(Fichte) Stamm auftrennen

Diskussionen über Hölzer für den Bau von Instrumenten
Herkunft, Trocknung, Lagerung und Eigenschaften

Moderator: jhg

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frizzle
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(Fichte) Stamm auftrennen

#1

Beitrag von frizzle » 31.10.2016, 13:59

Ich kann an ein Stück Fichtenstamm kommen. Ein gutes Stück aus dem bodennahen Bereich mit ca. 1m Durchmesser.
Der Standort ist im Hochsauerland gelegen, also fast heimatnah. Könnt ihr mir Tips geben, wie man den Stamm aufteilt und lagert?
Will ihn bis zur Rente liegen lassen und dann Decken und Balken daraus schneiden.
Oder greife ich nach den Sternen? (think)
VG
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ahgit
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Re: (Fichte) Stamm auftrennen

#2

Beitrag von ahgit » 31.10.2016, 20:55

Die Fichten aus solchen Lagen sind nach meiner Erfahrungen ungeeignet.Als ich anfing Stämme zu schlagen habe ich Fichten aus
den verschiedensten Regionen( Eifel,Ardennen ,Sauerland, Westwerwald ,Bergisches Land ,Hessen etc) angetestet.Die Ergebnisse waren durchweg sehr bescheiden bzw. als Resonanzholz unbrauchbar.
Wenn entsprechende Durchmesser in diesen Wuchgebieten zustande kamen, war der Jahringaufbau meist viel zu weit,das Holz war zu weich und zu schwer im Verhältnis ,war Buchsig oder gedreh oder Astig.
Einen Stamm der als Resonanzholz geeignet, ist braucht entsprechende Wuchsbedingungen, die man eigentlich nur in Höhenlagen ab
mindestens 800 Metern findet.Und selbst dann muss darüber hinaus noch der Boden die Lage und vor allem der Beiwuchs zu den bestimmten Wuchsphasen stimmen.
Dies ist selbst in den Alpen bzw.Bayrischen Wald/Böhmer Wald oder Schwarzwald sehr selten.Unter 2-3000 Stämmen findet man selbst dann vielleicht einen Tonholzstamm.
In den entsprechenden Mittelgebirgslagen wird das Vorkommen entsprechend weniger sein
Meist ist das Klima zu mild.Wenn dort Stämme mit 70 cm (und die braucht man für Gitarrenholz)
aufwärts vorkommen , ist das eher die Ausnahme .Meist hat das Holz nicht das entsprechende Alter.Die Dimension wird überwiegend durch den schnellen Wuchs erreicht .
Die Stämme die ich bis her in den Alpen geschlagen habe waren in der Regel älter als 200 Jahre.
Fäll- Zeitpunkt und die Weiterverarbeitung spielen darüber hinaus eine wesentliche Rolle.

Andererseits,selbst wenn du dir Brennholz nach Hause holst ,ist das immer eine sehr gute Erfahrung.
Wenn der Stamm liegt würde ich mir sehr genau den Hirnholz Schnitt anschauen.Die Jahrringe sollten möglichst konzentrich sein und
gleichmäßig .Rotwuchs (Reaktionsholz) sollte vermieden werden.
Weiterhin würde ich auf Flügeläste bzw.Schwarzäste und Harzgallen achten.Solltest du anzeihen davon finden,würde ich die Finger davon lassen.
Der Fällzeitpunkt ist nicht gerade optimal. Wenn möglich würde ich warten bis das der Baum ein paar Tage Frost abbekommen hat .
Sollte der Stamm schon gefällt sein und du willst Luft-Trocknen ,ist die Wahrscheinlichkeit einer Bläue sehr groß.
Zur Verarbeitung.
Ich schneide die Blöcke mit einer Kettensäge auf ca. 60 cm Längen.Diese werden anschließen mit keilen halbiert und mit einem Schindeleisen dann in 1/8 oder 1/16 Stücke gespalten.Bei den hiesigen Temperaturen ,dem Wuchsgebiet und den voraussichtlichen
Lagerbedingungen (auf jeden Fall draußen) würde ich so klein wie möglich spalten, damit das freie Wasser so schnell wie möglich raus kommt.Du kannst dir ein paar Referenzstücke nehmen die du sofort nach dem fällen wiegst.Fortlaufendes regelmäßiges wiegen gibt dir dann Auskunft über der Wasserverlust bzw.die Holzfeuchte Kurz bevor das freie Wasser raus ist versiegle ich die Hirnenden mit Wachs .
Wenn du willst kannst du die Hirnenden vorher mit einem Gasbrenner Abflämmen um evtl. Pilzsporen abzutöten
Dann das ganze draußen hell und luftig stapeln. Direkte Sonneneinstrahlung über Stunden (leider haben wir momentan ja schönes Wetter) unbedingt vermeiden.
Wenn das Holz die erste Trockenphase ( freies Wasser ist raus getrocknet) unbeschadet überstanden hat,kannst due es nach fünf Jahren in die Werkstatt holen aufsägen und nach weitern fünf Jahren Trocknung verarbeiten,

ahgit

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Re: (Fichte) Stamm auftrennen

#3

Beitrag von frizzle » 01.11.2016, 00:45

Wow! Vielen Dank! ja, ich denke, ich versuche es mal. Und 10 Jahre sollten reichen bis zur Rente :D
VG
frizzle

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