Die "Couch-Gitarre"

Wie baue ich mir eine elektrische Gitarre?

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cabriolet
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#26

Beitrag von cabriolet » 11.02.2020, 16:27

penfield hat geschrieben:
10.02.2020, 23:22
Gute Idee mit dem Mehl als Füllmaterial.
Ganz unsichtbar ist´s leider auch im zweiten Anlauf nicht geworden, aber immerhin besser als vorher und alle Schlitze sind jetzt auch wirklich zu.

Heute ging´s dann mit einem kleinen Schrittchen weiter: Mensurlinie markieren und darauf die Saitenabstände einzeichnen. Da ich die Bünde ja minimal schräg -nicht senkrecht zur Griffbrettmittellinie- gesetzt habe, habe ich die Mensur jeweils an beiden Griffbrettseiten gemessen. Dazu habe ich den 12. Bund genommen, weil ja der Nullbund noch nicht sitzt (und außerdem kompensiert wird). Zuerst aber einfach die Verlängerung der Griffbrettkanten eingezeichnet.
So sieht das dann mit der Mensurlinie aus:
IMG_2137.JPG
Da das Griffbrett etwas breiter ist als gewöhnlich, sind natürlich auch die Saitenabstände etwas größer. Sind die äußersten Saitenmitten jeweils 4,5 mm vom verlängert gedachten Griffbrettrand entfernt, bleiben mir dazwischen noch genau 56 mm. Das aufgeteilt ergibt dann Saitenmitten-Abstände von 11,2 mm.
IMG_2138.JPG
Mit den angedachten chinesischen Einzelbrücken ist das ja kein Problem, allerdings sind die absolut umständlich zu montieren. Deshalb mache ich mich erst einmal auf die Suche nach einer Alternative. Oder ich baue selbst etwas. Mal sehen...

Gruß
Markus
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#27

Beitrag von Simon » 11.02.2020, 16:34

Mit Mehl füllen sollte ich mal ausprobieren, danke für den Tipp! (clap3)

Zu den Brücken: ich kann die ABM Single String Brücken sehr empfehlen, sind zwar etwas höherpreisig, aber 1a verarbeitet, und ich finde sie nicht sonderlich kompliziert zu montieren :)
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#28

Beitrag von cabriolet » 11.02.2020, 17:08

Ja, alles was ich bisher von ABM in den Fingern hatte war absolut hochwertig. Und noch dazu sind die Single Bridges gerade im Angebot, da bringst du mich tatsächlich ins Grübeln. Danke für den Tipp!
Andererseits habe ich die China-Teile schon hier. Ich werde wohl erstmal an einem Eiche-Reststück testen, ob ich die sauber verbaut bekomme.
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#29

Beitrag von Panzerpaul » 14.02.2020, 17:22

Superarbeit 👍. Da ich keine Hälse baue, frage ich mich allerdings, wie man das schafft mit einem Lineal die Bundschlitze so genau anzuzeichnen. Ich habe schon Probleme einen Millimeter auf der Skala zu unterscheiden. Von daher müsste ich eine Säge Schablone benutzen.

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#30

Beitrag von cabriolet » 14.02.2020, 18:19

Da hilft mir meine starke Kurzsichtigkeit ;) : Brille ab und ganz nah heran. Geht aber für "Normalsichtige" bestimmt auch mit Lupe oder Lupenbrille.
Noch dazu hat mein Lineal eine Unterteilung in halbe Millimeter, das heisst: Genau auf den Teilstrichen und genau mittig dazwischen ergibt ja schon eine Genauigkeit von 0,25mm. Aber selbst außermittig links oder außermittig rechts lässt sich gut erkennen.

Aber für solche Sachen muss ich ausgeruht genug sein und auch genügend Zeit haben. Ebenso dann für das Sägen der Bundschlitze.

Gruß
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#31

Beitrag von cabriolet » 23.02.2020, 17:22

Die Entscheidung ist gefallen: Es werden die China-Einzelbrücken. Aber nicht im Originalzustand, sondern modifiziert.

Hier ein Bild, wie die Unterseite dieser Teile aussieht:
IMG_2158.JPG
Laut Beschreibung sollen die Brücken für String-through und auch zum direkten Einhängen der Saite geeignet sein, aber selbst bei genauester Betrachtung erschließt sich mir nicht, wie das mit dem direkt Einhängen funktionieren soll. Erstens müsste man dazu jedesmal den Saitenreiter komplett ausbauen, zweitens hält das Ballend nur in Position, wenn der Saitenreiter ganz hinten steht. Intonation einstellen also unmöglich.

Also völliger Quatsch, hier geht nur String-through-body. Und dann macht der seltsame Fortsatz auf der Unterseite, der den Einbau extrem verkompliziert, keinen Sinn.
Kann also weg, das Dingens ;) .

Deshalb zur Säge gegriffen, die erste Einzelbrücke in den Schraubstock gespannt und ein wenig sinnloses Alu entfernt. Dann noch mit der Feile ein bisschen nachgearbeitet.
IMG_2159.JPG
IMG_2160.JPG
Das ganze Spiel dann noch für die anderen 5 Brücken, und so sieht das jetzt aus:
IMG_2161.JPG
IMG_2162.JPG
Ist nur lose aufgelegt, an den hinteren Befestigungslöchern müssen die Brücken dann doch noch versenkt werden, das ist aber jeweils nur eine runde Bohrung und sollte problemlos machbar sein. Obwohl auch das unnötig wäre, wenn ich die Brückenunterseiten komplett flach feilen würde.

Gruß
Markus
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#32

Beitrag von DoppelM » 23.02.2020, 20:37

Das mit dem direkten Einhängen funktioniert so, dass du ein ovales Loch unter dem Schlüssel-Loch fräst. Da wo der seltsame Fortsatz ist. Dann wird das Ballend von oben durch die weite Stelle gesteckt, und durch die schmale gehalten.
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#33

Beitrag von cabriolet » 23.02.2020, 22:50

Ja, das Prinzip ist klar (habe ich ja auch bei meiner Wettbewerbsgitarre selbst so gebaut: https://www.gitarrebassbau.de/download/ ... =78732&t=1 ) , aber die schmale Stelle ist bei diesen China-Stegen hinten. Das Ballend wird also durch den Saitenzug in Richtung weiter Öffnung gezogen und springt heraus, außer ich missbrauche den Saitenreiter als "Sicherung" und kurbel ihn ganz weit nach hinten. Dann kann er natürlich nicht mehr seiner eigentlichen Aufgabe zur Einstellung der Intonation nachkommen. Die Schlüsselloch-Öffnung ist also genau falsch herum konstruiert.
Und ohne Ausbau des Saitenreiters geht sowieso nix, das Ballend passt da nicht durch.

Gruß
Markus

Edit hat mir gerade gesagt, dass ich ja noch einen Satz verchromter Stege hier liegen habe. Die habe ich mir gerade mal genauer angeschaut, und dort würde das Ballend wirklich halten, da ist mehr Material an der schmalen Stelle und das Ballend müsste sozusagen über den "Hubbel", was es unter Saitenzug ja nicht kann. Bei den schwarzen von mir abgesägten Teilen war da ein Hohlraum, das Ballend hätte den Hubbel tunneln können.
Dafür haben die Chrom-Teile an anderer Stelle Material zuviel, das Ballend passt garnicht durch den weiteren Teil der Öffnung. Ich mache morgen mal Bilder davon.
Falls ich sie nicht schon entsorgt habe, müsste auch noch ein weiterer Satz schwarze Brücken hier herumfliegen. Die hatte ich reklamiert, weil sie nicht vernünftig lackiert waren, musste sie aber nicht zurückschicken. Wenn ich die wiederfinde, bin ich mal gespannt, wie die im "Schlüsselloch-Bereich" aussehen.
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#34

Beitrag von cabriolet » 24.02.2020, 16:44

So, hier die versprochenen Bilder zu den Einzelbrücken:

Erst einmal die Chrom-Variante, Guss-"Reste" lassen nicht genug Raum, ein Ballend durchzustecken. Ist bei drei von den sechs Stück der Fall, lässt sich aber mit einer Schlüsselfeile leicht beheben.
IMG_2163.JPG
Dann also mal der Test, ob sich da eine Saite einhängen lässt:
IMG_2166.JPG
Ja, passt.
AAAAAAABER: Nur, wenn das Ballend so liegt, wie im Bild. Sobald es sich dreht -und das tut es gerne- , rutscht es durch den Schlitz und hängt nur noch im Saitenreiter. Der Schlitz/schmale Teil des "Schlüssellochs" ist also zu breit.
IMG_2167.JPG
IMG_2168.JPG
Bei der schwarzen Variante (mit den Lackfehlern) sieht das auf den ersten Blick ganz ordentlich aus, aber auch hier: Schlitz zu breit, das Ballend kann durchrutschen!
IMG_2165.JPG
IMG_2169.JPG
Zuletzt noch ein Bild mit einer der von mir zurechtgestutzten Brücken (Saite ist hier nicht durchgefädelt, sondern nur das Ballend zur Demonstration in den Schlitz gesteckt): Auch hier wäre der Schlitz zu breit gewesen.
IMG_2170.JPG
Mein Fazit:
Zum Saiten direkt einhängen sind diese Brücken nicht tauglich. Es geht zwar mit viel Gefummel (Saitenreiter ausbauen und dabei die Position merken, Saite einhängen und hoffen, dass das Ballend in der richtigen Ausrichtung liegt, Saitenreiter über die Saite fädeln und wieder einbauen, ohne dass das Ballend sich dreht, Intonation nach gemerkter Position einstellen. Und dann darf die Saite sich nicht verdrehen, bis auch ihr zweites Ende in Position und Spannung ´drauf ist), aber wirklich richtig geht es nur mit String-Through.

Gruß
Markus
Dateianhänge
IMG_2164.JPG
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#35

Beitrag von cabriolet » 15.08.2020, 19:15

Oh Mann, fast ein halbes Jahr habe ich hier ja garnichts mehr geschrieben :? .

Wie ich bei meiner "Simplex"-Wettbewerbsgitarre schon vor einiger Zeit gesagt hatte, war mir zeitweise einfach die Lust vergangen, sorgfältig zu dokumentieren und zu erklären. Das hat aber rein garnichts mit den gitarrebassbauern hier zu tun, also bitte nicht falsch verstehen. Auch wenn ich mich in letzter Zeit hier allgemein recht selten habe blicken lassen.
Die Ursachen dafür liegen hauptsächlich in Umstrukturierungen auf der Arbeit. Außerdem habe ich ja auch noch weitere Hobbies, die wieder einmal mehr Zeit beansprucht haben, als geplant.

Und wenn schon andere Hobbies zum Stress werden, sollte mir wenigstens das Bauen von Gitarren ein echtes Hobby bleiben. Bei dem ich mich entspannen kann und dem ich einfach nur dann nachgehe, wenn ich auch Lust und Zeit dazu habe.
Und um für die beiden Wettbewerbsgitarren einfach mehr Platz zur Verfügung haben und nicht ständig hin- und her räumen zu müssen, habe ich die letzten Wochen immer mal wieder hier an der "Couch-Gitarre" weitergebaut. Aber eben die Dokumentation vernachlässigt.
Das versuche ich jetzt im Schnelldurchlauf nachzuholen.

Nachdem also die Entscheidung für die China-Einzelbrücken gefallen war, habe ich deren Positionen genau ermittelt und zunächst die Bohrungen für die Schrauben gesetzt. Die hineren Befestigungsschrauben sitzen aber zusätzlich noch in einem dicken Pin, so dass da entsprechendes Aufbohren nötig war. Das Klebeband am Bohrer dient als grobes Tiefenmaß, wirklich exakt muss die Tiefe nicht sein, Hauptsache die Brücken lieben später sauber auf der Decke auf.
IMG_2183.JPG
IMG_2184.JPG
IMG_2185.JPG
IMG_2187.JPG
Danach dann die Löcher für die Saitendurchführung durch den Korpus: Zuerst die äußeren zwei von vorne komplett durchgebohrt, dann auf der Rückseite die restlichen Bohrungen gleichmäßig verteilt und von hinten nach vorne durchgebohrt.
Damit hatte ich dann auf der Rückseite der Gitarre Führungsbohrungen für die Zentrierspitze des nachfolgenden Bohrers, um die Saitenhülsen zu versenken. Da hätte ich die Tiefe gerne möglichst genau und gleichmäßig gehabt, leider reicht die Ausladung meiner Billig-Tischbohrmaschine nicht. Deshalb habe ich auch hier wieder zum Akku-Bohrer mit Klebeband als Tiefenmarkierung gegriffen. Was leider ungleichmäßiger geworden ist als gedacht. Immerhin liegen die Bohrungen fast in einer Reihe ;) .
IMG_2188.JPG
IMG_2189.JPG
Für die Tiefe muss aber eine Notlösung her: Unterlegscheiben auf dem Grund der Bohrungen und Alu-Röhrchen, die ich in der Länge dann noch anpassen und beischleifen muss. Und schwarz müssen die später auch noch werden, da die gesamte Hardware schwarz wird.
IMG_2246.JPG
Leider sind aber nur die Bohrungen auf der Rückseite fast in einer Reihe, auf der Vorderseite bin ich teils völlig daneben herausgekommen :? Naja, ist später alles duch die Brücken verdeckt, also halb so schlimm. Aber aufweiten musste ich einige Bohrungen doch, damit die Saiten später auch durch die Öffnungen der Brücken kommen.
IMG_2190.JPG

Als nächstes stand der Tonabnehmer-"Schacht" an, "Fräsung" kann ich das Loch ja nicht nennen, da ich nicht gefräst habe ;) .
Zuerst die "runden Ecken" gebohrt, dann mit einem Forstnerbohrer das Gröbste weggenommen und mit Beiteln den Rest erledigt.
IMG_2466.JPG
IMG_2467.JPG
IMG_2468.JPG
Da der PU wieder mal ein Eigengewächs wird, hat die Öffnung auch eigene Abmessungen: Wie ein üblicher Humbucker, aber ohne "Ohren". Deshalb habe ich auch einen Humbucker kopfüber hineingeworfen, um die Passgenauigkeit zu testen :lol: .
IMG_2469.JPG
Sieht noch sehr grob aus, das wird aber später noch verschliffen.
IMG_2470.JPG
Für die Buchse will ich zum ersten Mal einen "Electrosocket" verwenden, was aber recht knapp wird an der doch in diesem Bereich recht dünnen Gitarre.
Da war also genau mittiges Ansetzen des Forstnerbohrers Pflicht, zuerst habe ich mit 25mm für den Bund des Electrosocket gebohrt, nur etwa 3mm tief. Dann kam für die eigentliche Bohrung ein 22mm-Forstner zum Einsatz, der hat aber leider eine deutlich kleinere Zentrierspitze als der 25er. Deshalb bin ich am Anfang leider recht hilflos in der Bohrung herumgeeiert, aber irgendwie habe ich das dann doch noch einigermaßen zentrisch hinbekommen.
Passt jedenfalls:
IMG_2471.JPG
IMG_2472.JPG
IMG_2475.JPG
Wie soll nun das Elektrik-Fach aussehen? Von hinten oder doch von vorne Tele-like mit einer Abdeckplatte? An Regelmöglichkeiten wird´s wohl Volume plus Bass-Regler werden (der PU sitzt an einer etwas ungewöhnlichen Position weiter vom Steg weg als ein "gewöhnlicher" Steg-PU, da werde ich einen Bass-Regler eher brauchen als eine Höhenblende).
Also mal schnell eine Papp-Schablone geschnipselt, wie eine Abdeckung für ein E-Fach von vorne aussehen könnte:
IMG_2476.JPG
IMG_2477.JPG
Da ich solche Sachen aber gern erstmal unbesehen fürein paar Wochen beiseitelege, um dann später mit frischen Augen zu entscheiden, habe ich dann erstmal die Pappe wieder weggeräumt und mich um die Sidedots gekümmert.
Damit ich mich da nicht vertue, beschrifte ich immer ALLE Bünde. Meistens mache ich das direkt auf dem Halsholz, da man auf der Eiche aber fast nichts erkennt, habe ich hier einen Strefen Klebeband auf das Griffbrett geklebt, alle Bünde numeriert und dann bei den entsprechenden Bünden Markierungen gesetzt:
IMG_2480.JPG
An der Griffbrettflanke steche ich die Markierungen dann vor, die Positionen ermittel ich einfach mit Geodreieck und Augenmaß.
IMG_2486.JPG
Meistens bohre ich dann mit dem Akkubohrer, bei schon eingeleimtem Hals komme ich für die letzten Markierungen aber mit dem Ding nicht mehr hin. Da diese Gitarre aber ein recht langes oberes Horn bekommt, erreiche ich mit dem Akkubohrer nichteinmal mehr den 9. Bund, deshalb habe ich gleich alle Bohrungen mit meiner "Notlösung" gemacht: Den 2mm-Bohrer in einen Graverstichel-Halter gespannt und von Hand gebohrt.
IMG_2487.JPG
Die 2mm-Kunststoff-Dots sind einfach mit einem Tropfen Sekundenkleber eingeklebt.

Ausgerechnet bei den doppelten Punkten am 12. und 24. Bund ist jeweils der rechte Punkt etwas zu tief gerutscht, obwohl sauber vorgestochen war :? . Fällt aber im Bild durch die Perspektive deutlicher auf als in Wirklichkeit.
IMG_2488.JPG
IMG_2489.JPG
Beim Elektrikfach habe ich mich dann diese Woche gegen die Variante von vorne entschieden, das Fach wandert auf die Rückseite. Vorne habe ich dann die Position der Potis markiert, mi 2mm durch den gesamten Korpus gebohrt und dann mit dem Gewindedurchmesser der Potis etwa einen cm tief gebohrt.
Auf der Rückseite hatte ich dann ja die 2mm-Löcher als Poti-Positionen und habe dann das E-Fach ausgeforstnert und mit Beiteln fertig ausgearbeitet. Schwierig war dabei, die Tiefe genau zu treffen, trotz Tiefenmarkierungs-Fahne aus Klebeband am Bohrer war da immer wieder Nachmessen angesagt, damit noch genug Deckenstärke übrigbleibt.
IMG_2491.JPG
IMG_2492.JPG
IMG_2493.JPG
IMG_2494.JPG
Einen Durchbruch zwischen Buchsen-Loch und E-Fach habe ich auch noch gebohrt, was aber Blödsinn war: Die Rückseite der Gitarre war in dem Bereich ja so dünn, dass ich bei der Stufe für den Deckel sowieso wieder auf die Kammer der Buchse getroffen bin. Ich hätte die Verbindung also auch vom E-Fach aus machen können.
Den Absatz für den Deckel habe ich dann ausnahmsweise teilweise an der Ständerbohrmaschine gemacht. Eigentlich wollte ich ihn komplett nur mit dem Beitel machen, aber saubere Rundungen sind doch einfach schöner 8) . Mit dem Akkubohrer wäre das auch nix geworden, weil ja kein Material für die Zentrierspitze vorhanden war, also ab auf die Ständerbohrmaschine. Und nur die Verbindung zwischen beiden Enden dann gebeitelt.
IMG_2496.JPG
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Gruß
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#36

Beitrag von cabriolet » 15.08.2020, 19:23

Da damit alle groben Holzarbeiten erledigt waren, ging es dann gestern ans Schleifen. Alle Flächen inclusive Halsrückseite sind nun soweit fertig, nur Pickup- und E-Fach muss ich noch versäubern.
An der Vorderseite haben die Kanten eine minimale Verrundung bekommen, an der Rückseite eine etwas stärkere. Und im Bereich des nicht vorhandenen Rippenspoilers noch ein wenig mehr ;) .
Alles von Hand nach Augenmaß und Tastsinn.
IMG_2500.JPG
IMG_2501.JPG

Einen kleinen "Passform-Test" im Sitzen gab´s dann heute noch: Sowohl auf dem rechten wie auch auf dem linken Oberschenkel liegt die Gitarre von sich aus stabil:
IMG_2506.JPG
IMG_2507.JPG

Morgen werde ich dann mal einen Stahlwolle-Essig-Sud ansetzen, die Gitarre soll ja schwarz werden.

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#37

Beitrag von Lollipop » 15.08.2020, 19:48

Gut gearbeitet und super dokumentiert!
Gefällt mir was du da baust!

Wie wird den der Humbucker dann festgemacht?

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#38

Beitrag von cabriolet » 15.08.2020, 20:36

Lollipop hat geschrieben:
15.08.2020, 19:48
Wie wird den der Humbucker dann festgemacht?
Werde ich wahrscheinlich von der Rückseite der Gitarre machen, mit Gewinden auf der Pickup-Unterseite. Wird aber, wie gesagt, ein Eigenbau und hat mit einem Standard-Humbucker nur die Grundabmessungen ohne "Ohren" gemeinsam.

Was ich in der Dokumentation völlig vergessen habe (wahrscheinlich, weil ich keine Bilder davon gemacht hatte): Die Bünde sind auch schon abgerichtet.
Es war eigentlich nur einer (der 14., wenn ich das richtig erinnere), der etwas zu hoch war. Deshalb habe ich nur diesen einen Bund gezielt auf Soll-Höhe gebracht, mit einem kleinen Schleifklotz, der in der Mitte einen Streifen 600er Schleifpapier aufgeklebt hatte, und daneben jeweils auch Schleifpapier, aber mit der Schleif-Seite aufs Holz geklebt. Damit habe ich überall gleiche Höhe, der Klotz schleift aber nur auf dem zu bearbeitenden Bund und liegt an den benachbarten mit der nichtschleifenden Papierseite auf. Damit bringe ich ihn genau auf die Höhe wie die benachbarten Bünde und kann garnicht zu viel wegnehmen. Verrundet habe ich den einen Bund dann nach Augenmaß mit Schleifpapier auf dem Finger.
Danach dann mit einem planen Schleifklotz mit 1200er Papier nur leicht längs über alle Bünde, dann mit Stahl-Fix auf einem Stück Jeans-Stoff gründlich poliert.
Für das Abrichten und Polieren hatte ich das gesamte Griffbrett natürlich gründlich abgeklebt, das hätte sonst auf dem noch ungeschützten Riegelahorn zur Dreck-Katastrophe geführt.

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#39

Beitrag von Yaman » 16.08.2020, 10:24

Saubere Handarbeit. Da ich zur Zeit auch Eiche verwende (wenn auch nur als Decke), was wiegt die Gitarre denn bisher?

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#40

Beitrag von cabriolet » 16.08.2020, 18:16

Yaman hat geschrieben:
16.08.2020, 10:24
Da ich zur Zeit auch Eiche verwende (wenn auch nur als Decke), was wiegt die Gitarre denn bisher?
IMG_2515.JPG
Im Gesamtgewicht werde ich wohl knapp unter 3kg bleiben (dance a). Das Ding ist aber sehr flach, auf der Mittellinie nur 33mm und wegen der Tonnenwölbung zu den Seiten hin noch dünner (Unterbug Bassseite nur 20mm).

Heute habe ich dann das Eisenacetat-Zeug angesetzt:

Etwas Stahlwolle (war der Rest, da ich sowieso eine Bestellung beim Rall lostreten muss, werde ich da gleich welche mitbestellen),
IMG_2511.JPG
dann Essig ´drauf:
IMG_2512.JPG
Sofort fängt das an zu blubbern, deshalb darf auch der Deckel nicht fest aufgeschraubt werden. Und Rauchen oder Funkenflug ist da auch untersagt, das was da blubbert ist der entstehende Wasserstoff.
IMG_2514.JPG
So darf das jetzt ein paar Tage stehen, wenn es ein wenig grünlich-trüb geworden ist, ist´s fertig.
Auf keinen Fall darf das rostbraun werden, das Eisenacetat funktioniert dann zwar noch und schwärzt das Holz, der Rost hinterlässt dann aber unkontrollierbare Flecken.
Also nicht wie in Ben Crowes Video (finde es gerade nicht), der nach dem Motto "viel hilft viel" zuviel Stahlwolle im Essig und dann auch noch viel zu lange gewartet hat, weil er meinte, dass da ja in der ersten Woche nichts passiert sei (vor lauter Stahlwolle hat er die leichte Grünfärbung wohl nicht gesehen) und dann seine Holzstücke mit Rostbrühe eingepinselt hat.

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#41

Beitrag von Yaman » 16.08.2020, 20:19

Wie konzentriert muss der Essig sein? Normaler Essig?

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#42

Beitrag von cabriolet » 16.08.2020, 20:47

Ja, ganz normaler 5%iger Tafelessig.

Wie lange ich das stehen lasse, muss ich mal sehen, bei der derzeitigen Hitze kann das sein, dass ich die Stahlwolle-Reste schon nach 3 Tagen ´rausfiltern muss. Sobald es rostbraun wird ist die Essigsäure aufgebraucht und die Stahlwolle rostet einfach nur noch. Ein bisschen Rost lässt sich aber rückgängig machen, indem man wieder einen Schluck Essig hinzugibt. Also keine Panik, wenn der richtige Zeitpunkt ein wenig überschritten ist, nur eine Crowe´sche Rostbrühe soll´s halt nicht sein ;) .

Was ich diesmal vielleicht mit den nicht für die Gitarre benötigten Resten versuchen werde: Das Gebräu (nach dem Herausfiltern der Stahlwolle-Reste) trocknen lassen, so dass ich das reine Eisenacetat in Kristallform habe. Ist jederzeit in Wasser wieder lösbar. Was ich nicht weiß: Gibt das von alleine kleine Kristalle, also ein Pulver oder Krümel, oder habe ich das dann "am Stück"?

Gruß
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#43

Beitrag von Yaman » 16.08.2020, 20:57

Ob Pulver oder Stück ist egal, es löst sich so oder so wieder auf.

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#44

Beitrag von Lollipop » 17.08.2020, 08:52

Yaman hat geschrieben:
16.08.2020, 20:19
Wie konzentriert muss der Essig sein? Normaler Essig?
ich hab bei meiner Gitarre: Betriag #52 https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic ... 50#p151445 Stahlwolle mit Essigessenz aufgelöst. Wenn ich mich richtig erinnre hatte ich den gewünschten Effekt (an Teststücken probiert) nach 5 Tagen. Danach hab ich die restliche Stahlwolle rausgefiltert und das Gebräu in einem Glas, bis zum heutigen Tag gelagert

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#45

Beitrag von cabriolet » 20.08.2020, 17:14

Während das Essig-Stahlwollle-Zeugs vor sich hin reagiert, habe ich dann noch ein paar fummelige Kleinigkeiten erledigt. Die aber nicht alle so gelaufen sind, wie geplant, aber dazu später mehr...

Es fehlte ja noch der Nullbund, der wieder einmal kompensiert sein sollte. Bei den Werten für die Kompensation habe ich wieder zu den gleichen gegriffen wie auch beim letztjährigen Wettbewerbsprojekt. Die haben sich bei mir bei 9-42er und 10-46er Saiten bei 650mm Mensur und schön tiefer Saitenlage bewährt.

Dazu musste ich natürlich erstmal die Nullbund-Position wiederfinden, die Markierung war mir natürlich durch die Griffbrettwölbung verloren gegangen. Da alle anderen Bünde ja schon ´drin sind, war das ein bisschen wackelig, aber ich habe möglichst mittig vom ersten Bund aus "rückwärts" gemessen:
IMG_2516.JPG
IMG_2517.JPG
Und das sowohl diskant- als auch bassseitig, da meine Bünde bei dieser Gitarre ja ein wenig schräg stehen. Von da aus die drei bewährten Maße (0mm an der diskantseitigen Griffbrettkante, 2,5mm für die g-Saite und 3mm für´s tiefe E) angezeichnet, die beiden diskantseitigen Markierungen verbunden und parallel dazu ausgehend von der E-Saiten-Markierung den bassseitigen Verlauf aufgezeichnet.
IMG_2518.JPG
Dass der Trussrodkanal nicht absolut mittig liegt, bitte nicht beachten (und nein, das war nicht beabsichtigt) (whistle)

Der Bunddraht für den Nullbund hat übrigens die gleichen Abmessungen wie die anderen Bünde, ist aber aus Edelstahl, um einem "Eingraben" der Saiten vorzubeugen. Die anderen Bünde sind ja schon abgerichtet und dadurch minimal niedriger als der Nullbund.
Von den gesägten Schlitzen habe ich leider vergessen, ein Foto zu machen, ich habe möglichst genau auf den Linien gesägt, und zwar nur bis etwa zur Mitte des Griffbretts, aber an den Kanten auf volle Tiefe. Deshalb musste an den beiden Bunddraht-Stückchen jeweils auch der Tang keilförmig auslaufen, das habe ich ganz einfach im Schraubstock mit einer kleinen Feile erledigt:
IMG_2519.JPG
Dann noch die äußeren Enden genauso verrundet, wie bei den anderen Bünden und die inneren Enden so angepasst, dass sich die Bundstückchen nicht gegenseitig im Weg sind. Und schon konnten sie eingehämmert werden:
IMG_2521.JPG
Die Schlitz-Enden habe ich dann wieder mit Mehl und Sekundenkleber verschlossen, diesmal habe ich aber vorher noch ein wenig Sekundenkleber in die Schlitze ziehen lassen, damit die Bünde trotz der beigefeilten Tangs sicher sitzen.
IMG_2522.JPG
Damit dann später die Saitenführung möglichst dicht am Nullbund sitzt (verhindert ein "Rollen" der Saiten beim Saitenziehen mit den damit verbundenen Geräuschen), habe ich dann direkt am Nullbund das Griffbrett gekürzt.
IMG_2523.JPG
Und damit das Griffbrett schonmal ein wenig Schutz hat, bekam es eine Schicht Hartöl. Und hoppla, da sind ja auf einmal die Riegel da (dance a) :
IMG_2524.JPG
Am Dienstag habe ich dann mal eine erste Probe von der Eisenacetat-Brühe genommen. Eiche hatte ich gerade nicht da, also ein kleines Stückchen Nussbaum genommen:
IMG_2526.JPG
Da das Zeug aber noch fröhlich Gasblasen produziert und auch kaum trübe ist, darf das dann doch noch weiter stehen.

Gruß
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#46

Beitrag von cabriolet » 20.08.2020, 17:14

Gestern dann der Tag, der nicht so richtig gut lief...

Der Kabelkanal vom Pickup-Fach zum E-Fach und die Bohrung für die Saitenerdung fehlten ja noch.

Also mit dem Kanal zwischen PU und E-Fach angefangen. Da ich dafür keinen extralangen 5mm oder 6mm Bohrer zur Hand hatte und mir bei einem Bohrer in normaler Länge das Futter der Akku-Bohrmaschine im Weg gewesen wäre (ich musste ja in einem sehr flachen Winkel bohren, da der Korpus alles Andere als dick ist), habe ich zum "Eggbeater" mit kleinem Futter gegriffen und mich durch die Eiche gekurbelt ;)
Das hat auch soweit ganz gut funktioniert, der Schreck kam dann , als ich den Bohrer wieder herausgezogen hatte: Zum Schutz vor Kratzern hatte ich ein Stück Schleifleinen kopfüber auf den Korpus gelegt, aber offenbar war sogar noch das kleine Futter der Bohrwinde ein wenig zu groß und hat sich durch den Schleifleinen-Schutz bis ins Holz gerubbelt :shock: :
IMG_2533.JPG
IMG_2534.JPG
Das Holz habe ich da wirklich mit dem Futter weggeschliffen, die Bügeleisen-Methode hilft hier also nicht. Eine Reparatur wird aber noch warten müssen, ich möchte da jetzt kein Stückchen Holz einleimen, weil ich nicht weiss, wie der Leim farblich auf das Eisenacetat reagieren würde. Ausgebessert wird erst, wenn die Gitarre (hoffentlich) schön schwarz ist.

Beim zweiten Loch (Saitenerdung) habe ich dann ein bisschen besser aufgepasst und mir das Holz nicht mit dem Bohrfutter weggeschliffen. Mit dem 3mm-Bohrer sauber in Richtung E-Fach, in dem Augenblick, wo er durchkommt, macht es "knack": Bohrer halbiert :evil: .

Na, wenigstens schaut das abgebrochene Stück ein wenig heraus und lässt sich mit einem Seitenschneider greifen (dance a) . Aber ist zu lang, um ganz heraus zu gehen :? ...
IMG_2528.JPG
IMG_2529.JPG
Also rückwärts mit dem Ding, mit einem gewinkelten Inbus lässt er sich vom E-Fach aus schieben. Aber nicht ganz, wahrscheinlich verkeilt er sich mit der scharfen Bruchkante. Dann eben vor, zurück, vor, zurück ... bis ich ihn endlich weit genug rückwärts bewegt habe, um ihn greifen zu können.
IMG_2531.JPG
Dabei habe ich dann aber das Bohrloch so weit geweitet, dass es unter der Brücke herausschaut. Also später noch eine Stelle zu flicken :|
IMG_2532.JPG
Nach dem ganzen Mist wollte ich dann wenigstens noch ein Erfolgserlebnis: Keine Wasserstoff-Bläschen mehr von der sauer eingelegten Stahlwolle, also gefiltert und ´drauf auf die Gitarre (nach sorgfältigem Abkleben des Griffbretts natürlich).
Aber auch das Zeug wollte mich ärgern, auf der Halsrückseite sofort tiefschwarz, ließ es sich auf dem Korpus und der Kopfplatte bitten. Es stellte sich zwar ein dunkles rotbraun ein, zwar schön, aber nicht das was ich wollte :? . Da hat sich wohl doch der missratene Räucher-Versuch gerächt und es war schon ein Teil der Gerbstoffe aufgebraucht. Den Hals hatte ich ja erst später im Form gebracht.
Auch blieben alle Leimfugen hell, sogar die vorher unsichtbaren zeigten sich als feine weiße Linien. :oops:

Ok, das war´s dann für den Tag und die Gitarre blieb so liegen... und die Entscheidung über ein anderes Finish vertagt.

Heute dann nocheinmal nachgeschaut, sieht ja traurig aus. Nach dem Trocknen ein seltsames Grau. Ein dunkles Blaugrau am Hals und ein helles Grau auf dem Rest.
IMG_2536.JPG
Aaaaaber: Die Leimnähte sind jetzt nahezu unsichtbar, offenbar zieht das Eisenacetat-Gebräu zusammen mit gelösten Gerbstoffen in den Leim.
Also habe ich dem Ding eine zweite Chance gegeben und alles nocheinmal eingepinselt. Und direkt zeigte sich in nassem Zustand, dass der Korpus nun deutlich dunkler war als im ersten Anlauf. Hatte wohl einfach eine Weile gedauert, bis die Reaktion soweit abgelaufen war. Mal sehen wie das morgen aussieht, aber wenn das geölt so wird wie es jetzt nass aussah, bin ich schon zufrieden. Nicht tiefschwarz, aber ein sehr sehr dunkles eben nur fast schwarzes rotbraun.

Gruß
Markus
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Re: Die "Couch-Gitarre"

#47

Beitrag von Poldi » 20.08.2020, 18:16

Na siehst du.... Ende gut, alles gut.

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#48

Beitrag von penfield » 21.08.2020, 08:49

Schaut echt gut aus.
Muss ich mir merken.
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Quickbird, Basslownia, FrameBird, Violin Bass Bausatz, Mystery Guitar . Hat die Semmelblonden JMs endlich fertig und arbeitet an Les Paulownia um die Werkstatt dann endlich ausmisten zu können...

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#49

Beitrag von Rallinger » 21.08.2020, 09:07

Ich find die Farbe hat was. Kann natürlich auch am Foto oder meinem Monitor liegen. Aber was ich hier sehe gefällt mir. Aber besonders gelungen find ich den Hals/Korpus Übergang! (clap3)

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Re: Die "Couch-Gitarre"

#50

Beitrag von cabriolet » 22.08.2020, 11:34

Rallinger hat geschrieben:
21.08.2020, 09:07
Ich find die Farbe hat was. Kann natürlich auch am Foto oder meinem Monitor liegen.
Liegt wohl hauptsächlich am Foto bzw. daran, dass ich den Korpus wegen der geflickten Macken auf der Vorderseite geneigt hatte. Und zwar weg vom Fenster, das sich links befindet. Dadurch wirkt der Korpus deutlich dunkler als in Wirklichkeit.

Gestern habe ich dann mal die erste Schicht Clou Hartöl auf die Rückseite aufgetragen, das macht "im echten Leben" einen deutlichen Unterschied, der im Bild aber weitaus weniger auffällt.
Dazu hatte ich vorher die gesamte Gitarre mit einem Stück Jeans-Stoff poliert. Geht auch bei Eiche recht gut, das Holz wird schön glatt (außer den Poren natürlich).
IMG_2541.JPG
Die Korpus-Farbe gefällt mir so richtig gut, so hatte ich mir das ursprünglich durch das reine "Räuchern" mit Ammoniak in Verbindung mit dem Hartöl gewünscht. Also auf Umwegen an´s Ziel gelangt ;) .
Am Hals ist´s allerdings deutlich anders geworden: Der ist tatsächlich tiefschwarz geworden (habe ihn ja erst nach dem "Räuchern ausgearbeitet), aber mit einem unfreiwilligen Doghair-Finish. Der Hals ist ja aus einem relativ dünnen Eiche-Brett entstanden, ich vermute, dass der Lack aus den frühen 70ern fröhlich durch die Poren transportiert wurde und die Poren deshalb von innen gegen mein Eisenacetat-Gebräu versiegelt waren. Ein völlig unerwarteter Effekt, aber wirklich schlimm finde ich das jetzt nicht.
IMG_2542.JPG
Wie sehr Lösungsmittel (und dann eventuell auch Lacke) durch Holz transportiert werden können, habe ich beim Säubern des Holzes meiner aktuellen Wettbewerbsgitarre gesehen: Am einen Ende des Mahagoni-Korpus Fingerdatscher mit Bremsenreiniger entfernt, und am anderen Ende kommt der Bremsenreiniger tatsächlich wieder heraus :shock: .
Heute war dann auch die Vorderseite der Gitarre an der Reihe, diesmal habe ich ein Bild während des Öl-Auftrags gemacht, um den Unterschied zwischen dem Grau ohne Öl und dem Beinahe-Schwarz nach dem Ölen deutlicher zu zeigen:
IMG_2544.JPG

So darf das jetzt erstmal bis zum nächsten Ölauftrag abhängen.
IMG_2545.JPG
IMG_2546.JPG
IMG_2547.JPG
Für die Vorderseite habe ich aber ein anderes Öl genommen: Clou Arbeitsplattenöl. Mit dem für die Rückseite verwendeten Hartöl hatte ich nämlich schon schlechte Erfahrungen gemacht, bei meiner umgearbeiteten ersten Selbstgebauten hatte ich den Hals damit geölt und das ist bis heute nicht völlig durchgehärtet und nach kurzem Spielen immer wieder klebrig.
Dummerweise habe ich genau das auch wieder auf den Hals aufgetragen, diesmal aber hauchdünn, entgegen der Beschreibung (es soll satt aufgetragen werden, was nicht einzieht, wird später weggenommen). Auch wenn ein Tag Trockenzeit noch nicht wirklich aussagekräftig ist, zeigt es heute den gleichen Effekt: Bei längerem "Befingern" wird´s klebrig.
Mal sehen, wie sich das Arbeitsplattenöl so schlägt, eventuell kommt das auch noch auf den Hals. Im Gegensatz zum Hartöl sind in der Zutatenliste Sikkative aufgeführt, eventuell können die das Hartöl noch zum völligen Aushärten überreden (whistle) .
Wenn das nix bringt, wird es soweit wie möglich wieder herausgewaschen und es kommt eben eine Schicht Schelllack ´drauf.

Gruß
Markus
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