Taylor V-Class Bracing

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Moderator: jhg

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Yaman
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Taylor V-Class Bracing

#1

Beitrag von Yaman » 28.01.2018, 08:46

Taylor hat zur NAMM 2018 ein neues Bracing-System vorgestellt: das V-Class Bracing. Es soll eine höhere Lautstärke, ein längeres Sustain und eine bessere Intonation (ja wirklich) bewirken.

https://www.taylorguitars.com/guitars/a ... cing/story

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Re: Taylor V-Class Bracing

#2

Beitrag von bea » 28.01.2018, 10:20

Danke, sehr interessant. Und zumindest in der Grundidee gar nicht mal so neu. Wer Zugriff auf den Jahnel hat, darf gerne mal einen Blick auf S. 170 werfen. Da werden "Hawaii-Gitarren" beschrieben - hell und laut klingenden Gitarren mit eben so einem umgekehrten V als Bracing.

Zur Intonation steht übrigens ziemlich weit unten auf der Saite etwas von einer neuen "Nut Formular", also wohl Sattelkompensation.
LG

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Re: Taylor V-Class Bracing

#3

Beitrag von Groover13 » 28.01.2018, 11:03

Das ist eine sehr reizvolle Alternative....
Man kommt ins Grübeln, ob man das nicht auch einmal probieren sollte.

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Re: Taylor V-Class Bracing

#4

Beitrag von gitarrenmacher » 28.01.2018, 11:16

Sicherlich sehr gut, eine alte Idee aufzugreifen und mit neuen Erkenntnissen weiter zu entwickeln. (clap3)
Zwei mehr oder weniger parallel laufende Leisten als statisches Hauptelement sind auch im Stahlsaitengitarrenbau ein uralter Hut.
Interessant ist die membranische Aufhängung der Decke im Unterbug. Kommt mir irgendwie bekannt vor. (whistle)
Schön und gut. Aber "revolitionary" halte ich für ein bisschen dick aufgetragen.
Bin mal gespannt, wann ich die Erste dieser Art zum Setup o.ä. auf der Werkbank habe.
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Re: Taylor V-Class Bracing

#5

Beitrag von Yaman » 28.01.2018, 16:56

bea hat geschrieben:
28.01.2018, 10:20
Wer Zugriff auf den Jahnel hat, darf gerne mal einen Blick auf S. 170 werfen. Da werden "Hawaii-Gitarren" beschrieben - hell und laut klingenden Gitarren mit eben so einem umgekehrten V als Bracing.
Wer ist Jahnel?
Das Bracing hat aber ein V in der richtigen Orientierung.
bea hat geschrieben:
28.01.2018, 10:20
Zur Intonation steht übrigens ziemlich weit unten auf der Saite etwas von einer neuen "Nut Formular", also wohl Sattelkompensation.
In einem Video vom MusicStore sagt der Taylor-Mitarbeiter, dass an der Intonation bzgl. Brücke oder Sattel nichts geändert worden ist (im Video ab 6:20). Lediglich die Farbe des Sattels ist schwarz, um die neuen Gitarren mit V-Bracing zu erkennen. Im Video kann man die Gitarre auch hören. Der Preis ist aber der Hammer, die Modelle starten ab 6000 Euro.

https://www.youtube.com/watch?v=XkiJHxMEcuo

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Re: Taylor V-Class Bracing

#6

Beitrag von bea » 28.01.2018, 17:19

Yaman hat geschrieben:
28.01.2018, 16:56
Wer ist Jahnel?
Der Autor des Buchs "Die Gitarre und ihr Bau".
Als ich vor ein paar Jahrzehnten meine Archtop baute, so ziemlich das einzige, was ich an Literatur auftreiben konnte. Heutzutage vor allem von nostalgischem Interesse und vielleicht wegen der Holz- und Materialtabellen.

Ach so: auch wenn die Grundidee schon mal dagewesen ist, so ist doch die Umsetzung und die Erweiterung des Konzepts beeindruckend. Nicht zuletzt wird auch die sorgfältige Gestaltung der Balkenhöhe zum guten Ergebnis beitragen
LG

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Re: Taylor V-Class Bracing

#7

Beitrag von Magfire » 28.01.2018, 18:00

gitarrenmacher hat geschrieben:
28.01.2018, 11:16
...interessant ist die membranische Aufhängung der Decke im Unterbug. Kommt mir irgendwie bekannt vor. (whistle)
Hey Christian,

wie ist das mit der membranischen Aufhängung zu verstehen? Stehe da etwas auf dem Schlauch (think)

Sehe ich das richtig, dass die Decken nicht gewölbt sind?

Danke und viele Grüße,
Philip

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Re: Taylor V-Class Bracing

#8

Beitrag von bea » 28.01.2018, 18:12

Vermutlich meint Christian die Rille in der Decke. Die vergrößert natürlich die Beweglichkeit der Decke. Bei Archtops gibt es das ja auch - da wird das halt geschnitzt und nennt sich Recurve.

Nach meinen Erfahrungen mit dem Sorgenkind 1 hätte ich mich übrigens nicht getraut, die Beleistung soooo dünn auszuarbeiten.
LG

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Re: Taylor V-Class Bracing

#9

Beitrag von Yaman » 28.01.2018, 19:55

bea hat geschrieben:
28.01.2018, 18:12
Vermutlich meint Christian die Rille in der Decke.
Soweit ich weiss, macht das Taylor bei seinen Gitarren immer schon so.

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Re: Taylor V-Class Bracing

#10

Beitrag von gitarrenmacher » 28.01.2018, 20:03

Ich denke, nicht bei allen Gitarren. Bei so einem 9.500,- Cocobolo/Perlmutt Ding habe ich das schon mal gesehen.
Wichtig bei der Betrachtung ist aus meiner Sicht, dass es ja kein X gibt, dass den Zug in die Zarge ableitet. Das unterstützt den Membraneffekt noch zusätzlich.
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Re: Taylor V-Class Bracing

#11

Beitrag von gitarrenmacher » 28.01.2018, 20:14

Da kann man es lesen. Die Rille heißt wohl "relief rout"
https://www.taylorguitars.com/guitars/a ... es/bracing

Das hat Taylor sich dann gleich mal patentieren lassen, obwohl es in good old Germany schon seit spätestens Mitte der 90er gemacht wird.
Seit ein paar Jahren mache ich das auch bei einigen Gitarren.
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Re: Taylor V-Class Bracing

#12

Beitrag von Cars10 » 29.01.2018, 20:02

Mir war auch so, als ob ich sowas schon mal gesehen hätte.
Habs sogar wieder gefunden :D
Liutaio Mottola hat etwas ähnliches bei seiner Ipomoea umgesetzt.
Nicht ganz, ist bei ihm A, nicht V und er referenziert darauf diese von "Tacoma" geborgt zu haben.

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Re: Taylor V-Class Bracing

#13

Beitrag von Yaman » 25.02.2018, 14:45

Hier ist die Patentschrift zum Taylor V-Class Bracing: http://www.freepatentsonline.com/9520108.pdf

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Re: Taylor V-Class Bracing

#14

Beitrag von taxman » 27.02.2018, 01:31

Was bedeutet denn so ein Patent für den Gitarrenbauer, der so etwas Ähnliches entweder selbst schon entwickelt hat, oder machen will? Darf man es "im Groben" , also die Grundidee verwenden, solange man nicht 1 zu 1 kopiert?

Ich weiß z.B. das Gitarrenbauer wie Grit Laskin und Linda Manzer ihre Innovationen (Wedge u. Bevel) nicht patentiert haben und auch kein Problem damit haben, daß sie von Anderen benutzt/kopiert werden.

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Re: Taylor V-Class Bracing

#15

Beitrag von bea » 27.02.2018, 02:10

Hier wäre zuerst mal der Gültigkeitsbereich des Patents zu klären. USA? Europa? Deutschland?

Gleichzeitig die Frage, ob das ein "echtes" Patent ist oder "nur" ein Design-Patent.

Und weil es schon mal anklang: Nachweise über Implementierungen sammeln, die vor der Patentanmeldung erfolgten. Für den Fall der Fälle kann man damit dann das Patent anzweifeln. Falls jemand doch versuchen sollte, es durchzusetzen.

Nachbauen dürfen wir übrigens eh alles, solange wir es nicht verkaufen.
LG

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Re: Taylor V-Class Bracing

#16

Beitrag von taxman » 27.02.2018, 02:17

bea hat geschrieben:
27.02.2018, 02:10

Nachbauen dürfen wir übrigens eh alles, solange wir es nicht verkaufen.
Genau darum ging es mir, darf man es verkaufen. Das dürfte für den beruflich agirenden Gitarrenbauer interessant sein.

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Re: Taylor V-Class Bracing

#17

Beitrag von bea » 27.02.2018, 02:21

Wie oben gesagt: wenn das Patent nur in den USA gültig ist, braucht es Dich in der EU nicht zu jucken. Aber checken - Taylor ist ein bisserl größer als Rick Toone...

Ein kurzer Blick in die verlinkte Datei: das ist ein echtes Patent, und es ist in dieser Form nur in den USA gültig. Das sagt aber noch lange nichts darüber aus, ob auch in anderen Ländern/Wirtschaftsräumen eine Patentierung beantragt oder erfolgt ist.

Im Zweifelsfall gibt es ältere nicht oder nicht mehr patentierte Beleistungsschemata, die ähnlich sind und übernommen bzw abgewandelt werden können. So eine Patentschrift kann ja auch Hinweise darüber geben, wie man sie umschiffen kann. Das dürfte meistens das schlaueste sein.
LG

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Re: Taylor V-Class Bracing

#18

Beitrag von Yaman » 27.02.2018, 06:53

In einem niederländischen Gitarrenforum ist schon 2012 eine ähnliche Belastung vorgestellt und auch das Patent von Taylor diskutiert worden. Hier der Link auf die übersetzte Seite https://translate.google.com/translate? ... &sandbox=1

Original: http://www.gitaarnet.nl/forum/showthrea ... ost2819907

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Re: Taylor V-Class Bracing

#19

Beitrag von bea » 27.02.2018, 11:10

In bezug auf frühere ähnliche Implementierungen möchte ich in diesem Zusammenhang nochmal auf meinen Beitrag 2 hier verweisen: mm Jahnel, "Die Gitarre und ihr Bau" wird auf Seite 170 ein A-Bracing beschrieben. Sowas ist offenbar in den 40ern und 50ern massenhaft gebaut worden.
LG

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Re: Taylor V-Class Bracing

#20

Beitrag von DoubleC » 27.02.2018, 17:35

Hmmmmm,

Das was Bob der Baumeister Taylor da macht, sieht aus, als ob er entweder an die Börse gehen oder Risikokapital gewinnen möchte. Oder das Geld braucht, weil er sich in einer ähnlichen Situation befindet, wie Orville Gibson........ Patente dienen in diesem Low-Tech Sektor nur dazu, Investoren zu beeindrucken.

Und die Chinesen interessiert das überhaupt nicht, ob da jemand ein Patent hat oder nicht.

National sind die Patente ja noch bezahlbar, aber international wird es teuer. Und eine Nut in die Decke zu fräsen stellt ja nun keine mächtige Neuerung dar...........Derjenige, der die Beleistung von dünnen Brettchen erfunden hat, hätte das vor X-100 Jahren patentieren können.

Ich finde, dass diese modernen Gitarren arg empfindlich sind. Wenn solche Akustiks auf 0.12er Gore-Tex-Saiten (die trockene Antwort auf's Schwitzen) optimiert werden, ist es ein Gottversuchen, da etwas anderes aufzuspannen. Ich habe mal auf eine 12-string Taylor (555 oder so) .11er Saiten aufgespannt, um etwas meh Wumms zu bekommen und auch Open Tunings spielen zu können........holy Shit, waren die Saiten schnell wieder unten..........die Guitare bekam eine schlimmere Wampe als meinereiner........

Also jede Menge Geld für das, as die Amis so schön ein "One-Trick-Pony" nennen. Und gerade Westerngitarren laden doch zu allerlei Experimenten ein (anders, als Klassik- oder Flamenco-Gitarren) ....... so Besaitungsmäßig.

Eine mächtige PR-Bugwelle .......... Wenn so ein Ami das C-Bracing oder das B-Bracing durch die Medien prügelt, dann wird es interessant. Mit handgebogenen Double-C-Braces.........

Double"Grumpy"C

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