Harley Benton GA5 Bastelpaket

Amp / Effektgeräte selbst bauen oder reparieren
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capricky
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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#201

Beitrag von capricky » 20.11.2017, 13:12

vrooom hat geschrieben:
20.11.2017, 12:34
Ja, C4. Da soll laut Originalplan ein 22 uF Elko sitzen.....


... Nur das C4 ein Elko sein sollte hatte ich dabei halt verpasst.
Ist dann ja doch nicht so schlimm.

Was macht ein Elko denn hier eigentlich anders als ein Wald- und Wiesenkondensator aus Keramik oder Kunststoff?
Nichts ist anders, nur hat ein Elektrolykondensator bei gleicher Kapazität und Spannungsfestigkeit eine viel kleinere Bauform.

capricky

...wobei Waldkondensatoren vielleicht einen etwas dunkleren Klang haben, als Wiesenkondensatoren... (think)

...und noch'n Nachtrag zur Orientierung , was sich bei den Bypass- oder Kathodenkondensatoren über das letzte halbe Jahrhundert so als Standard etabliert hat : Marshall verwendet im Brillant/Treble Kanal 680nF (0,68µF), im Bass/Normal Kanal 330µF. Fender und VOX jeweils 25µF

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#202

Beitrag von bea » 20.11.2017, 13:50

Wobei die 330µ schlicht und ergreifend sinnlos sind. Man kann das getrost auf 10µ verkleinern, ohne dass das den Klang beeinflusst. Je nach Anzahl der Stufen und Einsatzzweck kommt man mit 3.3-10µ eigentlich fast immer aus, zumindest in reinen Gitarrenverstärkern. Mit der Marshall-Eingangsstufe könne man noch die Signale eines Seismografen verstärken.

Aber egal: Elkos habe eine wichtige Eigenschaft, die man auf GAR KEINEN FALL vergessen sollte: es sind gepolte Bauelemente, sie haben einen Plus- und einen Minuspol. Der Pluspol MUSS IMMER am positiveren Gleichsspannungspotential angeschlossen sein. In Röhrenverstärkern heißt das generell Minus in Richtung Masse. Wenn man da was falsch macht, explodiert so ein Ding ganz gerne mal. Und das stinkt und macht viel Sauerei.
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#203

Beitrag von vrooom » 20.11.2017, 14:10

Waldkondensatoren :) Ich bin vermute mal, dass meine gelegentlich etwas flapsige oder danebengreifende ("Soundwippe" statt "Klangwaage") Redeweise unpassend ist, wenn es um Elektrik mit gefährlichen Stromstärken, Brandgefahr, etc. geht. - Es fällt mir leider schwer nur furztrockene Techschreibe zu bringen. Ich hoffe ihr könnt mir das nachsehen. Und seid versichert, dass ich trotzdem alles hier ernst nehme und so gewissenhaft wie mir möglich abhandle, denn ich möchte trotz des Bastelspaßes am Leben bleiben, und das außerdem noch in einer unabgebrannten Wohnung ;)

Was die Klangregelung angeht, so sitze ich jetzt hier offenbar zwischen zwei Stühlen. bea ist pro-big muff, capricky ist pro-marshall.
Ich möchte beides ausprobieren.
Basis ist für mich zunächst das Design aus dem GA5H pdf von DoubleC. Hier gefällt mir, dass R5 fort ist, dass das Mastervolume-Poti erhalten bleibt und dass der Gridstopper R15 vorhanden und korrekt plaziert ist.

Ich finde aber beas Gedanken zur Einfachheit und Praktikabilität des Big Muffs ebenfalls gut. Bevor ich also das GA5H-Marshall-Tonestack 1 : 1 umsetze, möchte ich doch gerne folgende Big Muff Schaltung ausprobieren:
big_muff-5h-kombi.png
big_muff-5h-kombi.png (5.93 KiB) 1955 mal betrachtet






Die Verdrahtung müsste soweit in Ordnung sein. Bei der Skalierung der Bauteile übernahm ich jetzt stumpf die Werte von beas letzten Bauplan, habe aber trotzdem Zweifel. Die Widerstände sind mit 470 k zwar jetzt deutlich stärker, doch ob die beiden Kondensatoren da jetzt so passend sind, wage ich zu bezweifeln. Außerdem sitzt bei bea direkt unter dem Poti noch ein 22 k Widerstand der bei der Grafik Basic Big Muff auf der amz-Seite nicht vorhanden ist... (think)

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#204

Beitrag von vrooom » 20.11.2017, 14:22

Elkos sind gepolt. Pole nicht verwechseln - Yip. Got it...

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#205

Beitrag von bea » 20.11.2017, 14:55

Der 22k-Widerstand bewirkt nur, dass der Frequenzgang in der Mittelstellung auch linear ist. Das ist wegen des Innenwiderstands der vorhergehenden Stufe und wegen des endlichen Eingangswiderstands der Folgestufe nicht der Fall. Stell Dir den Widerstand einfach als "Verlängerung" des Potis vor, auf den man den Schleifer nicht drehen kann.

In meiner Schaltung für die Röhrerei (nicht für den bassinternen Preamp) ist aber doch ein 500k-Poti, und zwar nach Möglichkeit ein lineares! In der Schaltung für den Aktivbass hatte ich nur das logarithmische 250k-Poti und musste aus der doofen Situation was halbwegs sinnvolles machen. Da liegt auch die Neutralstellung bei etwa 70%.

Ansonsten kannst Du mit den Kondensatoren auch ein wenig herumspielen: im ersten Wurf dürfen sie durchaus auch gleich sein. Wenn die Grenzfrequenz des Tiefpasses niedriger als die des Hochpasses ist, gibt es ein Mittenloch, wenn es umgekehrt ist, eine Mittenbeule. Wenn Du die Kondensatoren verkleinerst, kommen die (bzw der Drehpunkt der Waage) bei höheren Frequenzen zu liegen. "Fenderischer" wären z.B. 560 oder 680 pF; ich lege das Ding meist in Richtung "Hiwatt" aus.
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#206

Beitrag von vrooom » 20.11.2017, 18:20

500 k lineares Poti ist tatsächlich gemäß deines Bauplanes und gefällt mir auch in TSC besser.

Ich habe mir jetzt auch LTSpice downgeloadet und dachte, dass man wohl jede Menge GA-5-Mods dafür finden müsste.
Ich habe nicht einen einzigen Schaltplan gefunden. Das kann ich mir nur durch Copyright erklären. Obwohl das angesichts der ganzen pdfs auch nicht viel Sinn ergibt. - Habe ich nur nicht richtig gesucht?

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#207

Beitrag von capricky » 20.11.2017, 21:24

vrooom hat geschrieben:
20.11.2017, 14:10
Waldkondensatoren :) Ich bin vermute mal, dass meine gelegentlich etwas flapsige oder danebengreifende ("Soundwippe" statt "Klangwaage") Redeweise unpassend ist, wenn es um Elektrik mit gefährlichen Stromstärken, Brandgefahr, etc. geht. - Es fällt mir leider schwer nur furztrockene Techschreibe zu bringen. Ich hoffe ihr könnt mir das nachsehen.
Nein, keine Nachsicht... bleib einfach dabei, es soll dir und uns Spass machen! ;)

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#208

Beitrag von capricky » 20.11.2017, 21:46

bea hat geschrieben:
20.11.2017, 13:50
Mit der Marshall-Eingangsstufe könne man noch die Signale eines Seismografen verstärken.
Welche Marshall Eingangsstufen begegnen dir denn? :shock:
Die die ich mit "Standard" meinte (JTM45, JCM800, 1987, 1959), müssen am Eingang noch mit etwas Silizium oder Germanium gefüttert werden (treble booster/ tubescreamer), dann können sie nach Boxengröße und -anzahl aber eher kleine Erdbeben initiieren und ich meine noch nichts mit Metal. Ohne dope klingen die Dinger doch eher besch..eiden.

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#209

Beitrag von bea » 21.11.2017, 01:48

Ich bezog das jetzt auf die mit dem 330µ mögliche untere Grenzfrequenz. Erdbeben haben eine dominierende Frequenz von etwa 0.5 Hz. (Als gelernte Erdbebentussi denke ich wirklich an Erdbeben, wenn ich so was von mir gebe).
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#210

Beitrag von bea » 21.11.2017, 01:52

vrooom hat geschrieben:
20.11.2017, 18:20
Ich habe mir jetzt auch LTSpice downgeloadet und dachte, dass man wohl jede Menge GA-5-Mods dafür finden müsste.
So allzu viele Leute machen sich nicht die Mühe, so ein simples Ding wie den GA5 zu spicen. Ich hab das ja auch nur deshalb gemacht, weil ich die Grenzen der Kiste ausloten wollte.

Meine .asc-Dateien rücke ich natürlich raus, falls Du damit etwas anfangen kannst. Die Röhrenmodelle auch.
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#211

Beitrag von vrooom » 21.11.2017, 16:00

Vrooomkensteins Monster grunzt...

https://youtu.be/3b0ILdwOP9c

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#212

Beitrag von Drifter » 21.11.2017, 16:25

Congratulations!

lG

Norbert

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#213

Beitrag von bea » 21.11.2017, 16:31

Gratuliere.

Aber ein lineares Poti besorgst Du Dir noch?
LG

Beate

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#214

Beitrag von vrooom » 21.11.2017, 21:29

Thanx. Ich staune selbst noch :-)
Ja, klar. Mein Bestand an Potis ist ziemlich zufällig zusammengewürfelt. Da muß ich mal Ordnung reinbringen und Lücken auffüllen.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ich mit LTSpice wirklich etwas anfangen kann. Ich stelle es mir so vor, dass man sich einen Schaltplan zusammenklickt und den als Simulation starten kann, wobei man an ausgesuchten Punkten theoretische - weil simulierte - Messwerte abrufen kann und Fehler aufgezeigt bekommt ("Kurzschluß bei C14" oder "Elko C5 ist falsch herum eingebaut" oder "Bei dem Wert von Widerstand R9 ist der Trafo binnen zwei Minuten im Eimer!" oder so ähnlich). Das wäre eine schöne Referenz zum realen Gerät. - Wenn das so ist und Du über eine solche Simulation vom Valve Junior verfügst, dann wäre ich da sehr interessiert.

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#215

Beitrag von bea » 21.11.2017, 22:42

Im Prinzip ist das so, aber nicht ganz. Den falsch gepolten Elko meckert Dir das Ding nicht an; es ist einfach ein Kondensator mit einer gegebenen Kapazität. Dir Warnung vor dem Kurzschluss gibt es auch nicht - Du kannst aber zumindest in etwa simulieren, was im Kurzschlussfall passiert ...

Für jedes Bauteil benötigst Du Modelle. Und das, was wir so benötigen - Potis, Röhren, Transformatoren, muss man sich besorgen. Nein, Trafos muss man aus einzelnen Spulen zusammensetzen, und dazu benötigt man schon ein Grundwissen.

Man kann Meßwerte abrufen, man kann auch das Zeitverhalten von Baugruppen durchspielen. Also: erst mal praktische Erfahrung sammeln, erstmal die Theorie verstehen und in der Lage sein, so ein Gerät auch ohne Simulation zu konfigurieren, ist mehr oder weniger Voraussetzung. Oder man zieht sich die Theorie rein und probiert sie praktisch mit dem Simulationsprogramm aus.
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#216

Beitrag von vrooom » 21.11.2017, 22:57

Ok, dann ist LTSpice für mich doch eher etwas Langfristiges, sagen wir mal... :roll:

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#217

Beitrag von vrooom » 22.11.2017, 22:41

Bastelpause...

Ich möchte am liebsten gleich weitermachen, halte aber doch mal kurz an.
Ich will zum einen mit Vrooomkenstein noch ein wenig spielen und zum anderen ein vorläufiges Fazit ziehen.

Trisman hat sich seinerzeit an diesem PDF und der fenderigen Variante orientiert:

http://www.sewatt.com/files/sewatt/sewa ... _2_pdf.pdf

Dieses PDF gefällt mir sehr gut, weil dort die wichtigsten Bauteile, ihre Funktionen und ob sie soundverändernd sind, erläutert werden.
Ich habe Trismans Schaltung fürs erste weitgehend übernommen und gemäß der Diskussionen in diesem Thread geändert.
Der finale Zustand sieht jetzt so aus:
Ich habe beas Big Muff Schaltung - die zwei 470k Widerstände hat - leicht variiert. Bei der Simulation mit dem Tone Stack Calculator TSC fiel mir auf, dass die Absenkung des einen Widerstandes auf 120k eine größe Änderungsspanne im Bassbereich erzeugte, was mir angesicht des höhenreichen, crispen Grundsounds besser gefiel.

Insgesamt cool: Ich bin am Leben geblieben und meine Bude ist nicht abgebrannt 8)

Seit heute weiß ich auch, was Fliegenbeine sind. Habe ich mir nämlich gekauft. Zwei Stück. Ein schwarzes und ein rotes. Und eine handvoll linearer Potis noch dazu. Denkbar, dass ich die Zeit bis zum Weiterbasteln damit überbrücke, ein wenig Messen zu lernen. Ich hab Urlaub und Zeit genug...
Wie es dann weitergehen soll steht schon fest. Vrooomkenstein bekommt ein paar Transplantationen gemäß des oben verlinkten PDFs, so dass er marshallig wird.

Der Übersicht halber habe ich mir eine To-change-Liste gemacht:
R2 - 10k
R6 und R7 - 100k
R9 - 680 (bis 1k)
C1 und C2 - Mallory 150's statt Orange Drops
C3 und C4 - 1uF (bis 3.3uF) / 25V
C6 und C9 - 47uF (bis 100uF wenn nötig)

Output Transformer - Ändern auf Hammond 125DSE oder ESE

Risiko beim Gerät im Originalzustand: Potential screen grid damage due to absence of current limiting resistor
Abhilfe: 1,1k Widerstand vor Pin 9 der EL84 einfügen (Leiterbahn aufschneiden)
Effekt: Schont die Röhre und beugt Screen Grid Meltdown vor.

(Frage: Soll vor Pin 7 der ECC83 ein 68k Gridstopper?)

Theoretisch müsste sich dann der folgende Schaltplan ergeben:
Ok. Soweit erstmal.
Danke an alle die hier mitgeholfen haben und insbesondere natürlich an bea und capricky. (you rock)
Ohne euch wäre mir hier alles um die Ohren geflogen.
Ich hoffe, ihr seid weiterhin dabei, wenn ich nächste Woche Vrooomkenstein erneut eine Schönheitsoperation verpasse.

Cheers,
vrooom

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#218

Beitrag von bea » 23.11.2017, 10:37

vrooom hat geschrieben:
22.11.2017, 22:41
Risiko beim Gerät im Originalzustand: Potential screen grid damage due to absence of current limiting resistor
Abhilfe: 1,1k Widerstand vor Pin 9 der EL84 einfügen (Leiterbahn aufschneiden)
Effekt: Schont die Röhre und beugt Screen Grid Meltdown vor.
Alternative ohne Auftrennen der Leiterbahn: Vergrößern von R12. Da fließt der Schirmgitterstrom genauso durch wie durch einen zweiten Widerstand am Schirmgitter. Wenn Du einen Schirmgitterwiderstand hast, wirken immer beide gemeinsam, weil sie in Reihe liegen.

Dies habe ich in der Simulation genauer untersucht, und ich habe den R12 so groß gewählt, dass die Schirmgitterverlustleistung immer im zulässigen Bereich bleibt. Mit dem Standardwert von 1.1 k, der irgendwo ohne zu denken abgepinnt worden ist, und von dem kaum jemand sagen kann, wie man ihn eigentlich dimensioniert, ist das nicht gesichert.

Der Ansatz mit dem vergrößerten Widerstand in der Siebkette sollte hier bevorzugt werden, auch wenn er nicht ganz so gut ist, weil der ebenfalls am Schirmgitter liegende Siebkondensator einiges abpuffert: man muss nicht auf der Leiterbahn rumkratzen und dann an irgend einer Stelle einen Widerstand reinquetschen. Als sicheren Wert für R12 habe ich > 6.8 kOhm ermittelt, also irgendwas zwischen 6.8 k und 10 k.

Das Layout habe ich natürlich schon mal daraufhin untersucht, wo man vielleicht doch einen Schirmgitterwiderstand einsetzen könne - es gibt keine Stelle, an der man das gut machen könne. Daher ganz klar Finger weg und R12 vergrößern!

Wenn die Schaltung auf Lötösen aufgebaut wäre, wäre das was anderes.
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#219

Beitrag von capricky » 23.11.2017, 17:27

So wenig Platz ist da gar nicht für einen Schirmgitterwiderstand, eigentlich ist da sogar viel Platz und da das in jedem Fall die "elegantere" Lösung wäre (weniger Einfluß auf die Betriebsspannung der Vorstufenröhre im Überlastfall), würde ich eher diese Möglichkeit favorisieren...

...aber bei der Durchsicht alter Schaltpläne aus den 50ern fiel mir ein merkwürdiges Detail auf in einer Eintakt Endstufe auf - die Schirmgitterspannung war bei einer Schaltungen 10V höher, als die Anodenspannung... ich hielt das für einen "Korken" und klassischen (Druck-)Fehler, aber ich fand weitere Schaltungen wo das so war... und nu frage ick mir, wat verstehe ick da grade nich mit Schirmgitterspannung und Schirmgitterwiderständen...(think) Die waren ja nicht blöd, die das so entwickelt hatten, das war ja die goldenen Zeit der Röhrentechnik... hmmm ....das würde ich gerne herausfinden wollen (ick hab ja auch gerade nüscht anderes zu tun... :roll: )

Noch ne Anmerkung zu den Mallory Kondensatoren... ob da nun Grünkohl, Rhabarber, Orange oder Senf draufsteht ist aber sowas von egal für den Klang... Kapazitätswert und Spannungsfestigkeit sind entscheidend. Bei zu geringer Spannungsfestigkeit macht es aber einen Ton - Knacks oder Peng! ;)

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#220

Beitrag von bea » 23.11.2017, 18:03

capricky hat geschrieben:
23.11.2017, 17:27
... die Schirmgitterspannung war bei einer Schaltungen 10V höher, als die Anodenspannung...
(think) Die waren ja nicht blöd, die das so entwickelt hatten, das war ja die goldenen Zeit der Röhrentechnik...
... in dem auch ganz erheblich viel rumgepfuscht wurde.

Wenn das Schirmgitterpotential über dem Anodenpotential liegt, wirkt das Schirmgitter als Anode.
Wie viel das ausmacht, sollte auch von der Beschaltung der Endstufe abhängen, z.B. der Frage, ob das Bremsgitter auf Katodenpotential gelegt wurde. Vor allem aber davon, ob das eine Ultralinearschaltung war (UL geht auch bei SE).

Eine UL-Gegenkopplung soll ja angeblich den Schirmgitterstrom stabilisieren. Frag mich aber bitte nicht nach dem warum und wie; mir leuchtet das einfach nicht ein. Immerhin habe ich in einer Echolette M40 (UL-Endstufe mit kleinen Schirmgitterwiderständen) die Schirmgitterspannung größer als die Anodenspannung gemessen. Und in dem angeblich überholten Teil durchgebrannte Schirmgitterwiderstände gefunden.
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#221

Beitrag von vrooom » 24.11.2017, 10:08

Also, nicht dass ich irgendwas von Schirmgitterpotential und Ultralinearschaltung verstehen würde, aber dass es sich bei "Mallory 150's" und "Orange Drops" offenbar um Elektrik-Voodoo handelt, klärt schon mal eine meiner dringlichsten Fragen :)

Ich habe meinem Multimeter Düwi 74 soeben Fliegenbeine anoperiert und beabsichtige jetzt irgendetwas zu messen.
Nur so aus Spaß.
Dazu werde ich gleich mal diesen Thread erneut durchlesen, denn das Thema hatten wir ja schon und soweit ich mich erinnere, habt ihr mir da Instruktionen zukommen lassen, wie man misst. Ich gehe trotzdem davon aus, dass ich Mist messen werde, aber sei es drum...

Formaler Ablauf: Vrooomkenstein ist ausgeschaltet - Messspitzen werden angelegt - Düwi einstellen - Vrooomkenstein einschalten - Werte ablesen - Vrooomkenstein wieder ausschalten

Inhaltlich gesehen: (think) Tja, was könnte ich mal messen? Und wo genau lege ich die Messfühler an, ohne einen Kurzschluß zu verursachen? Ich lese nochmal nach... Wenn ich nichts verstehe, schreibe ich hier weiter... ;)

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#222

Beitrag von bea » 24.11.2017, 10:17

Das schwarze Fliegenbein sicher an Masse. An der roten Strippe habe ich meist eine normale Meßspitze. Mit der gehe ich an an die Meßpunkte.

Vorher planen und trocken durchspielen.

Was willst Du wissen?
LG

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#223

Beitrag von vrooom » 24.11.2017, 12:57

Tja, wie soll ich sagen, liebe bea... Ich würde gerne wissen, was ich überhaupt wissen soll... prioritätenmäßig... :roll:
Will sagen, ich weiß zur Zeit noch nicht, welche Dinge kritisch sind und zugleich geringe Toleranzbreiten haben.
Ich erinnere mich, dass Du hier in einem der ersten Threadbeiträge (#4) aus deiner Anfangszeit berichtetest und auch eine gewisse Scheu vorm Messen hattest.
Ferner erinnere ich mich an einen capricky-Kommentar (#5), dass beim Trisman-Mod schon irgendetwas herauskommen würde, weil diese Kleinverstärkerschaltungen so tolerant seien und einigen Bockmist aushalten würden.

Beide Beiträge haben mich irgendwie beruhigt. Man braucht sich bei korrektem vorsichtigen Vorgehen nicht vorm Messen zu drücken. Und da der GA-5 offenbar einiges aushält, braucht man auch beim Modden keine allzugroße Schüchternheit an den Tag legen. - Dennoch gibt es anscheinend doch an gewissen Stellen der Schaltung so gewisse Flaschenhälse beim Stromfluß, die man mal überwachen könnte. Ich weiß zur Zeit nicht, wo diese kritischen schmaltoleranten Stellen sitzen und was und wie man dann da messen sollte und wie man den erhaltenen Zahlenwert einzuschätzen hat. - Mit anderen Worten: Mir fehlt das Theoriewissen, das ihr euch (Du und capricky) mühevoll in den Jahren endloser Fachliteraturlektüre angeeignet habt. Das werde ich natürlich auch nicht mehr aufholen können. Mir würde es aber schon reichen, wenn ich die GA-5-relevanten paar Schwachpunkte kennen würde, wenn ich wüsste wie man sie misst, und wenn ich die erhaltenen Werte einschätzen könnte.

Bei #8 (bezieht sich noch auf den Trisman-Schaltplan!) schreibst Du...
Rechnen und Messen ist m.E. vor allem dann angesagt, wenn man an Betriebsspannung und Arbeitspunkt der Endstufe rumschraubt. Das geschieht hier, an einer Röhre, die ganz hart an den zulässigen Limits betrieben wird. Da sollte man sich zumindest bewusst machen, wie und in welche Richtung die Änderung gehen. Malen nach Zahlen sollte man an dieser Stelle tunlichst unterlassen.
In der Vorstufe dieser Geräte kann man natürlich in recht weitem Rahmen "kreativ" vorgehen - da bin ich komplett bei Dir.
Sowas gibt mir schonmal ein wenig Richtung.
Dort wird auch eine Schwachstelle bezeichnet, was ebenfalls instruktiv ist...
Aber rein von der Technik her hat die oben gezeigte Schaltung eine massive Schwachstelle: der Gitterableitwiderstand der Endröhre *muss* ein Festwiderstand sein. Andernfalls kommt die Röhre bei einem Defekt des Potis in einen kritischen Betriebszustand.
Lass daher die 220 kOhm hinter C2 auf jeden Fall drin - kann bis auf 1 MOhm vergrößert werden; ich würde 470-680 k nehmen, damit die Belastung der Vorstufe zusammen mit dem Master-Poti gleich bleibt. Wie oben schon erwähnt, ist der Gridstopper deutlich zu klein. Nach meiner Erfahrung gibt es an dieser Stelle gerne blocking distortion. Daher irgendwas deutlich jenseits von 10 kOhm verwenden.
Oder der Trafo-Schwachpunkt (#60), weswegen wohl auch der Hammond-AÜ empfohlen wird:
Das "Problem" ist m.e. vor allem der sehr knapp ausgelegte Ausgangsübertrager, der vermutlich seine liebe Not mit dem Ruhestrom haben wird, den die EL84 bei 250 V benötigt. Die 300 V sind mit einiger Sicherheit eine Sparmaßnahme. In den ersten Geräten der Baureihe war auch ein Übertrager mit der für diese Spannung eigentlich optimalen Primärimpedanz von 7 kOhm verbaut.
In meinem Gerät habe ich die Anodenspannung daher auch erst nach dem Tausch des Trafos durch einen besseren abgesenkt. Und genau deshalb würde ich auch erwägen, die Stromversorgung und den Katodenwiderstand wieder zurückzubauen.
Die Stelle, die ich hier und jetzt suchte ist die Butter-bei-die-Fische-Stelle in #73:
Interessant sind vor allem die Spannungen an den Katoden und die Anodenspannungen (bzw. die Spannungen an den Abgriffen der Siebkette. Das geht nur im laufenden Betrieb und mit der den potentiell tödlichen Spannungen an den Anoden entsprechender Vorsicht).
Letztlich gibt es einen recht großen Spielraum für die Werte, wenn die Arbeitspunkte stimmen. Das sind so um die 1.5-2 V an den Katoden der ECC83 und je nach Auslegung der Endstufe 7.3-9 V an der Katode der EL84. Kleinere Werte bewirken immer einen größeren Strom durch die Röhre.
Was da zulässig ist, hängt von der Anodenspannung ab.

Ach so, die Schirmgitterspannung, also das vom 2. Abgriff der Siebkette (B) kommt, *muss* kleiner als die Anodenspannung sein. Erwartungswert zwischen 250 und 300 V, wenn R10 noch auf 940 Ohm vergrößert ist, eher um die 250 V, original knapp über 300.
Dort dann auch:
Wenn Du die Klemmen gekauft hast, die ich vorgeschlagen habe: die schwarze an Masse, sowohl am Amp als auch am Meßgerät. Dann mit der roten Meßspitze die Meßpunkte berühren (bei der EL84 liegen die an der Fassung). Die Meßbereiche *immer* vom größten Bereich herunterschalten. Und vor allem: alle Messungen zunächst trocken, bei ausgeschaltetem Gerät, "üben", damit Du weißt, wo Du messen musst, wie Du den Meßpunkt sicher erreichst, und, ob das Platinchen sicher liegt und nicht wegrutscht.
Messprojekt 1: Schirmgitterspannung und Anodenspannung vergleichen. Schirmgittersp. sollte/müsste kleiner sein als Anodensp..
Zunächst also Schirmgitterspannung messen - Schwarzer Abgreifer an Masse, Roter an "das, was vom 2. Abgriff der Siebkette (B) kommt". Wenn ich mir den Schaltplan so ansehe, ist damit doch wohl die Leiterbahn gemeint, die von Pin 9 der EL84 abgeht, nicht wahr?! - Das ist jetzt passenderweise genau die Leitung, die capricky im Beitrag #219 bebildert hat. Und wie es der Zufall so will, ist das genau das Thema, mit dem sich auch capricky plagt ;)

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#224

Beitrag von vrooom » 24.11.2017, 13:03

Nebenbei: Habe gerade bigherbs 2010-Thread entdeckt http://www.gitarrebassbau.de/viewtopic.php?f=33&t=482
Passt ja auch zu diesem hier...

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Re: Harley Benton GA5 Bastelpaket

#225

Beitrag von capricky » 24.11.2017, 13:41

vrooom hat geschrieben:
24.11.2017, 12:57


Oder der Trafo-Schwachpunkt (#60), weswegen wohl auch der Hammond-AÜ empfohlen wird:
Das "Problem" ist m.e. vor allem der sehr knapp ausgelegte Ausgangsübertrager, der vermutlich seine liebe Not mit dem Ruhestrom haben wird, den die EL84 bei 250 V benötigt. Die 300 V sind mit einiger Sicherheit eine Sparmaßnahme. In den ersten Geräten der Baureihe war auch ein Übertrager mit der für diese Spannung eigentlich optimalen Primärimpedanz von 7 kOhm verbaut.
In meinem Gerät habe ich die Anodenspannung daher auch erst nach dem Tausch des Trafos durch einen besseren abgesenkt. Und genau deshalb würde ich auch erwägen, die Stromversorgung und den Katodenwiderstand wieder zurückzubauen.
Menno, das ist zuviel Input... da bekomme ich "blocking Distortion"... :badgrin: ... ich habe mir mal das rausgesucht:

Die EL84 läuft im originalen GA5 mit rund 300V, nicht 250V. Mit dem sich ergebenden Ruhestrom aus dem Wert von Kathodenwiderstand R14 von 220 oder 235 Ohm ist die EL84 schon "hart dran", knapp über der Belastbarkeitsgrenze. Wie es dem Trafo dabei geht wissen wir nicht, dazu müsste man die Drahtstärke der Primärwicklung kennen. Ich denke mal die kann das ab, sonst hätten wir öfter mal was von rauchenden Trafos gelesen. Dem Gedankensprung "300V ist eine Sparmaßnahme" kann ich irgendwie nicht folgen.

Messen könntest Du die Spannungen im Netzteil an A, B und C und die Spannung über R14. Alles im Gleichspannungsmessbereich, das schwarze Fliegenbein an Masse, das rote an den Messpunkt (immer von oben auf der Leiterplatte, an den Widerstandsanschlußdrähten festklemmen.)

capricky

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