Chladny/Modal Tuning?!

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ValentinS
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Chladny/Modal Tuning?!

#1

Beitrag von ValentinS » 22.07.2021, 08:09

Ich verfolge mit grossem interesse alle möglichen Hinweise zu Optimierungen im Gitarrenbau.

Nun bin ich über chladny/ Modal Tuning gestolpert... Hier beschrieben und diskutiert im englischsprachigen Forum.
https://www.acousticguitarforum.com/for ... p?t=439726

So fasziniert ich von der Idee bin, ein Instrument zu Sweepen und ggf. ein Feintuning zu machen – bin ich sehr skeptisch bei dem was ich bislang gefunden habe:

Alle Bilder/Filme beschreiben das Sweepen entweder an der unbeleisteten Decke (oder an der Beleisteten, aber ohne Steg) oder am Instrument ohne Saiten.

Meine Einschätzung ist, dass es nur dann Sinn ergibt, wenn man das fertige Instrument Sweept unter Saitenzug. – Interessant wäre dann auch, ob sich beim Wechsel auf andere Tunings das Muster beim Sweepen ändert.

Wissenschaft oder Zauber? Sinn oder Unsinn? – Wie ist Eure persönliche Einschätzung?

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cabriolet
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Re: Chladny/Modal Tuning?!

#2

Beitrag von cabriolet » 22.07.2021, 11:25

Ich bin der Meinung, dass das genauso sinn- oder unsinnvoll ist, wie das Tunen nach Tap-Tone. Das heisst, man muss wissen was man tun muss, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen. Nur die Patterns zu sehen nutzt ja nix. Und ja, die Frequenzen verschieben sich natürlich, wenn die Brücke dazukommt und die Decke aufgeleimt wird etc. und ist auch abhängig vom Saitenzug/der Stimmung. Ist ja ein Masse-Feder-System.
An der fertigen Gitarre unter Saitenzug zu sweepen (oder zu tappen) liefert dir zwar das Ergebnis, wie deine Gitarre nun schwingt. Ändern kannst du aber (fast) nix mehr, weil du ja dann die Decke nicht mehr dünner machen kannst und auch an die Beleistung kaum noch herankommst. Das ist der Grund, warum man das vorher macht.
Will sagen: Das funktioniert beides wohl nur mit jeder Menge Erfahrung. Wenn man weiss, was und wie und wieviel man ändern muss, um den gewünschten Klang an der fertigen Gitarre zu erreichen.
Das einzige, was sich meiner Meinung nach im Vorfeld relativ genau bestimmen lässt, ist die Helmholtz-Frequenz der fertigen Gitarre, weil die ja nur über Korpusvolumen und Form des Schalllochs gegeben ist (zur "Form" gehört auch die Dicke der Decke und die Position des Lochs). Aber selbst da kann man danebenhauen, wenn man bestimmte Korrekturfaktoren in der Rechnung nicht kennt oder nicht ausreichend berücksichtigt, wie ich an meiner "kleinen Steelstring" ja bemerken musste. Da hatte ich die Schallloch-Größe für eine Frequenz von etwa 100Hz berechnet, gelandet bin ich aber durch die zargennahe Lage bei ca 80Hz.

Gruß
Markus
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Re: Chladny/Modal Tuning?!

#3

Beitrag von ValentinS » 22.07.2021, 12:56

cabriolet hat geschrieben:
22.07.2021, 11:25
Ich bin der Meinung, dass das genauso sinn- oder unsinnvoll ist, wie das Tunen nach Tap-Tone. Das heisst, man muss wissen was man tun muss, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen. [...]
Hi Markus, sehr schönes Resümee :D
cabriolet hat geschrieben:
22.07.2021, 11:25
Ändern kannst du aber (fast) nix mehr, weil du ja dann die Decke nicht mehr dünner machen kannst und auch an die Beleistung kaum noch herankommst. [...]
Na ICH komme ran an die Beleistung vom fertigen Instrument insofern dachte ich wäre das vielleicht was für mich. ;)
cabriolet hat geschrieben:
22.07.2021, 11:25
Das einzige, was sich meiner Meinung nach im Vorfeld relativ genau bestimmen lässt, ist die Helmholtz-Frequenz der fertigen Gitarre, [...]
Deinem Beitrag entnehme ich, dass du sowas (grösse Schalloch) ausrechnen kannst. Könntest Du Dir vorstellen, meine beiden letzten Gitarren nachzurechnen?
Die #3 ist ein Bassmonster für ihre grösse, die #4 kann zwar auch Bässe, aber hat weniger Tiefbass.
Das fände ich richtig spannend was dabei rauskommt. :)


#3: https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic.php?t=9928
#4: https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic.php?t=9923

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Re: Chladny/Modal Tuning?!

#4

Beitrag von cabriolet » 22.07.2021, 13:09

ValentinS hat geschrieben:
22.07.2021, 12:56
Na ICH komme ran an die Beleistung vom fertigen Instrument insofern dachte ich wäre das vielleicht was für mich. ;)
Habe ich garnicht daran gedacht, du baust ja "Wartungsöffnungen" auf der Rückseite.

Und ja, Helmholtz-Frequenzen bzw. Schallloch-Größen berechen könnte ich zumindest grob, ich weiss ja jetzt, dass die üblich angewendeten Korrekturfaktoren nicht ausreichen ;) .
Ich kann aber morgen mehr dazu schreiben, damit du (und jeder, der das will) das auch kannst. Muss jetzt zur Spätschicht.

Gruß
Markus
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