Zusatzmassen an der Kopfplatte

Einstellung des Instrumentes: Optimaler Saitenabstand, Bundreinheit usw.
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bea
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Zusatzmassen an der Kopfplatte

#1

Beitrag von bea » 13.05.2019, 05:19

Hallo,

viele Instrumente profitieren davon, wenn an der Kopfplatte Zusatzmassen angebracht werden, also die Eigenfrequenzen des Halses vermindert werden. Der typische Effekt bei E-Gitarren und vielleicht mehr noch Bässen ist: Klang dunkler, druckvoller, härtere Attack, Ton durchsetzungsfähiger. Vermindern der Masse führt dann umgekehrt zu einem helleren Klang, u.U größerer Empfindlichkeit zur Übertragung von Körperschall und sogar stärkerer Neigung zu Rückkopplungen. Hab ich bei meinem V-Bass erlebt, nachdem ich Leichtmechaniken montiert hatte.

Deshalb habe ich an einigen Kopfplatten Zusatzmassen in Form mehrerer Kotflügelscheiben angebracht.

Weil auch der RD-Bass, die goldene SG und die Primavera von Zusatzmassen profitieren (getestet; die SG hat deshalb 5 Kotflügelscheiben) liegt ja der Gedanke nah, wie man sowas schöner integrieren kann.

Bei einem Esh-Bass habe ich am Wohenende mal eine Alubügel am Ende der Kopfplatte gesehen. Auch da offensichtlich zum geschilderten Zweck; auch dieser Bass ist druckvoller als ein Pendant ohne diesen Bügel.

Und nur gehts mir um ein wenig Brainstorming.
LG

Beate

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#2

Beitrag von ugrosche » 13.05.2019, 07:50

Hallo Bea,
oft will man ja gerade wenig Masse "oben", um Kopflastigkeit zu vermeiden. Und der beschriebene Effekt ist mir persönlich zwar noch nicht aufgefallen, habe ich aber tatsächlich schon in mehreren Quellen gelesen.
Ohne Rücksicht auf Kopflastigkeit würde ich eine Kopfplatte mit Furnier obendrauf UND unten vorsehen. Dann würde ich zwischen den Mechaniken eine Fläche aussägen/-bohren und die mit schwerem Metall verfüllen, evtl. sogar Blei vergießen. Dann mit Silikon, Epoxi o.ä. gegen Rappeln sichern und mit dem zweiten Furnier verschließen.

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#3

Beitrag von zappl » 13.05.2019, 09:28

F-Style Bass Mechaniken - mehr Zusatzmasse hält kein Rücken aus. :D

Die ziehen auch stark am Kopf meines Tele-Basses, aber ich trau mich nicht sie gegen was leichteres auszutauschen, eben aus den genannten Gründen... :?
Gruß, Sebastian
#1 #2 #3 #4

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#4

Beitrag von capricky » 13.05.2019, 09:32

Die Beobachtung, dass es mit Zusatzgewichten kopflastiger wird, kann ich bestätigen. Veränderungen des Sustains, Beeinflußung von dead- oder livespots allerdings nicht. Da habe ich schon einiges probiert und nicht nur Kotflügelscheiben. Nicht mal eine Schraubzwinge von 2 - 3 kg an der Kopfplatte verschiebt dead/livespots bzw. lässt sie gar verschwinden. Von etwaiger "Sustainverlängerung" ganz zu schweigen.

In den 80ern gab es mal "Susatainplates" aus dickem Messingblech auf dem Markt, in Kopfplattenformen zum "unter die Mechaniken schrauben" für die üblich verdächtigen Schraubhalsinstrumente. Bei denen musste man an einen positiven Effekt fest glauben. Obwohl dieser Glaube durch einen entsprechenden Preis der Beilageplatten stark unterstützt wurde, haben sie sich nicht bewährt.

Zusatzmasse unter dem Steg zeigt dagegen deutlich Wirkung und zwar bei akustischen, wie auch bei leichten, vollmassiven Gitarren und Bässen. Diesen Effekt "beute" ich bei problematischen Instrumenten auch "wirtschaftlich" aus. 8)
Ich wünschte, es wäre mit Blei an der Kopfplatte auch so "einfach". :?

capricky

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#5

Beitrag von bea » 13.05.2019, 13:57

Es geht ja auch nicht um das Sustain und auch nicht um Deadspots, sondern um das Einschwingverhalten.
Der Effekt wird auch in der Geigenbauliteratur beschrieben, z.B. Roussel, "Grundlagen der Geige und des Geigenbaus", Abschn. 22 "Vom Ensemble >>Griff, Kopf, Wirbel, Griffbrett<<", p. 41.

Hier mal ein Testaufbau - das leichte Plastikding macht es schon (und nein, ich will keinen Cliptuner an der Kopfplatte haben! Die dürften auch etwas zu leicht sein.)
Das ist jetzt am RD, und da hat es mich überrascht, dass man ihn hört. Über Kopfhörer, muss das heute abend mal am Mywatt testen.
Oder hin zu "zu leicht": Abschrauben der Flügel der Mechaniken bei der V. Das sind auch nur ein paar Gramm, aber sie haben einen deutlichen Einfluss auf den Klang.
LG

Beate

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#6

Beitrag von Arsen » 13.05.2019, 15:47

capricky hat geschrieben:
13.05.2019, 09:32
Zusatzmasse unter dem Steg zeigt dagegen deutlich Wirkung und zwar bei akustischen, wie auch bei leichten, vollmassiven Gitarren und Bässen.
capricky
Was ist denn die genaue Auswirkung?
Ist das etwas, das du nur zur Problembekämpfung machst, oder ist etwas das auch generell Sinn machen würde? (think)
Gruß, Arsen

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#7

Beitrag von bea » 14.05.2019, 01:15

Vorhin hatte ich die Primavera und den RD in der Probe dabei. Die Primavera mit bereits permanent geänderter Kopfplatte, der RD mit der Plastikzwinge:
Der RD war mit der Zwinge deutlich besser als ohne, und bei der Primavera bestätigte sich der Eindruck, den ich über Kopfhörer hatte.

Auch wenn das schon mal besser aussieht als ein Stapel Kotflügelscheiben mit einer Schraube, sucheich immer noch nach einer hübscheren Lösung. Das ist übrigens ein 6x6-mm-Stahlstab, leicht abgeschliffen, zaponiert und an die Kopfplatte geklebt.
LG

Beate

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#8

Beitrag von capricky » 14.05.2019, 09:24

Arsen hat geschrieben:
13.05.2019, 15:47
capricky hat geschrieben:
13.05.2019, 09:32
Zusatzmasse unter dem Steg zeigt dagegen deutlich Wirkung und zwar bei akustischen, wie auch bei leichten, vollmassiven Gitarren und Bässen.
capricky
Was ist denn die genaue Auswirkung?
Ist das etwas, das du nur zur Problembekämpfung machst, oder ist etwas das auch generell Sinn machen würde? (think)
Ich mache das nur bei Problemfällen. Häufigste Kandidaten sind Stratocaster und Klassikgitarren. Nach meiner Bobachtung und Erfahrung wirkt das über die Beeinflussung des Anschlags, sozuzusagen der impulse response des Gitarrenkörpers.
Ich hatte, als ich begann mich mit dieser Problematik zu beschäftigen, die Ursachen für "punktuelle Sustainschwäche" auch in der Halskonstruktion vermutet und habe dementsprechend auch vorbelastet durch Artikel in "Fachzeitschriften" am Hals mit teilweise extremen Zusatzgewichten experimentiert. Die Ergebnisse waren regelmäßig ernüchternd.

capricky

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Re: Zusatzmassen an der Kopfplatte

#9

Beitrag von bea » 14.05.2019, 14:28

Wobei klar ist, dass es hier offenbar um recht unterschiedliche Problematiken geht - die von mir erwähnten Bässe hatten z.B. weder ausgeprägte Dead Spots noch Mangel an Sustain. Es geht hier um Verbesserung oder vielleicht auch Feintuning des Ansprechverhaltens.

Übrigens geht es auch um die Frage, ob ein extrem "direktes" Ansprechen eines Instruments musikalisch immer wünschenswert ist, oder ob es vielleicht auch ein "zu viel" gibt.
LG

Beate

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