Plane Oberflaechen fuer Griffbrett -- wie?

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cherub
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Plane Oberflaechen fuer Griffbrett -- wie?

#1

Beitrag von cherub » 21.05.2020, 22:38

Moin!

Mal eine halbwegs doofe Frage von mir, weil ich ganz praktisch momentan nicht weiterkomme. Auf meinem Endlosweg zu (m)einer benutzbaren Werkstatt teste ich zwischendrin immer mal wieder Arbeitsschritte zum Gitarrenbau. Nebenbei stellen sich die Fragen auch beim "normalen" Holzwerken. Da ich mittelfristig versuche ein akustisches Instrument zu bauen, stelle ich die Frage mal hier. Bitte verschieben, falls am falschen Ort.

Also: wie kriege ich den Hals und das Griffbrett so plan, dass ich sie richtig verleimen koennte? Ich habe keinerlei Hobelmaschinen und plane (ha!) auch keine anzuschaffen. Ich bin nicht der beste Hobler, lerne aber fleissig weiter. Was ich bisher verstanden habe ist, dass eine Rauhbank die beste/einzige Moeglichkeit waere. Aber auch nach vielen Versuchen bekomme ich es einfach nicht hin ein Stueck Hartholz auf etwa 50cm Laenge und 5cm Breite wirklich plan zu bekommen. Entweder es bleibt eine Kurve drin, die ueber die ganze Laenge geht. Oder ich stosse an die Grenze, dass ich kleine Dellen einfach nicht angegriffen bekomme.
Mit meinen ungefaehr auf Dicke vorgeschnittenen Griffbrettern moechte ich nicht ueben und kann mir momentan nicht vorstellen, dass ich auf Dicke hobeln mit planer Oberflaeche hinbekaeme.

Meine Rauhbank ist nicht so toll -- kann es am Werkzeug liegen? Ich habe mit einem sehr guenstigen Einhandhobel angefangen und den so lange bearbeitet (was sollte dabei passieren), dass er benutzbar wurde. Mittlerweile macht der ziemlich perfekt was ich will und ich weiss auch, wie ich zum gewuenschten Ergebnis komme. Dann habe ich mit groesseren angefangen und mir als letztes eine Nr. 7 gekauft. Ginge also noch laenger. Die Sohle ist halbwegs plan (bis auf einen ueblen Hacker, der aber nur in die Sohle geht). Und eine Seite hat nahezu perfekt 90 Grad, so dass ich mit dem Ding zumindest am shooting board OK zurecht komme.

Von der Technik her versuche ich lange Schuebe zu machen, wobei ich keine ganze Halslaenge einem Zug schaffe -- zumindest nicht mit konstantem Andruck und Schub.

Wie bekommt ihr die Oberflaechen zum Verleimen hin? Gibt's irgendwelche Tipps oder Tricks? Besser vorbearbeiten, z.B. plan fraesen? Zum Tischler bringen ist eigentlich keine Alternative. Oder braucht man doch irgendeine Maschine?

Gruesse,
Christoph

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Sven
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Re: Plane Oberflaechen fuer Griffbrett -- wie?

#2

Beitrag von Sven » 21.05.2020, 23:21

Hallo Christoph,

Die Halsoberseite, bzw. die Seite des Halsrohlings, die später die Halsoberseite wird, hoble ich mit der Rauhbank.
Da wichtigste ist dabei immer ein gut geschärftes Hobeleisen.
Idealerweise musst du den Hobel nicht nach unten aufs Holz drücken, sondern nur vorwärts schieben. Der Andruck kommt also nur durch das Gewicht des Hobels. Mit einem scharfen Eisen ergibt sich das von selbst.
Wichtig ist auch, das die Unterlage plan ist.
Ich hoble immer beide Seiten des Halsrohlings abwechselnd und entscheide erst später, welche Seite die Griffbrettseite wird.
Du solltest Hobelzüge über die ganze Länge machen, aber du darfst zwischendrin anhalten, Deine Standposition wechseln und dann weiterschieben. Hauptsache, du brichst den Span nicht ab.
Meine Rauhbank ist eine Nr 7 von Dictum, mit 56 cm Länge. Das ist lang genug für einen Halsrohling.

Die Halsmaterialien, die ich bisher verbaut habe, sind Cedro, Mahagoni, Ahorn und Walnuss, also weichere Hölzer als Griffbretter aus Wenge oder Ebenholz.
Beim Hobeln von Ebenholz, hatte ich auch schon das Problem, dass die Klinge nicht greifen wolte. Da hat es mir geholfen, den Hobel nicht genau gerade zu schieben, sondern leicht zu drehen, so dass eine Ecke der Schneide etwas vorauslief. Außerdem gilt die Regel "gut schärfen!" hier doppelt.

Schlussendlich braucht man auch Geduld. Dann bekommt man auch so verwirbeltes Ebenholz, wie dieses hier plan:
Sven

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Re: Plane Oberflaechen fuer Griffbrett -- wie?

#3

Beitrag von MattB90 » 22.05.2020, 00:01

Ich probiers mal,
Ich geh mal von einem sägerauen Griffbrett aus.

1. du hast eine Nr. 7, schonmal sehr gut dafür.
2. Am allerwichtigsten dafür (vor allem für Hartholz): ein rasiermesserscharfes Hobelmesser. Das muss wirklich ohne Aufwand die Haare vom Unterarm wegrasieren können
3. Bei sägerauen Oberflächen fange ich erstmal an das „Sägeraue“ wegzuhobeln. Bevor das „Sägeraue“ ganz weg ist fange ich an eine minimale „Schüssel“ bei breiten Bodyhölzern bzw. eine minimales“Tal“ entlang eines Griffbrettes/Halses zu hobeln. Was meine ich damit? Was wir wollen ist, beim LETZTEN Hobelzug einen gleichmäßig dicken Span über die gesamte Hobeleisenbreite zu erzeugen. Hast du jetzt an der Stelle wo du den Hobel ansetzt ein Tal und in der Mitte der Hobelstrecke einen Berg, dann wirst du entlang zwar einen tollen Span bekommen, folgst aber dem Berg und du bekommst niemals eine plane Fläche.
4. Fängst du hingegen bei einem Berg an und in der Mitte ist ein Tal, und deine Hobelzustelltiefe ist fein genug, dann bekommst du in der Mitte der Hobelstrecke keinen Span, da die Sohle vorne und hinten auf dem Berg aufliegt. Somit kannst du dich, so lange in der Mitte der Span ausbleibt bzw. abreisst, Hobelzug für Hobelzug ranarbeiten und bekommst eine perfekt plane Fläche.

Sachen zu beachten:
1. Bei breiteren Hölzern immer wieder Hobel-/Bearbeitungsrichtung ändern.
2. Immer wieder Dicke des Werkstücks kontrollieren nicht dass du auf einmal zu dünn wirst. Wenn du wie beschrieben von einer minimalen Schüssel aus anfängst reichen einfach die vier Ecken zu messen, da die Kuhle in der Mitte des Werkstücks (bei unseren Gitarrenbau-Hobelanwendungen) niemals tiefer sind als ein paar Zehntel mm.
3. Für schöne Oberfläche immer die Faserrichtung beachten, wenn das Eisen scharf genug ist kann man aber auch entgegen der Faser ohne große Ausbrüche hobeln
4. Bei breiten Flächen den Hobel schön schräg halten. Damit nimmst du die Flächen links und rechts vom Hobel mit, was sich bei der Planarität positiv auswirkt
5. Zuerst kannst du mit größerer Zustelltiefe anfangen und zum schluss hin immer feiner werden
6. Hobelwachs welches du ab und zu auf die Hobelsohle streichst machts deutlich einfacher
7. Hobel mit dem lateralen Einstellhebel wirklich sehr genau einstellen, damit auf beiden Seiten die gleiche Spandicke weggenommen wird

So, ich glaub irgendwas hab ich vergessen. Wenns mir wieder einfällt ergänz ichs. Ich hoff damit kann man was anfangen und ist nicht zu Verwirrungsstiftend...

Achja, hier der Edit: Werkstückhalterung. Am einfachsten ist das Halten des Werkstücks mit dem Maskingtape and Supergluetrick. Dazu einfach Kreppband auf Werkstück und Werkbank kleben und die auf ein Kreppband Sekundenkleber geben und auf das andere Kreppband legen und warten bis es fest ist. Hält bombenfest.
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Re: Plane Oberflaechen fuer Griffbrett -- wie?

#4

Beitrag von cherub » 23.05.2020, 01:48

Moin,

schonmal grossen Dank an Euch. Ich fuehle mich echt ein bisschen bloed, dass ich dabei so grosse Schwierigkeiten habe.

Ich habe heute den Hobel nochmal genau betrachtet und auseinander genommen. Die Sohle ist nicht perfekt plan -- ganz leichtes Tal in der Mitte (Fuehlerlehre, > 1/10 mm, < 2/10 mm) -- aber eigentlich plan genug. Und obwohl ich die Zahl schon ziemlich oft gelesen habe, habe ich's doch durcheinander gebracht -- es ist doch ein Nr. 6. Wahrscheinlich war mein Wunschdenken dabei, weil ich eigentlich ein Nr. 7 wollte. Die Breite des Messers macht's etwas schwieriger es wirklich scharf zu bekommen; aber den Haarschneidetest bekomme ich schon hin. Aber vielleicht ist der Messerstahl auch nicht mehr so gut?
MattB90 hat geschrieben: [...]
3. Bei sägerauen Oberflächen fange ich erstmal an das „Sägeraue“ wegzuhobeln. Bevor das „Sägeraue“ ganz weg ist fange ich an eine minimale „Schüssel“ bei breiten Bodyhölzern bzw. eine minimales“Tal“ entlang eines Griffbrettes/Halses zu hobeln. Was meine ich damit? Was wir wollen ist, beim LETZTEN Hobelzug einen gleichmäßig dicken Span über die gesamte Hobeleisenbreite zu erzeugen. Hast du jetzt an der Stelle wo du den Hobel ansetzt ein Tal und in der Mitte der Hobelstrecke einen Berg, dann wirst du entlang zwar einen tollen Span bekommen, folgst aber dem Berg und du bekommst niemals eine plane Fläche.
4. Fängst du hingegen bei einem Berg an und in der Mitte ist ein Tal, und deine Hobelzustelltiefe ist fein genug, dann bekommst du in der Mitte der Hobelstrecke keinen Span, da die Sohle vorne und hinten auf dem Berg aufliegt. Somit kannst du dich, so lange in der Mitte der Span ausbleibt bzw. abreisst, Hobelzug für Hobelzug ranarbeiten und bekommst eine perfekt plane Fläche.
[...]
Werkstückhalterung. Am einfachsten ist das Halten des Werkstücks mit dem Maskingtape and Supergluetrick. Dazu einfach Kreppband auf Werkstück und Werkbank kleben und die auf ein Kreppband Sekundenkleber geben und auf das andere Kreppband legen und warten bis es fest ist. Hält bombenfest.
OK, wenn ich das richtig verstehe ist das genau mein Problem. Ich arbeite irgendwie immer einen "Berg" entlang des Halses hinein, den ich einfach nicht mehr wegbekomme.
Bislang habe ich nur mit Teststuecken Ahorn, Eiche und vor allen Dingen Red Balau gearbeitet -- letzteres habe ich beim lokalen Baumarkt erstanden, weil es FSC war und ich neben einigen Reststuecken Dielen eine dicke Bohle bekam, aus der ich plane einen elektrischen Upright zu bauen.
Anyhow, das mit dem schraeggestellten Hobeleisen habe ich mir schon recht lange angewoehnt. Ich hatte bislang den Eindruck, dass ich dadurch eine bessere Hobelbewegung mache.

Das mit der Halterung muss ich unbedingt mal ausprobieren. Gerade bei laengeren Stuecken faellt es mir schwer, das Werkstueck gut zu fixieren.

Also werde ich mal austesten: Messer so scharf wie ich es hinbekomme, Rohling fest auf planer Oberflaeche befestigen, moeglichst ohne Druck entlang des ganzen Bretts hobeln. Und ich versuche mal mit einem Tal in der Mitte anzufangen. Und ich versuche mal, ob ich die Hobelunterseite nochmal gelaeppt bekomme -- auch das ist bei der Sohlenlaenge nicht mehr so einfach. Und wenn das alles nichts hilft, vielleicht doch nach einem anderen Hobel suchen; fuer die Stosslade funktioniert der schon.

Gruesse,
Christoph

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