Selbstbau einer Reisegitarre

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Moderator: jhg

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Selbstbau einer Reisegitarre

#1

Beitrag von G1tarre » 23.02.2018, 18:27

Howdy,

ich habe eine etwas speziellere Frage. Ich bin seit Jahren halbwegs stolzer Besitzer einer Johnson Reisegitarre. Nicht gerade ein Paradestück der Gitarrenbaukunst und auch keine klangliche Offenbarung, aber aufgrund der Bespielbarkeit - die ist für den Preis unschlagbar - und des Formfaktors ist die Zither meine Alltagsgitarre geworden. Da eine verbesserte Verarbeitung und bessere Hölzer den Spaß deutlich erhöhen würden, habe ich mal bei einigen örtlichen Gitarrenbauern angefragt, was denn eine edlere Ausführung (selber Formfaktor - sprich kurze Mensur) mit guten Hölzern und entsprechender Verarbeitung kosten würde. Die Antwort ( > € 3000,-) hat mich nicht gerade motiviert.

Deswegen meine Fragen:

1. Hat jemand Erfahrung im Selbstbau eines solchen Klangholzes?
2. Wo bekommt man evtl. entsprechende Baupläne etc. her?

Danke!

Joachim
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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#2

Beitrag von wasduwolle » 23.02.2018, 18:50

Hi und Willkommen,
Willst du genau diese bauen, dann kannst du sie ja kopieren, die Beleistung der Decke kannst du durch eine Lampe im Inneren sichtbar machen, und die Höhen der Leisten abmessen.
An sonsten gibt es viele Pläne im Netz zb
https://www.johnanthonyguitars.com/back ... ature.html

Grüsse
Wasduwolle

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#3

Beitrag von Sven2 » 24.02.2018, 15:43

G1tarre hat geschrieben:
23.02.2018, 18:27
[...]
Da eine verbesserte Verarbeitung und bessere Hölzer den Spaß deutlich erhöhen würden, habe ich mal bei einigen örtlichen Gitarrenbauern angefragt, was denn eine edlere Ausführung (selber Formfaktor - sprich kurze Mensur) mit guten Hölzern und entsprechender Verarbeitung kosten würde. Die Antwort ( > € 3000,-) hat mich nicht gerade motiviert.
[...]
Hä? Wo kommen denn solche Zahlen her? Mir erscheint so eine Preisangabe reichlich übertrieben. Was genau hast du denn an Hölzern und Verarbeitungsdetails angefragt?
Reisegitarren gibt es ja auch von anderen Anbietern, aber ich vermute, dass du das vorher schon ausgiebig recherchiert hast.
Vielleicht lohnt es sich, doch nochmal in einem größeren Umkreis bei Instrumentenbauern herumzufragen.

Ansonsten will ich dich natürlich nicht von einem Selbstbau abhalten!
;-)
Einen Plan hat dir wasduwolle ja bereits verlinkt, wobei die Korpusform natürlich ganz anders als die von dir gewohnte ist.
Eine alternative Idee wäre vielleicht, diesen Korpus mit einem Korpus aus einem Ukuleleplan zu ersetzen.

Sven

P.S.: Ach ja. Willkommen im Forum :-)

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#4

Beitrag von G1tarre » 24.02.2018, 16:44

Hi,

danke für die Antworten! Ich habe mir einige andere Reisegitarren angesehen, bevor ich vor Jahren mir die Johnson zugelegt habe. Keine hat mir wirklich gefallen: die Furch ist mir zu abgefahren und die Martin fand ich eher mittelmäßig und der Rest war entweder zu teuer oder eher Spielzeug oder Brennholz.

Bei meiner Anfrage bei den lokalen Gitarrenbauern habe ich außer "guter Verarbeitung, massiver Decke und gute Hölzer" keine Anforderungen gestellt, die vom "Standard" abweichen - wobei "gute Hölzer" natürlich sehr interpretierfähig ist. Gemeint war: besser als das Kistenholz der Johnson. Deswegen haben mich die € 3.000,- auch gewundert. Es waren aber auch Angebote von € 5.000,- und mehr dabei.
Wenn ihr einen Tipp habt, welcher Gitarrenbauer so eine Gitarre für einen vernünftigen Preis baut, wäre mir auch geholfen.

Viele Grüße

Joachim

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#5

Beitrag von thoto » 24.02.2018, 16:48

Nur so aus Neugier: Was wäre denn "ein vernünftiger Preis"?
Thoto
Aktuelles Projekt: viewtopic.php?p=116032

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#6

Beitrag von G1tarre » 24.02.2018, 17:24

Mal so aus der hohlen Hand: zwischen € 800,- und € 1.500,-

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#7

Beitrag von Sven2 » 24.02.2018, 17:29

G1tarre hat geschrieben:
24.02.2018, 16:44
[...]
Wenn ihr einen Tipp habt, welcher Gitarrenbauer so eine Gitarre für einen vernünftigen Preis baut, wäre mir auch geholfen.
[...]
Also hier im Wiesbadener Bereich und im Taunus gibt es einige Gitarrenbauer. Ich weiß nicht, ob das geographisch für dich passt.
Ich kann natürlich keine Preiszusagen für andere machen, aber ich glaube, dass man für 1500 bis 1800 ein ordentliches Instrument von einem Gitarrenbauer bekommen kann.
Ich habe hier zum Beispiel eine 6-saitigen Bassgitarre in Ahorn mit gespaltener Decke (73er Mensur, Nylonsaiten) für die ich neu 1900 € bezahlt habe. Wenn jemand also 5000 für solch eine Reisegitarre haben will, dann sollte dabei aber auch ein echtes Meisterinstrument herauskommen.
Alternativ gibt es hier im Forum auch ein paar Mitglieder, die berufsmäßig Gitarren bauen und die zu einem Auftrag wohl nicht nein sagen würden.

Sven

P.S.: Haben wir eigentlich ein Bord "Aufträge"?

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#8

Beitrag von wasduwolle » 24.02.2018, 18:33

Hi Sven
Wir haben ein Board Dienstleistungen und gewerbliche Angebote, da wäre ein Angebot passend
Grüsse
Wasduwolle

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#9

Beitrag von gitarrenmacher » 24.02.2018, 19:01

G1tarre hat geschrieben:
24.02.2018, 17:24
Mal so aus der hohlen Hand: zwischen € 800,- und € 1.500,-
warum sollte eine gut ausgestattete Reisegitarre weniger als die Hälfte einer "Normalen" kosten?
Bei einer OM aus guten Hölzern rechne ich mal für das Holz mit Rändern und Interieur tief , also € 200,-
Selbst wenn ich das Holz komplett aus untermäßigen Resten / Ukulelenholz generiere bleiben immer noch app. 100,-
Wo ist dann da die Minderarbeit?
Wenn ich eine Martin Style 1 nach bescheidenenm Kundenwunsch baue, was in etwa die Größe sein könnte, wäre ich doch bescheuert, wenn ich so ein Instrument für weniger als 2.000,- verkaufen würde. Und das wäre das untere Limit.

Unter € 20,-/h Stundenlohn schwinge ich keinen Hobel mehr.
Diese Preisdiskussion um eine Einzelanfertigung ist............... (think)

Aber, ich will hier ja nicht nur rummeckern :D
Unter 1.000,- und made in Dschörmenie
http://www.stollguitars.de/de/portfolio ... e-walnuss/
Munterbleiben
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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#10

Beitrag von Sven2 » 24.02.2018, 21:00

G1tarre hat geschrieben:
24.02.2018, 17:24
Mal so aus der hohlen Hand: zwischen € 800,- und € 1.500,-
Also für 800 wirst du wohl nur etwas vom Fließband bekommen, und sowas hast Du ja schon. 1500 ist schon realistischer, denn bedenke: Auch wenn es weniger Holz ist, ist es für den Gitarrenbauer kaum weniger Arbeitszeit.

Also zurück auf Start:
Selber bauen?
Ja!
Selbst wenn die erste nicht auf Anhieb Deine Hoffnungen erfüllt, kannst Du für 1500 Holz für vier oder fünf kaufen. Vorausgesetzt natürlich du hast das nötige Werkzeug bereits parat.
Und was Rat und Hilfe angeht, bist du hier im richtigen Forum, denn hier werden sie geholfen...
;-)

Sven

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#11

Beitrag von Arsen » 24.02.2018, 21:00

Ich finde einen hohen Preis schon verständlich.
Erstens ist Gitarrebauen eben Handarbeit und die Arbeitszeit und -qualität muss eben bezahlt werden.
Zweitens ist das ja eine Form fernab der Standardformen, d.h. viele Jigs und Arbeitsgänge funktionieren evtl. nicht wie gewohnt.
Es wäre also nicht nur eine Einzel- sondern auch eine Sonderanfertigung, auch das kostet Zeit (und damit Geld).
Gruß, Arsen

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#12

Beitrag von bea » 25.02.2018, 02:09

gitarrenmacher hat geschrieben:
24.02.2018, 19:01
Unter 1.000,- und made in Dschörmenie
http://www.stollguitars.de/de/portfolio ... e-walnuss/
Und wenn der Herr Stoll (oder seine Nachbarn) sowas wie die oben gezeigte Gitarre in gut bauen würde, wäre die sicherlich ebenfalls deutlich teurer. Allein schon, weil er zu dem Instrument eine komplett neue Form bauen muss, und weil er einiges an Gehirnschmalz in die Beleistung wird stecken müssen, damit das Teil trotz seiner schmalen Decke nach was klingt.

Der hohe Preis hat sicherlich auch was von "Risikozuschlag".
Oder er soll bewusst abwehren...

Eine Alternative zum kompletten Bau wäre vielleicht auch, das Teil zu öffnen und die Beleistung etwas zu optimieren. Aber das ist auch eher was für Selbstbauer mit zumindest einem Minimum an Erfahrung oder dem Mut der Verzweiflung.
LG

Beate

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#13

Beitrag von Sven2 » 25.02.2018, 14:57

bea hat geschrieben:
25.02.2018, 02:09
[...]
Oder er soll bewusst abwehren...
[...]
Glaubst du, dass könnte tatsächlich so sein? Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen. Einen hohen Preis aufrufen, damit der Kunde wieder verschwindet? Hat in diesem Fall aber wohl funktioniert...

Sven

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#14

Beitrag von jhg » 25.02.2018, 15:24

Sven2 hat geschrieben:
25.02.2018, 14:57
bea hat geschrieben:
25.02.2018, 02:09
[...]
Oder er soll bewusst abwehren...
[...]
Glaubst du, dass könnte tatsächlich so sein? Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen. Einen hohen Preis aufrufen, damit der Kunde wieder verschwindet? Hat in diesem Fall aber wohl funktioniert...

Sven
Das könnte durchaus sein. Da kommt ein Kunde mit dem Wunsch nach einer sehr speziellen Gitarre, die aufgrund ihrer Konzeption keinen guten Klang haben kann. Der möchte sie aus anderen Hölzern als das Vorbild haben. Dann baut man also mit einiger Mühe und Einsatz von guten Materialien eine hervorragende Kopie des Modells und am Ende beschwert sich der Kunde, dass sie genau so jämmerlich klingt wie das Original - obwohl doch aus einer mastergrade Fichtendecke und elend teuren Tropenhölzern gebaut....

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#15

Beitrag von thoto » 25.02.2018, 17:47

Sven2 hat geschrieben:
25.02.2018, 14:57
bea hat geschrieben:
25.02.2018, 02:09
[...]
Oder er soll bewusst abwehren...
[...]
Glaubst du, dass könnte tatsächlich so sein? Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen. Einen hohen Preis aufrufen, damit der Kunde wieder verschwindet? Hat in diesem Fall aber wohl funktioniert...

Sven
Das ist aber durchaus eine gängige Praxis, wenn man einen Kunden nicht verprellen will, aber (gerade) nicht in der Lage ist oder nicht fähig, den Auftrag anzunehmen. Man nennt das neudeutsch "Bit to loose".
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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#16

Beitrag von G1tarre » 26.02.2018, 10:23

Ich habe einen mehr als renommierten deutschen Gitarrenbauer gefunden, der mir die Gitarre in der gewünschten Ausführung innerhalb meines Budgets bauen will und wie es aussieht auch wird. Damit ist der Selbstbau erst einmal vom Tisch. Vielen Dank für die Tipps und Kommentare!!!

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#17

Beitrag von bea » 26.02.2018, 13:25

Schön. Aber Du zeigst uns das Instrument dann doch auch?
LG

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#18

Beitrag von G1tarre » 26.02.2018, 13:33

Ja klar. Ich bin schon sehr gespannt, aber es wird noch Monate dauern. :-(

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Re: Selbstbau einer Reisegitarre

#19

Beitrag von bea » 26.02.2018, 14:11

Ist schon klar, dass das nicht von jetzt auf gleich gehen kann.
LG

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