PU-Kleber für Halsverbindung?

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jonneck
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PU-Kleber für Halsverbindung?

#1

Beitrag von jonneck » 21.08.2020, 20:36

Hallo,

hat von Euch schon jemand Erfahrung mit PU-Kleber für die Hals-Korpus-Verbindung?

Konkret geht es hier drum:

https://www.dictum.com/de/chemische-lei ... 7-g-450366

Bisher habe ich immer mit Heissleim (Knochenleim Geigenbau) gearbeitet - vielleicht geht's ja auch weniger aufwendig....
Handwerk ist Pfusch, aber gut gemachter Pfusch gereicht zur Ehre...…

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Sven
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#2

Beitrag von Sven » 21.08.2020, 20:53

jonneck hat geschrieben:
21.08.2020, 20:36
Hallo,

hat von Euch schon jemand Erfahrung mit PU-Kleber für die Hals-Korpus-Verbindung?

Konkret geht es hier drum:

https://www.dictum.com/de/chemische-lei ... 7-g-450366

Bisher habe ich immer mit Heissleim (Knochenleim Geigenbau) gearbeitet - vielleicht geht's ja auch weniger aufwendig....
Wenn du eine Alternative zu Knochenleim suchst, dann kannst du Fischleim nehmen.
Kommt gebrauchsfertig in der Flasche, wird aber kalt verarbeitet. Ich hab schonmal ne ganze Gitarre mit Fischleim gebaut und sehe keinen Nachteil gegenüber Knochenleim. Ich weiß nicht, ob die Klebekraft größer oder kleiner als beim Knochenleim ist, aber sie ist auf jeden Fal groß genug. Die Trockenzeit ist deutlich länger als beim Knochenleim. Daher verwende ich Fischleim immer für Deckeneinlagen und Randeinlagen. Das Zeitfenster ist einfach größer.

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#3

Beitrag von thonk » 21.08.2020, 21:19

Den Titbond kannst du problemlos nehmen. Habe ich schon dafür verwendet.
Der Vorteil gegenüber Knochenleim ist die lange offene Zeit beim Verarbeiten. Dünn auftragen, glitschen die Teile schön ineinander, sorgfältig ausrichten und zwingen setzten. Völlig stressfrei und ohne Zeitdruck.
Da kein Wasser in dem zeug ist, wie bei Weißleim zB quillt nichts. Vielleicht schon mal erlebt, dass im Trockentest alles gut passte, dann kam der Leim dran und es ist wie verhext alles zu schnack.
Kleine Spalten füllt das Zeug, weil es aufquilt.
Überstand abwischen und mit Aceton reinigen. Aber am besten einfach nicht zu dick auftragen.

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#4

Beitrag von jonneck » 21.08.2020, 21:25

Danke für die Infos - den PU habe ich nämlich noch da.
Dann werden die Halsverbindungen bei den 125ern mal mit PU gemacht.
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#5

Beitrag von penfield » 21.08.2020, 23:38

Den habe ich schon einmal verwendet, allerdings um einen Body zu leimen.
Die Verkäuferin hat mir damals noch gesagt, dass man bei seiner Verwendung wirklich gut zwingen muss.
Hat dann auch ziemlich geschäumt und die Teile an Stellen, die nicht so gut mit Zwingen versehen waren, regelrecht auseinandergetrieben.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor penfield für den Beitrag:
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#6

Beitrag von capricky » 22.08.2020, 09:29

penfield hat geschrieben:
21.08.2020, 23:38

Hat dann auch ziemlich geschäumt und die Teile an Stellen, die nicht so gut mit Zwingen versehen waren, regelrecht auseinandergetrieben.
"Spaltfüllend" war in der Produktbeschreibung die Eigenschaft eines PU Klebers, die mich veranlasste ihn mal zu probieren, um bei schwierigen Reparaturleimstellen nicht erst Härter und Harz eines Epoxidklebstoffes mischen zu müssen.
Ja, Zwingen sind zwingend notwendig 8). Die Entfernung ausgetretener PU Klebstoffreste ist nicht wirklich unproblematisch. Ich nehme weiterhin Epoxidharz, ansonsten wann immer es geht Fischleim. Damit kann man sogar aufgegangene Knochenleimstellen nachleimen, ohne den Knochenleim vorher entfernen zu müssen.

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#7

Beitrag von jonneck » 22.08.2020, 10:51

Ist der Fischleim denn kalt verarbeitungsfähig?

Was mich etwas irritiert ist dieses "Vorquellen lassen mit Wasser"....

Wie zähflüssig ist der denn? Ist das Vergleichbar mit Weissleim oder läuft der dünner?


Mit Gruß und Dank

Frank
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#8

Beitrag von Rallinger » 22.08.2020, 12:29

jonneck hat geschrieben:
22.08.2020, 10:51
Ist der Fischleim denn kalt verarbeitungsfähig?
Ja.
jonneck hat geschrieben:
22.08.2020, 10:51
Was mich etwas irritiert ist dieses "Vorquellen lassen mit Wasser"....
Den kauft man eigentlich fertig angerührt. Gibt's den auch als Flakes? Würde ich nicht nehmen.
jonneck hat geschrieben:
22.08.2020, 10:51
Wie zähflüssig ist der denn? Ist das Vergleichbar mit Weissleim oder läuft der dünner?
Von der Konsistenz her ist das vergleichbar. Ich hab allerdings auch schon Fischleim mit Wasser verdünnt. Das kriecht dann in alle Poren, bleibt noch länger offen, hält aber ausgehärtet genauso gut wie alles andere.

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#9

Beitrag von Sven » 22.08.2020, 12:31

jonneck hat geschrieben:
22.08.2020, 10:51
Ist der Fischleim denn kalt verarbeitungsfähig?

Was mich etwas irritiert ist dieses "Vorquellen lassen mit Wasser"....

Wie zähflüssig ist der denn? Ist das Vergleichbar mit Weissleim oder läuft der dünner?


Mit Gruß und Dank

Frank
Ich hatte ja geschrieben, dass er kalt verarbeitet wird. Woher hast du das "Vorquellen lassen mit Wasser"?

Sven

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#10

Beitrag von thonk » 22.08.2020, 13:17

Ich möchte den Fischleim nicht schlecht reden, dass wäre auch quatsch, aber noch mal eine Lanze für den PU brechen, vor allen Dingen weil er ja schon im Haus ist.
Eine Halsverbinfung ist doch nahezu formschlüssig, mehr als max 2 Zwingen werden nicht benötigt, wenn überhaupt und dass der Leim die Teile dann noch irgend wie auseinander drückt oder verschiebt ist nicht möglich. Da sollte man auch mal die Kirche im Dorf lassen. Es ist kein Bauschaum...
Und wie ich bereits schrieb.
Vorsichtig dosieren, dann passiert unter Umständen gar nichts. Dann ist es mit einmal abwischen getan.

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#11

Beitrag von jonneck » 22.08.2020, 13:46

Ich habe den Fischleim mal bestellt - so zum Testen.

Das "Vorquellen" steht in der Produktbeschreibung bei Dictum...

Wie ich mich dann entscheide, seht Ihr dann im Bautread.
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#12

Beitrag von Sven » 22.08.2020, 14:17

jonneck hat geschrieben:
22.08.2020, 13:46
[...]
Das "Vorquellen" steht in der Produktbeschreibung bei Dictum...
[...]
Ach so. Die Beschreibung hab ich noch nie gelesen... ;-)

Ich denke, das ist ein Missverständnis, bzw. hier hat Dictum zwei Sachen durcheinandergewürfelt.
Der erste Absatz beschreibt den Fischleim. Der zweite Absatz beschreibt Glutinleime im Allgemeinen. Auf der Knochenleim-Seite steht genau der selbe Text...

Bei diesem Fischleim machst du den Stöpsel ab, drückst Leim aus der Flasche auf Dein Holz, machst die Flasche wieder zu und presst Deine Holzteile wieder zusammen. Fertig.

Sven

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#13

Beitrag von Bermann » 23.08.2020, 00:39

Heiko Rech hat in diesem Video seine ersten Erfahrungen mit Knochenleim und Fischleim geteilt.
Mit dem Fischleim kat er aber Stabilitätsprobleme gehabt ...

https://www.youtube.com/watch?v=vpHXJoBIdRI

Ach ja PU-Leim wirst Du wohl nicht so ohne weiteres wieder gelöst bekommen !

Gruß Hermann

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#14

Beitrag von penfield » 23.08.2020, 09:02

Die kolportierte Möglichkeit, Fischleimverbindungen wieder lösen zu können, war einer der Gründe, warum ich diesen verwendete.
Allerdings habe ich es nicht geschafft auch nur eine Fischleimverbindung ohne Totalschaden zu lösen. (Waren nur Teststücke).
Denke, das Titebond Classic Verbindungen in meinen Händen auch nicht schlechter zu lösen sein werden.
Ich nehme Fischleim jetzt nur noch um besonders glatte Teile, wie zB Kunstoffe auf Holz zu kleben. Das funktioniert unerwartet gut.

PU Leim ist, wenn man ihn nicht zwingt, wie ich es weiter oben schon beschrieben habe, vom Quell-Verhalten ähnlich wie Bauschaum.
Die bei schlechter Zwingung auseinandergetriebenen Teile sind vergleichsweise leicht zu lösen ;)
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#15

Beitrag von Yaman » 23.08.2020, 09:17

penfield hat geschrieben:
23.08.2020, 09:02
PU Leim ist, wenn man ihn nicht zwingt, wie ich es weiter oben schon beschrieben habe, vom Quell-Verhalten ähnlich wie Bauschaum.
Das ist auch meine Erfahrung. Ich hatte Stuhlbeine mit PU-Kleber in die Sitzfläche geleimt und den Bereich um die Leimstelle vorher abgeklebt. Leider nicht weit genug. Den ausgehärteten Kleber vom Holz zu entfernen war nicht so einfach.

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#16

Beitrag von jonneck » 23.08.2020, 09:53

Zum Thema Lösen:

Da ich keine Vintage-Instrumente baue bzw. solche repariere, ist das für mich nur wenig von Belang.

Wenn ich wirklich mal einen Hals wieder von der Gitarre trennen muss, dann wird wohl der Hals irgendwie kaputt sein - also kann ich ihn auch zerstörend ausbauen und ich baue danach einen neuen.

---------------

Insgesamt finde ich die Diskussion recht spannend.

Das "Schäumen" bei PU-Leim habe ich auch schon bemerkt. Bisher hatte ich den auch immer nur dort eingesetzt, wo die Austrittsstellen eh nochmal bearbeitet werden. Was natürlich bei der Halsverleimung eher nicht der Fall ist.
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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#17

Beitrag von Sven » 23.08.2020, 12:10

penfield hat geschrieben:
23.08.2020, 09:02
Die kolportierte Möglichkeit, Fischleimverbindungen wieder lösen zu können, war einer der Gründe, warum ich diesen verwendete.
Allerdings habe ich es nicht geschafft auch nur eine Fischleimverbindung ohne Totalschaden zu lösen. (Waren nur Teststücke).
[...]
Das hat sicher auch damit zu tun, wie gut man an die zu lösende Leimstelle herankommt. Ich musste mal die bereits verleimten Bodenreifchen einer Gitarre teilweise austauschen und konnte sie sauber wieder entfernen.
Ich glaube, Verleimungen zu lösen muss man genauso üben, wie saubere Verleimungen zu machen...

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Re: PU-Kleber für Halsverbindung?

#18

Beitrag von bea » 25.08.2020, 02:29

Yaman hat geschrieben:
23.08.2020, 09:17
Den ausgehärteten Kleber vom Holz zu entfernen war nicht so einfach.
Das durfte ich kürzlich mal mit Sicaflex 221 machen. Das ist ebenfalls ein PU-Kleber, der jedoch elastisch bleibt. einen Gitarrenhals würde ich damit auf keinen Fall einpappen wollen. Aber das Zeug ließ sich mit Olivenöl (oder anderem Speiseöl) und ziemlich viel Geduld soweit aufweichen, dass man es gut abbekam (in diesem Fall von GFK, also Epoxidharz)
Andere im Netz kolportierte Dinge (WD40,...) funktionierten wesentlich schlechter.
Vielleicht kann man mit den pflanzlichen Ölen auch andere PU-Kleber wenigstens ein klein wenig anlösen?
LG

Beate

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