Appropos "Design"

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potomac
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Re: Appropos "Design"

#26

Beitrag von potomac » 24.04.2021, 17:28

Hallo Jan, ja ich denke heute noch genauso, eigentlich immer mehr. Nur ganz wenige neue Formen beeindrucken mich nachhaltig. Das liegt aber sicher zum größten Teil an mir, ich bin halt nicht mehr schnell zu beeindrucken und versuche Formen sofort zu analysieren. Sind sie ausgewogen harmonisch? Sind sie ergonomisch? Sind sie sinnvoll (z. B. Koffermaße)? Sind sie alltagstauglich, auch abseits der Bühne? Sind sie mir zu futuristisch? usw.

Gruß
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Re: Appropos "Design"

#27

Beitrag von Yiti » 24.04.2021, 21:20

potomac hat geschrieben:
24.04.2021, 17:28
Hallo Jan, ja ich denke heute noch genauso, eigentlich immer mehr. Nur ganz wenige neue Formen beeindrucken mich nachhaltig. Das liegt aber sicher zum größten Teil an mir, ich bin halt nicht mehr schnell zu beeindrucken und versuche Formen sofort zu analysieren. Sind sie ausgewogen harmonisch? Sind sie ergonomisch? Sind sie sinnvoll (z. B. Koffermaße)? Sind sie alltagstauglich, auch abseits der Bühne? Sind sie mir zu futuristisch? usw.

Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
Ich dachte schon, du würdest nicht darauf zurückkommen. Umso mehr freue ich mich über Deine Meinung. Das heißt für die Formen-Analytik:
> harmonisches Gleichgewicht
> Ergonomie
> Alltagstauglichkeit
> Gegenwart-Konformität
.... ich bin halt nicht mehr schnell zu beeindrucken und versuche Formen sofort zu analysieren.
Als ausgebildeter Labortechniker unterscheide ich sofort zwischen qualitativen und quantitativen Analysen. Also "was ist es" oder zusätzlich "wie viel davon ist es".
Ich denke, dass die Zeit gekommen ist, in der Formen immer kleinere Unterschiede in den Positionen vergleichbarer Konturpunkte aufweisen. Es gibt aber noch viele geeignete und bisher ungenutzte Details.
Ich hoffe nur, dass irgendein App nicht alles im Voraus findet und Designer überflüssig werden (think)
Gruß
Jan

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Re: Appropos "Design"

#28

Beitrag von atomicxmario » 24.04.2021, 21:40

Ja, mir geht es ähnlich, es gibt mehr oder weniger EINE klassische Gitarrengrundform, die hauptsächlich der Ergonomie folgt, angelehnt an die akustische Gitarrenform unterscheiden sich die Gitarren mehr in den Details... Cutaways, Größe, Formen, Shaping, Ausstattung usw...

Dann gibt es noch eine handvoll Formen, die zwar nicht so ergnomisch sind, an die wir uns aber im Laufe der Jahre gewöhnt haben - eine Flying V zum Beispiel.

Ich gewöhne mich aber auch an Formensprachen. Die Gitarren vom Urs (Saitenkraft) zB haben mir anfangs gar überhaupt nicht gefallen. Formtechnisch. Mittlerweile finde ich aber mehr und mehr gefallen dran. Als ich noch jünger war fand ich sogar die Telecaster furchtbar... mir gefallen mit der Zeit immer mehr Gitarren... sogar dem "Gartentisch" kann ich mittlerweile etwas abgewinnen. Hab sogar eine Explorer-Firebird-BMGArielle-Mischung entworfen und einen Prototypen gebaut... (mittlerweile mein Liebling)... Im Gegensatz dazu finde ich Dinge an der Strat die mir proportionstechnisch gar nicht mehr gefallen (früher das einzig wahre Gitarrendesign für mich).

Es gibt aber auch ein paar Neuerungen in Sachen Spieltechniken. Da bewegt sich im Moment sehr viel. Dieses auf dem Griffbrett Rumgeklopfe (Tapping), 7 oder 8 String-Instrumente für besonders dunkle Musik, Multiscale usw.. Diese neuen Spieltechniken stellen zum Teil neue Anforderungen an die Ergonomie... Gitarren die am Hintern eine Kuhle für den Schenkel haben zB... Handgelengauflagen oberhalb des Griffbretts (fürs Tapping) usw...
Es entwickeln sich also neue Formen, die auf uns klassische Gitarristen extravagant wirken (und v.a. auch ungewohnt)... allerdings den neuen Anforderungen gerechter werden als das Gewohnte...

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Re: Appropos "Design"

#29

Beitrag von kehrdesign » 24.04.2021, 22:17

Yiti hat geschrieben:
24.04.2021, 21:20
...
Ich hoffe nur, dass irgendein App nicht alles im Voraus findet und Designer überflüssig werden (think) ...
Ich fürchte, das erledigen weniger die Apps als vielmehr ambitionierte Marketing-"Experten" :roll: .
Apps fehlt nach heutigem Stand das schöpferische Element; die können nur auf Basis von Zufällen, Vorgaben bzw. Analysen vorliegender Muster arbeiten.
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Re: Appropos "Design"

#30

Beitrag von Titan-Jan » 11.05.2021, 16:18

Habe mir die Tage mal ein 2-Stunden Video bei Youtube gegönnt:
https://www.youtube.com/watch?v=GCSMHAE8Olw

Hat sich total gelohnt, fand ich.
Titel: Harvard Graduate School of Design | Guitar Design
A conversation about Guitar Design by the Harvard Graduate School of Design.
Featuring Michihiro Matsuda, Rachel Rosenkrantz, Ken Parker, Ulrich Teuffel, and Jamie Gale.
Host: Burton LeGeyt of the Harvard GSD
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Re: Appropos "Design"

#31

Beitrag von blackforest » 11.05.2021, 19:39

kehrdesign hat geschrieben:
24.04.2021, 22:17
Yiti hat geschrieben:
24.04.2021, 21:20
...
Ich hoffe nur, dass irgendein App nicht alles im Voraus findet und Designer überflüssig werden (think) ...
Ich fürchte, das erledigen weniger die Apps als vielmehr ambitionierte Marketing-"Experten" :roll: .
Apps fehlt nach heutigem Stand das schöpferische Element; die können nur auf Basis von Zufällen, Vorgaben bzw. Analysen vorliegender Muster arbeiten.
Ich glaube ja eher, dass es gar nicht allzulange gehen wird bis Künstliche Intelligenz auch im Bereich Design ordentlich mitmischen wird. Designer werden nicht überflüssig, aber ihre Rolle wird eine andere sein.
LG Uwe

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Re: Appropos "Design"

#32

Beitrag von DoppelM » 11.05.2021, 22:27

blackforest hat geschrieben:
11.05.2021, 19:39
kehrdesign hat geschrieben:
24.04.2021, 22:17

Ich fürchte, das erledigen weniger die Apps als vielmehr ambitionierte Marketing-"Experten" :roll: .
Apps fehlt nach heutigem Stand das schöpferische Element; die können nur auf Basis von Zufällen, Vorgaben bzw. Analysen vorliegender Muster arbeiten.
Ich glaube ja eher, dass es gar nicht allzulange gehen wird bis Künstliche Intelligenz auch im Bereich Design ordentlich mitmischen wird. Designer werden nicht überflüssig, aber ihre Rolle wird eine andere sein.
LG Uwe
Tut sie schon lange, zum Beispielen in Bereichen wie Flugzeugbau - optimierung von Lastaufnahme vs Gewicht. Würde ja auch bei Gitarren sinn machen.
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Re: Appropos "Design"

#33

Beitrag von kehrdesign » 11.05.2021, 23:48

DoppelM hat geschrieben:
11.05.2021, 22:27
blackforest hat geschrieben:
11.05.2021, 19:39
... dass es gar nicht allzulange gehen wird bis Künstliche Intelligenz auch im Bereich Design ordentlich mitmischen wird. ...
Tut sie schon lange, zum Beispielen in Bereichen wie Flugzeugbau - optimierung von Lastaufnahme vs Gewicht. ...
Der Begriff "Design" zeigt sich leider missverständlich, da darunter einerseits künstlerisch-gestalterische Disziplinen, als andererseits auch mechanisch-technisch optimierende, ja sogar konstruktive Disziplinen verstanden werden.

Erstere bedürfen schöpferischer, ästhetisch-künstlerischer Leistungen, die meines Wissens zum derzeitigen Stand der KI nicht annähernd automatisierbar sind.
Design im zweiteren Sinn ist selbstverständlich automatisierbar, da in Form von Algorithmen darstellbare, technisch-wissenschaftlich-gestalterische Vorgaben und Zusammenhänge als Grundlage dienen.
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Re: Appropos "Design"

#34

Beitrag von DoppelM » 12.05.2021, 07:19

Design ist ja ein Englisches Lehnwort, das aber im Deutschen von vielen wesentlich eingeschränkter verwendet wird als im Original. Es umfasst eigentlich jede Art von Gestaltung, auch jenseits von optischen/physischen/haptischen Elementen. In meinem Job merkt man das an Diziplinen wie „Service Design“ und „Design Thinking“, in meinem Studium gabs „ePedagogy Design“- das kann z.B. auch Prozesse beinhalten (z.b. wie ein Mobilfunkanbieter Beschwerden behandelt um den Frust zu reduzieren) oder die Fragestellung welche Medienformate genutzt werden um Information zu vermitteln.

Aber zurück zum physisch-gestalterischen: die Grenze zwischen „künstlerisch/schöpferisch“ und „mechanisch/konstruktiv“ ist da für mich sehr willkürlich. Das eine geht ohne das andere nicht - jenseits von Gemälden zumindest. Gitarren sind letztlich eine Variante von Industriedesign, die müssen physischen und funktionalen Anforderungen genügen. Eine Strandberg ist da zum Beipiel ein ziemlich reines „Form follows function“ Prinzip. Ob diese Problemstellung von nem Algorithmus oder nem Menschen gelöst wird find ich daher eine eher unerhebliche Unterscheidung - vor allem da bei den AI Designs ja Menschen die Vorgaben definieren und die vorgeschlagenen Lösungen kuratieren.
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Re: Appropos "Design"

#35

Beitrag von dantiel » 10.07.2021, 12:04

Design unterscheidet sich von Kunst dadurch funktional sein zu müssen, es gibt also eine externe Einschränkung der kreativen Freiheit.
ständig müssen beim designen dinge berechnet werden, meistens sind diese Rechnungen so einfach dass man sie mit Bleistift und papier oder nach Augenmaß tun kann. sind allerdings die Faktoren für eine Berechnung derart mannigfaltig dann wird es schwer diese Berechnungen überhaupt durchzuführen und wir können uns nur auf Erfahrung bzw. versuch und Irrtum stützen.. durch KI haben wir nun die Möglichkeit den der Berechnung zugrundeliegenden Algorithmus zu "designen" und so die Generationen an Erfahrung welche für die Lösung des problems nötig wären virtuell vorweg zu nehmen.
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Re: Appropos "Design"

#36

Beitrag von cisiamo » 10.07.2021, 21:56

Eine sehr interessante Diskussion. Ich denke vieles wurde hier schon gesagt aber ich habe auch gerade Lust meinen Senf dazu zu geben.

Mit gefällt der Vergleich mit dem Automobildesign. Hier gibt es, meiner Ansich nach, schon seit Jahren auch nur noch marginale Detailverbesserungen. Die Grundparameter sind gleich und dank Marktforschung traut sich kaum noch ein Hersteller, etwas wirklich spektakulär neues zu entwickeln. Selbst die E-Autos sehen fast genau so aus wie die mit Verbrennungsmotor obwohl das Design hier einige neue Freiheiten hätte.

Bei der E-Gitarre gibt es meiner Ansicht nach keine so grundlegend neuen Prinzipien. Die Parameter haben sich nicht wesentlich verändert. Detailverbesserungen sind möglich und oft auf die Hardware begrenzt. Und beim Klang wollen wir meist auch das, was wir kennen und lieben. Nicht umsonst gibt es einen großen Markt für Pickups die klingen sollen und wollen wie die alten. Wenn es dann noch extra auf abgenutzt getrimmt wird, fängt es für mich an albern zu werden.

Ich finde schon Gefallen an manchem neuen Design z.B. einige Modelle von Murray Kuun aus Südafrika. Es gibt auch aus Japan interessante Gitarrenbauer. Aber oft liegen die Designs die mir gefallen (Z.B.Nik Huber) nicht allzu weit entfernt von den Klassikern

Diese sind auch nicht umsonst fast alle in der Anfangszeit der E-Gitarre entstanden. Persönlich finde ich hier übrigens, dass Fender hier wesentlich weiter war als Gibson. Für mich hat er die neuen Möglichkeiten der elektrischen Tonabnahme konsequenter in neues Design umgesetzt. Gibson war doch wesentlich mehr der Tradition verhaftet. Die Tele, die ich früher nicht mochte, war schon ein komplett neues gradezu genial simples Instrument. Die Strat hat wesentliche Kinderkrankheiten ausgemerzt und steht geradzu ikonisch für die elektrische Gitarre. Das Fender kein Instrumentenbauer war hat hier sicher der Innovation auf die Sprünge geholfen und Design hat oft eben auch mit Innovation zu tun. (S. iPhone)

Extravagantes sagt mir eher selten zu. Gutes Design kommt für mich eher unaufgeregt daher. Es muss in sich schlüssig und harmonisch wirken, so als könnte es gar nicht anders sein. Und das zu erreichen ist oft schwerer als alles andere.

Ich persönlich mag daher auch nicht so sehr auffällige Hölzer, Bindings und viel Bling-Bling auch wenn es seine Berechtigung hat. Zumal die Gitarre aben auch eine repräsentative Funktion aud der Bühne hat. Vermutlich bin ich da aber doch eher dem "form follows function" verschrieben. Vielleicht kommt das noch aus meinem Architektur-Studium.
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Re: Appropos "Design"

#37

Beitrag von Drifter » 10.07.2021, 22:33

@cisiamo

Im Großen und Ganzen gebe ich Dir Recht, oder hätte bis vor einem halben Jahr die sogar uneingeschränkt Recht gegeben.

Aber dann kommen mit der Airroc und der Leftover zwei irre Gitarren daher, die, um Dich zu zitieren, so sind als könnten sie nicht anders sein. Und das macht einfach Spass!

Aber wie Du schon angedeutet hast: ich mag auch viel lieber eine Tele als einen Showstepper!

lG

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Re: Appropos "Design"

#38

Beitrag von cisiamo » 10.07.2021, 23:33

Drifter hat geschrieben:
10.07.2021, 22:33
@cisiamo
Aber dann kommen mit der Airroc und der Leftover zwei irre Gitarren daher, die, um Dich zu zitieren, so sind als könnten sie nicht anders sein. Und das macht einfach Spass!
Tatsächlich sind das zwei irre Instrumente, die viel Enthusiasmus und Innovationswillen demonstrieren. Da muss ich den Erbauern meinen Respekt zollen. Trotzdem ist für mich das Design nicht zwingend, manchmal zu manieristisch und detailverliebt. Das Zeug zu einem Klassiker häten sie für mich nicht. Aber das müssen sie ja auch nicht. Toll sind sie ja trotzdem.
Mich hat die Madl Fastback noch mehr abgeholt.
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Re: Appropos "Design"

#39

Beitrag von DoppelM » 11.07.2021, 00:30

cisiamo hat geschrieben:
10.07.2021, 21:56


Mit gefällt der Vergleich mit dem Automobildesign. Hier gibt es, meiner Ansich nach, schon seit Jahren auch nur noch marginale Detailverbesserungen. Die Grundparameter sind gleich und dank Marktforschung traut sich kaum noch ein Hersteller, etwas wirklich spektakulär neues zu entwickeln. Selbst die E-Autos sehen fast genau so aus wie die mit Verbrennungsmotor obwohl das Design hier einige neue Freiheiten hätte.
Also meine Kollegen und ich versauen sicher viele Kreative Werbe-Ideen weil der Auftraggeber sie auf Massentauglichkeit und Verständnis stricken will. Für die Gleichschaltung von Auto-Designs sind wir aber eher nicht verantwortlich, da sind cw Wert, Gleichteil / Plattformstrategien und im Fall "mehr Freiheiten bei e-Autos" der Bedarf einer Knautschzone ausschlaggebend.

Bei Gitarren ist da jenseits von Halsbreiten, Saitenzahlen und einer Gewissen Gleichteil-Konvention weit mehr Raum, aber wenn man Gitarrenhändler erzählen hört wie sie eine PRS mit wunderschön einzigartiger Ahorndecke ( in diesem Fall V-Förmiger Wurf in der Riegelung) nicht loswerden weil das Top nicht aussieht wie bei den anderen Katalogschönheiten, dürfte deine Analyse letztendlich stimmen: die Endkunden sind schuld.

Ich find ja Nick Paige ganz super und eigenständig.
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