Dummycoil

Potis, Schalter, Tonabnehmer, Kondensatoren und Platinen;
wie verschalte ich was richtig?
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the schweinhorn
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Dummycoil

#1

Beitrag von the schweinhorn » 27.03.2022, 09:12

Zeitnah wird ne Cheapo-Gitte auf meiner Werkbank liegen- irgendwas obskures wie Egmond, Eko oder ähnliche Hertiecasters- die nach des frischen Besitzers Angaben "brummt wie ein Hummelnest"; das Ding hat 2 Singlecoils, nen Toggle, je 1 Volume & Tone, also E-Fach schirmen, Saitenerdung, Coaxkabel überall rein und jut isset...
Denkste, gibt kein E-Fach: ist ne Halbakustik und das E-Fach ist somit der komplette Korpus. Somit fällt Schirmung flach.
Da ich davon ausgehe, daß die Erbauer bei ner Kaufhausfiedel auf so poshen Firlefanz wie unterschiedliche Specs pro PU wie unterschiedliche Ohmse und Henrietten oder gar Reversitäten generös geschi... haben, fällt mir nur die Geschichte mit der ominösen Dummyspule ein, um die Hummeln zum Schweigen zu bringen.
Ich denke mal, die Schaltung ist klar: damit das Ding den Hum buckt, schalt ich das nach dem Toggle seriell rein und zwar klassisch humbuckermäßig bzgl. Wicklungsrichtung, dann kriegt auch jeder der beiden PUs das je nach Schalterstellung ab. soweit, so gut.
Doch da stellen sich mir so n paar Fragen: Ich hab keinen blassen, wie Wicklungszahlen/Drahtquerschnitt etc. sein sollten, zumal in der Mittelstellung des Toggles das Teil ja für beide PUs auf einmal herhalten muß und somit Idealwerte, die für nen einzelnen PU passen, komplett fürn A....sein dürften.
Wenn ich das richtig kapiert hab, kann ich das Ding ja auch auf ne Garnrolle wickeln- muß also nicht extra nen Singlecoil massakrieren- und kann das irgendwo im Instrument unterbringen oder muß ich da bzgl. der Postion was beachten?
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Re: Dummycoil

#2

Beitrag von cabriolet » 27.03.2022, 17:31

Wenn die Fläche, durch die die Störungen hindurchgehen, bein deiner Garnrolle etwa genauso groß ist wie im Pickup, brauchst du auch in etwa die Wicklungszahl der Pickups. Die Drahtstärke dabei gerne so dick wie du es platzmäßig unterbekommst, damit der Widerstand so gering wie möglich ausfällt, um den Klang weniger zu beeinflussen.
Einen weiteren Trick gibt´s noch: Wenn du die umfasste Fläche vergrößerst, kannst du näherungsweise proportional die Wicklungsanzahl verringern. Gibt dann noch weniger Widerstand und entsprechend weniger Klangbeeinfussung. Also z.B. doppelt so viel Fläche und halbe Wicklungszahl. Das kann man sogar soweit treiben, dass man einfach innerhalb der Zargen herumwickelt bzw bei ´nem Centerblock dann eben in einer Hälfte der Gitarre. Da brauchst du dann je nach Gitte und Pickup-Größe nur noch so etwa 50 bis 200 Wicklungen und du landest bei wenigen Ohm, die du klanglich garnicht mehr wahrnimmst. Hatte in den 80ern sogar mal jemand patentieren lassen (ich weiss aber nicht mehr wer), das Patent ist aber inzwischen längst ausgelaufen.

Was das Zusammenschalten der Pickups betrifft: Ideal wäre natürlich eine Dummycoil pro Pickup, aber selbst bei einer Einzigen ist der Anti-Brumm-Effekt immer noch besser als garnix.

Gruß
Markus
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Re: Dummycoil

#3

Beitrag von MiLe » 27.03.2022, 19:58

vielleicht eine ergänzende Idee zur Dummy-coil:
Komplette Elektrik (sofern möglich) herausnehmen, Kabel falls nötig durch geschirmte ersetzen. Dann den ganzen Brocken erst in Kunststoff packen (als Isolaton) und dann in Abschirm-Material (think)
Ist aber wahrscheinlich ein Job zum Finger brechen..... :)
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Dummycoil

#4

Beitrag von the schweinhorn » 28.03.2022, 10:28

@cabriolet das mit der Zargenwicklung hört sich zwar gut für nen Neubau an, aber bei ner alten billigen "Hutschachtel mit Besenstielhals", die der Besitzer lediglich aus Gründen der Authentizität im Rahmen einer Beatband spielen will, erscheint mir ne dafür unvermeidliche Boden- oder Deckendemontage doch irgendwie nicht ganz in Relation zum Wert zu stehen. Es geht halt drum, die Original-PUs mit Rost und Mother-of-Toiletseat-Einlagen zu erhalten, die auch völlig den Klangcharakter Richtung Humbucker ändern dürfen, solange es nicht mehr brummt wie mein Kopf am Morgen nach einer gelungenen Sause. Den Sound kriegt man auch am Amp hingekurbelt, daß es irgendwo zwischen Sonics und Small Faces klingt. Also am liebsten so effizient UND aufwandsarm wie möglich.

Edit:
Vielleicht ist es sinnvoll anzumerken, daß gerade in der 60s-Mod-etc.-Szene, um die es sich in Bezug auf das Instrument handelt, eine geradezu krankhafte Authentizitäts- bzw. Originalitätsobsession grassiert, d.h. irreversible Umbauten oder Modernisierungen sind ein absolutes NoGo. Scherzhaft umschrieben darf man nicht mal de Staub unter der Bridge wegblasen, weil "der ist ja original". Ergo: die PUs darf ich keinesfalls intern ändern, sonst krieg ich den Ärger meines Lebens.
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Re: Dummycoil

#5

Beitrag von the schweinhorn » 28.03.2022, 10:32

@MiLe Soweit ich weiß, ist das n Gerät ohne E-Fachdeckel und somit müßte man den ganzen Zinnober dann durch PU- oder F-Löcher oder einfädeln, was mir eher unmöglich erscheint, obwohl ich das Teil noch nicht gesehen habe.
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Re: Dummycoil

#6

Beitrag von Janis » 28.03.2022, 10:59

Sind das die klassischen Hertiecaster PUs? Chromrahmen, weißes Plastik und Schrauben?
Die Teile kann man, so ich mich recht entsinne, umbauen. Magnet und Spule drehen und du hast in der Mitte
brummfrei wie bei einer Tele. Wäre für mich authentisch genug für Beatmusik ;)
Ansonsten irgendeinen Billigen Singlecoil bzw. dessen Spule verwenden und den irgendwie mittig zwischen die PUs kleben etc.

Edit:
the schweinhorn hat geschrieben:
28.03.2022, 10:28
Edit:
Vielleicht ist es sinnvoll anzumerken, daß gerade in der 60s-Mod-etc.-Szene, um die es sich in Bezug auf das Instrument handelt, eine geradezu krankhafte Authentizitäts- bzw. Originalitätsobsession grassiert, d.h. irreversible Umbauten oder Modernisierungen sind ein absolutes NoGo. Scherzhaft umschrieben darf man nicht mal de Staub unter der Bridge wegblasen, weil "der ist ja original". Ergo: die PUs darf ich keinesfalls intern ändern, sonst krieg ich den Ärger meines Lebens.
Ganz ehrlich, dann sag ihm halt, dass das authentischste an seiner Gitarre das Brummen ist und du musst dir den Stress nicht antun ;)
Viele Grüße,
Jan

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Re: Dummycoil

#7

Beitrag von the schweinhorn » 28.03.2022, 11:53

@Janis das haut nicht unbedingt hin, weil die Wicklungsrichtung durch aufn Kopf stellen ja nicht unbedingt umkehrbar ist, wenn der Wickelbeginn eine Rolle spielt, also innen/außen. So hab ich mir das zumindest immer vorgestellt, läge ich da falsch, möge man mich da berichtigen. Bei meinen Tätowiermaschinenspulen, die ja als reversed Pärchen einen Elektrohufeisenmagneten ergeben, ist das jedenfalls der Fall. Aber wenn das reversibel bleibt und geht, dann probier ich das gern, thx für den Tip.

zum Kuckuck schicken kann ich den Herren nicht, ist ein guter Freund. Und ich versteh das schon, wenn die drauf spekulieren, ihren alten Rödel so original wie möglich zu halten, um in der Zukunft irgendwelchen Vintagespekulanten den Schrott so teuer wie geht andrehen zu können...

wie gesagt, ich hab das Teil noch nicht gesehen, kann also noch nicht sagen, wie die PUs aussehen/aufgebaut sind.
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Re: Dummycoil

#8

Beitrag von Janis » 28.03.2022, 12:21

Dann schau mal rein, wenn die Gitarre bzw. PUs da sind. Ich meine wie gesagt diese:
https://reverb.com/item/51921250-sakai- ... rtiecaster
Die Spulen stecken auf einem Kupferblech, darunter liegt der Magnet.
Wenn du die Spule drehst und um die eigene Achse kippst und den Magneten umdrehst, sollte
es doch hinhauen, oder steh ich jetzt aufm Schlauch?
Viele Grüße,
Jan

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Re: Dummycoil

#9

Beitrag von cabriolet » 28.03.2022, 13:02

Janis hat geschrieben:
28.03.2022, 12:21
Wenn du die Spule drehst und um die eigene Achse kippst und den Magneten umdrehst, sollte
es doch hinhauen, oder steh ich jetzt aufm Schlauch?
Geht noch einfacher, und die Gefahr etwas zu zerstören ist geringer: Magnet umrehen und Spulen-Anschlüsse tauschen.
the schweinhorn hat geschrieben:
28.03.2022, 11:53
das haut nicht unbedingt hin, weil die Wicklungsrichtung durch aufn Kopf stellen ja nicht unbedingt umkehrbar ist, wenn der Wickelbeginn eine Rolle spielt, also innen/außen. So hab ich mir das zumindest immer vorgestellt, läge ich da falsch, möge man mich da berichtigen. Bei meinen Tätowiermaschinenspulen, die ja als reversed Pärchen einen Elektrohufeisenmagneten ergeben, ist das jedenfalls der Fall.
Doch, wenn der Magnet auch umgedreht wird, passt´s.
Und das ist der Grund, warum das bei der Tätowiermaschine nicht funktioniert, da erzeugt ja die Spule das Magnetfeld.

Was mir im Nachhinein noch einfällt: Ich habe schon einige Billig-Klampfen gesehen, die keine Saitenerdung hatten. Nachrüsten bringt auch schon unheimlich viel.

Gruß
Markus
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