Zither Restauration

Sonstige Saiteninstrumente wie Ukulelen, Mandolinen ... auch elektrische

Moderator: jhg

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hatta
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Zither Restauration

#1

Beitrag von hatta » 06.04.2019, 20:05

N'Abend

Kürzlich hat mich der Teufel geritten als ich einige Zither Klänge im Radio hörte.
Auf Willhaben fand ich dann eine alte Zither um 20 Euro, da dachte ich mir was solls... kann ja nicht viel hin sein um 20 Euro.

Es hat mich wieder... seit jahren will ich Zither lernen und was liegt da näher als ein altes Instrument herzurichten.

Heute kam,das Ding samt handgeschriebenen Notenheften und einem abrechnungsheft aus zeiten des 3 Reichs... (think)
Eventuell kann ich zur Geschichte der Zither was rausfinden.

Jedenfalls hab ich mir das Ding angesehn und der Zustand ist so naja wie soll ich sagen. Dem Alter entsprechend.

Ein paar kleine Deckenrisse, bebalkung ist fest, Leimfuge auf der Rückseite ist aufgegangen.
Die Saitenführungsstifte des Griffbretts sind locker und das Holz rundum bröselte weg.

Gut...frisch ans werk. Zerlegen, reinigen, Deckenrisse mit leim fixieren (bei einem kurzen Riss habe ich mit einem Span gefüllt)
Am Schalloch eine Zwinge und ein paar Gewichte reichen um die Risse etwas zusammenzudrücken.
Fixiert wurde mit Fischleim.

Dann am die losen Saitenführungsnägel gezogen und ein stück mit der Router Base aus der Forumsaktion weg gefräst, also bis zum Nullbundschlitz.
In Ermangelung an Zwetschkenholz hab ich ein stück Ebenholz zurechtgehobelt und geschnitten und eingepasst. Dieses dann auch mit Fischleim eingeleimt.
Morgen werden die Zwingen entfernt, das eingeleimte Stück Ebenholz fertig angepasst und die Saitenführungsstifte wieder eingebracht. (Eventuell sollte ich da etwas vorbohren, sonst springt das Holz)

Bin echt gespannt, ob das Ding spielbar wird. Ich hoffe doch sehr :D

Achja... klar könnte man da viel größeren Aufwand betreiben und die Decke oder die Rückseite abnehmen und von innen die Risse noch unterstützen, aber das übersteigt wohl meine Fähigkeiten.
Wenn es so nicht halten sollte kann ich immernoch versuchen die Rückseite abzunehmen. Da die Bebalkung aber fest verleimt und nicht lose ist, denke ich dass es nicht notwendig sein wird :)
Mein Ziel ist es einfach soviel wie Möglich von der originalen Substanz zu erhalten.
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Harald

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Re: Zither Restauration

#2

Beitrag von liz » 06.04.2019, 21:55

uh - viel Spass! unbedingt die Wirbel mal ganz rausdrehen und schauen ob die noch taugen.

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Sven2
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Re: Zither Restauration

#3

Beitrag von Sven2 » 06.04.2019, 22:02

Holla! Die sieht doch noch gut aus! Mit schönen Randeinlagen. Für 20€ hast du da sicher nichts falsch gemacht.
Das du für die Reparaturen Fischleim verwendet hast, ist sicher richtig. Wenn das Instrument so alt ist, wie du glaubst, dann ist sicher Knochenleim verwendet worden, und zu dem ist Fischleim "kompatibel".
Ich weiß nicht, wo du geografisch verortet bist, aber der Gitarrenbauer Wolfgang Teller aus Bubenreuth bei Erlangen baut auch Zithern. Er kann dir vielleicht etwas zum Hersteller der Zither sagen und ist auch sicher nicht geizig mit Reparaturtipps.

Sven

P.S.: https://imslp.org/wiki/Category:Scores_ ... the_zither

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Re: Zither Restauration

#4

Beitrag von hatta » 06.04.2019, 22:12

liz hat geschrieben:
06.04.2019, 21:55
uh - viel Spass! unbedingt die Wirbel mal ganz rausdrehen und schauen ob die noch taugen.
Kannst du mir sagen wie ich das erkenne?
3 hab ich draußen und mit stahlwolle gereinigt. Konnte nichts erkennen was ich als schlecht erachte.


Naja erlangen ist schon ein ganzes stück :D bin im schönen Tirol zuhause :)
Man glaubt nicht wie schwierig es ist, jemanden zu finden, der einem das Zither Spielen beibringen kann... :?
Gruß
Harald

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Re: Zither Restauration

#5

Beitrag von liz » 06.04.2019, 22:56

solange sie nicht rostig sind, müssten sie noch gehen. Achtung, nicht das Gewinde wegrubbeln ;)

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Re: Zither Restauration

#6

Beitrag von hatta » 07.04.2019, 11:50

Schaut gut aus, tun alle was sie sollen :)
Werde aber alle mal rausnehmen und kurz mit der stahlwolle reinigen...da passiert dem gewinde nix ;)

Heute hab ich mal die offene Leimfuge auf der Rückseite mit einem Span und Fischleim gefüllt. Dazu erst den Rischleim mit dem Finger in den Spalt massiert, den überschuss abgeputzt und den span eingesetzt.
Dann mit einem scharfen steckähbeitel den Überstand weggenommen und wieder beschwert.
Jetzt darf das Ding wieder ruhen :)

Ich hoffe dass ich nicht irgendwelche gravierenden Fehler mache... :oops: ansonsten bitte ich darum mir das mitzuteilen.

Achja...die notwendigen späne nehme ich aus dem guten teil einer sonst unbrauchbaren Fichtendecke. Ich benutze dazu den Putzhobel und kann damit einen fast komplet schön gleichmäßig durchgehenden span abnehmen. Mit dem Finger kurz drüber gestrichen wird er halbwegs gerade und kässt sich schön in die Fuge einbringen. Dass die Fuge nicht gleichmäßig dick ist mach es dabei nich gerade einfacher :roll:

Gefüllt wurde vom linken rand aus etwa 2/3 der Länge. Das letzte Stück war zu unregelmäßig als dass da was Platz gehabt hätte...das habe ich nur mit leim gefüllt (war ja auch bei weitem nicht so weit offen wie der rest)
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Gruß
Harald

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Re: Zither Restauration

#7

Beitrag von Sven2 » 07.04.2019, 14:39

Eine weitere Option wäre gewesen, den Span vorher mit den Hammer etwas platt zu klopfen und anschließend mit heißem Knochenleim in den Spalt zu setzen. Der Span dehnt sich dann wieder aus und füllt den unregelmäßigen Spalt passgenau. So hat es @liz im Bauthread zu seinen zwei Archtops beschrieben, als er aus einer Decke eine Harzgalle herausschneiden musste.

Sven

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Re: Zither Restauration

#8

Beitrag von hatta » 07.04.2019, 15:29

Danke! Heißleim hab ich leider nicht und auch nicht die Absicht sowas anzuschaffen. ;)

Der Tipp ist aber super, danke!
Gruß
Harald

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Re: Zither Restauration

#9

Beitrag von liz » 08.04.2019, 08:49

hatta hat geschrieben:
07.04.2019, 15:29
Danke! Heißleim hab ich leider nicht und auch nicht die Absicht sowas anzuschaffen. ;)

Der Tipp ist aber super, danke!
Das geht auch mit Fischleim!

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Re: Zither Restauration

#10

Beitrag von hatta » 08.04.2019, 20:14

Die Operation war erfolgreich :)
Die Leimfuge und die Risse sind schön geschlossen, nur ein zwei Kleinigkeiten mussten nachgebessert werden.
Bei den Deckenrissen handelte es sich übrigens bis auf einen nur um Sprünge im Furnier, die Decke darunter ist bis auf den Einen rissfrei.

Die reparierte Fuge auf der Rückseite werde ich mit schwarz gefärbtem Shellack wieder schwarz machen und dann eventuell kurz die komplette Rückseite mit Shellack leicht auffrischen.
Bei der Decke werde ich das Selbe machen, einen Riss etwas nachfärben und auch den Rest eventuell mit Shellack etwas auffrischen.

Erst versuche ich aber so mal leicht drüber zu polieren, vielleicht spare ich mir dann die Shellack Politur.
Gruß
Harald

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Re: Zither Restauration

#11

Beitrag von hatta » 13.04.2019, 18:20

Die Zither ist dann soweit mal fertig.
Die gefüllte Fuge an der Rückseite wurde mit schwarz gefärbtem Schellack etwas retuschiert und die Zither dann nur leicht mit einer Politur aufpoliert.

Jetzz fehlen nur noch neue Saiten und die Saitenführungsnägel am Griffbrett müssen noch neu gesetzt werden.

Weis zufällig jemand wo komplette Saitensätze für 32 Saiten (inkl. Der 5 Griffbrett/Melodie Saiten) zu bekommen sind?
Das nächste Musikhaus ist zwar nicht weit, aber da hab ich schon so einige Sachen erlebt und möchte die Saiten lieber selber bestellen wenn das Möglich ist.

Gruß
Harald
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Re: Zither Restauration

#12

Beitrag von bea » 13.04.2019, 18:49

Wende Dich doch mal direkt an einen Hersteller - Pyramid oder Lenzner?
LG

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Re: Zither Restauration

#13

Beitrag von Sven2 » 14.04.2019, 15:02

hatta hat geschrieben:
13.04.2019, 18:20
Die Zither ist dann soweit mal fertig.
[...]
Ui, die ist wirklich wieder schön geworden! Glückwunsch!
Wieviele Stunden hast du insgesamt hineingesteckt?
Nur beim Griffbrett ist vielleicht noch etwas Kosmetik möglich. Zwischen den Bünden scheint noch verklebter Staub zu hängen. Ich habe beim Reinigen des Griffbretts gute Erfahrungen mit Orangenöl gemacht. Orangenöl ist ein ausgezeichnter Fettlöser und löst das Fett-Staub-Gemisch von Griffbrettern prima ab. Außerdem verdunstet es rückstandsfrei, so dass man es nach dem Griffbrett reinigen nicht wieder entfernen muss.

Sven

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Re: Zither Restauration

#14

Beitrag von hatta » 14.04.2019, 16:57

Sven2 hat geschrieben:
14.04.2019, 15:02
hatta hat geschrieben:
13.04.2019, 18:20
Die Zither ist dann soweit mal fertig.
[...]
Ui, die ist wirklich wieder schön geworden! Glückwunsch!
Wieviele Stunden hast du insgesamt hineingesteckt?
Nur beim Griffbrett ist vielleicht noch etwas Kosmetik möglich. Zwischen den Bünden scheint noch verklebter Staub zu hängen. Ich habe beim Reinigen des Griffbretts gute Erfahrungen mit Orangenöl gemacht. Orangenöl ist ein ausgezeichnter Fettlöser und löst das Fett-Staub-Gemisch von Griffbrettern prima ab. Außerdem verdunstet es rückstandsfrei, so dass man es nach dem Griffbrett reinigen nicht wieder entfernen muss.

Sven

Danke!

Das Griffbrett ist mit mit zitrusöl und dann nochmal mit Orangenöl und einer Zahnbürste gereinigt. Da ist alles sauber. (Und riecht so geil nach Orange (schacka) )
Mehr mache ich da nicht, da es ein gefärbtes Holz ist (ich glaube zwetschke oder doch Kirsche (think) ...bin mir nichtmehr so sicher) und es abfärbt bei zu intensiver Behandlung. Hab keinen Plan mit was da gefärbt wurde.

Wieviele Stunden? Hm :lol: ähm ich glaube es waren um die 5-6 Stunden ...mitgeschrieben habe ich nicht :D
Gruß
Harald

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