Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

Ein empfehlenswertes Video zum Bau eines Instrumentes gesehen, ein gutes Buch gelesen? Das lässt sich hier in einem Review oder Erkundigung unterbringen
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Sven2
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Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#1

Beitrag von Sven2 » 10.03.2018, 23:19

Passend zum meinem anderen Posting, hier zwei Videos von "Gourmet Guitars", in denen verschiedene Gitarrenbauer ihre Meinung für und gegen verschiedene Leime äußern.

https://www.youtube.com/watch?v=LoHrSXklhe8
https://www.youtube.com/watch?v=E6iSvL2McYM

Es werden hier zwar Meinungen und nicht Warheiten geäußert, aber viele sind der Meinung, dass der Leim auf den Klang eher weniger Einfluss hat. Thompson meinte dazu: "Man kann es nicht wissen, es sei denn, man wäre in der Lage mit dem Finger zu schnippen und bei ein und derselben Gitarre den Leim auszutauschen".

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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#2

Beitrag von Yaman » 11.03.2018, 09:54

Sven2 hat geschrieben:
10.03.2018, 23:19
"Man kann es nicht wissen, es sei denn, man wäre in der Lage mit dem Finger zu schnippen und bei ein und derselben Gitarre den Leim auszutauschen".
Das genau ist der Punkt bei allen Vergleichen. Man ändert beim Vergleich jedesmal nicht nur eine Variable, wenn man eine zweite Gitarre baut, sondern automatisch gleich mehrere. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass der Vergleich mit den Ohren stattfindet.

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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#3

Beitrag von bea » 11.03.2018, 11:12

Es bleiben also vor allem technische Eigenschaften, die man möchte oder eben nicht möchte.

Knochenleim z.B. scheint zwar stärker zu halten als Fischleim, aber die Notwendigkeit des Warmhaltens großer Flächen ist schon ziemlich stressig. Wie würdet Ihr das machen, z.B. wenn es darum geht, ein Griffbrett aufzuleimen (wo die sonstigen Eigenschaften Knochenleim erwünscht sind) oder gar ein Gitarrentop, also vollflächig große Flächen?

Und Fischleim? Klebt offensichtlich ausreichend stark, stellt aber anscheinend noch höhere Anforderungen an die Passgenauigkeit der Leimflächen als Knochenleim.
LG

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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#5

Beitrag von gitarrenmacher » 11.03.2018, 12:43

Ich habe den Knochenleim früher viel zu dick angesetzt. Soviel Wasser zugegeben, bis die Perlen bedeckt waren. Stressig! Und ich war immer unsicher, ob die Verleimungen auch wirklich o.K. sind. Bin also bei Titebond geblieben.
Dann habe ich mit Willi Henkes von Henkes und Blazer telefoniert, bin des Meisters Rat gefolgt und habe dieser Mischung nochmal 1/4 Wasser zugegeben.
Nun habe ich die ersten Decken mit dieser Mischung beleistet. Ging sehr gut.
Zum Aufschachteln nehme ich aber nach wie vor Titebond. für die Hals Korpusverbindung nehme ich seit fast 20 Jahren den Titebond Hideglue aus der Buddel. Entgegen aller Unken-und Buhrufe ist noch nie ein Neckjoint aufgegangen. An dieser Stelle muss dann allerdings nahezu spaltfrei gearbeitet werden.
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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#6

Beitrag von Sven2 » 11.03.2018, 15:37

bea hat geschrieben:
11.03.2018, 11:12
[...]
Wie würdet Ihr das machen, z.B. wenn es darum geht, ein Griffbrett aufzuleimen (wo die sonstigen Eigenschaften Knochenleim erwünscht sind) oder gar ein Gitarrentop, also vollflächig große Flächen?
Zunächst mal ist es wichtig festzustellen, dass die Klebekraft von Knochenleim nicht beeinträchtigt wird, wenn man das Werkstück nicht vorwärmt. Lediglich das Zeitfenster wird kleiner. Früher gab es in Tischlereien dafür große Leimöfen, auf denen die Werkstücke zum Vorwärmen abgelegt wurden und um sie gleichmäßig durchzuwärmen.
Ich würde von Fall zu Fall entscheiden und Leimalternativen dort verwenden, wo es mir Arbeit und Stress erspart. In meinem aktuellen Bauprojekt habe ich die Griffbretter z.B. mit Fischleim verleimt. Aber ich werde es auch mal mit Knochenleim versuchen.
bea hat geschrieben:
11.03.2018, 11:12
Und Fischleim? Klebt offensichtlich ausreichend stark, stellt aber anscheinend noch höhere Anforderungen an die Passgenauigkeit der Leimflächen als Knochenleim.
Also "ausreichend stark" halte ich für eine Untertreibung. Ich würde da keinen Unterschied sehen. Beide Leime härten hart wie Kandiszucker aus und die Verleimung ist stabiler als das umgebende Holz. Was will man mehr?
Meine zweite Gitarre habe ich, bis auf die Randeinlagen, komplett mit Fischleim geleimt, und nicht das geringste Problem beobachtet.

Passgenau sollte man aber bei jeder Leimsorte arbeiten. Auch ein Titebond ist kein Freibrief für große Lücken. ;-)


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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#7

Beitrag von liz » 11.03.2018, 21:11

Was ich an Knochenleim gut finde: sauber verarbeitbar, mit Wasser abwaschbar, hält super, lässt sich wieder lösen (nass und trocken) und erhöht damit die Reparierbarkeit von Instrumenten. Klebt sich außerdem selbst.
Die Nachteile wurden ja schon ausführlich besprochen.

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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#8

Beitrag von gitarrenmacher » 11.03.2018, 21:27

Eine Aussage von John Greven finde ich sehr interessant. Sinngemäß: "Ich verarbeite Hautleim auf Wunsch, es kostet aber nichts extra"
Heißt im Umkehrschluss "Wenn die Kunden meinen, dass es hilft mache ich es, bin aber der Meinung, dass es keinen Einfluss auf den Klang hat."
Das finde ich eigentlich eine gute Herangehensweise. Wenn jemand mit der Meinung kommt, Hautleimgeklebte Beleistungen klingen besser, weil er es mal gelesen hat, oder weil es in Foren so geschrieben steht,oder weil Martin&Co. es ja bei den Customgitarren auch macht, sollte man diesen Wunsch erfüllen können. Wenn man das nicht tut, werden höchstwarscheinlich immer Zweifel bleiben, ob die Leimwahl nicht doch falsch war. Das ist einer der Gründe, warum ich meistens mit Titebond leime, aber auf Wunsch eben auch mit Hautleim.
Die längere Presszeit ist mir wurscht. Bei meinem Output nebensächlich.

Ich lese die Artikel von Greven "Mythbuster" sehr gerne. Martinmyths and other Nonsense
Quelle hier: http://www.grevenguitars.com/pdfs/MartinMyths.pdf
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#9

Beitrag von Sven2 » 11.03.2018, 22:27

liz hat geschrieben:
11.03.2018, 21:11
[...]
Klebt sich außerdem selbst.
[...]
Stimmt! Wichtiger Punkt! Wenn ein mit Knochenleim oder Fischleim geklebter Balken sich löst, kann ich einfach erneut Knochenleim draufgeben und die Leimreste werden reaktiviert.
Bei Titebond müsste ich erst die Leimfläch komplett von alten Leimresten befreien, bevor ich neu Leimen kann. Dabei kein Material zu verlieren dürfte schwierig sein.

Sven

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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#10

Beitrag von gitarrenmacher » 11.03.2018, 22:46

Sven2 hat geschrieben:
11.03.2018, 22:27

Bei Titebond müsste ich erst die Leimfläch komplett von alten Leimresten befreien, bevor ich neu Leimen kann. Dabei kein Material zu verlieren dürfte schwierig sein.

Sven
Ich repariere ja schon geraume Zeit, und wenn ich recapituliere, hatte ich erst einen Fall, wo sich nach unsachgemäßem Gebrauch der Gitarre als Sitzmöbel eine Leimnaht bei mehreren Deckenleisten gelöst hat. Bei allen anderen "losen Leisten" war die Leiste selbst gerissen. Kürzlich hatte ich eine billige Konzertgitarre auf der Bank, wo die Leiste sich komplett mit der Furnierschicht verabschiedet hat.
ABER der Punkt der einfachen reparierbarkeit ist natürlich wichtig. Im Streichinstumentenbau mehr als bei uns Zupferschmieden.
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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#11

Beitrag von Haraysss » 18.10.2018, 12:08

Und Fischleim? Klebt offensichtlich ausreichend stark, stellt aber anscheinend noch höhere Anforderungen an die Passgenauigkeit der Leimflächen als Knochenleim.

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Re: Meinungen zum Thema Knochenleim, Titebond, Fischleim, etc. im Gitarrenbau.

#12

Beitrag von bea » 18.10.2018, 16:18

Klebt so stark, dass auch kleinere Fehler nichts ausmachen... Also keine Angst das Zeug ist einfach zu verarbeiten, und die Genauigkeit, die man eh bringen muss, ist ausreichend.
LG

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