Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

wie und womit erreiche ich das gewünschten Finish?
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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#26

Beitrag von dragonjackson » 06.11.2018, 11:44

Sehr schöner Bericht / Fast-Anleitung, Danke!

Zu meinen Fragen hier https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic ... 02#p143601, würde ich, um mit 2K Lacken (danke für den Tipp mit schreinerlacke.de) zu arbeiten, einen etwas größeren Kompressor holen.
Dürfte sowas dann ausreichen? https://www.einhell-werksverkauf.de/kom ... 24-of.html
Oder solls in die Klasse gehen: https://www.amazon.de/dp/B00KMVOX82/ref ... ax_0?psc=1

Sorry, die blöden Fragen. Habe aber überhaupt kein Gefühl, was ausreichend ist... und auf blöd kaufen (hand) .
Wenn ich richtig verstanden habe, ist in der Werkstatt lackieren möglich?

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#27

Beitrag von kehrdesign » 06.11.2018, 12:47

Größer als nötig schadet eigentlich nicht, abgesehen von Platzbedarf, Strombedarf, Lautstärke und ggf. Pflegeaufwand und Kaufpreis. Die aufrechte Bauform finde ich interessant, gebe aber keine Empfehlung ab, da ich die verlinkten Geräte nicht kenne.

Die wesentliche Frage zur Größe ist, ob man gelegentlich mal 'ne Gitarre zu lackieren gedenkt oder wenn schon denn schon auch ausgewachsene Lackierarbeiten mit 2er oder größerer Düse erledigen möchte. Für meine ersten Gitarrenlackierungen bin ich mit 'ner Ansaugleistung von 64 l/min ausgekommen. Komfortabel ist aber anders. Unter 160 l/min würde ich deshalb nicht einsteigen. Unterscheide dabei angesaugte Luftmenge (Volumenstrom) und abgegebene, also komprimierte Luftmenge (Betriebsvolumenstrom). Letztere ist entscheidend abhängig vom Arbeitsdruck, der die Luft verdichtet und damit das angesaugte Volumen reduziert.

Neben der Fördermenge ist unbedingt wichtig, dass der Kompressor saubere Spritzluft bei stabilem Druck liefert. Deshalb sollte auf jeden Fall der Ausgleichsbehälter groß genug sein, ein stabilisierender Druckminderer und Öl- bzw. Wasser-Filter/Abscheider vorhanden sein. Ferner sollte man beachten, dass vorwiegend die Billigheimer zu kräftigem Radau neigen. Bevor man also bei Schnäppchen zuschlägt, erst einmal „reinhören“.

Zur Pistole: Eine gute Spritzpistole ist im Gegensatz zu ihrem Preis sicher sehr vorteilhaft, ich möchte dennoch mein Siebeneuro China-Teil (dance a) nicht missen. Beachte auch, dass HVLP-Technik einen spürbar höheren Druckluftbedarf hat.
Um etwas zu verhindern finden sich immer Gründe, um etwas zu erreichen findet man Lösungen.
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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#28

Beitrag von hatta » 06.11.2018, 13:15

Vergesst das HVLP zeug für diesen Zweck! Nehmt ganz normale Pistolen (sata RP zum Bleistift)
Bei Gitarren kommt es ja nicht auf 100% Farbtongenauigkeit an, sondern auf einen gleichmäßigen Farbauftrag. Dieser verringert den späteren Schleifaufwand.

Der Kompressor sollte in etwa den von der Pistole verbrauchten Luftbedarf abdecken, sonst muss man halt öfters absetzen, was speziell bei Nitrolack beschixxen ist weil das Zeug so extreem schnell trocknet.

Wenns leise sein soll, kann man über so einen Kompressor nachdenken...der läuft auch ölfrei, was ein weiterer Vorteil ist beim Lackieren: https://www.amazon.de/Starkwerk-Silent- ... ssor&psc=1

Dieser dürfte für Gitarren ausreichen und auch sonst für Lackierarbeiten.
Besser wären so um die 300 Liter Abgabeleistung bei mindestens 3-4 Bar...dann kann man super lackieren. Ein Kessel mit 50 Liter geht gerade so...90 oder 100 Liter wären perfekt.
Gruß
Harald

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#29

Beitrag von hatta » 06.11.2018, 13:23

Es gäbe noch den größeren von Starkwerk: Den Starkwerk SW477/8 mit 100L Kessel und 218 Liter Abgabe bei 4 Bar. Wenn du etwas mehr ausgeben möchtest, dann würde ich dir zu diesem Raten. Ich habe ihn schon lange in meinem Einkaufswagen, allerdings will unser aktueller Kompressor nicht und nicht draufgehen :badgrin: (whistle)

Edit.: Die Literleistungen sind etwas unterschiedlich, ich würde mich immer auf die geringeren Angaben verlassen. Mit 218 Liter bei 4 Bar ist man aber schon sehr gut dran. Alles was dann um die 300 Liter bei 4 Bar geht ist meiner meinung für den Profibereich und fürs Hobby total overload :)

Hier ein Video des Kompressors:
https://www.youtube.com/watch?v=U3XY4TmK8qM

https://www.youtube.com/watch?v=ZrGHOGreQTk
Gruß
Harald

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#30

Beitrag von kehrdesign » 06.11.2018, 13:46

Ist sicher nicht falsch, was der Harald schreibt, aber für jährlich vielleicht eine Gitarren-Lackierung wären mir solche Investitionen etwas zu ambitioniert. Das ist wohl eher etwas um seine Brötchen damit zu verdienen, also die Profi-Kategorie.
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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#31

Beitrag von 12stringbassman » 06.11.2018, 13:54

hatta hat geschrieben:
06.11.2018, 13:15
Wenns leise sein soll, kann man über so einen Kompressor nachdenken...der läuft auch ölfrei, was ein weiterer Vorteil ist beim Lackieren: https://www.amazon.de/Starkwerk-Silent- ... ssor&psc=1
So einen, nahezu beugleichen mit anderem Aufkleber drauf, habe ich. Der ist wirklich schön leise. Oberhalb meiner Werkstatt sind Mietwohnungen und ich kann den Kompressor ungeniert auch am Sonntag morgen einschalten, ohne dass es Knatsch gibt.
"Denken ist wie googeln, nur krasser!"

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#32

Beitrag von dragonjackson » 07.11.2018, 09:30

Danke für die Tipps!
Harald, das sind alles tolle Geräte und keine Frage - hätte ich gern! Nur, für 1-2 Lackierungen im Jahr ist das over engineered.
Ich teste mich jetzt mit dem vorhandenen Material ran und werde dann beurteilen an welcher Stelle ich zulegen muss.

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#33

Beitrag von hatta » 07.11.2018, 09:36

Gerne!
Wenn dumit einem kleineren Kompressor lackierst, dann musst du dir die Luftreserven gut einteilen!

Also schau, dass du immer eine ganze Fläche fertig lackieren kannst bevor die Luft knapp wird oder ausgeht. Dann musst du nicht mitten in der Fläche absetzen und wieder ansetzen...das gibt einen schlechten Verlauf und nachher viel Nacharbeit.

Gruß
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Harald

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#34

Beitrag von dragonjackson » 07.11.2018, 10:03

Genau! Das war so mein Testlauf... schaffe ich mit der Luftmenge einen Durchgang. Hieße - nach jedem Durchgang (z.B. einmal über die Decke), den Kompressor füllen lassen und erst dann weitermachen (wieviele Durchgänge macht ihr denn so pro dünne Schicht? Heißt doch immer möglichst dünn, dafür öfter?). Dann noch die Abkühlzeiten beachten... wobei denn der Hopps geht - muss ja eh was Neues her ;)

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Re: Nitrolackierung - Erfahrungen & Techniktips

#35

Beitrag von hatta » 07.11.2018, 10:22

Ich mach bei Nitro 3 Schichten mit je 5 Minuten Ablüftzeit dazwischen. Dann 24 Stunden ruhe dann nochmal 3, 24 Stunden ruhe und dann nochmal drei.

Also insgesamt 9 Schichten Klarlack. Eventuell nach den 24 Stunden einen leichten Nivellierschliff um grobe Orangenhaut und Fehler rauszubekommen.

Den allerletzten Spritzgang mache ich richtig richtig satt um einen möglichst glatten verlauf zu erzielen.

Als untergrund verwende ich eine Sperrschicht (2 spritzgänge) 2K PU Grund, den leicht angerauht und dann bis zu 3 satte schichten Nitro schnellschliffgrund.

Das klingt erstmal richtig viel, wenn man sich den Festkörperanteil von Nitrolack vor Augen hält ist das recht dünn und wird nicht mehr sein als bei einem 2K Acryllack mit 3-4 schichten...

Gruß
Gruß
Harald

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