The Grebe

Das Board für eure Bauberichte!

Moderator: jhg

Antworten
Benutzeravatar
bea
Luthier
Beiträge: 4730
Registriert: 06.05.2011, 11:28
Hat sich bedankt: 29 Mal
Danksagung erhalten: 124 Mal

The Grebe

#1

Beitrag von bea » 18.11.2011, 14:57

Hallo,

vielleicht hole ich mal die Bilddoku eines alten Projekts nach, nämlich meiner E-Violine. Das Intrument ist schon älter. Als ich es gebaut habe - übrigens gleichzeitig mit dem V-Bass, gab nur einmal Dreck ;) - war ich noch lange nicht im Forum angemeldet.

Es begann mit einer Billigst-Deko-Geige, irgendwie zusammengeschustert von chinesischen Arbeitssklaven. Ein Fazit vorab: der Umbau beanspruchte eine Nacht, die ich durchgearbeitet hatte. Wenn ich jedoch die Zeit einrechne, die ich zur Kompensation des China-Pfuschs aufgewendet habe, hätte ich das Instrument locker auch von Grund auf aufbauen können. Und leider gibt es Spätschäden. Das Instrument war eigentlich nur als Proof-of-Concept gedacht, d.h. ich hatte die Idee, bei halbwegs erfolgreichem Abschluss eine 5-saitige Violine aus hochwertigen Materialien zu bauen.

Auch wenn ich die Idee unabhängig von einem ganz ähnlichen Projekt eines britischen Geigenbauers hatte, gebürht diesem doch das Recht der ersten Idee: http://www.electricstrings.com/Fah010.html. Daher auch der "seltsame" Name.

Bild

Auffallend war vor allem der üble Geruch nach einem undefinierbaren Chemikalien-Cocktail. Ein Test des originalen Tons förderte Schreckliches zu Tage - es kam nicht mehr als ein ziemlich dumpfes Krächzen heraus. Jede schlecht eingestellte quäksige Schülergeige klingt im Vergleich hervorragend. Also sind keine Skrupel notwendig, die Decke aufzusägen.

Bild

Griffbrett entfernt. Es war mit schultafellackähnlicher Farbe geschwärzt. Als nächstes wird die Decke abgelöst.

Bild

Das Geheimnis des schlechten Klangs: Bassbalken in der Mitte, Stimmstock irgendwo, nur nicht dort, wo er hinsoll. Man beachte die Dimensionen der beiden Endklötze. Angesichts dieses Befundes spielte es schon keine Rolle mehr, dass auch die Furnierpresse zu heiß war und das Holz versengt hatte.

Jetzt also mit der Laubsäge die Decke aussägen.

Bild

Und die beiden Balken einleimen. Die Rundung der Oberkante hatte ich vorher von der Decke abgenommen.

Bild

Dabei natürlich noch die Endklötze anpassen.

Bild

Decke drauf, Boden ab...

Bild

... und diesen aussägen.

Bild

Jezt ist die stinkende Farbe endlich ab (und die Nacht herum). Im Hintergrund übrigens der V-Bass vor dem endgültigen Formen des Halses - eines der wenigen Bilder, das etwas vom Bau dieses Instruments zeigt.

Bild

Zusammenbau, erste klangliche Abstimmung. Die Mühe hat sich gelohnt, die Violine machte sofort Spaß.

Bild

Bild

Eine erste Schicht Schellack-Mattierung. Verwendet habe ich Clou Schellackmattierung, die ich von meinen Eltern "geerbt" hatte.

Bild

Vor diesem Bild liegen etliche Stunden Feintuning - Verbesserung der Mattierung, besseres Einpassen der Wirbel (lässt immer noch zu wünschen übrig), Steg einschneiden, Zusatzmassen am Zargenkranz gegen unerwünschte Resonanzen und auch schon erste Reparaturarbeiten wegen der problematischen Halsbefestigung.

Bild

Einen Tonabnehmer besitzt sie inzwischen auch, aber ohne Elektronik klingt sie leider doch so dünn wie meine Yamaha SV-120 trotz Elektronik.

Bild

Den Staub habe ich jetzt auch entfernt.

Leider gibt es immer wieder erhebliche Probleme mit der Halsbefestigung, zu denen ich mir noch etwas einfallen lassen muss.

Bild
LG

Beate

Benutzeravatar
Ganorin
Moderator
Beiträge: 3447
Registriert: 24.04.2010, 08:43
Wohnort: Lkr. Freising
Hat sich bedankt: 27 Mal
Danksagung erhalten: 36 Mal

Re: The Grebe

#2

Beitrag von Ganorin » 18.11.2011, 15:44

Danke fuer den Bericht, sehr interessant...fuer eine Geigen-Null wie mich sehr spannend, da ich selber sowas nie koennte....

Benutzeravatar
12stringbassman
Luthier
Beiträge: 4924
Registriert: 25.04.2010, 09:29
Wohnort: Lkr. EBE
Hat sich bedankt: 44 Mal
Danksagung erhalten: 55 Mal

Re: The Grebe

#3

Beitrag von 12stringbassman » 18.11.2011, 18:47

Cool!
Zum Glück haben die Chinesen Leim verwendet, der sich wieder lösen lässt ;)

Grüße

Matthias
"Haltet Euch von diesen Idioten fern!" (Lemmy Kilmister)
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem

Benutzeravatar
bea
Luthier
Beiträge: 4730
Registriert: 06.05.2011, 11:28
Hat sich bedankt: 29 Mal
Danksagung erhalten: 124 Mal

Re: The Grebe

#4

Beitrag von bea » 19.11.2011, 00:47

Mhmm, sicherlich spielt es eine Rolle dass ich Ponal verwendet hatte. Aber der sollte sich ebenfalls lösen lassen. Der China-Leim liess sich übrigens nicht so doll lösen.
LG

Beate

Benutzeravatar
Poldi
GBB.de-Inventar
Beiträge: 6300
Registriert: 26.04.2010, 06:46
Wohnort: Wanne-Eickel
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 85 Mal

Re: The Grebe

#5

Beitrag von Poldi » 19.11.2011, 12:04

(clap3) (clap3) (clap3)

Antworten

Zurück zu „Bauthreads sonstige Saiteninstrumente“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast