Sidewinder bauen

alles zum Thema Pickup Herstellung
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MiLe
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Sidewinder bauen

#1

Beitrag von MiLe » 14.05.2016, 02:34

moin,

meine Splitcoil-Versuche habe ich eingestellt, da trotz heftiger Wicklungszahlen (2x 9000 0,05er Draht auf Ferrit-Klingen) der Output doch zu wünschen übrig ließ. Grund dafür ist mit großer Wahrscheinlichkeit, daß beim Splitcoil (also 2 Teilspulen für je 3 Saiten) eine Spannung von einer Saite nur in einer der beiden Teilspulen induziert wird, da fehlt natürlich die Hälfte. Da ich aber auch einen Klang Richtung Fender Vintage-SC haben wollte, war über weitere Maßnahmen nichts zu machen, den alles, was den Pegel da noch erhöht (mehr Wicklung, Eisen...), senkt Resonannzfrequenz und Güte in Bereiche, in denen ich sie nicht haben will.

Im Thread "Pickup - physikalische Grundlagen und Zusammenhänge?" http://www.gitarrebassbau.de/viewtopic. ... 770#p95864 bin ich dann auf der Suche nach einem effizienten Prinzip für einen brummarmen Singlecoil-Sound mit gutem Pegel langsam Richtung Sidewinder gekommen, die meisten Details sind im genannten Thread auch beschrieben.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert (dance a) (frei nach Hanibal Smith ;) )

Aus 2 Sidewindern, die jeder für sich als brummkompensierter SC dienen können, wird dann am Ende noch ein Humbucker im Gibson-Format, also 3 in 1. Die erste Hälfte, also 1 Sidewinder aka Singlecoil ist fertig und vermessen und tut genau, was er soll: Hohe Resonanzfrequenz, relativ hohe Güte, brummkompensiert und dabei im Pegel noch stärker als mein Vergleichs-Singlecoil. Wer sagt also, daß noiseless SCs entweder leiser oder aber mittenbetonter sein müssen als echte Singlecoils?
Der Aufwand ist allerdings recht hoch - die Daten:

2 querliegende Ferrit-Bars 6x3x60 mm stoßen mit ihren Nordpolen an einer hochkant stehenden Stahlkinge 3x14x66 mm zusammen und bilden so ein Kreuz, die Klinge bildet den eigentlichen Abtastpunkt. Die Seiten werden von 1 mm Plexi gebildet, irgendwas muss die Spule ja beim Wickeln zusammenhalten.
Bauhöhe 14 mm, Breite 18 mm, also passen 2 davon in's Humbucker-Maß und baut noch flach. Darauf 2x 4500 Wicklungen 0,06er Draht (eine davon reverse), seriell verschaltet Masse -> Außenwicklung 1. Spule -> Außenwicklung 2. Spule - Ausgang.
Gewachst wird natürlich auch noch.

Für einen ersten Eindruck eine Gegenüberstellung eines vintage-mäßigen Singlecoils mit Ferritbalken unten und Stahl-Polepieces, einer Spule eines Seymour Duncan SH4 (Brüllwürfel), meines Splitcoils und meines Prototyps. Frequenzgangmessungen mit Geberspule mit Last 569 pF und 328 KOhm, die Pegel danach skaliert nach Output-Messung mit rotierender Stahlachse. Abstand der Stahlachse über einem Polepiece/Polschraube gleich, beim SH4 war die Polschraube bündig.
Klar ist der SH4 lauter, er hat mehr Draht und eine deutlich höhere Induktivität (5,14 zu 2,95H) und auch Eisen in den Spulen (ohne Polschrauben sinkt die Induktivität auf ca. 3,2 H). Dafür brummt er auch wie Hölle, hat Abtastlücken zwischen den Polen, bringt keine Brillanzen und ist aufgrund der niedrigen Resonanz passiv nur begrenzt formbar.
Der Standard-Singlecoil bringt bei vergleichbarer Resonanz weniger Güte, etwas weniger Pegel und reichlich Brummen.
Der Splitcoil mit 2x 9000 Wicklungen und Ferrit-Bars nicht eben schwächlich aufgebaut und auch in der Magnetfeldbildung nicht ineffizient, verliert im Pegel aber über 6 dB und hat, weil etwas heißer gewickelt, noch eine niedrigere Resonanzfrequenz. Ich sehe das als recht klaren Beweis, das Splitcoils nicht sonderlich effizient sind, sorry Precision-Bass :(

Mein Sidewinder-Elaborat hat auch noch irgend ein Problem, denn eine Spule hat eine signifikant geringere Güte als die andere und zwigt zrotz ähnlichen Werten für Induktivität und RDC auch weniger Ausgangspegel an der rotierenden Saite. Wahrscheinlich irgendwo ein Windungsschluss, es kann also im Endprodukt noch etwas besser und lauter werden.

Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden, weil sich eine Kombination aus Brummfreiheit, Höhenübertragung und Pegel in der Summe so wohl nur selten findet.

Der zweite Sidewinder wird etwas heißer mit 0,05er Draht gewickelt (mit 0,06er ist der Wickelraum 6x5,5 mm nahezu voll) und soll auf eine Resonanz von ca. 3500 Hz kommen, der bringt dann auch noch mehr Pegel.
Beide Sidewinder zusammengeschaltet (ist ja von außen eh ein Humbucker ;) ) sollten dann bei 2800 Hz mit mehr als anständigem Pegel kommen und. Alle Varianten noiseless. (dance a)
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#2

Beitrag von MiLe » 15.05.2016, 18:07

Die 2. Doppelspule ist fertig, langsam ergibt sich ein konkretes Bild.

Der endgültige PU besteht ja aus 2 Sidewindern im SC-Format, ergibt ein Standard-HB-Format. Jeder von denen soll eine Ausprägung des Strat-Sounds reproduzieren, beide zusammen einen recht fetten HB-Sound. Die Aperturen stimmen mit den Originalen schon mal überein - als Humbucker sind's 18 mm, als Singlecoil nur 1 Pol.

Zunächst mal die Frequenzgänge bei 569 PF und 328 KOhm Last, Pegel per rotierender Saite gemessen und Kurven entsprechend skaliert:
Nochmal, das sind 3 Schaltungsmöglichkeiten eines PU im Standard-HB-Format, und jede davon ist brummfrei ;)

Bei den gegebenen Frequenzen macht eine Parallelschaltung wenig Sinn. Fs würde nochmal um den Faktor 1,42 steigen , dafür kämen die Abtastlücken durch die breite Aptertur dazu. Beides brauche nicht wirklich.

Da ja jeder "Singlecoil" aka Sidewinder in sich schon brummkompensiert ist, müssen beide Einlzelspulen natürlich nicht wie beim normalen Humbucker etwa gleich sein, um das Brummen zu unterdrücken. Deswegen habe ich einen Sidewinder mit 2x 4500 U 0,06er Draht gewickelt und den zweiten mit 2x 5600 U 0,056er Draht.
Ergebis sind 2 unterschiedliche Singlecoils, einmal mit 4918 Hz Resonanz und einmal mit 4076 Hz. Also eher Vintage und eher hot ;)
Als Humbucker zusammen (also alle 4 Spulen in Serie) ergibt sich eine Resonanz von 3200 Hz mit immer noch 4,8 dB Ausprägung.
Alle Werte sind relativ hoch und geben mir Spielraum, per Lastkondensator tiefer abzustimmen. Wenn ich eine Lage leitendes Metall unter den PU packe, sinkt die Güte um ca. 0,5 dB, während im Tiefton ca. 0,7 dB dazukommen. Kann ich aber später nach Hörtest noch entscheiden.

Das geht auch nicht zu Lasten der Pegel, denn die sind (im Gegensatz zum Splitcoil) recht erfreulich:

Sidewinder 1: 75 mV
Sidewinder 2: 110 mV
SW1+SW2 Serie: 170 mV (da ist die Achse etwas kurz und tangiert die hintere Spule nicht vollständig)

Zum Vergleich einige andere PUs:
Vintage Strat Ferritbalken: 65 mV
SD SH2N 1 Spule: 55 mV
SD SH4 1 Spule: 145 mV
SD SH2N Humbucker: 120 mV
SD SH4 Humbucker: 242 mV
AC Splitcoil 2x 9000 Ferrit: 31 mV
AC Splitcoil 4x 9000 Ferrit: 60 mV

Die Ausgangsspannungen der Sidewinder entsprechen also dem doppelten bis 3fachen der Splitcoils, bei etwa gleichem Einsatz an Magnetmaterial- und Kupferdraht. RDC und Induktivität ist bei den Splits sogar höher als bei den Sidewindern, Fs und Q also noch geringer. Trotzdem ist der Pegel eher mickrig.
Im Vergleich zu einigen der Vergleichs-PUs ist die Feldstärke an den Klingen der Sidewinder sehr moderat, ich kann also im Zweifel noch näher an die Saiten und gewinne nochmal das eine oder andere dB.

Wenn ich die Effiziens eines PUs als Verhältnis zwischen Output und Resonanzfrequenz bewerte (was Sinn macht, weil beide Faktoren gegeneinander laufen), ist der Sidewinder aber ganz weit vorne (dance a) :lol:

Zum Schluss noch ein Foto der aktuellen Laborratte . Noch voll mit Tape, um die superempfindlichen Drähte zu schützen und die beiden Sidewinder zusammenzuhalten, die finden sich nämlich abstoßend ;)
Ich bin jedenfalls heilfroh, wenn alles in Harz eingegossen ist und da nix mehr kaputt gehen kann.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#3

Beitrag von MiLe » 15.05.2016, 22:56

Wieder einige Schritte weiter:

Klebeband entfernt und beide Hälften verklebt
Kabel angeschlossen und interne Spulenverbindungen hergestellt - so stelle ich mir die ersten Übungsstunden in Neurochirurgie vor ;)
Merke: Beim nächsten Entwurf dringendst überlegen, wie man die Kabel-Anschlussfrage stabiler und zuverlässiger einplanen kann, ohne viel Bauhöhe zu opfern. Denn in der Fläche ist alles randvoll.
Zwischendurch immer wieder Ohm-Messungen, ob noch alles hält.

Danach vakuum-gewachst - irre, was da noch an Luftbläschen rauskommt, wenn sich der Unterdruck aufbaut.
Und wieder die Kontrollmessung :oops: .
Zum Schluss in Polyester-Gießharz eingegossen, weil die Laborratte optisch nicht so der Brüller ist und vor Allem um die höchst fragilen Wickledraht-Kabelverbindungen zu schützen/stabilisieren.
Das Kunstharz ist schwarz transparent eingefärbt. Die Form (Kunststoff-HB-Kappe ohne Löcher) kommt nachher runter, dann Feinschliff und mit Micromesh auf seidenmatt geschliffen. Hoffentlich stimmt die Tönung, damit man noch einen Hauch sieht und hoffentlich hat mein schwarz nicht die gleichen Inhaltsstoffe wie das von capricky :shock:
Aber zumindest die letzte Ohm-Messung beider Spulen sagt: Alles gut! (whistle)

Zum Schluss noch eine kleine Datensammlung von Sidewinder, Splitcoil, ML Strat, SD SH2 und SH4:
...und die Querschnitte Aufbau und Magnetfeld-Simulation:
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#4

Beitrag von MiLe » 16.05.2016, 19:18

und wieder reingefallen :cry:

Abgesehen davon, daß der Verguss alles andere als blasenfrei verlaufen ist (dazu ist die zu vergießende Struktur in der Form zu formschlüssig und das Harz nicht dünnflüssig genug), scheine ich mir auch - wie capricky früher einmal, die Eisenoxydschwarzitis eingefangen zu haben. Nach dem Verguss sind die Pegel der 3 Teilschaltungen um je ca. 5 dB gesunken. Darf doch alles nicht wahr sein - Messfehler ist aber ausgeschlossen, mehrfach gegengeprüft. Hätte der Meister dieses Phänomen nicht erwähnt - ich wäre nie im Leben drauf gekommen.

Also alles nochmal auf 0 und von vorne anfangen - diesmal dann aber mit etwas gekürzten Magneten, etwas größeren Seitenteilen (15 statt 14 mm) (damit ich beim Wickeln nicht so schnell in die gefährlichen Randvereiche komme) und mit einer besseren Lösung für den Kabelanschluss. Man lernt ja nie aus ;)

Mal sehen, ob ich den fertiggestellten Probanden als Neck-PU einsetzt, da könnte der Pegel im Vergleich zum Steg passen.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#5

Beitrag von capricky » 16.05.2016, 19:30

Sicher geht man wohl mit Ruß, bietet sicher irgendeiner an. Ich muß direkt mal probieren, ob die schwarze Paste von R&G auf einen Neodymmagneten reagiert.

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Re: Sidewinder bauen

#6

Beitrag von MiLe » 16.05.2016, 19:43

Ich hab' natürlich gleich probiert, ob/wie das Pigment ( Polyester-Farbpaste RAL 9005 Tiefschwarz von Fiberglas-Discount) auf einen Neo 10x5x30 mm reagiert . Eine minimale Anziehung ist festzustellen, aber nicht viel. Einen dicken Tropfen Pigmentlösung auf einem Blatt Papier kann ich nicht bewegen, wenn ich den Neo direkt unter dem Papier führe.
Eine Anfrage beim Vertrieb, welches Pigment das Zeugs enthält, läuft noch.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#7

Beitrag von MiLe » 16.05.2016, 21:06

Kleines Experiment:
Mit Neodyms unter dem Pickup (gleiche Polung wie der abtastende Magnet/Klinke) lässt sich ein schwächelndes Magnetfeld boosten und auch der gemessene Output erhöhen ;)
Sollte natürlich nicht angewendet werden bei magnetisch normal starken PUs, von wegen Stratitis und so. Sonst muss der PU weiter weg von der Saite und dann hat das Ganze nix gebracht.

Immerhin ist der Effekt bei mir nicht extrem ausgeprägt - ich habe ja auch recht wenig Pigment verwendet, um ein schwarz-transparent hinzubekommen. Ich denke mal, daß sich die Wirkung der Pigmente recht gut beheben lässt, weil die wohl Feldstärkemäßig schnell in die Sättigung laufen.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#8

Beitrag von MiLe » 18.05.2016, 22:56

schweren Herzens habe ich den ersten Doppel-Sidewinder wieder zerlegt - die Sache mit dem Eisenoxyd hat mir keine Ruhe gelassen. Wer weiß, was neben der Feldstärke an den Klingen mit dem Feld durch die Spule passiert? Und siehe da, kaum war das Gießharz abgesägt und abgestemmt, war die alte Feldstärke wieder da. Also wirklich ein akuter Fall von eisenoxydschwarzisis :(

Nun überlege ich, ob ich das Teil wieder identisch aufbaue, oder ob ich einen normalen Sidewinder daraus mache (think)
Durch die Monoapertur-Parallelschaltung sollte es recht singlecoilig klingen, mit doppelter Resonanzfrequenz wie bei serieller Schaltung. Also 2 brauchbare, brummfreie Sounds.
Ich verzichte dann aber auf die 2 Singlecoil-Varianten und - was mir noch mehr Sorgen macht - die notwendigen Wicklungszahlen um Frequenzen von 2200/4400 Hz zu erreichen, wären ohne Eisen im Kern astronomisch - etwa 18.000 Wicklungen/Spule. 36.000 gesamt :shock: . Macht bei 0,05er Draht rund 20 KOhm/Spule, 40 KOhm seriell und 10 KOhm parallel.
Die Induktivität sollte dann bei rund 6 H/Hälfte liegen, also seriell 12H und parallel 3H - heftig.

Alternativen: Weniger wickeln und per C/R Resonanz und Güte runterziehen oder Eisen in die Spulen packen. Ich bin noch unschlüssig. (think)
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#9

Beitrag von MiLe » 19.05.2016, 16:51

Nach meinen neuesten Erkenntnissen bringt Eisen in den Spulen Outputmäßig nicht so viel mehr, wenn schon Ferrit drinnesteckt.
Daher die Strategie: Spulen mit dünnem Draht volldaddeln bringt bei gebgebenem Raum mehr, als Drahtlänge zugunsten Eisen zu opfern. Und am Ende wird dann Fs auf den gewünschten Wert runtergezogen.
18.000 Wicklungen werde ich auf die 13 mm braiten Klingen kaum draufbekommen, ich rechne mit rund 13.000. Mal sehen, was dieses Hochohm-Monster dann von sich gibt ;)
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#10

Beitrag von bea » 19.05.2016, 21:34

Eisen bringt Dir mehr Nichtlinearitäten und Wirbelströme.
Wenn zuviel drin ist, wird er PU zu stark bedämpft, und die Ansprache kann "langsamer" werden. Je nach Anwendung ist mal etwas mehr besser, mal etwas weniger.
LG

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Re: Sidewinder bauen

#11

Beitrag von MiLe » 19.05.2016, 23:17

ich denke, daß mit Eisen in der Spule überwiegend die Wicklungszahlen und damit Kosten gesenkt werden. Auch mit mehr Wicklung wird die Resonanz niedriger und stärker bedämpft, aber das Verhältnis der beiden zum Pegel ist bei mehr Wicklung günstiger als bei weniger Wicklung + Eisen.
Was aber die Ansprache "langsamer macht" vermag ich nicht zu sagen, wirklich langsamer kann da eigentlich nix werden. Höchstens psychoakustisch, weil für's Ohr eine ausgeprägte Resonanz markantzer und dadurch u.U. "schneller" wirkt.

Du hattest in einem anderen Thread mal geschrieben, der Viva 11/2 wäre recht höhenlastig. Ich habe hier den Viva HB04 (4Klinger mit ähnlichen Werten) und auch vermessen, höhenlastig ist der sicher nicht - im Gegenteil. Nach Allem, was ich bisher glaube herausgefunden zu haben, kann er das bei der Wicklungszahl und durchgehender Stahlklinge (starke Wirbelströme) auch gar nicht. An was machst Du Deinen Eindruck fest?
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#12

Beitrag von MiLe » 20.05.2016, 17:26

Auf gehts:
Testweise baue ich mal einen einfachen Sidewinder. 2 Ferritbarren 56x12,5x3 mm Nord an Nord an eine 3mm starke Klinge.
Die Seiten diesmal (jetzt habe ich ja Platz :D ) aus 2mm Plexi. Seiten, Klinge und Magnetenden sind in diversen Schritten verrundet, damit beim Wickeln nix hängenbleibt. Bei der geplanten Wicklungszahl von > 12.000 pro Seite 0,05er Draht sollte tunlichst in dieser Richtung nicht viel schief gehen. Die 12.000 sind aber kein Limit, ich wickel was drauf geht. Die gewünschte Resonanzfrequenz bei Parallel 4500 Hz/Seriell 2250 Hz werde ich eh nicht erreichen und muss mit einem C nach unten nachsteuern. Also halt so viel Output wie möglich und so wenig nach unten ziehen wie möglich. Zielinduktivität seriell > 10 mH.
Soweit der Rohbau. Anstelle Klebeband wird jetzt mit mehreren Schichten Lack isoliert, weil die Klebebandränder beim Wickeln gerne mal den Draht fangen und es dann Chaos gibt.

Ach was freue ich michmal auf einen PU, bei dem ich nicht bröselnden Ferrit schneiden und alles ewig schleifen muss :roll:

P.S.: Die FEMM-Simu des Magnetsystems schaut auch nicht übel aus:
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#13

Beitrag von bea » 20.05.2016, 19:51

MiLe hat geschrieben: An was machst Du Deinen Eindruck fest?
Er hat eine deutlich ausgeprägte und recht scharfe Resonanz. Er ist aber nicht nur höhenlastig; er bringt auch im Tiefbassbereich viel. Und dort, wo ein Basstonabnehmer abliefern muss - in den hohen Bässen und tiefen Mitten, kommt wenig.

Die Resonanz habe ich auch mit parallelen Widerständen und Cs nicht in den Griff bekommen, und das Verhalten bei niedrigen Frequenzen führt nur dazu, dass der PU Verstärkerleistung zieht, wo man sie nicht braucht und trotzdem im Bandmix wenig durchsetzungsfähig ist.
LG

Beate

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Re: Sidewinder bauen

#14

Beitrag von MiLe » 20.05.2016, 20:51

Hmm - seltsam: Vom Aufbau un den Daten scheint er dem Viva HB04, den ich ja schon vermessen hatte zu ähneln, wenn auch je 2 Spulen seriell zusammengefasst sind. http://gitarrebassbau.de/viewtopic.php? ... =50#p99143
OK, die Resonanz könnte aufgrund der halben Menge Eisen in den Spulen etwas ausgeprägter sein, aber ausgehend von der Basis des HB04 dürfte auch das noch kaum hörbar sein, der war bisher einer der unausgeprägtesten, die ich in den Fingern hatte. Quasi ein reiner Tiefpass :(
Aber vielleicht sind wir ja bald schlauer, was Viva da anders gemacht hat ;)
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#15

Beitrag von thoto » 20.05.2016, 22:37

Ich drück' dir die Daumen, Michael! Gutes Gelingen!
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Aktuelles Projekt: viewtopic.php?p=116032

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Re: Sidewinder bauen

#16

Beitrag von MiLe » 21.05.2016, 00:00

Danke, hat geholfen!!! :D

Im zweiten Anlauf habe ich meine erste Spule gewickelt von der ich denke, daß es auch keinen großen Unterschied mehr zu indzustriell hergestellten macht. Der Trick war der Umstieg vom händischen(halbwegs zittrigen) Führen des Drahtes auf die Nutzung des Drehmeißelhalters an der Drehbank. Schraube rein, 2 U-Scheiben und 2 Scheiben Filz, Mutter zum Vorspannen und passt.
Dann noch etwas mit Umdrehungszahlen, Spulenbreite und Drahtbreite gerechnet und herausgefunden, daß ich in 20 Sekunden 10x die Kurbel gleichmäßig drehen muss, dann passts.
Die erste Wicklung war zu locker, weil sich wohl die Filzscheiben zur Spannung des Drahtes etwas eingelaufen hatten.

Ich hab' mal nach 12000 Wicklungen gestoppt (da passt noch reichlich auf die Spule und mit 18.000 hatte ich gerechnet), eine Kontrollmessung gemacht und nicht schlecht gestaunt:

13,5 KOhm - wie erwartet
5,33 H: Mehr als erwartet
125 mV: mehr als erwartet
2800 Hz + 4,8 dB: Deutlich weniger als erwartet - sowohl Frequenz als auch Güte. :shock:

Der Unterschied zwischen der viel zu lockeren und der strammen Spule ist vernachlässigbar - Messtoleranz. Die Wicklungsart isses also schon mal nicht. Wo aber der Riesen-Unterschied zum Vorgänger herkommt, der annähernd die gleiche Wicklungszahl 0,56er Draht (also 1 Nummer dicker) hat, ist mir noch nicht klar. (think). OK, der war auf 2 Spulen verteilt, die in Serie geschaltet waren, aber das sollte doch keinen Unterschied machen? Aber 2800 Hz zu 4000 Hz ist schon 'n Riesen-Unterschied. Dabei hatte der alte noch mehr Eisen neben der Spule, da das mittendrin in der 2geteilten Spule war.
Die Tage wickel ich mal die 2. Spulenhälfte mit 12000U 0,56er, der passt locker drauf. Dann sehen wir endlich, welchen Unterschied die Drahtstärke bei gleicher Wicklungszahl macht (außer Widerstand natürlich ;) )
Wenn's keinen Unterschied macht, ist es die Spulen- und Magnetgeometrie, aber besonders zweiteres kann ich mir nur sehr schwer vorstellen.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#17

Beitrag von MiLe » 21.05.2016, 09:07

Ich denke, ich habe nach einer halb schlaflosen Nacht die Ursache dafür gefunden, daß die 12000 Wicklungen 0,05er auf Ferritkern nicht das aus der Tabelle hier http://www.gitarrebassbau.de/viewtopic. ... 100#p99799gebracht haben sondern eher aus der Kurve für Ferritbalken mit Stahlplugs zu stammen scheinen (think)
Daß die Reduzierung der Drahtstärke von 0,056 auf 0,05 mm derartige Unterschiede ausmacht, konnte ich mir einfach nicht vorstellen.
Da auch der DC-Widerstand der Spule wie berechnet war, hatte ich aber erst mal keine andere Idee - bis heute morgen:
Ein durchmessen der Spule zur (gemeinsamen) Stahlklinge förderte einen Kontakt der Spule zur Klinge bei 1/3 der Wicklung zu Tage. Offenbar wird dadurch das Eisen in die Spule (hineingezogen) und sorgt mit den entsprechenden Wirbelströmen für das unerwartete Absinken der Resonanzfrequenz und Güte sowie für die höhere Induktivität :evil:

2faches Lackieren der Klinge hat da also nicht genug Durchschlag-Festigkeit gebracht - das kommt davon, wenn man statt auf Kunststoff- oder Holzbobbins direkt auf Stahl und Ferrit wickelt.

Rund 1000 Wicklungen runter, und Fs wäre dennoch da, wo ich sie haben will. Das wird aber die gewünscghte Güte nicht zurückbringen, also nochmal neu - oder zumindest abwickeln bis zur Schadstelle. Mal sehen, ob sie bei 4000 oder 8000 Wicklungen liegt, das konnte ich heute morgen in der Kürze der Zeit nicht mehr prüfen.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#18

Beitrag von bea » 21.05.2016, 09:51

MiLe hat geschrieben: 2faches Lackieren der Klinge hat da also nicht genug Durchschlag-Festigkeit gebracht - das kommt davon, wenn man statt auf Kunststoff- oder Holzbobbins direkt auf Stahl und Ferrit wickelt.
Bei Ferrit wundert mich das jetzt schon. Aber möglicherweise reicht ja sogar die geringe Leitfähigkeit der Materialien aus. Wie dem auch sei - eine Lage Isolation halte ich für unabdingbar. Bei den Kernen meiner Niederimpedanz-PU-Dauerbaustelle habe ich jedenfalls eine Lage Isolation vorgesehen. Da kann man "alles" verwenden: Papier, Tesafilm, Bast (lässt such gut wickeln und verkleben)...
LG

Beate

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Re: Sidewinder bauen

#19

Beitrag von MiLe » 21.05.2016, 10:34

moin Bea,

ich denke, das Problem waren nicht die Ferritkerne sondern die Stahl-Zwischenklinge beim Sidewinder. Wie gesagt, 2 Schichten Lack + Drahtisolation und trotzdem Kontakt. Der Lack isoliert anscheinend recht gut, auf der Stahlkline kann mein Ohmmeter bis in den MOhm-Bereich nichts finden.
Bei dem was ich will habe ich halt generell ein Platzproblem und versuche alles auf ein Minimum zu reduzieren, was Platz für die Wicklung kostet - jetzt hab' ich's wohl übertrieben ;)
Ich habe ja auch die Kanten der Stahlklinge alle schön verrundet. Wenn ich da nun Tesa draufklebe, habe ich wieder eine harte Kante, die beim Wickeln Probleme machen kann. Lasse ich das Tesaband erst mal überstehen und schneide es nach dem Wickeln bündig, besteht die Gefahr, dabei die randvolle Wicklung zu beschädigen. Beides schon erlebt- Daher kam ich auf die Lack-Idee - vielleicht hätte ich aber auch mehr Geduld haben und den Lack besser durchtrocknen lassen sollen :?
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#20

Beitrag von MiLe » 26.05.2016, 00:49

Hallelujah - endlich habe ich das erste Teil zusammengepfriemelt.

Merke: Platznot ist keine gute Voraussetzung für Pickupbau mit vielen Wicklungen - das wird zwangsläufig eng und so richtig fummmelig. Die Vielzahl meiner Fehler und Missgeschicke beim Bau könnte ein eigenes Unterforum füllen, also lassen wir das lieber ;)

Nun steht das Ergebnis, nur eingegossen werden muss es noch - diesmal ohne schwarzen Farbstoff;)

Ergebnis: Der Patient ist kerngesund (dance a)
Nochmal: wie haben hier 2 Sidewinder zusammen im HB-Format. Schaltbar als brummfreier Quasi-Vintage-Singlecoil mit gut 4,1 KHz Resonanz (Siedwinder 1 blau), als Quasi-Hot-Singlecoil mit gut 3,1 KHz Resonanz (Sidewinder 2 grün) und zusammen als Doppel-Humbucker (rot) mit 2,3 Resonanz - alle mit kräftig ausgeprägter (und bei Bedarf leicht reduzierbarer) Güte.
Alle 4 Wicklungen auf 6x3 mm Ferritbars, Anordnung: N-S-Klinge-S-N, -36 mT auf beiden Klingen.

Technische Daten:
Sidewinder 1 (blau): 2x 5600W 0,056 mm / 10,0 KOhm / 3,6H / 145 mV
Sidewinder 2 (grün): 2x 7000W 0,050 mm / 16,2 KOhm / 5,6 H / 180 mV
SW1+SW2 seriell (rot): 25.200 W 0,05+0,056 / 26,2 KOhm / 8,5 H / 310 mV

Alle Varianten sind also für die jeweilige Resonanzfrequenz ausgesprochen kräftige Kerlchen, pegelmäßig dem SH4 recht ebenbürtig, nur eben mit höherer Resonanz und Güte. Einen Standard-Strat-Pickup dürfte der blaue Sidewinder bei sehr ähnlichem Übertragungsverhalten im Pegel um mehr als Faktor 2 schlagen, bei gleichzeitiger Brummunterdrückung. Ich werte das mal vorsichtig als Erfolg. Nur die Optik ist nicht wirklich vintage-mäßig - aber das war ja auch nicht das Ziel.

Wenn jetzt beim Vergießen nicht noch was schief geht, darf ich ab morgen endlich wieder klimpern (player2)
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#21

Beitrag von MiLe » 26.05.2016, 00:55

bea hat geschrieben:Bei Ferrit wundert mich das jetzt schon. Aber möglicherweise reicht ja sogar die geringe Leitfähigkeit der Materialien aus. Wie dem auch sei - eine Lage Isolation halte ich für unabdingbar. Bei den Kernen meiner Niederimpedanz-PU-Dauerbaustelle habe ich jedenfalls eine Lage Isolation vorgesehen. Da kann man "alles" verwenden: Papier, Tesafilm, Bast (lässt such gut wickeln und verkleben)...
Ich denke, ich habe die Hauptursache für die Probleme endlich gefunden:
Den Wicklungsanfang habe ich von außen zugeführt, er läuft also innen an der Spule die Seitenwand diagonal runter an der mittigen Stahlklinge entlang. Beim Wickeln schleift so der wickeldraht in diesem Randbereich bei jeder Umdrehung am Spulenanfang und beschädigt so dessen Isolierung, womit er gleichermaßen Windungsschlüsse als auch Schlüsse mit der gemeinsamen Klinge bilden kann. Damit ist so ziemlich jede Form von Ungemach herstellbar.
Ich bin wieder zur Isolierung der Klinge mit Tesa statt Lack übergegangen und habe die Drahtzuführung durch eine Bohrung durch die Seitenwand direkt an den "Spulenboden" gelegt - bei den darauffolgenden Wickelarien war dann endlich Ruhe (whistle)
Tesa ist halt blöd, weil die Klinge ja auch eine Spulenseite bildet und die sorgfältige Verrundung der Klinge durch's Tesa teils wieder kantig wird - außerdem ist der Überstand bei vollgewickelter Spule kaum noch unfallfrei zu entfernen. Ich werde da wohl noch an der Klingen-Lackiermethide arbeiten müssen, vielleicht hilft auch schon längeres aushärten lassen.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Sidewinder bauen

#22

Beitrag von Bermann » 26.05.2016, 01:09

Michael,
besorge Dir doch einen Trafo-Tauchlack und lackiere damit mehrmals, alternativ geht auch Epoxyd.
Gruß Hermann

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Re: Sidewinder bauen

#23

Beitrag von thoto » 26.05.2016, 12:42

MiLe hat geschrieben:...Die Vielzahl meiner Fehler und Missgeschicke beim Bau könnte ein eigenes Unterforum füllen, also lassen wir das lieber ;)
Neneneee, das wollen wir schon wissen! :)
Schließlich reicht es ja, wenn einer die FEhler macht und alle anderen davon profitieren können . 8)
Vielleicht reicht auch eine stichwortartige Liste...? (whistle)

Herzlichen Dank übrigens für deine Artikel! Großartig! (clap3) (clap3) (clap3)
Thoto
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Re: Sidewinder bauen

#24

Beitrag von HENK » 26.05.2016, 13:30

Isolierung:UHU HART(?).

Ich lese begeistert mit!

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Re: Sidewinder bauen

#25

Beitrag von MiLe » 26.05.2016, 14:04

Danke :)

Dann fangen wir doch gleich mal mit dem letzten Missgeschick an (ich könnt' gerade gar nicht so viel essen, wie ich k***** könnte (wall)
Beim Entformen des ganzen Gebildes aus der vorher sorgfältig gewachsten Form (Kunststoff-PU-Kappe) hat sich an einer Stelle das Gießharz nicht von der Form lösen wollen und schlussendlich einen Teil der Wicklung weggerissen :evil:
Betroffen ist eine der 4 Teilspulen. Die wegzusägen und neu zu wickeln ist jetzt nicht das ganz große Problem, aber intern sind die Spulen ja mit dem Wickeldraht verbunden, und da dann den richtigen Ansatz zu finden, wird (mal wieder) kniffelig (think)
Im schlimmsten Fall muss halt die 11000er Doppelspule komplett weg und neu gemacht werden, denn die hat ja intern keine Verbindung zur anderen Doppelspule.

Andere Fehler/Mißgeschicke und deren Lösung:

Wicklung lose mit zu viel Luft drin:
- Pickup unrund auf Wickelmaschine fixiert
- ungleichmäßige Drahtspannung
- ungleichmäßige Drahtführung
- Zu nah und fest an die Kanten gewickelt
- scharfe Kanten Magnet, Klinge...., an denen der Draht beim Wickeln hängen bleiben kann

Drahtriss beim Wickeln:
- gleiche Ursachen wie die lose Wicklung

Drahtriß beim Hantieren mit gewickelter und ungesicherter Spule
- Spule zu voll (geht nicht anders wenn man unbedingt will, was ich will)
- unbedachte, minimale Handbewegung
- Draht (kaum sichtbar) verfängt sich an irgendetwas

Ungeplantes Übertragungsverhalten:
- Windungsschluss
- Schluss der Wicklung an unisolierte Eisenteile
- Doppelspule falsch (out of phase) verdrahtet. Beim Nachdenken über Magnetpolaritäten, Wickelrichtungen und phasenverdrehtes Anschließen kann einem schon mal schwindlig werden)
- Mangelnde Grundlagenkenntnisse (z.B. ineffizienter Splitcoil, Grundzusammenhänge zwischen Wicklungszahl, Induktivität und Resonanzfrequenz)
- Verwendung von ferroomagnetischen Farbstoffen (Eisenoxyd) beim Vergießen
- Hantieren mit starken Magneten (Neodym) in unmittelbarer Nähe zum PU - vorzugsweise wenn gerade fertig gewickelt und ansonsten fehlerfrei

weitere mechanische Probleme:
- Ferrit/Alnico platzt beim Schneiden, Schleifen...
- Ferrit platzt beim Wickeln wegen zu hohem Druckaufbau oder vorhandenem Haarriss)
- Ungeduld: Sekundenkleber noch nicht ausgehärtet, Bobbinteile lösen sich beim Wickeln oder nachträglichem Hantieren
- Vergessen, vor dem Verkleben zu entfetten
- Spule angeschnitten beim Versuch, nachträglich Isolierungsüberstand zu entfernen
- Spule angeschliffen beim Beschleifen des Gießharz-Blocks
- zu viele/wenige Wicklungen, weil der Fahrrad-Funktacho entweder keine Verbindung bekommt, oder die Störstrahlung des Motors mitzählt oder aber nur bis x 15U/Min. mitkommt und man schneller wickelt.
- Beim Abwickeln einiger weniger Windungen eine Schlaufe des weiter innenliegenden Drahtes gezogen, gerissen und sich gefragt, welches der 4 oder 6 losen Enden denn nun das richtige ist (think)

sonstige Probleme:
- wundern, daß das Lötzinn nicht flüssig wird bis man bemerkt, daß man statt Lötdraht versehentlich versucht, ein Stück Gitarrensaite, das deneben liegt, zu verflüssigen :oops:
- Unterschätzen der magnetischen Kräfte beim Versuch, 4 Teilspulen vor dem Vergießen anzuordnen (die finden sich abstoßend)
- Feststellen, daß der Draht alle ist, wenn noch 500 von 14.000 Windungen fehlen (whistle)
- Generell das Unterschätzen magnetischer Kräfte, vor Allem wenn Neo in der Nähe ist. Fieserweise zersplittern dann auch noch einige Teile beim Zusammenprall.
- Recht hohe Preise für Megnetmaterial und Stahlteile, die man aber in den benötigten Abmessungen nur beim "PU-Bau-Fachhandel" bekommt. (für einen 3x6x60 mm Ferritbalken 4.- € sind schon heftig)


Das sind die Dinge, die mir spontan einfallen (da kommt sicher noch mehr) und von denen mir alles in den letzten Wochen zumindest einmal passiert ist.
Irgendjemand sagte mal, daß sich der Bau einiger weniger PUs nicht lohnt, weil das Lehrgeld, das man bezahlt mehr ist, als gute PUs kosten. Das war ein weiser Mann :)

Das Problem dabei: Von kaum einem käuflichen PU sind genaue Daten bekannt, und man muss schon lange probieren, bis man findet was man will. Und einen effizienten HB-Format-PU mit 2 vollwertigen brummfreien SCs habe ich noch gar nicht gesehen. Und wenn ansatzweise, dann passt die Übertragungscharakteristig wieder nicht zu dem, was ich will (z.B. Viva HB04 4-Klingen-PU)
Ich gebe aber auch zu bedenken, daß beim Wickeln eines üblichen Singlecoils auf zugekaufter Bobbin wohl weit weniger Probleme auftauchen sollten: Kein Kontakt des Drahtes zu Metall, Spule muss nicht über-randvoll gewickelt werden, schön abgerundete, zukaufbare Kunststoff-Bobbins, Platz für Lötverbindungen an richtigen Lötösen...So ein Standard-PU kommt mir mittlerweile so vor, als könnte man mit viel Platz recht grobmotorisch daran rumwerkeln. Is eben alles relativ im Leben ;)
Liebe Grüße,
Michael

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