Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

Amp / Effektgeräte selbst bauen oder reparieren
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bea
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Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#1

Beitrag von bea » 01.01.2018, 10:53

Im Valve Junior Thread schrieb ich ja gerade, dass es mir nicht leicht fällt, den Kleinen komplett zu zerlegen und die alten Innereien nahezu komplett zu entsorgen.
Jetzt habe ich aber noch dieses Ding da:
Mein erster Gehversuch, 15W aus 2 EL84 im Gegentakt. Bausatz WoJoBe. Katodyn Phasenumkehr,
die EL84 wie so oft mit einem einzigen Katodenwiderstand, der sinnigerweise aus 2 parallel geschalteten Widerständen gebildet ist. Inzwischen weiß ich, dass die Phasenumkehrstufe nicht optimal konfiguriert ist, und kenne noch ein paar weiter Mängel im Konzept (Schirmgitterspannung > Anodenspannung).

Damals hatte ich weder Erfahrung mit Röhren noch besaß ich das notwendige Minimum an Messtechnik. Einen kleinen Fehler hatte ich bei der Inbetriebnahme übersehen. Dadurch beförderte ich ein Pärchen EL84 ins Jenseits. Den Fehler hatte ich korrigiert. Aber irgendwie hatte ich keine Bock, auf Risiko nochmal einen Satz Röhren zu riskieren. Wegen des gemeinsamen Katodenwiderstands gehen sie halt immer gemeinsam über den Jordan.


Auch wenn die Schaltung wohl funktionieren würde, zumindest im ebenfalls möglichen UL-Betrieb, möchte ich es besser machen. Zudem seht Ihr ja, dass ich das Ding so deppert aufgebaut habe, dass man das allenfalls für einen Prototypen tolerieren kann.

Also - was fange ich damit noch an? Der Trafosatz ist ziemlich solide (Übertrager von Welter, Netztrafo von Wüstens), das Platinchen könnte ich ausschlachten.

Elektrisch könnte das sowas werden:
Was sieht man da?
- eine direkt gekoppelte Katodynstufe. Hat vor allem beim Gegenkoppeln Vorteile hinsichtlich der Stabilität.
- eine ECC82 ist da vorteilhafter als eine ECC83.
- eine Endstufe mit direktem Bias im Beinahe-B-Betrieb. Sozusagen die halbe Endstufe einer Echolette M40.
- die Simulationen sagen etwas von knapp über 20 W; Mit ein wenig Glück komme ich da auch ran, vielleicht sogar mit den EL84. Limitierend dürfte vor allem der Übertrager sein. Ist aber auch nicht sooo wichtig - der Trafosatz hat halt nun mal geringere Reserven als der im Valve Junior.
- 6L6GC als Endröhren. Mehr Leistung bringt das wohl nicht (je nach Röhrenmodell sind bis zu 25% drin), aber die 6L6 sollen "runder" klingen als die EL84. Vor allem: die 6L6 würde in dem Gerät nicht arg gefordert, auch nicht bei krasser Übersteuerung. Bei einer ausgereizten EL84 ist das alles deutlich kritischer. Eine 6V6 würde ebenfalls passen - mit vernachlässigbar geringerer Leistung. Hätte den Vorteil der sehr deutlich geringeren Heizleistung.
- als Vorstufe käme die Schaltung in betracht, die ich mir für den G2000 ausgedacht habe, oder auch die Vorstufe aus den Valve Junior-Gedankenspielen.


Aber was baue ich da drum rum?

So ganz grob habe ich ja die Idee, ein kleine Übungscombo zu bauen. Als Lautsprecher vielleicht den Oberton 12L300, den Eminence Delta 12 oder DeltaPro 12. Alles drei Austauschtypen für den EV12L. Alle drei tauglich für Bass und Gitarre. Alle drei mit sehr großem Wirkungsgrad, besonders der Oberton. Aber der ist ein schwerer Brocken...

Das Haputproblem

bei der Angelegenheit, das mich schon lange zögern lässt, ist die Frage, wie ich am geschicktesten einen Röhrenverstärker mit einer Bassreflexbox verheirate. Ergonomisch sinnvoll sollte es ja auch sein.
LG

Beate

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#2

Beitrag von DoppelM » 01.01.2018, 12:02

Also Designmäßig würd ich da einfach für ein Fliptop plädieren! Das sieht gut aus und ist praktisch zu transportieren weil alle Verstärker-Elemente mega geschützt in der Box verschwinden und das Ding dann zienlich kompakt ist.
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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#3

Beitrag von bea » 01.01.2018, 13:48

Es könnte tatsächlich in die Richtung gehen. Auch wenn die Box dann vergleichsweise groß werden muss, weil sonst der Platz auch für einen kleinen Amp fehlt.
LG

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#4

Beitrag von bea » 03.01.2018, 16:36

Inzwischen habe ich auch das skizziert, was noch fehlt: eine Schaltung für die Biasspannung. Weil der Trafo keine Wicklung dafür besitzt, muss ich den Hochspannungszweig anzapfen. Ich habe mich für eine Vollweggleichrichtung parallel zum Gleichrichter der Anodenspannung entschieden. Im Plan unten ist wieder alles hinter dem Gleichrichter gezeigt. Die beiden Widerstände, die die Schaltung vor Schleiferdefekten schützen sollen, kommen natürlich auch rein!

EDITH: den letzten Plan der Endstufe wollte ich auch noch anhängen. Jetzt muss "nur" noch die Vorstufe so weit optimiert werden, dass sie sowohl hier mit 300 V als auch im G2000 mit 400 V läuft. Ach so: es wird auf jeden Fall ein Mischverstärker mit zwei kompletten Vorstufen werden.
LG

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#5

Beitrag von bea » 24.03.2018, 01:03

So allmählich kann ich mich mal an den Aufbau machen. Ein Dynacord-Chassis habe ich noch über. Der einstmals darin befindliche HiFi-Favorit war komplett abgeraucht. Hier also das Geraffel, von links Ausgangsübertrager, Netztrafo, Gleichrichterplatine. Das Endstufenmodul werde ich nicht verwenden.

Damit das ganze passt, muss ich auf jeden Fall noch das Halteblech für die beiden Schraubelkos abflexen. So nah am Rand wie das ist, kann das kniffelig werden. Das Netzteil soll in das Fach unten links. Wegen der großen Platine wird das trotz des kleinen Trafos ziemlich eng - bei Dynacord hatte man die diversen Baugruppen auf mehreren Platinen kaum erreichbar versteckt.

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#6

Beitrag von bea » 25.03.2018, 00:25

Hier mal mit platzierten Baugruppen - jetzt ist auch klar, wie ich die restlichen Baugruppen platzieren werde. Vielleicht sollte ich aber trotzdem mal untersuchen, was ich mit einem größeren Übertrager ausrichten kann. Elektrisch passt da übrigens der DCN307 aus der ursprünglichen Endstufe perfekt; er hat das gleiche Raa.

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#7

Beitrag von bea » 03.10.2018, 02:22

So nach und nach löte ich den alten Verhau auseinander - auch den des fehlgeschlagenen alten Projekts - und versuche, es wenigstens ein kleines bisschen ordentlicher zu verlöten. Heute Heizung der Endröhren und Anoden. Ein hübsches Plätzchen für die Phasenumkehrstufe muss ich noch finden. Bei den Drahtfarben orientiere ich mich übrigens an Dynacord; ich habe noch eine weitere Leiche, an der ich lunzen kann.
LG

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#8

Beitrag von bea » 07.10.2018, 01:48

So ein Mist!

So nach und nach baue ich die Schaltung in dem alten Chassis auf. Dabei muss ich die alten Leitungen herausnehmen, zumindest die, die ich nicht mehr benötige, und ich muss die verbleibenden Teile der alten Schaltung komplett durchprüfen. Nicht zuletzt, weil sie nicht mehr original ist und ich wissen muss, dass da nicht gefährlich verbastelt wurde. Heute also alles von Netzbuchse bis zu den Primäranschlüssen.

Das war ja einmal ein HiFi Favorit II, also 80W. Der hatte eine Primärsicherung, zwei Anodensicherungen und einen schaltbaren Längswiderstand, der im Standby-Modus alle Spannungen reduzierte. Ziemlich pfiffig zum Begrenzen des Einschaltstromstoßes. Leider ist der Sicherungshalter der Primärsicherung defekt, und ich muss einen der Halter für die Anodensicherungen zweckentfremden. Und dementsprechend neu verdrahten.

Auf die separate Anodensicherung wollte ich zumindest vorerst verzichten - die ist ja kein Muss. (Aber das ist noch nicht endgültig...)
Standby wird auf die Reduktion des Eingangsstroms reduziert. Im Standby Modus wurde der Eingang kurzgeschlossen und die Biasspannung so stark negativ gesetzt, dass die Endröhren abgeregelt werden. Das werde ich möglicherweise auch wieder implementieren. Mal sehen.

Beim Überprüfen der Verbindungen stellte ich dann fest, dass der Netzschalter nicht oder nur ganz gelegentlich etwas schaltete. Alle Kontakte verrrußt... hoffentlich komme ich dran, ohne den Schalter zu zerlegen. Richtig doof.
LG

Beate

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Re: Was mache ich mit diesem Ding? (EL84 Gegentakt)

#9

Beitrag von bea » 17.10.2018, 00:11

Während ich so nach und nach Drähtchen für Drähtchen einlöte und mir immer noch nicht ganz schlüssig bin, wo ich das Platinchen mit der Bias-Schaltung am besten hinpacke, mache ich mir ein paar Gedanken über den Vorverstärker.

Aktuell scheint es auf drei mischbare Kanäle hinauszulaufen. Zwei Kanäle mit je einer Doppeltriode, dazwischen Klangregelung und Gain-Poti, dahinter ein "Master"-Poti. Pro Kanal. Das auf einen Mixer. Der könnte entweder ganz simpel resistiv sein, also hochohmig mit Entkopplungswiderständen, oder aber aktiv mit einem Anodenfolger. Dann hätte ich noch eine Triode übrig - leider würde deren Verstärkung nicht für einen dritten Kanal ausreichen - oder vielleicht mit Tricks gerade eben so. Mal sehen.

Klanglich sollen die beiden Haupt-Kanäle in Richtung Hiwatt gehen. Aber: die Hiwatt-Klangregelung hat sehr große Verluste - und das beißt sich mit meinem Wunsch, die zweite Triode auch übersteuern zu können - was im G-2000 klappt. Klanglich ist das leider nur beinahe gelungen: es geht zwar deutlich in die richtige Richtung, aber der Klang ist insgesamt etwas dunkel.

Hier nochmal ein Link zum Preamp meines G-2000:
https://gitarrebassbau.de/download/file ... &mode=view

Nun die Frequenzgänge des Mittenreglers von G-2000 und Hiwatt (Bass und Höhen auf 40%, also ca. 11 Uhr, G-2000 linear mit aktiviertem Hochpass). Man sollte unmittelbar das "beinahe" erkennen. Beim G-2000 ist das Mittenloch in Maximalstellung immer noch weniger ausgeprägt als beim Hiwatt. An dieser Stelle muss ich noch ein wenig feilen.
Dateianhänge
LG

Beate

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