"Ojo" – meine Nummer 2

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thoro
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"Ojo" – meine Nummer 2

#1

Beitrag von thoro » 13.01.2017, 13:26

Hallo,

nachdem ich meine zweite E-Gitarre, genannt "Ojo", ja bereits in der Galerie vorgestellt habe, reiche ich jetzt noch Fotos vom Bau nach.

Mit dem Bau der Ojo habe ich Ende Juli 2016 begonnen und fertig geworden ist sie Anfang November 2016, ich habe mir also Zeit gelassen und beim Bau lediglich ab und zu Fotos gemacht, weil ich gerne ganz ohne Zeitdruck an die Sache gehen wollte.

Ich habe in 2015 meine erste E-Gitarre gebaut und nachdem ich sie eine Weile in meiner Band gespielt habe, kamen mir noch einige Ideen. So wollte ich beispielsweise möglichst viel selber bauen, ein Griffbrett ohne Wölbung und einen Nullbund. Außerdem hatte ich zwei Tops aus Ovangkol gefunden, von dem Holz hatte ich vorher noch nicht gehört und ich finde es ziemlich ansprechend. Mit einem glänzenden Finish leuchtet es regelrecht.

Zuerst habe ich in der 3D-Software Blender den Entwurf meiner ersten Gitarre modifiziert. Ich bin bei der Korpusform meiner ersten Gitarre geblieben, weil ich sie immer noch toll finde. So konnte ich schonmal einen Eindruck davon bekommen, wie die Gitarre mit dem Ovangkol-Top, der Hardware und Pickups aussehen würde.
Hier ein Foto von dem Mahagoni-Rohling.
Auf der Bandsäge ausgesägt und dann gefräst, schon mit E-Fach und Schalterfach und Gängen für die Kabel. Außerdem habe ich das Inlay für den 12. Bund mit der Laubsäge aus einem Perlmutt-Rest gesägt.
Hier im Detail.
Das Top aus zwei Stücken Ovangkol wird zusammengeleimt.
Dann habe ich es mir draußen gemütlich gemacht und die Vertiefungen für die Bund-Markierungen und das Auge angefertigt.
Der Body mit dem Griffbrett.
Dann wurde die Decke verleimt und bündig gefräst.
Den Kopfplattenwinkel habe ich wieder mit der Japan-Säge erstellt.

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#2

Beitrag von thoro » 13.01.2017, 13:36

So sah es dann nach den Fräsungen für die Pickups und die Halstasche aus, außerdem hatte die Kopfplatte bereits ein Stück Ovangkol als Furnier bekommen. Ach ja, und den Hals hatte ich schon in der Grundform fertiggestellt, mit eingelegtem Stab und aufgeleimtem Griffbrett.
Hier die Rückseite.
Und noch ein Foto aus einem anderen Blickwinkel.
Die Kopfplatte, ich bin nach wie vor sehr von dem Ovangkol angetan.
Anschließend habe ich die Bohrungen für die Mechaniken gesetzt und ausprobiert, ob alles passt.
Nachdem ich die Kunststoff-Abdeckungen schon fast fertig hatte, habe ich dann doch mal ausprobiert, wie sie aussehen, wenn ich sie aus dem Decken-Holz baue.
Ich habe mich dann für die Ovangkol-Abdeckungen entschieden.
Hier fräse ich aus einem Messingblock die ersten Schichten weg. Das wird dann später die Bridge...
Einige Fräsungen später kann man schon erkennen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe beschlossen, auf eine Höhenverstellung zu verzichten, weil ich ja meine Lieblings-Saitenlage kenne und somit eine höhere Auflagefläche habe.
Hier nochmal von vorn.

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#3

Beitrag von thoro » 13.01.2017, 13:50

Den Hals habe ich mit Bünden aus Edelstahl versehen. Der Nullbund ist so bearbeitet, dass ich ihn mit einem Handgriff ausklinken und einen Ersatz-Bundstab einsetzen kann. Für den Nullbund habe ich das gleiche Material genommen wie für die anderen Bünde, also keinen höheren Bunddraht. Ich hatte das vorher an mehreren Stellen gelesen und mir schon einen höheren Draht besorgt, konnte darauf aber verzichten. Es schnarrt nichts.
Hier mit Blick auf die bereits einmal geölte Kopfplatte.
Mit der Raspel habe ich den Hals geformt. Das ging wieder sehr schnell und einfach.
Und es ist auch wieder ein ziemlicher Balken geworden. Ich bevorzuge das, kann meine 80er Ibanez-Hälse kaum noch spielen...
Hier sieht man den ersten Saitenreiter im Maschinenschraubstock. Habe ich auch auf dem kleinen Proxxon-Bohrständer gemacht.
Und so sieht die Bridge mit den sechs Reitern aus, habe auch schon die Löcher für die Schrauben gebohrt und Gewinde geschnitten.
Der erste Zusammenbau, um zu sehen, ob es überhaupt alles passt. Ihr hättet mein Grinsen sehen sollen...
Ich habe den Elektrolyten zum Vernickeln selber hergestellt, man kann dazu Branntweinessig und ein wenig Salz nehmen. Dann fehlt nur noch etwas Nickelblech mit möglichst hoher Reinheit für die Anode und Kathode und der Strom kommt aus einem 12V-Netzteil. Man sollte noch eine Feinsicherung dazwischenschalten, damit einem das Netzteil nicht kaputt geht. Nach etwa einer Stunde hat man dann eine grüne Flüssigkeit.
Für das Vernickeln habe ich dann drei 1,2V-Akkus in Reihe geschaltet und nur noch an den Pluspol ein Stück Nickelblech gehängt, an den Minuspol kommt das zu vernickelnde Metallteil. Sobald man den Strom anschließt, steigen kleine Bläschen am Metallteil auf. Die Grundplatte hat recht lange gedauert.

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#4

Beitrag von thoro » 13.01.2017, 14:02

Den Body habe ich dann eine Woche lang jeweils zweimal geschliffen und geölt, morgens die Decke/abends den Rest. Ich benutze Tru-Oil von Birchwood Casey.
Nach gut einer Woche ist man dann bereits im sehr glänzenden Bereich. Hier montiert ohne Pickups.
Die Pickup-Fräsungen habe ich mit Rockinger Ground Control Abschirmfarbe versehen, sie sind untereinander und mit der Abschirmung des E-Faches und des Schalterfaches verbunden.
Das E-Fach. Ich verwende für die Volume-Regler zwei Potis von Bourns – sie laufen sehr, sehr leicht. Für Tone verwende ich zäher laufende Potis, in diesem Fall habe ich noch ein Shadow-Poti mit Killswitch verbaut.
Da ich die Gitarre im Dezember bei einem Auftritt spielen wollte, aber noch nicht zum Bau meiner eigenen Humbucker gekommen war, habe ich kurzerhand Alnico 2 Classics von Tonerider eingebaut und den ersten Auftritt mit ihr gespielt.
Den weißen Toggle-Switch habe ich durch einen eigenen aus einem Stück Messing ersetzt, das ich auf dem Bohrständer mit einer Raspel, Feile und Sandpapier bearbeitet habe. Anschließend wurde es vernickelt.
Jetzt im Januar bin ich dann endlich mit dem Bau der Pickups weitergekommen. Ich habe mir aus Holzresten, einem 12 V-Getriebemotor und einem Strickmaschen-Zähler mit Reed-Kontakt eine Wickelmaschine gebaut. Für die Stromversorgung nehme ich den guten, alten Lego 12 V-Trafo. In den Strickmaschen-Zähler habe ich die Leitungen für die Stromversorgung per Batterie und den Reed-Kontakt eingelötet.
Der Spulenkörper wird mit doppelseitigem Klebeband auf der Platte befestigt, der Anfang des Drahtes ist bereits mit einem kleinen Stück Anschlusskabel verlötet. Der Strick-Zähler zeigt die Umdrehungen an. Läuft...
Hier setze ich gerade die beiden Spulen und den Alnico 2-Magneten auf die Grundplatte.

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#5

Beitrag von thoro » 13.01.2017, 14:07

Der Hals-Humbucker erreicht den geplanten Widerstands-Wert.
Das Set mit Bridge- und Hals-Humbucker. Ich bin auf den Geschmack gekommen und habe mir schon Teile für das zweite Set bestellt.
Ich stehe auf den Look der transparenten Gehäuse. Momentan sind sie noch ungewachst, wenn sie bei voller Lautstärke mit der Band nicht zu viel Feedback verursachen, lasse ich das auch so.
Hier die komplette Ojo mit den transparenten Pickups.
Falls ihr Fragen zu den einzelnen Bereichen habt, liefere ich gerne Details.

Viele Grüße

Thorsten

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#6

Beitrag von derHimself » 13.01.2017, 14:30

Schon sehr frech von dir so eine super Fotodoku machen und nur damit rausrücken nachdem hier danach gebettelt wurde ! :lol: :lol:
Klasse Arbeit!!


Das mit dem selber Vernickeln sieht auch klasse aus (wie deine gesamte Arbeit!!)
Werd ich auch mal probieren müssen (und dich ggf. mal dazu befragen ;) :lol: )
Wenns nicht rockt isses fürn arsch!

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#7

Beitrag von filzkopf » 13.01.2017, 15:04

Cool!! Und der Hals ist ja wirklich ein Brocken!! o.o
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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#8

Beitrag von Haddock » 13.01.2017, 16:57

Guten Abend,

jupp, saubere Sache! sehr cool mit dem Vernikeln, Reschpekt. Der Hals ist ein mega Knüppel, für mich unspielbar.

Gruss
Urs

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#9

Beitrag von hatta » 13.01.2017, 19:58

Schön! Vernickeln und so ist nicht schwierig, das funzt zuhause super.

Wenn ich mir deinen hals so ansehe, baue ich zahnstocher dagegen :lol:
Gruß
Harald

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#10

Beitrag von thoro » 14.01.2017, 02:21

Haha, vielen Dank.

Ich habe wohl einfach recht große Hände... und wenn man sich einmal an diese fetteren Hälse gewöhnt hat, fehlt einem bei den dünnen einfach etwas.

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#11

Beitrag von Poldi » 14.01.2017, 09:37

Interessant, und eine sehr saubere Arbeit von Dir. Klasse.

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Re: "Ojo" – meine Nummer 2

#12

Beitrag von Titan-Jan » 14.01.2017, 15:56

derHimself hat geschrieben:Schon sehr frech von dir so eine super Fotodoku machen und nur damit rausrücken nachdem hier danach gebettelt wurde ! :lol: :lol:
Klasse Arbeit!!


Das mit dem selber Vernickeln sieht auch klasse aus (wie deine gesamte Arbeit!!)
Werd ich auch mal probieren müssen (und dich ggf. mal dazu befragen ;) :lol: )
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:lol: (clap3)

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