa einer Stunde:
IMG_2318.JPG
IMG_2319.JPG
Heute vormittag war das dann bei Tageslicht besser zu sehen, der später untere Teil des Korpus ist noch nahezu plan, da ich wegen der Zwingen dort icht hobeln konnte.
IMG_2320.JPG
Dann habe ich umgespannt und den verbliebenen Bereich auch noch gehobelt, eine weitere Stunde später war das dann soweit fertig. Die dickste Stelle misst noch immer etwa 37mm, an der oberen Kante sind´s nur 20mm und an der unteren 27mm.
Verwendet hatte ich für´s Grobe den 4er Kunz, später kam dann der kleine Einhandhobel zum Einsatz.
IMG_2321.JPG
IMG_2322.JPG
Dass die Wölbung tatsächlich nur quer und nicht längs zur Mittellinie liegt, lässt sich mit einer aufgelegten Wasserwaage recht gut zeigen:
IMG_2323.JPG
IMG_2324.JPG
Gewogen habe ich auch nochmal, deutlich über 300 Gramm Mahagoni liegen jetzt also in Form von Hobelspänen neben dem Korpusrohling und unter dem Tisch.
IMG_2326.JPG
IMG_2325.JPG
Jetzt ist also erstmal Aufräumen und Saubermachen angesagt, später dann Hobel schärfen, die fingen gegen Ende der Aktion nämlich an zu rupfen.

Gruß
Markus
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
ugrosche
Zargenbieger
Beiträge: 1007
Registriert: 19.04.2017, 08:08
Hat sich bedankt: 152 Mal
Danksagung erhalten: 212 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#31

Beitrag von ugrosche » 03.05.2020, 14:54

Yippie! (dance a)
Ich finde geshapte Gitarren interessanter als platte. Die Wölbung in nur eine Richtung finde ich konsequent bei der Korpuskontur.
Für die Halstaschenfräsung finde ich es güntiger, die vor dem Shaping der Unterseite zu machen, wegen der Einspannmöglichkeiten. Aber ich bin sicher, das bekommst Du auch mit gewölbtem Boden hin. :D
Mach mit beim GBB Wettbewerb 2020/2021!
Aktuelles Projekt: Graffiti | Abgeschlossene Projekte: Kaizen-Bass | Massari-Archtop

Benutzeravatar
Barbarossa
Bodyshaper
Beiträge: 275
Registriert: 02.10.2019, 10:08
Hat sich bedankt: 115 Mal
Danksagung erhalten: 36 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#32

Beitrag von Barbarossa » 03.05.2020, 14:58

Sehr beruhigend zu sehen, dass sowas auch ohne kompliziertes Anzeichnen oder Hilfsvorrichtungen klappt :)

Sieht sehr gut aus (clap3)

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#33

Beitrag von cabriolet » 03.05.2020, 15:20

ugrosche hat geschrieben:
03.05.2020, 14:54
Für die Halstaschenfräsung finde ich es güntiger, die vor dem Shaping der Unterseite zu machen, wegen der Einspannmöglichkeiten. Aber ich bin sicher, das bekommst Du auch mit gewölbtem Boden hin. :D
Nee, der Boden bleibt flach. Und gefräst wird wahrscheinlich auch nicht, sondern mit Forstnerbohrer und Beiteln gearbeitet. Aber auch bei gewölbtem Boden gäbe es Tricks, z.B. Keilchen mit Heißkleber unterkleben (lässt sich mit Aceton problemlos wieder lösen), damit alles kippelfrei auf der Arbeitsfläche liegt.
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#34

Beitrag von cabriolet » 23.05.2020, 13:44

Jetzt habe ich tatsächlich drei Wochen hier nix mehr geschrieben :shock: . Der Grund: Eigentlich wollte ich ja noch mehr Theorie zur Konstruktion einer Gitarre liefern, bedingt durch Stress auf der Arbeit (immer wieder ins Leere laufende Diskussionen mit neuen Vorgesetzten und auswärtigen "Beratern") war und bin ich aber zur Zeit ziemlich "erklär-faul" und musste mich dann einfach körperlich abreagieren. Deshalb habe ich auch schon deutliche Baufortschritte gemacht, sie hier aber nicht dokumentiert, weil ich ja erst die Theorie liefern wollte... (whistle)

Heute habe ich den Entschluss gefasst, dass die Theorie nun einfach warten muss, und dass ich erst einmal die Dokumentation der Praxis nachhole.
Einmal abgesehen von der gehobelten Tonnenwölbung hatte ich ja nun einen Haufen Holz vor mir liegen, wie man ihn gewöhnlich hat zu einem Baustart. Nämlich einen Bodyblank, einen Halsrohling und einen Griffbrettrohling.

Aus dem Bodyblank habe ich dann sozusagen den Body "befreit". Was ja schon mit der Tonnenwölbung angefangen hatte. Als nächstes habe ich dann einfach den Umriss meines "Pappkameraden" auf den Korpusrohling übertragen. Dazu hatte ich auf dem Rohling die spätere Mittellinie aufgezeichnet, da ich ja hier einen Dreiteiler und deshalb keine Leimfuge in der Mitte zur Orientierung habe. Daran die Pappschablone ausgerichtet und einfach mit einem dunklen Buntstift herumgefahren. Bleistift ist auf dem Mahagoni schlecht zu erkennen, der Buntstift geht deutlich besser.
IMG_2327.JPG
IMG_2328.JPG
Und ja, ich habe das auf der gewölbten Seite gemacht. Das gibt zwar Verzerrungen, die sind aber so gering (im Zehntelmillimeter-Bereich), dass da sogar die Strichbreite größer ist. Fällt also nicht wirklich ins Gewicht.

Hätte ich jetzt eine Bandsäge, wäre das die einfachste Möglichkeit, mit etwas Übermaß den Korpus auszusägen. Stichsäge ginge natürlich auch, wenn man das von der gewölbten Seite aus macht, muss man allerdings berücksichtigen, dass man mehr Abstand von der Linie hält, da das Sägeblatt ja nicht im rechten Winkel läuft und die Zargen dadurch schräg sind. Sowohl für Bandsäge als auch für die Stichsäge setzt man am besten Hilfsbohrungen in engen Radien wie z.B. den Cutaways. Bei meiner Body-Form ist das allerdings nicht nötig.
Ich habe aber wieder einmal zu rein handbetriebenen Werzeugen gegriffen: Mit der Japansäge wird das zwar etwas eckiger, man muss sich einfach nach und nach an die Korpus-Kontur "heranknabbern". An Innenkontouren sind dazu dann Hilfsschnitte nötig, damit man sich dort auch nah an den Umriss heranarbeiten kann.
IMG_2329.JPG
IMG_2330.JPG
IMG_2331.JPG
Ein Grund, warum ich bei solchen Arbeiten sehr ungern die Stichsäge nehme: Die zieht ja beim Sägen das Blatt nach oben, was gerne zu Ausrissen und Absplitterungen führt, die dann hier auf der Sichtseite liegen.
Die Japansäge arbeitet auch auf Zug, zwar feiner als die Stichsäge, aber deshalb hatte ich hier auch ein weggesplittertes Stückchen. Das habe ich aber sofort bemerkt und das Stück deshalb auch wiedergefunden und mit Sekundenkleber wieder eingeklebt. Bei später zu beizenden Flächen wäre da Knochenleim/Gelatine besser geeignet, hier ist´s aber egal.
IMG_2333.JPG
Fertig "ausgeknabbert" sieht das dann so aus:
IMG_2334.JPG
IMG_2335.JPG
Und wieder sind etwa 900g vom Holzstapel weg :lol:

Jetzt kommt der Punkt, wo wohl die Meisten zur Oberfräse greifen möchten. Dazu braucht man aber eine Schablone, und die in der geforderten Genauigkeit herzustellen ist mMn genauso viel Aufwand, wie den Korpus direkt auszuarbeiten. Denn auch eine Schablone muss ja zunächst ausgesägt, dann auf Maß geraspelt/gefeilt und geschliffen werden. Und auch den damit gefrästen Korpus muss ich dann noch feinbearbeiten.
Wenn ich den gleichen Korpusumriss mehrmals fertigen will, macht so eine Schablone schon Sinn, das hier wird aber ein Einzelstück.
Also habe ich ganz einfach zu meinen Iwasakis gegriffen. Zuerst auf Ober- und Unterseite Fasen angebracht, damit mir das Holz dort nicht wegsplittert. Oben kann man da schon recht nah bis an den angezeichneten Umriss herangehen, da ich auf der Unterseite aber nicht angezeichnet habe, lasse ich die Fase da sicherheitshalber erstmal deutlich geringer und muss sie dann eben rechtzeitig vergrößern.
IMG_2337.JPG
IMG_2338.JPG
Mit den Iwasakis habe ich mich dann einfach immer weiter bis an den Korpusumriss herangearbeitet, und dabei immer wieder die Rechtwinkligkeit zur (flachen) Korpusrückseite kontrolliert.
IMG_2339.JPG
Je näher man seinem Ziel kommt, desto schwieriger wird die Sache mit den Sicherheits-Fasen. Zumindest wenn man absolut scharfe Kanten erreichen will. Deshalb mache ich das gegen Ende mit einem kleinen Schleifklotz und nicht mehr mit der Iwasaki. Und was passiert, wenn man die Fase nicht rechtzeitig nacharbeitet, kann man hier gut sehen:
IMG_2340.JPG
Aber auch das habe ich mit einem Tropfen Sekundenkleber wieder behoben.
IMG_2341.JPG
Feinarbeit an den Zargen, auch zum Beseitigen der Iwasaki-Spuren, erfolgt dann später noch mit Ziehklingen und Schleifpapier. Zuerst war aber die Korpus-Oberseite an der Reihe, da waren nämlich noch deutliche Mini-Ausrisse und Rupfer vom Hobeln zu sehen.
IMG_2343.JPG
Auch das erledige ich hauptsächlich mit der Ziehklinge, hier im Bild das einfache Baumarkt-Teil mit 0,8mm Dicke. Wenn ich die Mischung aus Spänchen und Staub so sehe, muss ich mal wieder nachschärfen (whistle) .
IMG_2344.JPG
IMG_2345.JPG
Bevor jemand fragt: Ich schärfe immer nur eine Kante, und auch immer nur zu einer Fläche hin, habe also nur eine Schneide. Das verringert die Verletzungsgefahr deutlich, trotzdem habe ich hier die übrigen Kanten mit Kreppband umklebt, weil das meine erste Ziehklinge war und ich damals zu faul war, alles sorgfältig zu verrunden. Wie das eben so ist, Provisorien leben nun mal am längsten ;) .
Das ist nun der aktuelle Stand und damit bin ich im "Hier und Jetzt" angekommen. Und muss mir jetzt erstmal was zu Essen basteln.

Gruß
Markus
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
Janis
Halsbauer
Beiträge: 336
Registriert: 16.04.2020, 11:05
Hat sich bedankt: 54 Mal
Danksagung erhalten: 103 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#35

Beitrag von Janis » 23.05.2020, 15:09

Guten Appetit ;) Sehr schön, dass du alle mit der Hand machst und danke für die detaillierte Beschreibung!
Viele Grüße,
Jan

Benutzeravatar
Haddock
Luthier
Beiträge: 4965
Registriert: 11.12.2012, 13:15
Wohnort: Schweiz
Hat sich bedankt: 433 Mal
Danksagung erhalten: 312 Mal
Kontaktdaten:

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#36

Beitrag von Haddock » 23.05.2020, 16:46

Hallo Markus,

schöner Bauthread, weiter so!

Gruss
Urs

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#37

Beitrag von cabriolet » 12.06.2020, 21:34

Heute habe ich mir dann mal ein bisschen Zeit freigeschaufelt und ein wenig an der "Simplex" weitergebaut.

Zuerst einmal den Halsrohling auf beiden Seiten von der Lasur befreit und im Bereich der späteren Kopfplatte eben gehobelt. Bevor jetzt die ersten Fragezeichen auftauchen, weil das doch Blödsinn ist: Ich mag keine zurückversetzten Kopfplatten, also wird geschäftet. Aber nicht auf die konventionelle Methode.
IMG_2400.JPG
Dazu gleich mehr. Ich brauche hier jedenfalls eine absolut ebene Fläche, sowohl längs als auch quer: Also erst so genau wie möglich gehobelt und dann mit der Ziehklinge nachgearbeitet. So geht´s noch nicht:
IMG_2401.JPG
Aber so ist´s gut:
IMG_2402.JPG
Das Gleiche dann auch noch auf der Rückseite, auch da brauche ich eine absolut ebene Fläche. "Was zum Teufel macht der Markus denn da für einen Blödsinn???" Ok, da sind sie, die Fragezeichen :lol: .
Ich schäfte nach der Methode für DUMMIES, und das nicht zum ersten mal, anscheinend lerne ich nicht dazu (whistle) :lol: ! Ich weiss nicht mehr wo ich das zuerst gesehen habe, es war jedenfalls jemand, der nicht wusste, wie man es "richtig" macht. Und so ganz dumm ist die Idee eigentlich garnicht...
Hier erstmal die beiden üblichen Varianten, bei beiden ergibt sich ein geänderter Faserrichtungsverlauf, was die Bruchgefahr ein wenig verringert. Beide erfordern jedoch eine der planen Flächen auf einer Schräge, die recht kurz und demensprechend schwierig zu bearbeiten ist.
Die zweite Methode hat dann auch noch (je nach Dicke des Kantels und Winkel der Kopfplatte) eine Leimnaht auf der Kopfplattenvorderseite, so dass dann meistens noch ein Kopfplattenfurnier ´drauf kommt.
IMG_2412.JPG
Und das hier ist die "Dummie"-Schäftung, bzw. eigentlich sind´s auch zwei leicht unterschiedliche Varianten: Hier wird sozusagen ein dicker Halskantel für einen einteiligen Hals simuliert, die Faserrichtung läuft durch. Dadurch bleibt zwar die Bruchgefahr einteiliger Hälse bestehen, aber für mein Empfinden ist die Bearbeitung deutlich einfacher.
IMG_2413.JPG
Die vom Kantel abgesägten Stücke werden hier nicht gedreht, sondern einfach unten wieder angeleimt. Bei dünnen Kanteln (oberes Beispiel) muss man dann je nach Halswinkel noch ein zweites Stück absägen und auch unten anleimen, außerdem bleibt auch hier (mindestens) eine sichtbare Leimnaht auf der Kopfplattenvorderseite. Bei meiner "Couch-Gitarre" ist das so:
IMG_1898.JPG
Hier habe ich aber für die "Simplex" einen Kantel mit 27mm Dicke, bei einem nicht allzu großen Kopfplattenwinkel bekomme ich die Leimnnaht aus der Vorderseite heraus, außerdem reicht mir ein einziger Sägeschnitt (unteres Beispiel). Bei eigentlich zu kurzen Halskanteln lässt sich auch noch zusätzliche Länge schinden, indem man den Keil einfach verschiebt; die Grenze ist erst dort erreicht, wo die Kopfplatte dann zu dünn werden würde, die Leimnaht ist dann aber wieder auf der Kopfplattenvorderseite.

Meine Kopfplatte wird etwa 15cm lang, was bei dem 27mm dicken Kantel theoretisch geradeso für einen 10°-Winkel reichen würde. Da ist aber die Breite des Sägeschnittes noch nicht berücksichtigt, ebenswenig späteres Hobeln oder Schleifen.
Aufgezeichnet habe ich es trotzdem mal, mit etwa einem cm Sicherheitsabstand zur ziemlich zerfetzten Stirnseite. Da müsste der Sägeschnitt schon absolut perfekt werden, damit das so aufgeht, also lieber den Winkel auf etwa 8,5° reduziert:
IMG_2403.JPG
IMG_2404.JPG
Auch hier säge ich wieder von Hand, dazu habe ich erstmal mit der kleinen Säge eine Führung für die "wabbelige" große Säge ohne Rücken gesägt, soweit es die Säge zuließ. Und zwar direkt neben der angezeichneten Linie, um ein wenig Sicherheitsabstand zu haben. Dann auf die große Säge umgestiegen, das sieht zwar so aus, als ob ich völlig daneben liege, aber das kommt einfach durch die Sägeblatt-Dicke zustande.
IMG_2405.JPG
IMG_2406.JPG
So sieht das dann aus, wenn der Keil abgesägt ist:
IMG_2407.JPG
Ein Schraubenloch ist auch noch im Weg (ha, das meinte ich wohl mit "eigentlich zu kurzem Halskantel" ;) ), das kann ich aber wie gesagt durch Verschieben des Keils aus dem Weg schieben.
IMG_2408.JPG
Dann habe ich das Verleim-Szenario mal trocken aufgebaut: An den Enden einfach Stoppklötze auf die Arbeitsplatte gezwungen, damit sich die zu verleimenden Teile nicht gegeneinander verschieben können.
IMG_2409.JPG
Dann gründlich mit Bremsenreiniger entfettet (ich wachse Hobel und Säge ja immer), Leim ´drauf und eine Menge Zwingen gesetzt. So darf das jetzt bis morgen bleiben.
IMG_2410.JPG
IMG_2411.JPG
Als Unterlage habe ich hier allerdings wieder Frischhaltefolie benutzt. Das Paketklebeband, das ich beim Body benutzt habe, war zwar ein guter Tipp, ich hätte es aber nicht auf der Tischplatte vergessen dürfen. Nach einer Woche wollte es nämlich nicht mehr herunter, die Klebeschicht blieb auf dem Tisch und nicht am Klebeband. Da hat nur massiver Bremsenreniger-Einsatz geholfen, den Tisch wieder sauber zu bekommen.

Gruß
Markus
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#38

Beitrag von cabriolet » 13.06.2020, 20:15

Und noch ein wenig weiter:

Die Kopfplatten-Vorderseite hatte ja noch die Spuren von der gestrigen Sägeaktion. Die beseitige ich mit dem Hobel, dabei arbeite ich mich bis zur markierten Position vor, an der die Kopfplatte abknickt.
IMG_2433.JPG
IMG_2434.JPG
Dann die spätere Mittellinie aufgezeichnet, daran die Papp-Schablonen ausgerichtet und die Umrisse von Kopfplatte und Hals aufgetragen.
IMG_2435.JPG
Und wieder kommt die Japan-Säge zum Einsatz. Bei dem schwül-heißen Wetter heute wäre eine Bandsäge wohl eher Mittel der Wahl, ich habe aber nunmal keine ;) . Also ist Schwitzen und viiiiel Trinken angesagt.
IMG_2436.JPG
Und, nach etwa einer halben Stunde: Geschafft!
So sieht der mit ordentlich Sicherheitsabstand ausgesägte Hals jetzt aus:
IMG_2438.JPG
Und, was ich ja gerne mal mache: Der Zwischenstand, was das Gewicht angeht. Alle Holzteile auf die Waage geworfen, wieder ist über ein halbes Kilo Holz weg. Spätestens jetzt rückt die 3kg-Marke für die fertige Gitarre in greifbare Nähe (dance a) .
IMG_2439.JPG

Gruß
Markus
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#39

Beitrag von cabriolet » 15.09.2020, 11:11

:shock: Drei Monate später passiert dann hier auch mal wieder ´was...

Nachdem ich die "Couch-Gitarre" mit Ausnahme der Elektrik ja jetzt fertig habe und sie somit erstmal aus dem Weg ist, kann ich hier auch mal weitermachen, ohne immer irgendwas von hier nach da und wieder zurück räumen zu müssen.

Der Hals hatte ja schon grob seine Form bekommen, was noch fehlt, ist die Nut für den Spannstab.
Auch wenn zum "Simplex"-Thema wohl die simpelste Spannstab-Form, ein einfacher und einfach wirkender Kompressionsstab am besten gepasst hätte, habe ich mich hier wieder einmal für einen in beide Richtungen wirkenden Doppelstab entschieden. Auch wenn ich bisher noch keinen Hals mit Backbow mittels Halsstab nach vorne korrigieren musste: Sicher ist sicher.

Dafür ist dann aber die 6mm breite und 9mm tiefe gerade Nut einfacher herzustellen als die für den Einfachstab nötige gewölbte (also doch wieder "Simplex"-Prinzip :lol: ). Zumindest wenn man die Nut fräsen oder auf der Kreissäge sägen möchte. Vor der Kreissägen-Methode möchte ich hier allerdings warnen, da das ja nur ohne jegliche Sicherheitsvorrichtungen an der Säge funktioniert und der Hals damit zum gefährlichen Geschoss werden kann! Wer das unbedingt mit der Kreissäge machen will, sollte dann unbedingt mit Schiebestöcken arbeiten und seitlich neben der Säge stehen!
Sowohl zur Sägen- als auch zur Fräs-Methode wäre natürlich mindestens noch eine parallele Seite am Hals-Kantel erforderlich, oder man müsste sich eine entsprechende Einspann-Vorrichtung bauen.
Mein Hals hat aber schon grob seinen Umriss erhalten, parallele Kanten gibt´s hier nicht. Und, das kennt ihr ja schon von mir, den Lärm und Dreck, den Fräse oder Kreissäge erzeugen, mag ich nicht (beides hätte ich aber). Also wieder mal alles von Hand ;) .

Dazu kommt mir sehr gelegen, dass ich einen Beitel in 6mm Breite habe und der Kanal für den gewählten Stab 6mm breit sein muss.

Also zuerst mal den Stab auf den Hals aufgelegt, um seine Position zu bestimmen. Da so ein Hals ja Richtung Halsfuß immer breiter und auch ein wenig dicker wird, ist er dort auch stabiler. Das heißt (wenn nicht irgendwo Defekte vorliegen), dass die Halskrümmung unter Saitenzug in Richtung Kopfplatte immer stärker wird, dadurch macht es Sinn, den Stab so weit wie möglich in Richtung Kopfplatte zu schieben. "So weit wie möglich" heißt in diesem Fall: Mit dem Einstell-Sechskant bis an den Sattel. Weil ich bei dieser Gitarre kein Trussrod-Cover möchte und der Kanal somit offen bleibt, und ich es nicht mag, wenn dann die Einstellschraube auf den ersten Blick sichtbar ist oder gar herausschaut.
IMG_2576.jpg
Das Halsfuß-seitige Ende habe ich dann markiert, zuerst mit einem Buntstiftstrich, dann mit einer kleinen Kerbe mit dem 6mm-Beitel.
IMG_2577.JPG
IMG_2578.JPG
Kopfplattenseitig habe ich auch eine solche Kerbe im Bereich des Sattels gesetzt, was mir das Markieren der Nutbreite vereinfacht, da ich dann nicht genau messen und mit Stift anzeichnen muss, sondern einfach ein Stahllineal an den Seiten der Kerben anlegen kann und mit einem Cuttermesser anritze.
IMG_2579.JPG
IMG_2580.JPG
Ritzen muss ich sowieso, damit beim Beiteln nicht alles wegsplittert. Da das bei dem verwendeten Mahagoni mit wenig Kraftaufwand geht, habe ich direkt bis auf geschätzt einen Millimeter Tiefe geritzt und dann bis auf ungefähr diese Tiefe ausgebeitelt:
IMG_2581.JPG
Weiter mit dem Cuttermesser auf Tiefe ritzen ist dann aber nicht mehr so einfach und gäbe eine recht wackelige Linie, deshalb bin ich dann auf meinen breitesten Beitel umgestiegen, um saubere Kanal-Ränder zu erhalten. Den Holzhammer im Hintergrund habe ich dazu übrigens nicht gebraucht.
IMG_2582.JPG
Was passieren kann, wenn man dann aber doch mal tiefer ausbeitelt als man die Ränder auf Tiefe sticht, sieht man dann leider hier:
IMG_2583.JPG
Das ausgesplitterte Stück habe ich dann aber einfach mit Sekundenkleber wieder in Position gebracht und versäubert.
Als ich so auf etwa 3mm Tiefe war, bin ich dann wieder zurück zum Cuttermesser für die Kanalränder gewechselt, es ist ja jetzt einigermaßen sauber an den schon bestehenden Rändern geführt.

So grob abschätzen kann man die Kanal-Tiefe ja, irgendwann ist dann aber immer wieder messen, messen und nochmal messen angesagt. Und dabei natürlich auf eine gleichmäßige Nuttiefe zu achten.
So sieht das dann fertig aus, der Stab passt aber trotzdem dort noch nicht hinein, da die Einstellschraube breiter als 6mm ist und der Kanal in dem Bereich dann entsprechend breiter und tiefer sein muss:
IMG_2586.JPG
Anscheinend hat Rockinger seine Stäbe aber gegenüber früheren Versionen ein wenig modifiziert, hatte die Schraube bisher ca. 8mm Durchmesser, so sind es beim hier verwendeten Stab nur noch knappn 7mm. Und da man mit dem Beitel ja doch immer ein wenig kippelt und auch nicht auf´s Zehntel genau anritzt oder vorsticht, hat der Stab schon fast in den Kanal hineingepasst. Man sieht´s auf dem Bild nicht einmal, mit ein paar dünnen Spänen, die ich im Bereich der Schraube noch in Breite und Tiefe weggenommen habe, geht der Spannstab nun sauber hinein:
IMG_2587.JPG
IMG_2588.JPG
Sicherheitshalber habe ich auch die Halsoberseite nochmal auf Planheit überprüft. Wenn ich dort nacharbeiten müsste, muss ja auch die Nuttiefe nachgearbeitet werden. Ist aber alles noch so wie es sein soll, absolut eben. Trotzdem werde ich das später, direkt vor dem Verleimen des Griffbretts, nochmal checken.

Gruß
Markus
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Benutzeravatar
cabriolet
Ober-Fräser
Beiträge: 761
Registriert: 12.09.2018, 09:50
Wohnort: Wetzlar
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 245 Mal

Re: {012} [Elektrisch] Simplex

#40

Beitrag von cabriolet » 15.09.2020, 15:05

Um das Griffbrett habe ich mich dann auch noch gekümmert:

Zuerst musste da noch die Baumkante weg, das ging mit wenigen Hobelzügen. Das lange Lineal zeigt mir dann auch, dass die Kante absolut gerade ist.
IMG_2589.JPG
Dann mit Hilfe der Pappschablone die zweite Kante angezeichnet, am Sattel sind 44mm und am 22.Bund 58mm geplant. Grob abgesägt, mit ein wenig Abstand zur aufgezeichneten Linie
IMG_2590.JPG
IMG_2591.JPG
und mich dann wieder mit dem Hobel bis an die angezeichnete Linie herangearbeitet. Auch diese Kante war dann recht schnell absolut gerade, dabei habe ich natürlich die geplanten Breiten immer wieder kontrolliert. Bild dazu hab ich vergesen, aber das Griffbrett war dazu genauso seitlich an den alten Unterstellbock gezwungen wie bei der ersten Kante.
IMG_2592.JPG
Auf Dicke war das Griffbrett ja auch noch nicht, also zunächst die Unterseite absolut plan gehobelt und geziehklingelt, danach von der Oberseite auf Dicke gebracht.
IMG_2593.JPG
Die Dicke kontrolliere ich grob während des Hobelns mit dem Geodreieck.
IMG_2595.JPG
Da kommt es garnicht auf die allerletzten Zehntel an, völlig wurscht, ob das Griffbrett später 5,8 oder sechskommairgendwas mm Dicke hat. Nachmessen hat später im Bereich des ersten Bundes ziemlich genau 6mm ergeben, in der Gegend um den 22 Bund fast 7mm.
IMG_2594.JPG
Das ist mir aber so genau genug, Hauptsache die Oberseite ist zunächst einmal einigermaßen plan.
IMG_2596.JPG
Optisch kann der leichte Keil später sogar von Vorteil sein, da kommt ja noch der Griffbrettradius ´drauf und da das Griffbrett ja am korpusseitige Ende breiter ist, fällt durch den Radius an den Kanten auch mehr Höhe weg. Damit ergibt sich dann mit Radius später eine an den Außenkanten gleichmäßigere Griffbretthöhe.

Das bleibt also so.

Gruß
Markus
Bauprojekte: Die "Couch-Gitarre"
und natürlich die aktuellen Wettbewerbsgitarren: Noch so´n hohles Ding: Die kleine Schwester
und Simplex

Die Wettbewerbsgitarre 2018/2019:
Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie

Antworten

Zurück zu „Kategorie: Elektrische Saiteninstrumente“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste