Wandergitarre

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dantiel
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Wandergitarre

#1

Beitrag von dantiel » 07.10.2019, 02:06

Hallo Leute,

zunächst mal, tolles Forum, grad erst angefangen ein bisschen in bisherige Threads reinzuschauen naja und muss sagen es ist wirklich einiges an Varietäten zu finden was Gitarren angeht!
Habe mich angemeldet weil ich eine Gitarre bauen möchte, allerdings habe ich null vorerfahrung mit Gitarrenbauen (Reparatur nicht weiter als mal Mechaniken ausgetauscht..). Handwerk kein problem, aber man benötigt natürlich einiges an Wissen. Habe gehört man ist erst mit 25 jahren Erfahrung ein guter Gitarrenbauer.

Im folgenden mein Entwurf. Es soll eine 3/4 Wandergitarra werden. Korpusmaße 250x420x90. Als Hölzer möchte ich Riegelesche für Decke und Boden, für die Zargen Riegelahorn verwenden. Der Hals soll aus Ahorn und Griffbrett aus Nussbaum. Der Entwurf ist noch etwas allgemein, habe gerade erst angefangen das Skelett zu planen, aber form sollte gegeben sein. Ist das so Skelett optimal ? werden die Zargen am heckstück halten, wenn diese aus 2 teilen bestehen oder löst sich der leim ab? Wird es klingen? Eschenholz soll etwas witterungsanfälliger , dh wie behandelt man das Holz am besten?

Da ich absolut keine Erfahrung habe freue ich mich über jeden Tipp und bin gespannt über euer Meinungen (-:

P.S: würdet ihr davon abraten einen abnehmbaren hals zu implementieren?
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Re: Wandergitarre

#2

Beitrag von Kellermann » 11.10.2019, 20:34

Hallo Dantiel,

ich bin auch ein Rookie, ich habe exakt ein Instrument Vorsprung vor Dir :D . Ich habe etwas ganz anderes gebaut, aber egal, ein paar Tipps:
Um einen Überblick zu bekommen, bist Du richtig hier 8) .
Ich habe z.B. über ein Jahr nur Bauberichte oder Videos und Tutorials, unzählige Luthier-Tipps und Filmchen und was es noch alles gibt, angesehen.

Versuche erst zu verstehen, wie ein Saiteninstrunment aufgebaut ist, aus welchen einzelnen Teilen es besteht und diese Teile zusammen wirken und verbunden sind. Was sind die "Baugruppen" und wie ist der prinzipielle Bauablauf. Ich meine wirklich nur prinzipiell, weil es in der Bautechnik zu jedem Teil des Instrumentes und zur gesamten Bauweise gerade im akustischen Instrumentenbau verschiedene Varianten gibt.

Mache dir für ein erstes Instrument nicht zu viele Gedanken über die Holzsorten und wie der Klang sein "könnte". "Gut" oder "schlecht", wenn man überhaupt in solchen Kategorien sprechen kann. Es sind zu viele Faktoren, die das Klangergebnis am Ende mit dem jeweiligen Material bestimmen können. Wichtiger ist der Verstand zum Holz und seinen generellen Eigenschaften, was Dichte, Fasern, Poren, Feuchte- und Trockenreaktionen, Faserverlauf und Jahresringstellung an sich bedeuten für die handwerkliche Umsetzung.

Dein Ziel sollte sein, ein erstes Instrument fertigzustellen. Mache eventuell erst mal Abstriche, was die technische Schwierigkeiten anbetrifft, weil die Fertigstellung -wirklich unabhängig von den eigenen gestellten Ansprüchen her- ist das ALLERSCHÖNSTE und oberste Prio!

Du hast einen schönen Entwurf für deine Wandergitarre, mache daraus einen Plan der Konstruktion. Wenn du erstmal nicht ganz verstehst, "kopierst" Du halt, was du siehst oder dir aneignest und setzt es für deinen Entwurf um, und wenn es halt erstmal nur so "lala" vom technischen ist. Du baust nicht aus dem Stand Instrumente, wie jemand, der es seit Jahrzehnten macht, habe aber auch nicht zu viel Respekt. Lass dir ggf. von anderen helfen, die auch in der (Ton)holzmaterie zuhause sind.

Ich bin kein Experte, aber die Halsverbindung zum Stecken stellt hohe Ansprüche an die Ausführung, es weden Metallteile mit eingebaut und das ist nichts für den Eigenbau zum Beginnen, ich würde es lassen. Oder der Hals gakelt rum nach 3 mal Stecken und du hast nur Zimmerdeko. Das wäre Schade!

Fang an...bleib dran...und...mach es fertig!

Viele Grüße und viel Spaß
Kellermann

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Re: Wandergitarre

#3

Beitrag von cabriolet » 12.10.2019, 11:17

Ja, wie Kellermann schon sagt, erstmal lesen, lesen, lesen.
Aber Vorsicht: Das bringt nicht nur nötiges Wissen und Verständnis für die Zusammenhänge, sondern auch massenweise Anregungen, und auf einmal willst du nicht nur eine Wandergitarre, sondern auch noch eine Reihe anderer Instrumente bauen :lol: . Aber das kommt sowieso, wenn du erstmal eine Gitarre gebaut hast, das macht einfach süchtig...
Und auch wichtig: Immer fragen, wenn dir etwas nicht wirklich klar ist. Damit hast du ja schon angefangen.
Deshalb gleich eine Antwort zu deinem "Skelett" (ich nehme mal an, dass du damit die Beleistung der Decke meinst): Nein, das ist so nicht optimal. Im Prinzip spricht garnichts gegen die ungewöhnliche sternförmige Anordnung der Leisten um den Steg herum, aber eine wichtige Leiste fehlt. Unterhalb des Schalllochs muss auf jeden Fall noch ein Querbalken hin, damit dir die Decke nicht unter dem Zug der Saiten dort wegsackt.
Zu deinen anderen Fragen: Zur "Witterungsanfälligkeit" von Esche... auch eine Wandergitarre gehört nicht Regen und Matsch und Schlamm ausgesetzt. Und bevor dein Holz wirklich verwittert ist, wäre es längst verzogen, gerissen, sind Leimnähte offen etc. Du solltest also eher auf mechanische Widerstandsfähigkeit der Oberflächen Wert legen. Und noch ein kleiner Tipp: Wenn du auch die Innenseite des Instruments lackierst, machst du die Gitarre weniger anfällig gegen Luftfeuchtigkeits-Schwankungen, was z.B. Verstimmen angeht.
Zu den Zargen: Die sind eigentlich immer zweiteilig, das hält.

Gruß
und viel Spaß!

Markus
Aktuelles Bauprojekt: Die "Couch-Gitarre"

Meine beiden Wettbewerbs-Gitarren:
[Elektrisch, Gitarre] Das hohle Ding aus dem Baumarkt: Baubericht und Galerie
[Akustisch] Eine "etwas andere" Nylonstring: Die Wohnzimmergitarre wird nicht mehr rechtzeitig fertig...

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Re: Wandergitarre

#4

Beitrag von dantiel » 15.10.2019, 02:19

Vielen Dank Cabriolet und Kellermann für die eingehenden Antworten. Es stimmt das wichtigste ist es fertigzustellen, aber es muss wahrscheinlich erst im Detail bis zuende Durchgeplant sein. vielleicht hätte ich für ein "erstes" instrument einfach alles aus Sperrholz bauen sollen. Naja, Ichwerde das Skelett überdenken, eskann sein dass ein Querbalken fehlt. Ich hoffte allerdings dass durch die schmale Bauform und das etwas härtere holz an der stelle verzichtet werden kann, und der obere Querbalken schon genügt aber stimmtauch dass relativ leicht etwas einreissen könnte. Es sollen auch nur nylonsaiten ran.

Ich muss auch zugeben ich befürchte auch dass ich weitere Instrumente bauen wollen werde, da allein die Planung bereits viel Vorfreude bereitet. bspw im anschluss das ganze instrument nochmal aus paulownia bauen.

gute Idee auch die Innenseite zu lackieren. welche art von Lackierung empfehlt ihr für Esche? würde eine leinölfirnis genügen ? ich suche etwas möglichst traditionelles und dauerhaftes, aber zur not sind synthetische lacke wohl das mittel der wahl.

noch eine frage wie dick sollte das holz für decke und Boden sein, wenn beides aus riegelesche ist? LG, –d.

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