Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Diskussionen über Hölzer für den Bau von Instrumenten
Herkunft, Trocknung, Lagerung und Eigenschaften

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Jenser
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Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von Jenser » 02.10.2016, 11:34

Hallo mal wieder,

ich habe die Möglichkeit an einen Stamm Erle ran zu kommen, der bereits in 6 Bohlen mit 60mm Stärke gesägt wurde und seit 2012 luftgetrocknet lagert... ich könnte die Bohlen auch noch technisch trocknen lassen bei ihm, aber er hat gemeint falls ich das Holz in einer beheizten Werkstatt lagern kann, könnte ich mir das trocknen auch sparen und das Holz einfach noch 4-6 Wochen in der Werkstatt lagern lassen, dann wäre es auch trocken.

Kann das sein? Da es ja heißt ca. 1 Jahr trocknen pro cm Stärke?
Oder doch lieber trocknen lassen?

Was haltet ihr für die beste Lösung?

Danke schon mal im Voraus

Beste Grüße

Jens
Grüßle Jens


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bea
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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von bea » 02.10.2016, 11:57

Die beste Lösung ist es tatsächlich, das Holz noch eine Weile in der beheizten Werkstatt trocknen zu lassen. Gib im lieber noch ein paar Jahre und nicht nur ein paar Wochen.
LG

Beate

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von Jenser » 02.10.2016, 12:14

Das Problem ist leider nur, das mir die Werkstatt nicht gehört und ich für die Lagerung natürlich zahlen muss. Ein paar Wochen wären kein Problem, ein paar Jahre allerdings schon :D
Grüßle Jens


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fraenkenstein
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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von fraenkenstein » 02.10.2016, 12:40

Hallo,

und wenn Du die Bohlen in die für Dich später maximal benötigten Längen sägst/sägen lässt!?
Vermutlich wäre der Platzbedarf in der Länge dann deutlich geringer und Du gehst halt mehr in die Höhe beim stapeln...

Gruß, Frank

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Magfire
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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von Magfire » 02.10.2016, 13:11

Moin Jens,

Es ist eine sehr faszinierende Angelegenheit, eigenes Holz zu (sägen), trocknen, lagern und zu verarbeiten.
Allerdings muss man zwischen "Brennholz-trocken", "Möbel- und Konstruktions-trocken" und "Instrumentenbau-trocken" unterscheiden. (Ich würde sagen, das Holz ist jetzt im Stadium "Brennholz-trocken".)
Je länger die Trocknungszeit, desto mehr Spannung wird im Holz abgebaut und desto weniger Risiko hast du mit Rissen oder Verwerfungen - so zumindest die Weisheit, die ich mir in den letzten Jahren angelesen habe.

Die Frage ist, ob du das ganze Holz auch sinnvoll nutzen kannst oder willst, oder ob das mehr ein "nice-to-have" ist.
In letzterem Fall würde ich mir sehe überlegen, ob der Aufwand dem Nutzen angemessen ist.

Bei einer Lagerung und Verarbeitung von ganzen Bohlen solltest du zudem immer etwas Verlust durch Verzug, Rissbildung und besäumen mit einplanen.

So zumindest meine Erfahrungen der letzten Jahre...

Viele Grüße,
Philip

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von Jenser » 02.10.2016, 15:28

Also es ist so, das er mir die Bohlen von 3,2m in 3 Stücke kürzen würde für den Transport.
Risse sind teilweise schon vorhanden, allerdings sind die eher mittig und die Bohlen 48cm breit, also eigentlich kein Problem auch bei den Rissen noch n guten Body rauszusägen was ich sowieso noch tun müsste genau so wie abrichten etc.
Mir geht es dabei speziell um die Frage ob es wirklich reicht das Holz dann noch 4-6 Wochen zu lagern bis es die richtige Restfeuchte hat, oder doch lieber die Finger davon zu lassen...
Grüßle Jens


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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von capricky » 02.10.2016, 15:38

Jenser hat geschrieben: Mir geht es dabei speziell um die Frage ob es wirklich reicht das Holz dann noch 4-6 Wochen zu lagern bis es die richtige Restfeuchte hat, oder doch lieber die Finger davon zu lassen...
Eigentlich kann das so niemand beurteilen, weil weder die momentane Holzfeuchte der Bohlen bekannt ist, noch die Luftfeuchte in dem Raum/der Werkstatt, wo das Holz gelagert werden soll.
Aufsägen in "Portionsstücke" wie fraenkenstein es beschrieb, macht Sinn. Die Hirnholzenden aber mit Weißleim satt versiegeln, kein Wachs oder ähnliches verwenden!

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von liz » 02.10.2016, 17:52

capricky hat geschrieben: Eigentlich kann das so niemand beurteilen, weil weder die momentane Holzfeuchte der Bohlen bekannt ist, noch die Luftfeuchte in dem Raum/der Werkstatt, wo das Holz gelagert werden soll.
Aufsägen in "Portionsstücke" wie fraenkenstein es beschrieb, macht Sinn. Die Hirnholzenden aber mit Weißleim satt versiegeln, kein Wachs oder ähnliches verwenden!
wieso kein Wachs?

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von capricky » 03.10.2016, 12:05

liz hat geschrieben:
wieso kein Wachs?
Wenn man die Bohle auf "Portionsgröße" zurechtsägt und das Hirnholz wachst, bleibt nicht mehr viel Raum um die "kontaminierten" Enden abzusägen. Es verbleiben Wachsreste im Holz, das dann für entsprechende Probleme beim Leimen und Lackieren sorgt. Eine Entwachsung/Entfettung mit Aceton ist ja auch nicht wirklich prickelnd. Mich nervt dieses Wachs schon an Griffbrettrohlingen.

Die Furnierbude, neben der ich aufgewachsen bin, hat diesen PVAC Leim (Weißleim) für ganze Stammenden genommen.

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von bea » 03.10.2016, 12:20

Ich finde das sehr einleuchtend und ne ziemlich gute Idee.
Grundsätzlich sollten aber doch auch andere Materialien funktionieren, zum Beispiel Lackreste - oder sehe ich das falsch?
LG

Beate

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von Jenser » 03.10.2016, 12:27

Dankeschön erstmal für eure Antworten und dafür das ihr eure Erfahrungen mit mir teilt, auch wenn es wahrscheinlich gefühlt das 1000000000 mal ist, dass so ein Thema mit so einer Frage aufkommt :D
Ich hab den Herrn vom Sägewerk mal gebeten mir die aktuelle Holzfeuchte mitzuteilen und warte noch auf seine Antwort.
Er hat gemeint, es hat ja nicht nur was mit der Lagerungszeit sondern auch mit der Umgebung und der Jahreszeit zu tun, was ja auch logisch erscheint.
Sollte ich mir den Erlestamm wirklich kaufen, werde ich den Tipp mit dem Weißleim auf jeden Fall mal bedenken.
Und sollte alles funktionieren, bekommt natürlich jeder der möchte einen super schönen Erlebody zum super kleinen mega hyper Angebotspreis von mir :D
Grüßle Jens


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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von liz » 03.10.2016, 12:52

capricky hat geschrieben: Wenn man die Bohle auf "Portionsgröße" zurechtsägt und das Hirnholz wachst, bleibt nicht mehr viel Raum um die "kontaminierten" Enden abzusägen. Es verbleiben Wachsreste im Holz, das dann für entsprechende Probleme beim Leimen und Lackieren sorgt. Eine Entwachsung/Entfettung mit Aceton ist ja auch nicht wirklich prickelnd. Mich nervt dieses Wachs schon an Griffbrettrohlingen.
Klingt einleuchtend. Danke!

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Re: Erlebohlen trocknen lassen oder warten?

Beitrag von Magfire » 04.10.2016, 00:05

Wobei ich kürzlich bei einem vermeintlich trockenen Stück Eisbirke feststellen musste, dass diese sich (nach genannter Portionierung) in völlig unterschiedliche Richtungen geworfen hat.
Vermutlich wäre das im Stück nicht passiert...
Jetzt werden die Tops etwas dünner :(

Wobei ich Erle bisher nicht unbedingt als zappelwütig erlebt habe, auch da gibt es ja andere Kandidaten ;)

Viele Grüße,
Philip

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