Bridge löst sich einseitig

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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geko
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Bridge löst sich einseitig

#1

Beitrag von geko » 23.09.2018, 17:55

Hallo,

bei meiner Eigenbaugitarre löst sich nach einem Jahr die Brücke einseitig.
Ein Stück Papier kann ich wie im Bild zu sehen ohne großen Widerstand recht weit in den Spalt schieben. Ohne Saitenspannung ist ein Spalt von ca. 0,3mm vorhanden. Mit den Saiten waren es ca. 0,5mm.

Meine Frage an die Experten:

würdet ihr die Brücke ganz ablösen, sauber machen und neu aufleimen? Oder erst mal versuchen möglichst weit Leim reinzudrücken, Zwinge dran und fertig?

Grüße
Gerald

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Re: Bridge löst sich einseitig

#2

Beitrag von glambfmbasdler » 23.09.2018, 18:32

Bin zwar kein Experte, ich würde aber Option 1 wählen.
Grüße
Eduard

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Re: Bridge löst sich einseitig

#3

Beitrag von clonewood » 23.09.2018, 18:39

Brücke ganz ablösen, sauber machen und neu aufleimen

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Re: Bridge löst sich einseitig

#4

Beitrag von gitarrenmacher » 23.09.2018, 18:48

Runter damit, Leimflächen gut säubern und neu draufleimen.
Was für einen Leim hast du genommen?
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Re: Bridge löst sich einseitig

#5

Beitrag von jhg » 23.09.2018, 21:21

Du solltest evtl. noch ein wenig Ursachenforschung betreiben. Entweder waren die Leimflächen nicht in Ordnung (evtl. noch Lackreste auf der Decke) oder der Leim nicht richtig. Eigentlich sollte das ja nicht passieren ...

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Re: Bridge löst sich einseitig

#6

Beitrag von geko » 23.09.2018, 23:06

jhg hat geschrieben:
23.09.2018, 21:21
Du solltest evtl. noch ein wenig Ursachenforschung betreiben. Entweder waren die Leimflächen nicht in Ordnung (evtl. noch Lackreste auf der Decke) oder der Leim nicht richtig. Eigentlich sollte das ja nicht passieren ...
Habe es eigentlich gleich gemacht wie bei meinen anderen beiden Gitarren (die schon seit mehreren Jahren halten). Schellack sauber abgekratzt, mit Titebond verleimt.
Durch die breite Form der Brücke vermute ich, dass der Druck nicht gleichmäßig und zu schwach war. Ich hatte nur in der Mitte Zwingen verwendet (eine oder zwei, weiss ich nicht mehr genau). Von dem beigelegten Holzstück habe ich dann mit je einer Schraube außen Druck auf die Brücke gebracht. Dadurch fehlte aber der der Gegendruck. Irgendwie hatte ich nicht genügend passende Zwingen, und dann gepfuscht :-(

Ich brauch erst mal vernünftige Zwingen mit genügend Ausladung.

Danke für die Einschätzung, ich werde die Brücke runternehmen und berichten.

Grüße
Gerald

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Re: Bridge löst sich einseitig

#7

Beitrag von gitarrenmacher » 24.09.2018, 08:34

geko hat geschrieben:
23.09.2018, 23:06


Ich brauch erst mal vernünftige Zwingen mit genügend Ausladung.



Grüße
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Re: Bridge löst sich einseitig

#8

Beitrag von liz » 24.09.2018, 09:45

gitarrenmacher hat geschrieben:
24.09.2018, 08:34
Bei Madinter gibt es jetzt die von Stewmac. Portokosten sind erträglich.
https://www.madinter.com/by-type-of-too ... veler.html
Finde ich super, braucht man auch, nur als Ergänzung möchte ich eine Zwinge hier verlinken, die ich verwende:
https://www.dictum.com/de/gitarrenbauwe ... rre-717171
Die ist su- su- super! So einfach leimt man mit keiner anderen Zwinge den Steg auf.

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Re: Bridge löst sich einseitig

#9

Beitrag von gitarrenmacher » 24.09.2018, 10:35

ARGHHHHHHHHH

Was für ein Statement....Jetzt muss ich sie haben...
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Re: Bridge löst sich einseitig

#10

Beitrag von liz » 24.09.2018, 10:44

gitarrenmacher hat geschrieben:
24.09.2018, 10:35
Jetzt muss ich sie haben...
Die gibst du nicht mehr her, versprochen!

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Re: Bridge löst sich einseitig

#11

Beitrag von Sven2 » 24.09.2018, 20:52

geko hat geschrieben:
23.09.2018, 17:55
[...]
würdet ihr die Brücke ganz ablösen, sauber machen und neu aufleimen?
[...]
Ich schließe mich den anderen an. Ablösen und neu aufleimen.

Aber bitte vorsichtig! Das ist nämlich eine meiner Lieblingsgitarren hier im Forum!
:-)

Sven

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Re: Bridge löst sich einseitig

#12

Beitrag von Sven2 » 25.09.2018, 23:34

gitarrenmacher hat geschrieben:
24.09.2018, 10:35
ARGHHHHHHHHH

Was für ein Statement....Jetzt muss ich sie haben...
Aber Vorsicht! Ich hab die auch, und muss sagen das Teil ist sauschwer!
Ich musste die bei meinen aktuellen Gitarren im Schalloch abstützen, weil die so schwer ist.

Sven

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Re: Bridge löst sich einseitig

#13

Beitrag von liz » 26.09.2018, 07:23

Ja das stimmt, leicht ist die nicht. Bei einer zarten Konzertgitarrendecke würde ich auch abstützen.

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Re: Bridge löst sich einseitig

#14

Beitrag von geko » 28.09.2018, 22:47

So, Brücke ist ab.

mit Bügeleisen, Spachtel, Hitzeschutz für die Decke ging sie langsam aber ganz gut ab. Leider war ich übervorsichtig und hatte die Decke rund um die Brücke mit Klebeband abgeklebt, um die Decke zusätzlich zu schützen. Genau das Klebeband hat sich dann unter der Spachtel in kleinen Röllchen zusammengewickelt, und die haben Eindrück in der Decke hinterlassen. Naja, könnte schlimmer sein:
An zwei Stellen hat sich ein Stück der Decke gespalten. Vermutlich bin ich da mit der Spachtel zu Tief gekommen. Das sollte sich aber wieder leimen lassen, oder?

So einen richtigen Grund, warum das nicht gehalten hat, kann ich nicht erkennen. Jemand eine Idee?

Ich werde bei der Gelegenheit gleich nochmal eine Schicht Schellack aufpolieren, vielleicht werden die kleinen Dellen dadurch etwas kaschiert.

Die Zwinge von Dictum sieht klasse aus, so etwas müsste sich doch auch günstiger bauen lassen. Muss mal morgen in den Baumarkt

Grüße
Gerald

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Re: Bridge löst sich einseitig

#15

Beitrag von capricky » 29.09.2018, 09:50

liz hat geschrieben:
24.09.2018, 10:44
gitarrenmacher hat geschrieben:
24.09.2018, 10:35
Jetzt muss ich sie haben...
Die gibst du nicht mehr her, versprochen!
OT
(think) Ich hatte mir vor einigen Jahren genau so ein universelles Teil für Western und Klassik aus einer Klemmia Zwinge hergerichtet, mit schwenkbaren Druckbalken, Beilagen und allem Pipapo, weil mir die Fummelei mit den drei oder vier langen Metallzwingen ala Herdim oder Stewmac auf den Geist ging. Die wesentliche Erleichterung, die ich mir davon versprochen hatte, war nicht wirklich zu verspüren. Immer noch Fummelei, nur anders. Also liegt das Teil schon lange irgendwo in der Ecke.
Genauso wie die Vakuumpresse übrigens, da hat man nämlich das Problem, den austretenden Leim nicht entfernen zu können.

Ich bin reumütig zu Klemmsia Zwingen zurückgehrt, Ecken abgerundet, etwas verschlankt und die wesentlichste Verbesserung - die Stahlschienen gegen welche aus Aluminium getauscht, gibt es im Baumarkt genau im richtigen Maß.
Ich denke mal, es ist die Schnellspannmöglichkeit durch die Exzenterhebel, die mir bei diesen Zwingen den Komfort vermittelt.
Aber jeder Jeck ist anders, also muss wohl auch jeder seine eigenen Erfahrungen machen! 8)

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Re: Bridge löst sich einseitig

#16

Beitrag von gitarrenmacher » 29.09.2018, 10:33

OT
Ich habe ne Schublade, das steht "Brücken" drauf. Da liegt eigentlich die Hälfte der Zwinge drin. Vor etlichen Jahren einer amerikanischen Innovation nachempfunden und einmal benutzt. Nach anfänglicher Euphorie bin ich zu dem Schluss gekommen:"Ich brauche nicht noch eine bessere Verleimzwinge."

Zum Thema:
Die gezeigten Ausrisse und Einstiche entstehen gerne, wenn:
1. Der Leim noch nicht warm genug war.
2. Mit zuviel Kraft und zu schnell gearbeitet wurde.
3. Suboptimales Werkzeug benutzt wurde.

Für die ersten beiden Aspekte kann ich keine Tips geben, dass ist eine Sache von Erfahrung und Geduld.
Als Werkzeug kann ich die sogenannten Palett-oder Malmesser wärmstens empfehlen. Die bekommt man, klaro, online, oder im örtlichen Fachgeschäft für Bastler-und Künstlerbedarf. Mein erstes Set war in etwa dieses:
https://www.boesner.com/pinsel/pinsel/s ... sser-set-1
Ich gehe mit einem langen dünnen Messer im liebsten von einer kurzen Seite der Brücke in die Leimnaht und arbeite mich dann vom Diskant zum Bass -oder umgekehrt- durch, und zwar so, dass das Messer an beiden Langseiten der Brücke herausschaut. So vermeidet man die Splitts und das Eindringen in das Holz.
Wenn ich weit genug in der Naht bin, stecke ich einen sehr flachen Keil aus Hartholz o.ä. in die geöffnete Naht.

Nie versuchen die Brücke durch Zug-oder Hebelkraft abzuheben. Nur durch Scherkraft in der Leimnaht!
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Re: Bridge löst sich einseitig

#17

Beitrag von Sven2 » 29.09.2018, 15:02

geko hat geschrieben:
28.09.2018, 22:47
[...]
An zwei Stellen hat sich ein Stück der Decke gespalten. Vermutlich bin ich da mit der Spachtel zu Tief gekommen. Das sollte sich aber wieder leimen lassen, oder?
Müsste und sollte. Die Stücke müssen drin bleiben. Würde ich aber in einem Rutsch leimen.
geko hat geschrieben:
28.09.2018, 22:47
So einen richtigen Grund, warum das nicht gehalten hat, kann ich nicht erkennen. Jemand eine Idee?
[...]
Beim nächsten Versuch könntest du die Unterseite des Stegs aufrauhen, damit der Leim was zu greifen hat. Entweder mit grobem Schleifpapier oder mit der Messerspitze einen Schwarm Kratzer reinziehen. Das mache ich auch bei der Unterseite meiner Griffbretter so.
Und darauf achten, das die Zwinge(n) den Steg überall aufdrückt.
Vielleicht helfen Keil-Paare an den Flügeln:
Sven

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Re: Bridge löst sich einseitig

#18

Beitrag von geko » 30.09.2018, 20:49

Hallo,

vielen Dank für die vielen Tips!

also einen möglichen Grund habe ich noch entdeckt. Die Platte unter der Brücke ist zum Schalloch hin zu kurz. Sie hört ca. 10mm nach den Pins auf, die Brücke ist aber nochmal gut 10mm breiter. Dadurch könnte beim Aufleimen der Gegendruck vorne gefehlt haben. Macht zwar vermutlich nicht so viel aus, ich werde aber die Platte bis zum vorderen Ende verlängern. Das wird sicher eine blöde Fummelei, ich hoffe das klappt trotzdem.

Heute hab ich erst mal noch ein paar Schichten Schallack aufpoliert. Ich hatte mir da ein paar unschöne Kratzer eingefangen, die sind jetzt alle weg. Habe vorher mit 1800er Micromesh nass (feucht) angeschliffen und dann mit einem recht trockenen Ballen und wenig Öl angefangen. Ging sehr gut, jetzt glänzt sie wieder wie neu.

viele Grüße
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Re: Bridge löst sich einseitig

#19

Beitrag von gitarrenmacher » 30.09.2018, 22:02

geko hat geschrieben:
30.09.2018, 20:49
Hallo,

vielen Dank für die vielen Tips!

also einen möglichen Grund habe ich noch entdeckt. Die Platte unter der Brücke ist zum Schalloch hin zu kurz. Sie hört ca. 10mm nach den Pins auf, die Brücke ist aber nochmal gut 10mm breiter. Dadurch könnte beim Aufleimen der Gegendruck vorne gefehlt haben. Macht zwar vermutlich nicht so viel aus, ich werde aber die Platte bis zum vorderen Ende verlängern. Das wird sicher eine blöde Fummelei, ich hoffe das klappt trotzdem.
DAS könnte ein entscheidender Grund für die Ablösung sein.
Wenn die "Bridgeplate" die Brücke nicht vollständig Abstützt, entsteht eventuell so ein starkes Moment, dass die Brücke in Richtung Schallloch kippt, und hinter den Pins der Zug so stark wird, dass die Leimung aufgibt.
Warum hast du das so gebaut? (think)
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Re: Bridge löst sich einseitig

#20

Beitrag von geko » 01.10.2018, 00:42

gitarrenmacher hat geschrieben:
30.09.2018, 22:02

DAS könnte ein entscheidender Grund für die Ablösung sein.
Wenn die "Bridgeplate" die Brücke nicht vollständig Abstützt, entsteht eventuell so ein starkes Moment, dass die Brücke in Richtung Schallloch kippt, und hinter den Pins der Zug so stark wird, dass die Leimung aufgibt.
Warum hast du das so gebaut? (think)
Das frag ich mich auch. Ich habe mich wohl beim setzten der Bridgeplate vermessen, und diese zu weit nach hinten positioniert.

Wenn deine Annahme stimmt, würde es aber auch nichts nützten, einfach noch einen Streifen davorzusetzen. Das war eigentlich mein Plan. Um die Platte komplett neu zu machen, müsste ich die Gitarre aber öffnen. So ein Mist!

Ich werde es trotzdem erst mal mit einem Streifen davor versuchen. Aufmachen bleibt dann immer noch, wenn es nicht hält.

Oder ich leime seitlich zusätzliche Verstärkungen ein. So etwa:
Ist das eine gute Idee?

viele Grüße
Gerald

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Re: Bridge löst sich einseitig

#21

Beitrag von gitarrenmacher » 01.10.2018, 08:39

geko hat geschrieben:
01.10.2018, 00:42

Oder ich leime seitlich zusätzliche Verstärkungen ein. So etwa:

skizze1.jpg

Ist das eine gute Idee?

viele Grüße
Gerald
Das sieht zielführend aus.
Die Leimfläche auf der Decke muss gut vorbereitet sein. Überall wo Ecken sind, z.B. Braceing/Decke solltest du die Verstärkung leicht anfasen.
Dann setzt du das trocken zusammen und bohrst im Bereich der später durch die Brücke überdeckt wird zwei Bohrungen für Zahnstocher. So findest du die Position für die Verlängerung beim Aufleimen leichter wieder.

Viel Glück, das wird.
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Re: Bridge löst sich einseitig

#22

Beitrag von Sven2 » 01.10.2018, 19:45

Du könntest zusätzlich noch in Betracht ziehen, einen Leim zu nehmen, der die Leimfuge zuzieht.
Dafür kämen Fischleim und Knochenleim in Frage.
Selbstverständlich müssen auch in diesem Fall die Leimflächen sauber vorbereitet sein und Zwingendruck ausgeübt werden, aber wenn der Steg bündig auf der Decke aufliegt, dann wird die Verleimung halten, auch wenn du nicht über die ganze Fläche sauberen Zwingendruck hast.
Und wenn doch irgendwann mal wieder den Steg runternehmen musst, dann wirst du froh sein, dich nicht erneut durch den Titebond-Knaster arbeiten zu müssen.

Sven

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Re: Bridge löst sich einseitig

#23

Beitrag von geko » 03.10.2018, 19:35

Hallo,

vielen Dank für eure Unterstützung!

hier mal noch ein "Röntgenbild" der Situation:
man sieht deutlich, das die Platte falsch positioniert ist (Asche auf mein Haupt!)

Grüße
Gerald

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Re: Bridge löst sich einseitig

#24

Beitrag von geko » 07.10.2018, 12:14

So, Brücke ist wieder drauf, hoffentlich hält sie.

ich habe mich dann doch für die klassische Zwingenlösung entschieden, allerdings habe ich mir Leimzwingen mit 160mm Ausladung gebaut. Das sieht einfacher aus als es ist, am Ende habe ich 6 Stunden für 3 Zwingen gebraucht, egal. Funktionieren prima.
ich habe von oben ein "Gegenstück" zur Brücke geformt und mit einer 4mm Schaumplatte beklebt um den Druck gleichmäßig zu verteilen. Ich denke das hat ganz gut funktioniert. Die Brücke hat einen gleichmäßigen Abdruck im der Schaumplatte hinterlassen:

Die Verbreiterung der Platte innen habe ich gleich zusammen mit der Brücke verleimt, die seitlichen Verstärkungen dann in einem zweiten Leimgang. Sieht jetzt so aus:
leider unscharf, aber auf die Distanz fokusiert mein Handy nicht mehr. Aber ich denke man erkennt das Prinzip.

Ich habe die Empfehlung zu anderen Leimen auch aufgenommen und Fischleim (den fertigen vom Dictum) verwendet. Da ich keine Erfahrungen damit hatte, habe ich ein paar Probeverleimungen gemacht, ich denke das wird mein neuer Lieblingsleim. Konsistenz ist nach Anwärmen auf ca. 50 Grad im Wasserbad perfekt (bei Zimmertemp. schien er mir etwas zu zäh) und die Werkstücke verrutschen nicht ganz so extrem beim Pressen wie bei Tidebond. Wenn das ganze jetzt noch langfristig hält bin ich begeistert.

Ich werde noch 1-2 Tage warten, dann kommen die Saiten wieder drauf.

viele Grüße
Gerald

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Re: Bridge löst sich einseitig

#25

Beitrag von Sven2 » 07.10.2018, 13:23

geko hat geschrieben:
07.10.2018, 12:14
[...]
Ich habe die Empfehlung zu anderen Leimen auch aufgenommen und Fischleim (den fertigen vom Dictum) verwendet. Da ich keine Erfahrungen damit hatte, habe ich ein paar Probeverleimungen gemacht, ich denke das wird mein neuer Lieblingsleim. Konsistenz ist nach Anwärmen auf ca. 50 Grad im Wasserbad perfekt (bei Zimmertemp. schien er mir etwas zu zäh) und die Werkstücke verrutschen nicht ganz so extrem beim Pressen wie bei Tidebond. Wenn das ganze jetzt noch langfristig hält bin ich begeistert.
[...]
Gute Wahl mit dem Fischleim! Ich habe meine zweite Gitarre komplett mitt Fischleim geklebt und keinerlei Probleme bemerkt. Allerdings habe ich ihn nie warm gemacht.

Sven

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