Holz hart wie Stahl

Diskussionen über Hölzer für den Bau von Instrumenten
Herkunft, Trocknung, Lagerung und Eigenschaften

Moderator: jhg

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Holz hart wie Stahl

#1

Beitrag von vrooom » 16.02.2018, 09:09

Für Instrumentenbau nutzbar?
Vollholzhälse (ohne Trussrod)?

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22 ... 02-08.html

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Re: Holz hart wie Stahl

#2

Beitrag von DoppelM » 16.02.2018, 09:29

Bei dreifacher Dichte wird das aber lustig für den Rücken :)
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Re: Holz hart wie Stahl

#3

Beitrag von KNGuitars » 16.02.2018, 09:30

naja, das holz hat dann die dreifache dichte, dürfte also ziemlich schwer werden das ganze ... eventuell in form von 2 schichten bei einem mehrteiligen hals

doppelM war schneller :)
lg klaus

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Re: Holz hart wie Stahl

#4

Beitrag von bea » 16.02.2018, 09:34

Das Material könnte ich mir ganz gut zum Aussteifen von Gitarrenhälsen vorstellen. den Angaben in dem Artikel zufolge wäre es steifer als Aluminium, hätte aber eine geringere Dichte.
LG

Beate

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Re: Holz hart wie Stahl

#5

Beitrag von KNGuitars » 16.02.2018, 10:00

oder als griffbrett wärs sicher intressant !
lg klaus

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Re: Holz hart wie Stahl

#6

Beitrag von hatta » 16.02.2018, 10:43

Ich hätte auch vorwiegend an griffbretter oder wie Bea zum ausstreifen gedacht.
Die Stahlindusteie wird sicher vollends begeistert sein...

Obs dann dem restlichen urwald auch noch ratz fatz an den kragen geht? :roll:
Gruß
Harald

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Re: Holz hart wie Stahl

#7

Beitrag von DoppelM » 16.02.2018, 11:33

Ich würd eher glauben dass das Monokulturen leichter, schnellwüchsiger Hölzer fördert. Ggf mit fokus auf geringe Astigkeit. (Ok, hängt bestimmt auch vom
Anwendungsgebiet ab)
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Re: Holz hart wie Stahl

#8

Beitrag von vrooom » 16.02.2018, 15:57

Ich würde auch denken, dass die gefährdeten Hartholzsorten davon profitieren, wenn man beliebige Holzsorten mit einer einfachen Methode knackenhart machen kann. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Entfernung des Lignins fürs Tönen eher vorteilhaft ist. Aber das ist ja alles nur Spekulation. - Stand da nicht irgendwo, dass das Gewicht nicht sonderlich zunimmt? (Oder war das immer nur der Vergleich mit Stahl?)
Na, wir werden sehen. Wenn es das Zeug zu kaufen gibt, wird es wohl nicht lange dauern, bis das erste Instrument oder ein Teil davon geschnitzt ist...

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Re: Holz hart wie Stahl

#9

Beitrag von MiLe » 16.02.2018, 16:17

Also ich hab' das als relativen Gewichtsvorteil gegenüber Metallen interpretiert, die absolute Dichte steigt auf das 3fache. Da müsste der gezielte Einsatz in einer Gitarre schon sehr genau überlegt sein.
Liebe Grüße,
Michael

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Re: Holz hart wie Stahl

#10

Beitrag von vrooom » 17.02.2018, 09:18

Ob es dann soviel schwerer wird, dass es für komplette E-Gitarrenhälse nicht mehr taugt? Kann schon sein... Man muß mal sehen, wie das Holz dann beschaffen ist, wenn es das dann irgendwann einmal zu kaufen gibt (oder gibt es das schon in irgendwelchen Spezialmärkten?). Angesichts der Einfachheit der Methode finde ich es erstaunlich, dass das nicht schon längst erfunden worden ist.

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Re: Holz hart wie Stahl

#11

Beitrag von capricky » 17.02.2018, 10:10

Mir fehlt da einwenig der Glaube, dass das Holz ohne Verwendung eines Bindemittels (Harz/Leim) dauerhaft verpresst werden kann.

Bei der Herstellung von Bambusparkett, wird der auch benötigt. Ich habe bisher nicht herausgefunden auf welcher Basis der ist, da wird immer blumig drumrum geschrieben, während ein hohes Lied auf Nachhaltigkeit und Schutz der Urwälder gesungen wird.

Hartpapier (Pertinax) ist auch verpresste Zellulose (mit Phenolharz), mit ähnlicher Dichte wie das jetzt hier besprochene. Ich hatte Anfang der 80er Jahre auch die Idee, daraus einen massiven Gitarrenkorpus zu fertigen. 4cm dickes Material besorgt und.... die Idee aufgegeben. Zellulose kann auch bleischwer werden. Wer möchte kann das Material haben, es liegt immer noch in der Werkstatt.

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Re: Holz hart wie Stahl

#12

Beitrag von capricky » 17.02.2018, 10:32

...da fällt mir noch ein, in Zusammenhang mit Natronlauge, die ja hier verwendet wird, kann man auch durchsichtiges Holz herstellen, auch unter amateurmäßigen Bedingungen. Aber Vorsicht, konzentrierte Natronlauge NaOH ist ein übles Zeug!
Ich glaube es da auch Videos in der Tube.

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Re: Holz hart wie Stahl

#13

Beitrag von DoubleC » 17.02.2018, 14:48

Ja, Cellulose kann Scheixxeschwer werden........

Stichwort: Bücherkisten beim Umzug.........

Bis das mit diesen Bretteln spruchreif ist, werden noch viele Jahre ins Land gehen. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, haben die das an eher übersichtlichen Bretterformaten am MIT (Massachusetts Institute of Technology), einber sehr renommierten Grundlagenbude, ausgetestet.

Der Trick ist, mittels Auskochen mit Natriumhydroxid-Lauge (Rohrfrei) und Natriumsulfit das Lignin aus den Holzzellen herauszukochen. Dann wird das Holz bei 100°C verpresst (Entfernung der Ligninlöcher) und die Dichte mächtig erhöht.

Die Experimente mit den Smith&Wesson (das ist 'ne 44er Magnum Stuppsnase.....) wurden dann mit querverleimtem Multiplex durchgeführt. Wir bewegen uns also in die Nähe von Kohlefaser/Glasfaserlaminaten........gehobelt haben die Purschen jedenfalls nicht........für dünne harte Zargen und Böden vlt...........

Es ist jedenfalls in einer der renommiertesten Wissenschaftszeitschriften publiziert worden........aber was in NATURE steht, ist noch lange nicht anwendungsreif!

Gruss


Double"Doc"C

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Re: Holz hart wie Stahl

#14

Beitrag von Yaman » 17.02.2018, 16:36

capricky hat geschrieben:
17.02.2018, 10:10
Mir fehlt da einwenig der Glaube, dass das Holz ohne Verwendung eines Bindemittels (Harz/Leim) dauerhaft verpresst werden kann.
capricky
Ich habe in einem anderen Artikel (http://www.spiegel.de/wissenschaft/tech ... 92407.html) zum Pressholz gelesen, dass sie Probleme haben, dass sich das Holz nach dem Pressen bei Feuchtigkeit wieder ausdehnt.

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Re: Holz hart wie Stahl

#15

Beitrag von vrooom » 17.02.2018, 16:41

Ist Cellulose nicht eher amorph und faserig, während das Holz hier noch eine (Waben)Struktur besitzt? Dass sie ohne weiteren Leim auskommen, könnte ferner auch an den genannten Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Zellwänden liegen, die beim Pressen entstehen. Na, watt weeß ick...
Ich würde mal bezweifeln, dass man das im Selbstversuch nachbauen kann. Von der Natronlauge einmal abgesehen, gelingt es vermutlich ohne entsprechenden Maschinenpark kaum den Druck und die Temperatur zu erzeugen.
Aber angesichts der grundsätzlich einfachen Herstellung könnte ich mir schon vorstellen, dass wir das industriell gefertigt relativ bald im Handel sehen werden. Schaun 'mer mal...

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Re: Holz hart wie Stahl

#16

Beitrag von DoubleC » 17.02.2018, 18:51

Es lässt sich wohl irgendwie verleimen,

aber lest selbst......... Es geht hier eher in Richtung nachwachsende Rohstoffe zum Herstellen ultraharter Werkstoffe. Die Sauerei mit Lauge und Sulfiden entspricht dem, was man auch aus der Papierherstellung kennt.

Wenn mein 11mm-Spitzmantel-Hohlnasengeschoss da nicht durchkommt, wird es wohl ein ähnlicher Hobelschröter wie GFK/CFK sein.........

Viel SPass beim Nachbauen....


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