Leichtgewicht

Themen zum Bau von E-Bässen

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bussela
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Leichtgewicht

#1

Beitrag von bussela » 24.03.2020, 23:09

Huhu!

Wenn der E-Bass so leicht wie nur irgend möglich werden soll, ich mich aber vor Formel1-Carbontechnik fürchte, wie kann ich noch signifikant Gewicht einsparen? Wieviel Holz darf ich wo vom Korpus aushöhlen, ohne daß das Instrument zusammenklappt wie'n Taschenmesser, wenn ich Saiten aufziehe? Welches ist das leichteste geeignete und umweltverträgliche Holz? Welches die leichteste Bridge, die leichtesten Mechaniken, der leichteste Trussrod, die leichtesten Pickups?

Wirkt sich die Korpusform (bei gleichem Gewicht) auch auf das Tragegefühl aus oder bilde ich mir das nur ein, daß ein Instrument mit längerem oberen Horn sich leichter anfühlt, vielleicht, weil es weniger kopflastig ist und deshalb nicht so am Gurt auf der linken Schulter zerrt? Ein breiterer Gurt "schneidet" nicht so sehr in die Schulter, kann aber je nach Material halt auch gleich mal n Kilo wiegen. Sind Stretchgurte tatsächlich besser bei Rückenbeschwerden?

Und wieviele Fragen sind eigentlich pro Post erlaubt?

Wie schwer sind Eure leichtesten Bässe?
Liebe Grüße
Rüdiger


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jhg
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Re: Leichtgewicht

#2

Beitrag von jhg » 25.03.2020, 00:06


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Re: Leichtgewicht

#3

Beitrag von Rallinger » 25.03.2020, 07:43

Meine beiden Fünfsaiter wiegen um die 3,6 kg, was für fünf Saiten sehr anständig ist. Der erste hat einen sehr dünnen Korpus (32mm, war aber ein Unfall, keine Absicht), der andere hat 38mm und recht exzessive Chamberings. Die Bodyhölzer sind nicht unbedingt als Leichtgewichte bekannt: Esche und Nussbaum.

Meines Erachtens erreichst du über einen dünneren Korpus mehr Gewichtsersparnis. Zudem fühlt es sich für mich sehr angenehm an. Ich sehe zudem nicht was dagegen sprechen sollte, in den Korpusflügeln durch Chambering zusätzlich Gewicht einzusparen. Den Mittelstreifen des Bodies würde ich an dem Punkt aber stehen lassen, rein zur Vorsicht.

Mit Paulonia hab ich nie gearbeitet aber wenn ich mich richtig an den verlinkten Thread erinnere ist es sehr weich und nicht das stabilste Holz. Bei einer Gewichtseinsparung über Volumen würde ich persönlich ein sehr zähes und stabiles Holz wählen. Und aus eigener Unfallerfahrung: kein geriegeltes Holz. Das ist aber von letzterer Aussage abgesehen ein reines Bauchgefühl.

Die leichtesten Tonabnehmer dürften die Alumitone Bassbuckers sein. Bei meinem nächsten Projekt kommen Schaller BM light Mechaniken dran. Ich hab sie noch nicht gewogen, aber die wiegen fast nix. An der Bridge spricht nix gegen Alu, damit spart man sicher ein paar Gramm ein - die Sandberg Bridges sind z.B. auch preislich interessant (um die 50€ / Viersaiter).

Allgemein: ich hab's nicht so sehr mit dem Rücken sondern mehr mit dem Knie. Daher hab ich mir in den letzten zwei Jahren angewöhnt, fast nur noch im Sitzen zu spielen. Da ist das Gewicht relativ egal und der Bewegungsapparat freut sich. Ich seh ehrlich gesagt nicht, warum ich in der Probe stundenlang rumstehen soll. Bei einem Gig kommt das natürlich nicht so gut, aber der ist ja meist schneller vorbei als eine Probe. Außerdem hilft einem da das Adrenalin ...

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Re: Leichtgewicht

#4

Beitrag von jhg » 25.03.2020, 09:57

Paulownia ist sehr Richtungsstabil, weil es langfaserig und gerade gewachsen ist. Die Oberflächenhärte ist eben nicht besonders hoch - deswegen wäre m.E. eine Oberflächenbehandlung mit Öl nicht das Richtige. Aber mit den richtigen, konstruktiven Entscheidungen sollte sich aus dem Holz ein gutes und stabiles Instrument bauen lassen. Ich habe das für meine Akustikgitarren für die Bodenbalken eingesetzt und werden es wohl in Zukunft noch häufiger auch für die Hals- und Bodenklötze verwenden.

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Re: Leichtgewicht

#5

Beitrag von penfield » 25.03.2020, 12:19

Mein leichtester Bass (34", fünf Saiter) mit Aktivschaltung ist vollständig aus Paulownia, also auch der Hals.
Er wiegt 3,2 Kilogram

Bauthread: https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic.php?f=11&t=6647
Galerie: https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic ... ia#p122209

Paulownia ist leicht, ebenso zu bearbeiten und mechanisch sehr stabil.
Allerdings kann man die Oberfläche vielleicht leichter Eindrücken als bei anderen Hölzern.
Darauf sollte man beim Bauen Rücksicht nehmen. So extra empfindlich ist sie aber auch wieder nicht.
(Wobei man Dellen auch wieder leicht ausbügeln kann.)

Mit 2K Autolack lackiert ist sie dann auch nicht anfälliger als andere Instrumente.
(Jetzt vielleicht abgesehen von den HB Dingern, die offenbar in Plastik eingegossen sind)

Was ich in letzter Zeit öfter gemacht habe ist, nur Teile von Instrumenten aus Paulownia zu machen, zB bei den Semmelblonden JMs, nur das Bodenteil. Damit kann man auch jede Menge Gewicht sparen.
Chambern bringt nicht viel Einsparung, da die Paulownia ohnehin schon extrem leicht ist.

Sonst fällt mir nur Sumpfesche ein, damit habe ich allerdings keine Erfahrungen.
Kann mir aber vorstellen, dass die sich ziemlich ähnlich sind.
SGmaster, Peacemaster 3P90, Double neck fretless/fretted,
Quickbird, Basslownia, FrameBird, Violin Bass Bausatz, Mystery Guitar . Hat die Semmelblonden JMs endlich fertig und arbeitet an Les Paulownia um die Werkstatt dann endlich ausmisten zu können...

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Re: Leichtgewicht

#6

Beitrag von micha70 » 25.03.2020, 14:17

Hi!

Ich wollt jetzt nur mal auch die gute alte Pappel in den Ring werfen. Nicht dieses Maserpappelgedöns... Auch langfasrig und gerade gewachsen und ein heimisches Holz. Kein Bass, sondern eine Gitarre aber mein Erstbau mit Ahornhals, fettem Trem, 2 PUs und einem Haufen Elektronik wiegt spielfertig inklusive Gurt auf das Gramm genau 2kg (siehe Signatur). Bodystärke 42mm. Oberflächenhärte ist quasi nicht vorhanden aber da kann man was dagegen tun. Ist halt ein unattraktives Holz was unbehandelt leicht grün/gräulich anläuft und sich eigentlich nur für deckende Lackierungen eignet. Von der Stabilität hab ich kein Problem gehabt.

LG
Micha

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Re: Leichtgewicht

#7

Beitrag von bussela » 25.03.2020, 19:30

Rallinger hat geschrieben:
25.03.2020, 07:43
die Sandberg Bridges sind z.B. auch preislich interessant (um die 50€ / Viersaiter).
Die hier?

https://sandberg.themerchrepublic.com/b ... 0,0,0.html
Liebe Grüße
Rüdiger


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Re: Leichtgewicht

#8

Beitrag von Rallinger » 25.03.2020, 20:20

bussela hat geschrieben:
25.03.2020, 19:30
Rallinger hat geschrieben:
25.03.2020, 07:43
die Sandberg Bridges sind z.B. auch preislich interessant (um die 50€ / Viersaiter).
Die hier?

https://sandberg.themerchrepublic.com/b ... 0,0,0.html
Jäp. Kriegt man aber auch günstiger, z.B. https://www.musicstore.de/de_DE/EUR/San ... 004217-000

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Re: Leichtgewicht

#9

Beitrag von 100WChris » 25.03.2020, 21:11

jhg hat geschrieben:
25.03.2020, 09:57
Paulownia ist sehr Richtungsstabil, weil es langfaserig und gerade gewachsen ist. Die Oberflächenhärte ist eben nicht besonders hoch - deswegen wäre m.E. eine Oberflächenbehandlung mit Öl nicht das Richtige. Aber mit den richtigen, konstruktiven Entscheidungen sollte sich aus dem Holz ein gutes und stabiles Instrument bauen lassen. Ich habe das für meine Akustikgitarren für die Bodenbalken eingesetzt und werden es wohl in Zukunft noch häufiger auch für die Hals- und Bodenklötze verwenden.
Darf ich fragen, woher Du das Paulownia beziehst? Ich hab bisher nur Leimzeugs im Baumarkt gesehen…
Danke!
beste Grüße
Chris

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Re: Leichtgewicht

#10

Beitrag von jhg » 25.03.2020, 21:37

Jetzt oute ich mich unter, unter dem Aufschrei der Tonholzfachleute: Ja, ich habe im Baumarkt gekauft! Man muss die Bretter dann so aufsägen, dass die Leimnähte verschwinden - aber für die Balken geht das. Das Holz hat so breite Jahresringe, dass man die Richtung auch eher vernachlässigen kann. Es ist in beide Richtungen stabil, ähnlich wie Balsaholz (was ja evtl. auch eine Alternative wäre). Ich hatte jetzt beim Bauhaus gesehen, dass die auch dickere Balken haben - aber eine gute Quelle für Schnittholz kenne ich auch nicht. Vielleicht haben die Spezis hier im Forum ja was auf Lager ...

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Re: Leichtgewicht

#11

Beitrag von hatta » 25.03.2020, 22:18

jhg hat geschrieben:
25.03.2020, 21:37
Jetzt oute ich mich unter, unter dem Aufschrei der Tonholzfachleute: Ja, ich habe im Baumarkt gekauft! Man muss die Bretter dann so aufsägen, dass die Leimnähte verschwinden - aber für die Balken geht das. Das Holz hat so breite Jahresringe, dass man die Richtung auch eher vernachlässigen kann. Es ist in beide Richtungen stabil, ähnlich wie Balsaholz (was ja evtl. auch eine Alternative wäre). Ich hatte jetzt beim Bauhaus gesehen, dass die auch dickere Balken haben - aber eine gute Quelle für Schnittholz kenne ich auch nicht. Vielleicht haben die Spezis hier im Forum ja was auf Lager ...

Espen hat in der letzten Mail die ich bekommen habe damit grprahlt dass sie anscheinend jetzt ganz stolz auch Paulownia führen...
Eventuell mal anfragen
Gruß
Harald

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Re: Leichtgewicht

#12

Beitrag von bussela » 25.03.2020, 22:29

Bei Nebelheim gibt es eine eigene Rubrik Paulownia-Bodies und Paulownia-Hälse. Ich bin ja (noch) kein Fachmann, aber für mich sieht das aus, als wären das auch nur die Brocken aus dem Baumarkt nur halt schon entsprechend zugesägt und geleimt. Und da mir diese Möglichkeit bisher noch fehlt, werd ich wohl eher da kaufen als im Baumarkt. Außer der @Holzkarle hat was Passendes für mich. :-)
Liebe Grüße
Rüdiger


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Re: Leichtgewicht

#13

Beitrag von penfield » 25.03.2020, 22:41

Das haben wr schon öfter besprochen.
Hab bisher immer im Baumarkt gekauft. Warum auch nicht? Wenn man sich ein paar schöne Stücke aussucht, geht das. Dafür sollte man sich aber die Zeit nehmen.

Ich habe inzwischen schon ein paar Bodies da gehabt, die nicht aus dünnen Bauhaus Platten sondern aus größeren Stücken geleimt waren. Besondere Qualität war das aber auch nicht. Da gefiel mir das Bauhaus Paulownia Leimholz besser. Das gibt es nicht nur als Platten sonder auch als Regalstollen. Der Hals von Basslownia ist aus solchen Regalstollen gemacht.
Wenn man mit den Platten nichts anfangen kann, kann man sich ja selbst etwas Größeres zusammenreimen, das habe ich schon öfter so gemacht.
Wirklich schöne große Paulownia Bohlen, wie man sie von Mahagoni zum Beispiel kennt, soll es von Paulownia und zumindest in Europa, nur selten und zu entsprechendem Preis geben. Ich las, dass died dadurch bedingt ist, dass das Gebrauchsholz von Paulowniabäumen aus Plantagen stammt und diese einen recht kurzen Lebenszyklus haben, die Stämme daher recht dünn sind bei der Ernte. Dafür ist das Holz aber recht nachhaltig.

Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, auch hier im Forum, wenigsten Leimholz ordentlicher Stärke zu importieren, weil die Baumarkt Platten ja nur 18mm stark sind, aber das ist ein sehr mühsames Unterfangen, zu mühsam für mich.
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