Blindtest für Tonholz

Diskussionen über Hölzer für den Bau von Instrumenten
Herkunft, Trocknung, Lagerung und Eigenschaften

Moderator: jhg

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MiLe
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Re: Blindtest für Tonholz

#26

Beitrag von MiLe » 16.12.2017, 11:16

dann hatte ich Dich falsch verstanden. Aufgrund des Mittelwellen-Nebensatzes bin ich von Musik insgesamt ausgegangen - bei verzerrter Gitarre Gitarre sieht das natürlich anders aus. HiFi-Box an Amp klingt halt gruselig deswegen. Das Obertonspektrum, was so eine E-Gitarre angeht, muss ich mir mal anschauen. Vom Gefühl her würde ich aber nicht sagen, dass bei einer Akustik alles über 8 KHz störend ist sondern sogar im Gegenteil zur "Charakterformung" beiträgt. Aber wie gesagt - nur aus dem Bauch heraus, ich muss mal versuchen, das zu messen.
Liebe Grüße,
Michael

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kehrdesign
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Re: Blindtest für Tonholz

#27

Beitrag von kehrdesign » 16.12.2017, 13:52

Mal über die Gitarre hinausgehend:
Ein mehrfach destruktiv gespeichertes MP3-File (ev. auch von einem alten Band digitalisiert), das mich noch problemlos scharfe Töne vom Blech, gesungene Zischlaute, etc. wahrnehmen lässt, zeigt in der Wavelab-Spektrumsanalyse über 6 kHz gegen Null an, ohne dass mir im Gegensatz zu manch aktuellen TV-Aufnahmen irgend welche hohen Anteile fehlen würden. Eine qualitativ hochwertige Aufnahme des selben Stückes klingt für mich auch nicht besser mit einer wesentlichen Ausnahme: Zweitere hat ein viel transparenteres Klangbild.

Ob und in welchem Maße das am niedrigeren Klirrfaktor, der besseren Kanaltrennung oder tatsächlich an den höheren Frequenzanteilen liegt (die ich ja erwiesenermaßen nicht wahrzunehmen in der Lage bin), vermag ich mir nicht schlüssig zu erklären.

Wenn ich jedoch mal von einer breitbandigen Musikaufnahme alles unter 6 kHz steilflankig ausblende, ist das, was an wahrnehmbaren Geräuschen für mich noch übrigbleibt, ein scharfes, zerfetztes Rauschen, das mich kaum noch einen Bezug auf das ursprüngliche Musikstück erkennen lässt. Mag aber auch sein, dass die mögliche Flankensteilheit des genutzten WaveLab-EQ und mein eingeschränktes Hörvermögen den Eindruck verfälscht. So jedenfalls ist das (über 6 kHz-) Geräusch nichts, das zu meiner Idealvorstellung eines Akustikgitarren-Tones positiv beitragen würde.
Um etwas zu verhindern finden sich immer Gründe, um etwas zu erreichen finden sich Lösungen.
______________________
http://guitars.kehrdesign.de/

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Re: Blindtest für Tonholz

#28

Beitrag von MiLe » 16.12.2017, 15:32

Klar ist natürlich, dass der Bereich unter 6K für das musikalische Erlebnis wesentlich relevanter ist als der darüber, maerkt man alleineam Telefon, wo man meist Stimmen sogar och bei extrem geringer Bandbreite identifizieren kann. Aus der Beobachtung "über 7 K kommt nur scharfes, zerfetztes Rauschen" auf dessen Irrelevanz oder gar störenden Einfluss zu schließen, halte ich aber für gewagt. Ein richtig eingestellter Sub für sich alleine klingt auch gruselig, bereichert das Klangbild aber ganz enorm im Zusammenspiel.
Im Bereich über 6, 7 oder 8K spielt sich noch so einiges an Obertönen ab, was isoliert gehört sicher nicht schön ist (z.B. Oberwellen 3., 5., 7. ... Ordnung), aber eben zum wahrgenommenen Klangcharakter beiträgt.

Man darf auch nicht ausser Acht lassen, was unser Hirn mit den aufgenommen Informationen so alles anfängt: Sowohl im Tief- als auch im Hochtonbereich werden da fehlende Informationen aufgrund früherer Erfahrungen gerne "dazugerechnet" - auf diesem Effekt beruht z.B. der Erfolg von Bose-Miniboxen. Die werden auch als wesentlich basspotenter wahrgenommen, als sie tatsächlich sind. Wie sollten sie auch - mit 50 cm² Membranfläce und < 1 mm Hub ist bassmäßig nicht viel zu holen.
Liebe Grüße,
Michael

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