"Fat Ed"

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thoro
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"Fat Ed"

#1

Beitrag von thoro » 15.11.2015, 20:39

Endlich ist sie fertig, meine erste richtig selbstgebaute E-Gitarre.

Ich habe sie "Fat Ed" getauft, weil die Korpusform die Music Man Eddie Van Halen Signature zitiert, die Gitarre aber eine kurze Mensur hat und aus Mahagoni mit Ahorndecke ist. Außerdem hat sie einen extra fetten Hals mit einem sehr breiten 16" Radius-Griffbrett. Sie ist also eigentlich eine Les Paul mit Schraubhals und Vibrato-System. Alles, was ich mir immer gewünscht habe, ist hier in einem Instrument vereint. Die Deckel der E-Fächer werden schraubenlos mit Neodym-Magneten gehalten und für die Gurtbefestigung habe ich diesmal gleich auf das Loxx-System gesetzt.

Den Bauthread findet ihr hier.

Die Daten:

Body Mahagoni mit 9mm geflammter Ahorn-Decke, insgesamt 45 mm, Decke nitrolackiert (Iced Tea Burst) / Body geölt (Tru-Oil)
Hals Mahagoni, fettes Profil, breites Palisander-Griffbrett mit 16"-Radius, Bundierung Edelstahl, Knochensattel, geölt (Tru-Oil)
Mensur 62,865 cm / 24,75"
Pickups Tonerider Alnico 2 Classics Zebra
Mechaniken Schaller M6 Pin small Klemm-Mechaniken Nickel
Bridge Schaller 2000 Nickel

Den Entwurf habe ich in der Open Source 3D-Software Blender erstellt, daraus habe ich dann die Schablonen gefertigt. Bei Gelegenheit werde ich hier im Forum mal beschreiben, wie ich in Blender vorgehe und die Ergebnisse dann in 2D übertrage. Es hat sich auf jeden Fall gezeigt, dass ich den 3D-Entwürfen vertrauen kann. Ich habe die M6-Mechaniken und die Schaller 2000-Brücke maßstabgetreu aus den technischen Zeichnungen nachgebaut und konnte somit sehen, dass ich bei aufliegender Brücke keinen Halswinkel brauchte. Auch der Gesamteindruck findet sich im 3D-Entwurf schon sehr gut wieder, für die Decke habe ich ein Foto des echten Holzes verwendet.
Hier die fertige Gitarre. Ich habe sie erst ein paar Stunden gespielt, aber es zeigt sich schon jetzt, dass der Ansatz mit dem fetten Halsprofil und dem breiten Griffbrett voll für mich aufgeht. Durch den vielen Platz und die Edelstahlbünde machen Bendings noch mehr Spaß. Sie klingt in etwa wie meine Bausatz-Les Paul, lässt sich aber ganz anders spielen und durch das Vibrato-System ist sie im meinen Augen noch variabler.

Die Gitarre ist so klein, dass sie durch die kürzere Mensur im Koffer einer Peavey Wolfgang noch richtig Platz hat, obwohl dieser Koffer ja schon sehr kompakt ist. Wenn ich die Zeit finde, werde ich mir noch einen angepassten Mini-Formkoffer bauen.

Herzlichen Dank für alle Anregungen und Tipps – in diesem Forum ist wirklich enormes Fachwissen gebündelt.

Viele Grüße

Thorsten
Update: Formkoffer für die Fat Ed (Bauthread)

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Re: "Fat Ed"

#2

Beitrag von Poldi » 16.11.2015, 05:27

Ich finde die Gitarre absolut gelungen.
Sowohl die Form als auch das Burst. Absolut klasse. (clap3)

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Re: "Fat Ed"

#3

Beitrag von Titan-Jan » 16.11.2015, 08:50

Eine sehr, sehr schöne Gitarre!!!! Gefällt mir wirklich gut! Auch hat es Spaß gemacht, deine Arbeitsweise nachzuvollziehen, danke für den guten Bauthread.


Vor allem das würde mich aber auch noch sehr interessieren: ;)
thoro hat geschrieben: Den Entwurf habe ich in der Open Source 3D-Software Blender erstellt, daraus habe ich dann die Schablonen gefertigt. Bei Gelegenheit werde ich hier im Forum mal beschreiben, wie ich in Blender vorgehe und die Ergebnisse dann in 2D übertrage.

[...]

für die Decke habe ich ein Foto des echten Holzes verwendet.

PS: Einziger Verbesserungsvorschlag:
Mit Deckeln aus Mahagoni würde die Gitarre meiner Meinung nach noch zwei Klassen edler wirken. Ist nicht viel Arbeit... ;) ;)

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Re: "Fat Ed"

#4

Beitrag von hatta » 16.11.2015, 09:06

Absolut Geil!

Ja, die Deckel aus dem Korpus Holz würden irgendwie nicht so herrausstechen...aber Geschmäcker sind ja gottseidank verschieden :)
Gruß
Harald

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Re: "Fat Ed"

#5

Beitrag von Haddock » 16.11.2015, 09:53

Guten Morgen,

super! Gratulation. (clap3)

Gruss
Urs

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Re: "Fat Ed"

#6

Beitrag von filzkopf » 16.11.2015, 10:00

Sehr schön ist die geworden!! (clap3)

Was baust du denn als nächstes? ;) ;)
mfG Simon

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Re: "Fat Ed"

#7

Beitrag von kehrdesign » 16.11.2015, 10:26

Das sieht richtig gut aus; saubere Arbeit (clap3) ... bis auf einen (mir schwer im Magen liegenden) Wermutstropfen:

Da gibt man sich solch eine Mühe für soviele Details (auch auf der Rückseite) um dann kurzerhand mit vor Disharmonie strotzenden Deckeln die Rückansicht massiv zu verschandeln. :(
Dass das Gibon & Co. auch so machen, macht die Sache auch nicht besser und sollte für uns Hobby-Gitarren-und-Bass-Bauer ein gefundener Anlass sein, es besser zu machen. Dafür gibt es auch zahlreiche Beispiele. Schade, dass diese ansonsten soweit tadellose Gitarre nicht dazu gehört.
Man weiß nicht recht, ob aus Dummheit, Platzmangel oder Schlamperei ein Unikat der Gitarrenwelt überhört wurde.
(aus Allan Holdsworth's Nachruf von Michael Rüsenberg)

http://guitars.kehrdesign.de/

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Re: "Fat Ed"

#8

Beitrag von thoro » 16.11.2015, 11:01

Vielen Dank für das Lob und auch die Kritik.

Den cremefarbenen Kunststoff für die Deckel habe ich ganz bewusst ausgewählt. Ich persönlich mag Deckel aus Holz überhaupt nicht und stehe auf diesen Kontrast. Für mich ist es bei Kunststoffdeckeln wichtig, dass das Material eine angenehme Beschaffenheit und den passenden Farbton hat.

Das finde ich gerade so toll am Selberbauen, man kann alles frei entscheiden. Ich mag beispielsweise überhaupt keine verchromte Hardware, für mich könnte alles vernickelt sein. Andere stehen voll auf Chrom :-).

Simon, ich habe tatsächlich schon Holz für eine weitere Gitarre :D. Sie wird wahrscheinlich an die Rick Turner Model 1 angeleht sein (siehe unten), ich mag kleine Gitarren und wollte schon immer eine Gitarre mit Piezo-Abnehmern haben.

Das wird aber frühestens nächstes Jahr etwas. Erstmal muss ein neues Tor für unseren Hof gebaut werden, dann stehen noch ein großes Bücherregal und ein Bett an... und eine (kleine) Ritterburg für meine Tochter...

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Re: "Fat Ed"

#9

Beitrag von bea » 16.11.2015, 13:09

Ein bisschen pummelig wirkt sie ja (wie der Name schon sagt) - aber schön ist sie geworden.


Mit den vielen Deckelchen habe ich auch so mein Problem - unabhängig von der Materialwahl. So pragmatisch der Ansatz mit den industriell vorgefertigten Standarddeckeln auch sein mag - es sind die Formen, die die Proportionen sprengen. Wäre nicht sowas in der Art fenderscher Schlagbretter, aber in den Korpus eingelassen, eine Alternative? Diese sind ja recht sorgsam auf das Design der Instrumente abgestimmt. Also - ein Deckel für alles, dafür schön gestaltet - und er darf dann gerne auch cremefarben sein...
LG

Beate

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Re: "Fat Ed"

#10

Beitrag von thoro » 16.11.2015, 14:02

Die Deckel sind alle handgefertigt, die gibt es in diesen Maßen nicht zu kaufen. Auf der Schablonen-Skizze kann man sehen, dass ich den rautenförmigen E-Fach-Deckel extra etwas bauchig gestaltet habe, das finde ich besonders schön.

Fender hat durch die einzeln bestückbaren Schlagbretter meines Wissens einfach den Produktionsprozess weiter optimiert, mich persönlich sprechen sie überhaupt nicht an. Wenn ich in diese Decke ein großes Schlagbrett für Pickups, Schalter und die vier Potis eingesetzt hätte, wäre wohl auch von dem Holz nicht mehr viel geblieben.

Interessant, wie unterschiedlich da das Geschmacksempfinden ist. Ich mag Abdeckungen auf der Rückseite einer E-Gitarre und finde, dass sie gerade durch den Kontrast gut zur Geltung kommen.

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Re: "Fat Ed"

#11

Beitrag von liz » 16.11.2015, 14:10

Sehr schick!

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Re: "Fat Ed"

#12

Beitrag von bea » 16.11.2015, 14:44

thoro hat geschrieben: Fender hat durch die einzeln bestückbaren Schlagbretter meines Wissens einfach den
Vermutlich habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt: ein einziger großer Deckel auf die Rückseite, alle Öffnungen abdeckend und angepasst an die Korpusform. In diesem Sinn analog zu dem, was Fender auf der Front seiner Instrumente veranstaltet.

Aber egal - Hauptsache ist natürlich, dass es Dir gefällt, und dass es eine ganz bewusste Wahl war. Alles andere ist doch nebensächlich.

Auf die "M1" bin ich schon gespannt. Wird es ein enger Nachbau oder willst Du nur ein ppar grundsätzliche Ideen übernehmen?
LG

Beate

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Re: "Fat Ed"

#13

Beitrag von helferlain » 16.11.2015, 14:59

Sehr schön! Perfekt geplant uns sauber ausgeführt. (clap3)

Der konsequente, gleichmäßige Einsatz von Kunststoffkomponenten rund um die Gitarre ( Binding, Mechanik-Knöpfe, E-Fach-Deckel) wirkt für mich stimmig.

Ein Indikator für hochwertige Verarbeitung sind für mich dann schon eher Spaltmaße, gleichmäßige Radien an den Kanten, Bundenden, Lackierung insgesamt etc. Das ist dir gelungen und das soll erst mal jemand nachmachen ;)
Grüße, helferlain
|:... exo/morph ...:|:... PSSP ...:|

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Re: "Fat Ed"

#14

Beitrag von thoro » 16.11.2015, 15:13

bea hat geschrieben:Vermutlich habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt: ein einziger großer Deckel auf die Rückseite, alle Öffnungen abdeckend und angepasst an die Korpusform.
Ach so... und ich hatte mich schon gewundert... :D.

Ich finde die Korpusform der Model 1 einfach sehr schön, bin mir aber nicht sicher, ob ich ohne Hals-Pickup auskomme. Vielleicht würde ich versuchen, die Schalloch-Optik trotz zweier Tonabnehmer zu erhalten. Und dazu noch das Piezo-System in der Bridge. Was die Kopfplatte betrifft, so würde ich dann wohl entweder die gleiche nehmen wie bei der Fat Ed, oder gar eine kleine Fensterkopfplatte entwerfen.

@helferlain: Vielen Dank, ich habe auch ziemlich oft nachgemessen und Arbeitsschritte an Testholz probiert.

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Re: "Fat Ed"

#15

Beitrag von penfield » 03.12.2015, 10:45

Irrtümlich beim Thread gepostet, also hier noch einmal:
Gelungene Gitarre - Gefällt mir sehr.
Schönes Projekt.
BGP
SGmaster, Peacemaster 3P90,
Double neck fretless/fretted,
Quickbird, Basslownia.
Arbeitet am FrameBird und wieder an Les Paulownia

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Re: "Fat Ed"

#16

Beitrag von thoro » 23.12.2015, 01:35

Vielen Dank.

Heute habe ich auch den passenden Formkoffer für die Fat Ed fertiggestellt, hier geht es zum Bauthread.

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