Kreissägeblätter

Rund um Maschinenwerkzeuge,
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Moderator: jhg

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raumneun
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Kreissägeblätter

#1

Beitrag von raumneun » 22.01.2021, 16:09

Liebe Leute,

ich werde mir demnächst eine Tischkreissäge anschaffen anlässlich eines Küchenneubaus mit selbst gebauten Fronten (ja, das spart keinen Cent :) ) Nicht, dass die Wahl der Maschine schon schwer genug ist, stehe ich gerade vor der Frage welche Sägeblätter ich "brauche".
An meiner Handkreissäge habe ich ein Universalblatt, was fürs Grobe seine Dienste tut, aber schon deutliche Spuren hinterlässt, für das, was ich mit ihr tue, ist das aber auch egal. Das ändert sich nun :)

Jetzt die Frage: wie macht ihr das? Habt ihr einfach ein gutes Universalblatt? Wechselt ihr für Längs- und Querschnitt? Habt ihr ein ganz feines für Leimflächen um nicht so viel hobeln zu müssen?
Welche Hersteller/Blätter nehmt ihr wofür?

Mir ist klar, dass das ein weites Feld ist, mir geht es ausdrücklich um persönliche Erfahrungen (am besten mit Angabe der Maschine und was ihr typischerweise sägt), um ein Gefühl dafür zu kriegen, was für meine Anwendung am besten passt, und das ist nicht nur Gitarren- sondern auch viel Möbelbau aus verschiedenen Werkstoffen.

Ich danke euch schon mal.

Max

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Re: Kreissägeblätter

#2

Beitrag von Yaman » 22.01.2021, 16:20

Welche Tischkreissäge wird es denn?
Ich habe eine Festo-Tischkreissäge und verwende bisher nur Universalsägeblätter von Festo sowohl für Plattenwerkstoffe als auch Massivholz, unabhängig von der Sägerichtung.
Festo stellt die Sägeblätter selbst nicht her, es ist ein deutscher Hersteller aber ich weiss den Namen nicht mehr.

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Re: Kreissägeblätter

#3

Beitrag von VanTast » 22.01.2021, 16:20

Moin, auf meiner Ulmia KS2 läuft ein HM-bestücktes Anti-Rückschlag-Blatt von Klein (kommt aus Italien). Kostet ca. 50€ und ist für alle Schnitte geeignet. Noch bessere Ergebnisse erzielt man sicher mit speziell für den jeweiligen Schnitt konzipierten Blättern, aber als Universalblatt finde ich das ziemlich gut. Ich säge damit MDF, OSB, Multiplex, Weich- und Hartholz massiv. Noch nie Stress gehabt. Neulich mal ne Schraube im Holz erwischt, hat das Blatt so weggeatmet.
Ich muss aber zugeben, dass ich kaum andere Universal-Blätter kenne, weil ich mit diesem so zufrieden bin, dass ich nichts anderes brauche.

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Re: Kreissägeblätter

#4

Beitrag von raumneun » 23.01.2021, 08:09

Danke euch für die Antworten, also schon 2x universal gehobener Qualität. Ich hatte die Blätter von Klein noch nicht auf dem Schirm, welches ist es denn genau? Ich liebäugelte mit dem
Falkenwald Multi Material 216x30. Mal sehen, ob ich belastbare Reviews finde.

Aus Budget Gründen wird es vrstl. eine Bosch GTS 635-216, mehr geht gerade finanziell leider nicht und ich denke sie wird meine Zwecke voll erfüllen.
Ich habe erst über eine gebrauchte Ulmia 1610 nachgedacht, die bekommt man ja öfter auch für etwa 300-400€, aber ich will die Maschine in einen größeren Werktisch einbauen, da brauch ich was wo man das Sägeblatt in seiner Neigung und Höhe verstellt, nicht den Tisch. Wenn jemand da noch den entscheidenden Tipp hat, ich bin ganz Ohr, noch ist nichts gekauft :)

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Re: Kreissägeblätter

#5

Beitrag von Diego Dee » 23.01.2021, 09:43

Du kennst bestimmt die ganzen YouTube Videos zu der von dir angedachten Bosch GTS 635-216 ?

Das ist für den Heimwerker mit Sicherheit ne gute Wahl 👍

Wenn du wirklich saubere Schnitte in Plattenwerkstoffe haben willst dann ist auch ein Universalblatt nicht optimal.
Ich habe einige Schreiner und DIYer im Netz gesehen (u.a. Heiko Rech und Jonas Winkler) die alle sagen, daß man für Längsschnitte
ein grob verzahntes und für Feinschnitte ein Feinverzahntes Sägeblatt nehmen soll auch wenn der Wechsel der Blätter lästig ist.

Qualitativ gut und nicht zu teure Sägeblätter findest du z.B. im Sautershop: https://www.sautershop.de/kreissaegebla ... gLoxvD_BwE

Für meine Festool Handkreissäge habe ich mir die blauen von Bosch geholt. Einfach mal bei A.... oder gotools nachschauen.
Die blauen kosten manchmal weniger als die Hälfte wie die Festoolblätter und sind meiner Meinung nach Qualitativ den originalen ebenbürtig.

Das mit den von dir angesprochenen Leimflächen ist so eine Sache:

Probiere das erst einmal an verschiedenen Platten aus.
Es muss nicht aber es kann sein, je nach Dicke, Beschaffenheit der Platten daß du trotzdem Nachhobeln oder schleifen musst.

Es ist eine Tatsache, daß sich ein Kreissägeblatt beim Sägen minimal verwinden kann, das erkennt man daran daß die Sägefläche trotz (neuem) Feinblatt gelegentlich leichte Riefen aufweist.
Ich hatte das letztens bei 48mm dicken Eichenbohlen, es war zwar nicht schlimm aber ist halt auch nicht perfekt geworden.
Hier ist meiner Meinung nach die Grenze vom DIY erreicht (gut die Bohlen waren ziemlich dick und es war altes Eichenholz).
Auf einer echten Schreinermaschine mit einem dicken Blatt wäre das bestimmt perfekt geworden.

Ich will dich nicht verunsichern aber rechne einfach damit daß du evtl. die Leimflächen nochmal abziehen musst.
Wenns nicht so ist, um so besser.
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Re: Kreissägeblätter

#6

Beitrag von raumneun » 23.01.2021, 10:59

@Diego Dee : Danke für die Tipps! Ja, ich habe schon viele YouTube Videos zur 635-216 gesehen und auch schon gemerkt, dass diese Maschine etwas polarisiert :) Für meine Zwecke denke ich aber, ist sie wie du sagst völlig genügend und hoffentlich auch zufriedenstellend.
Dass ein Universalblatt nicht für alles perfekt sein kann (wie Enten können sie fliegen, schwimmen und tauchen, aber nichts davon richtig gut), ist mir auch bewusst, die Anschaffungskosten für erstmal ein "gutes" Universalblatt im Vergleich zu 2-3 guten Längs-/Quer-/Fein-/Alu Blättern sind aber gerade der Hauptgrund für die Entscheidung. Typischerweise wächst ja das Equipment mit der Zeit - dann ist auch wieder mehr Geld da, das fließt halt gerade alles in die Küche.
Die von dir genannten Shops werde ich mal weiter durchstöbern, danke!

Zu der Sache mit den Leimflächen: ich bin ehrlich gesagt davon ausgegangen, dass ich niemals eine verleimfertige Fläche auf einer Maschine in der Hobbyklasse schaffen werde, zumindest nur eine die vielleicht mechanisch hält, aber nicht schön ist. Bisher mache ich das ja auch mit der Handkreissäge und dann mit meinen Handhobeln oder (wenn es schnell gehen soll und das Material nicht zu dick ist) auf der CNC Fräse. Vielleicht bin ich da ja auch zu pessimistisch ;)

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Re: Kreissägeblätter

#7

Beitrag von Diego Dee » 04.04.2021, 12:21

Lets Bastel sagt immer: "einfach mal machen"
So blöd wie sich das anhört: da ist was dran weil unmittelbar darauf das "learning by doing" einsetzt.
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Re: Kreissägeblätter

#8

Beitrag von 12stringbassman » 04.04.2021, 18:25

Ich habe mir vor einiger Zeit ein AKE SuperSilent gegönnt.
Das hat zwar samt extradünnem Spaltkeil in Euro mehr gekostet als die ganze Kreissäge damals in D-Mark :shock: , macht mich aber glücklicher als ein Set mit zwei oder gar drei verschiedenen Blättern, deren ständiger Wechsel irgendwann doch zu lästig wird und schlussendlich nicht immer gemacht wird, wenn's pressiert. 8)
Die Schnittbreite beträgt wirklich nur 2,5mm, ich schneide damit Massivholz längs und quer bis 80mm sowie Sperr- und sonstiges Plattenholz. Die Maschine ist so leise, dass ich auch am Sonntag arbeiten kann ohne dass meine Mieter im Haus rebellisch werden. Und die Schnittgüte ist gut genug für untergeordnete Leimfugen. Für Verleimungen in Instrumentenbauer-Qualität muss ich allerdings nochmal mit dem Hobel drüber. Das liegt aber wahrscheinlich eher an der Maschine als am Blatt. Und nachschärfen muss ich das Blatt wohl im Rest meines Lebens auch nicht mehr.

Grüße
vom Hiasl
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Re: Kreissägeblätter

#9

Beitrag von hatta » 04.04.2021, 18:36

12stringbassman hat geschrieben:
04.04.2021, 18:25
Ich habe mir vor einiger Zeit ein AKE SuperSilent gegönnt.
Das hat zwar samt extradünnem Spaltkeil in Euro mehr gekostet als die ganze Kreissäge damals in D-Mark :shock: , macht mich aber glücklicher als ein Set mit zwei oder gar drei verschiedenen Blättern, deren ständiger Wechsel irgendwann doch zu lästig wird und schlussendlich nicht immer gemacht wird, wenn's pressiert. 8)
Die Schnittbreite beträgt wirklich nur 2,5mm, ich schneide damit Massivholz längs und quer bis 80mm sowie Sperr- und sonstiges Plattenholz. Die Maschine ist so leise, dass ich auch am Sonntag arbeiten kann ohne dass meine Mieter im Haus rebellisch werden. Und die Schnittgüte ist gut genug für untergeordnete Leimfugen. Für Verleimungen in Instrumentenbauer-Qualität muss ich allerdings nochmal mit dem Hobel drüber. Das liegt aber wahrscheinlich eher an der Maschine als am Blatt. Und nachschärfen muss ich das Blatt wohl im Rest meines Lebens auch nicht mehr.

Grüße
vom Hiasl
Das Video dazu überzeugt!
Sollte ich jemals eine Tischreissägekaufen, dann gibts sofort dieses Blatt dazu !
Gruß
Harald

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Re: Kreissägeblätter

#10

Beitrag von Docwaggon » 04.04.2021, 21:29

leider ist der kleinste Durchmesser 300mm .. für die typischen Heimwerker-Maschinen dürfte es nicht passen (würde den Preis aber auch mal eben verdoppeln)

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Re: Kreissägeblätter

#11

Beitrag von Kellermann » 05.04.2021, 01:11

Das A und O ist die Lagerung des Sägeblattes und die Tendenz, dass die dünneren Blätter eher anfangen wie schon beschrieben sich zu verwinden und zu schwingen. Ein super Sägeblatt kann nicht viel bewirken in einer schlechten Lagerung. Ein Quantensprung waren schon Festo-Maschinen für den DIYler. Ein Sägeblatt für 300-400 Euro :shock: bei Schnittbreiten unter 3mm, würde ich gerne mal testen in meiner Holzmann-200 (um die 600 Euro), ob da noch Riefen sind. Aber muss dann halt erhältlich sein für 200/210mm Durchmesser. Was ist das für Material, Titan / Diamant?

Grüße
Kellermann

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Re: Kreissägeblätter

#12

Beitrag von Rallinger » 05.04.2021, 08:38

Ich hab mir für meine Bosch PTS10 (die ich explizit nicht empfehlen kann) vor einigen Wochen zwei neue Sägeblätter geholt. Marke Bayerwald, Qualität sehr gut, Preis-Leistung: meines Erachtens optimal.

Seitdem wechsle ich konsequent das Blatt je nach Sägerichtung. Wenn man seine Schnitte ein klein wenig plant ist das ja kein Aufwand.

Gegenüber dem Universal-Sägeblatt das ich vorher verwendete ist dieser Invest eine echte Offenbarung, vor allem was Längsschnitte angeht. Ich hab damit über ein paar Dutzend Schnittmeter Thermoesche-Terrassenbohlen zu kleinen Leisten geschnitten. Das Teil geht durch Esche wie durch Butter. Das Sägeblatt schnitt dabei nicht Sägemehl oder kleine Holzschnipsel, sondern richtig lange Späne (was auch an dem Flachzahn-Profil liegen dürfte). Echt crazy, als ob man mit einem 3mm-Hobel gearbeitet hätte.

Die Schnitte haben überwiegend Verleimqualität. Es sei denn das Sägeblatt hatte sich aufgeschwungen - die Beobachtung, dass die Lagerung des Motors starken Einfluss auf die Schnittgüte hat habe ich auch gemacht.

Diese beiden habe ich, und kann ich voll empfehlen:
Längsschnitt: https://saegeblatt-koenig.de/kreissaege ... -18-zaehne
Querschnitt: https://saegeblatt-koenig.de/kreissaege ... -40-zaehne

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Re: Kreissägeblätter

#13

Beitrag von raumneun » 09.04.2021, 19:40

Hallo zusammen,
wow, die SuperSilent klingen natürlich prima, leider halt auch SuperExpensive :D
Nach einem Fehlkauf (Sägeblatt passt zwar, aber nicht zu meinem Spaltkeil: https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic ... 88#p177988) muss ich nochmal in die Beschaffung... Die Bayerwald schaue ich mir mal an, danke für die Links!
Frohes Sägen,
Max

PS: es ist jetzt doch eine Ulmia 1610 geworden, hab eine für 50€ in schlechtem Zustand (v.a. optisch, aber einen großen Defekt, bei dem mir unser Werkstattmeister geholfen hat) bekommen, die ich gerade wieder herrichte. Macht schon spaß und die Vorfreude auf den ersten Schnitt wächst :)

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Re: Kreissägeblätter

#14

Beitrag von raumneun » 10.04.2021, 06:35

Hallo zusammen,

für die Ulmia 1610 muss ich mir einen neuen Spaltkeil machen (lassen = lasern aus Federbandstahl), damit ich auch 250er Blätter spannen kann. Das Design ist auch fertig und ich würde es bald bestellen. Jetzt hat der Fertiger allerdings nur Standardmaße in 0.5er Schritten. Was ich so gesehen habe, sind viele Freud 2.8/2.2, Bayerwald 3.2/2.2 und andere Hersteller sind sicher nochmal etwas anders. Nun hat man ja nicht für jedes Blatt den optimalen Schneidkeil zwischen Stammblattstärke und Schnittbreite. Wäre bei den o.g. Blättern ein 2.5er Keil noch in Ordnung? Oder für die Bayerwald-Blätter schon zu dünn? Wie nah kann man denn rann, ohne dass es gefährlich wird? Ich finde die Informationslage etwas unübersichtlich, weil ich immer nur die Mittelwert Regel lese, aber die ist in der Praxis ja kaum umzusetzen...
Wir macht ihr das?
Viele Grüße
Max

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Re: Kreissägeblätter

#15

Beitrag von Rallinger » 10.04.2021, 07:44

raumneun hat geschrieben:
10.04.2021, 06:35
Was ich so gesehen habe, sind viele Freud 2.8/2.2, Bayerwald 3.2/2.2 und andere Hersteller sind sicher nochmal etwas anders. Nun hat man ja nicht für jedes Blatt den optimalen Schneidkeil zwischen Stammblattstärke und Schnittbreite. Wäre bei den o.g. Blättern ein 2.5er Keil noch in Ordnung? Oder für die Bayerwald-Blätter schon zu dünn? Wie nah kann man denn rann, ohne dass es gefährlich wird?
Interessante Frage, da hoffe ich auf Input von Leuten die wirklich wissen wovon sie reden.

Aber mal meine Einschätzung vorab (nachdem ja noch nicht so viele Kollegen wach sind ;-)): es kommt in dem Fall stark darauf an wie der Spaltkeil im Verhältnis zum Sägeblatt montiert ist. Wäre der Keil in Flucht zur linken Seite des Schnittes, hättest du auf der dem Parallelanschlag zugewandten Seite einen Spalt von 0,7mm. Da würde ich mich jetzt nicht mehr wohlfühlen.

Ist der Keil aber zentriert, dann hättest du auf der Parallelanschlag-Seite (und meinem Verständnis nach ist vor allem die für Kickbacks relevant) nur ein "Loch" von 0,35mm. Und das ist m.E. kein Fehler, denn Kickbacks entstehen ja auch, weil das abgeschnittene Holzstück zwischen Parallelanschlag und Sägeblatt/Spaltkeil verklemmt. D.h. ein wenig Luft sorgt dafür, dass das Dingens gerade raus kann.

Das ist jetzt aber kein Fachwissen, sondern nur das was ich mir der Logik halber selbst erschlossen habe. Von daher: ohne Gewähr. Wie's wirklich ist, würde mich selbst brennend interessieren. 8)

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Re: Kreissägeblätter

#16

Beitrag von raumneun » 10.04.2021, 08:37

Hallo Ralf,
danke schon mal für deine Einschätzung! Erstmal vorweg: die Freud, die ich oben meinte, sind natürlich 2.8/1.8 nicht 2.2, da habe ich mich wohl vertippt.

Zum Spaltkeil: mein Verständnis war, dass der zwei Zwecke erfüllt:
1. bei Spannungen im Holz soll er verhindern, dass der eventuell zusammenlaufende Schnitt im Bereich der aufsteigenden Zähne hinten sich im Blatt fängt und das Werkstück Richtung Nase fördert.
2. dass sich der Abschnitt nicht vom Parallelanschlag (durch etwa falsches Schieben) in Richtung Sägeblatt bewegt. Hierfür sollte ja m.W. auch der Parallelanschlag lieber 1/10 mm nach hinten aufgehen, um hier für mehr Luft zu sorgen.
Mir macht also weniger der "große" Abstand von 0.35 mm beidseitig zwischen Keil und Schnittkante Sorgen, sondern der "kleine" von 0.15 mm zwischen Keil und Stammblatt. Mittig sollte er denke ich in jedem Fall sitzen, man weiß ja vorher nicht, in welche Richtung das ganze geht.

Wenn hier jetzt die Spannungen groß sind, wären das auch die Kräfte auf den Keil quer zur Sägerichtung, was aus 0.15 mm vielleicht auch mal 0 machen könnte. Theoretisch könnte ich das rechnen, ich hab nur keine Vorstellung, wie groß die Kräfte tatsächlich sein können ;)

Viele Grüße
Max

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Re: Kreissägeblätter

#17

Beitrag von Bermann » 10.04.2021, 09:04

Max
Das Freud Blatt ist wohl für Akku Sägen / Handkreissägen entwickelt, da geift man auf ein sehr dünnes Stammblatt / sehr schmalen Schnitt zurück um die Akku-Laufzeit zu verlängern. Für eine 250er Tischsäge ist das Bayerwald gedacht.
Vorteil : Stabilerer Schnitt.
Nachteil: Mehr Schnittverlust

Gruß Hermann

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Re: Kreissägeblätter

#18

Beitrag von Rallinger » 10.04.2021, 09:25

raumneun hat geschrieben:
10.04.2021, 08:37
1. bei Spannungen im Holz soll er verhindern, dass der eventuell zusammenlaufende Schnitt im Bereich der aufsteigenden Zähne hinten sich im Blatt fängt und das Werkstück Richtung Nase fördert.
Absolut. Aber wie oft kommt das in der Praxis vor? Wir reden hier ja nicht vom Brennholzschneiden in schiffnassem Holz, sondern von Präzisionsschnitten in instrumententauglich getrockneten Hölzern. Dass sich da Spannungen aufbauen kann natürlich trotzdem passieren. Aber gleich so dass es wegen 0,35mm einen Kickback gibt? Vielleicht bin ich zu sorglos, aber das würde mich jetzt nicht umtreiben.
raumneun hat geschrieben:
10.04.2021, 08:37
2. dass sich der Abschnitt nicht vom Parallelanschlag (durch etwa falsches Schieben) in Richtung Sägeblatt bewegt. Hierfür sollte ja m.W. auch der Parallelanschlag lieber 1/10 mm nach hinten aufgehen, um hier für mehr Luft zu sorgen.
Naja, der Idealfall wäre sicher wenn der Spaltkeil bündig zur rechten Schnittkante wäre und der Parallelanschlag nicht ganz parallel ist, sondern etwas nach außen läuft. Aber dann bräuchtest du Sägeblätter mit identischen Schnittbreiten, unterschiedliche Spaltkeile, oder eventuell einen justierbaren Spaltkeil.

"Alle Blätter gleich" sehe ich da als einzig praktikable Lösung. Dann könntest du deinen Spaltkeil einmalig so shimmen, dass er in Flucht zur rechten Sägekante verläuft. Aber ich glaub nach wie vor, dass ein bisschen Luft da eher nicht schadet.

Wie hoch die Kräfte sind, die beim Kickback entstehen, weiß ich auch nicht. Aber ich hab schon Holzteile ziemlich weit fliegen sehen. :shock: Geh mal lieber davon aus, dass die Kräfte sehr, sehr groß sind ...

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Re: Kreissägeblätter

#19

Beitrag von raumneun » 10.04.2021, 17:11

Bermann hat geschrieben:
10.04.2021, 09:04
Das Freud Blatt ist wohl für Akku Sägen / Handkreissägen entwickelt, da geift man auf ein sehr dünnes Stammblatt / sehr schmalen Schnitt zurück um die Akku-Laufzeit zu verlängern. Für eine 250er Tischsäge ist das Bayerwald gedacht.
Vorteil : Stabilerer Schnitt.
Nachteil: Mehr Schnittverlust
Hallo Hermann. Danke für den Hinweis - für meine HKS achte ich auch genau darauf. Allerdings sind die tatsächlich explizit für die TKS, siehe das Sortiment hier mit D250: https://www.sautershop.com/circular-saw ... able-saws/
Mir ging es ja nur darum, ob ich mit einem 2.5 mm Spaltkeil glücklich werde, weil ich dann sowohl die eine, als auch den einen als auch den anderen Sägeblatttyp verwenden kann. Bei Freud (und andere, wie Bosch, Falkenwald, ...) wäre der optimale Spaltkeil bei (1.8+2.8)/2 = 2.3 mm, bei Bayerwald sind es (3.2+2.2)/2 = 2.7 mm. Jetzt könnte ich natürlich sagen 2.5 davon genau die Mitte, könnte aber auch heißen, der geht bei beiden nicht :D
Rallinger hat geschrieben:
10.04.2021, 09:25
Absolut. Aber wie oft kommt das in der Praxis vor? Wir reden hier ja nicht vom Brennholzschneiden in schiffnassem Holz, sondern von Präzisionsschnitten in instrumententauglich getrockneten Hölzern. Dass sich da Spannungen aufbauen kann natürlich trotzdem passieren. Aber gleich so dass es wegen 0,35mm einen Kickback gibt? Vielleicht bin ich zu sorglos, aber das würde mich jetzt nicht umtreiben.
Und genau da bin ich mir einfach nicht sicher. Trocken heißt ja nicht spannungsfrei, oder doch? Ich verarbeite auch öfter Metalle - die haben unter Umständen auch ordentlich Eigenspannungen (wenn nicht spannungsarm geglüht), die sich halt nach außen kompensieren aber beim Aufschneiden zu Verzug führen. Warum sollte das bei Holz anders sein?

Und zu den 0.35 mm: ich denke wir haben ein unterschiedliches Bild vom Problem des Kickbacks. Von meinem Verständnis her ist nicht die Schnittfuge maßgebend, sondern die Stammblattstärke. Wenn der Schnitt hinten zu geht ist es ja zunächst kein gravierendes Problem, die aufsteigenden Zähne schneiden das halbe Zehntel sicher einfach mit, ohne das Werkstück zu arg nach oben zu drücken. Problematisch wird es, wenn das Holz soweit zugeht, dass es das Sägeblatt klemmt, dann geht es nämlich rucki-zucki mit dem Abflug - Videos haben sicher ja schon alle gesehen :)
Wenn der Spaltkeil nun fast so groß ist wie die Schnittfuge, dann wird es doch höchstens lästig, weil es etwas mehr hakt, als es müsste. Oder?
Rallinger hat geschrieben:
10.04.2021, 09:25
Wie hoch die Kräfte sind, die beim Kickback entstehen, weiß ich auch nicht. Aber ich hab schon Holzteile ziemlich weit fliegen sehen. :shock: Geh mal lieber davon aus, dass die Kräfte sehr, sehr groß sind ...
Davon gehe ich aus :) Ich hab nur mal einen Gitarrenhals von einer Schwabbel beschleunigt durch die Werkstatt in den nächsten Spänesack fliegen sehen (ging rein wie ein Geschoss....), ich denke eine TKS schafft das auch. Aber dafür muss das Holz eben Kontakt zum Stammblatt aufbauen, was der Spaltkeil ja verhindern soll. Prinzipiell muss er ja nur etwas dicker sein als die Stammblattstärke und dünner als die Schnittfuge (sagt auch die BG, siehe S. 16 hier: https://www.bghm.de/fileadmin/user_uplo ... _96.18.pdf). Aber wenn ich nur 0.05 mm Luft habe, reicht halt ein wenig Querkraft, um den Spaltkeil um genau die 0.05 mm zu biegen und schwupps, fliegt das Ding.

Ich habe bei den Kollegen im Woodworker Forum eben einen Thread gefunden, der mein Problem eigentlich genau beschreibt: https://www.woodworker.de/forum/threads ... ost-801362
Verlinkt ist Beitrag 12, der die DIN EN 1870-19:2013 zitiert. Prüfen kann ich das leider von zu Hause nicht, muss ich mal am Montag auf der Arbeit versuchen (wegen Normenzugang):
Spaltkeile müssen aus Stahl mit einer Zugfestigkeit von mindestens 580 N mm–2 oder aus vergleichbarem
Material bestehen, ebene Seiten (innerhalb 0,2 mm auf 100 mm) und eine Dicke haben, die
weniger als die Schnittfugenbreite und mindestens 0,2 mm größer als der Sägeblattgrundkörper beträgt
(siehe Bild 6);"
Damit ist eigentlich alles geklärt: 2.5 er Keil geht für Sägen mit Stammblattstärke >= 2.3 mm und Schnittfugen >= 2.5 mm. Mit Federbandstahl bin ich bei 1200 N/mm² auch auf der sicheren Seite ;) war mir gar nicht klar, dass da ein "normaler" Edelstahl auch schon reichen könnte.

Danke an alle für die Kommentare - ich denke mein Problem ist gelöst. An allen TKS an den ich bisher gearbeitet habe war aber halt schon ein passender Spaltkeil montiert - ich habe mir nie so detailliert Gedanken gemacht, wie genau man die Regel nun einzuhalten hat.... aber jetzt mit der ersten Eigenen musste ich erstmal lernen, was es zu beachten gibt. Allen voran gilt ja better safe than sorry ;)

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