Restaurierung einer Geigenleiche

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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thoto
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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#51

Beitrag von thoto » 22.11.2016, 12:45

Vielen Dank, Liz! Vor allem das mit den Jahresringen ist ein wertvoller Tip! (clap3)
(Ich liebe diesen Fred! :D )
Thoto

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liz
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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#52

Beitrag von liz » 22.11.2016, 12:52

bea hat geschrieben:Wenn ich es richtig sehe, hat der neu Balken seine volle Höhe wirklich nur unter dem Stegfuß, der alte aber über mehrere cm. Der alte erinnert mich übrigens an die Balken aus meinem Sorgenkind. Die sind ebenfalls durchgängig hoch und laufen früher aus als statisch gut ist.

Wenn das wirklich so ist, sollte es sich ganz erheblich auf den Klang der Geige auswirken.
Das kannst du doch von den Orthofotos garnicht sehen.. das alte Ding war so grob geschnitzt wie die Decke, formlos, eklig, er war einfach nur "da". Der neue Balken entspricht dem Bild eines "modernen" Bassbalkens, ja, die größte Höhe hat er nur unter dem Stegfuß.

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#53

Beitrag von liz » 22.11.2016, 13:23

liz hat geschrieben: das alte Ding war so grob geschnitzt wie die Decke, formlos, eklig, er war einfach nur "da".
Was ich damit sagen wollte - der alte Balken unterlag keinerlei Formgebungswillen. Da saß kein Geigenbauer und hat sich gedacht "jetzt lass ich den in der Mitte lange hoch das ist besser"... Ich würde da nicht versuchen, eine Interpretation über die Eigenschaften des Balkens zu machen. Der war nur so, weil er da sein musste, und weil er schnell gehen musste.

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#54

Beitrag von bea » 22.11.2016, 13:34

liz hat geschrieben: Das kannst du doch von den Orthofotos garnicht sehen..
Sehen nicht - deshalb frage ich ja - aber erahnen schon: weil sich der alte Balken in der Höhe verjüngt, sind die Anschnitte dreieckig, und wo die aufhören, kann man aus dem Bild so ungefähr erkennen.

Mir geht es übrigens darum, zu verstehen, was ich mit den Balken in meinem Sorgenkind mache. Die alten sind ja ebenfalls nicht besonders "liebevoll" geformt, sondern einfach nur "da".
LG

Beate

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#55

Beitrag von liz » 22.11.2016, 13:36

bea hat geschrieben: Mir geht es übrigens darum, zu verstehen, was ich mit den Balken in meinem Sorgenkind mache. Die alten sind ja ebenfalls nicht besonders "liebevoll" geformt, sondern einfach nur "da".
Achso! Bei meinen Archtops werde ich die im Stile der Geigenbalken machen.

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#56

Beitrag von dreizehnbass » 22.11.2016, 21:24

Du hast da eh eine schöne Leiche :D

Der Musiker stolperte beim Betreten der Bühne. Ein Klassiker
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http://www.13instruments.com/ Saiteninstrumente in Handarbeit

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#57

Beitrag von liz » 22.11.2016, 22:00

Da hast dir aber wahrscheinlich das Öffnen gespart oder? :D

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#58

Beitrag von bea » 22.11.2016, 22:02

Volltreffer.

Ich stelle mir das gerade bei einer richtig wertvollen alten Geige vor....
LG

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#59

Beitrag von liz » 22.11.2016, 22:05

bea hat geschrieben:Volltreffer.

Ich stelle mir das gerade bei einer richtig wertvollen alten Geige vor....
Gut versichert..

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#60

Beitrag von DoppelM » 23.11.2016, 00:53

liz hat geschrieben:Gut versichert..
Erinnert mich an einen jonglierbegabten Bratscher aus meinem Bekanntenkreis. Nachdem er erst mit meinen Küchenmessern jonglierte, balancierte er seine gerade verliehene Stipendiumsbratsche (Versicherungswert irgendwas um die 150k) mit dem Endknopf auf der Handfläche. Danach hat er sie erstmal vorsichtig weggelegt um mich zu reanimieren. Nach drei Monaten hat er sie übrigens zurückgegeben, sie kam klanglich mit seiner von einem alten Hobbybauer gebauten eigenen nicht mit :D .

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#61

Beitrag von liz » 23.11.2016, 07:32

Ich hab übrigens gerade eine klasse Seite entdeckt, wo Reparaturmethoden sehr anschaulich und schön beschrieben werden:
https://trianglestrings.com/techniques/

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#62

Beitrag von bea » 23.11.2016, 11:30

Das ist aber ziemlich krass, was er da treibt:
https://trianglestrings.com/conicalthroughpatch/
LG

Beate

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#63

Beitrag von filzkopf » 23.11.2016, 11:50

Wow grandioser Link! Danke! da bin ich nun ne Zeit beschäftigt das alles aufzusaugen!
mfG Simon

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#64

Beitrag von hatta » 23.11.2016, 11:51

Wieder ne Ablenkung mehr im Büro (whistle)
Den Nachmittag kann ich wohl mal vergessen, bzw. mich in dieser Seite verlieren 8)
Gruß
Harald

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#65

Beitrag von liz » 12.12.2016, 18:34

Hallo liebe Freunde von Geigenzombies :)
Ein bisschen gings voran. Das falsch platzierte Endknopfloch musste ich ausbuchsen. Da ein Buchser mit Hirnholzanteil in der Zarge sehr stark auffallen würde, klebte ich zwei Stücke Ahorn aufeinander - einmal den Buchser mit der Faser längs, und ein "Deckstück", das die Faser quer hat. Das ganze wurde dann rund gedrechselt und im Wirbelspitzer auf den passenden Konus geschnitten. Ein Loch, eine Reibahle und etwas Knochenleim später konnte ich das Teil ablängen und bündig putzen.
Danach wurde die Geige zugeleimt. Dabei muss man darauf achten, dass die Griffprojektion stimmt, sonst bekommt man einen zu hohen oder zu niedrigen Steg.

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#66

Beitrag von filzkopf » 12.12.2016, 19:30

Wirklich sehr tolle Arbeit Gerhard, hätt ich nen Hut, würde ich ihn ziehen!! (clap3)

Was ist den das für ein interessantes Griffbrett? Irgendeine Idee? :)
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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#67

Beitrag von bea » 12.12.2016, 19:32

Darf ich raten?
Hat man bei den einfachen alten Geigen nicht gerne mal Birne schwarz gebeizt?
LG

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#68

Beitrag von liz » 12.12.2016, 19:37

bea hat geschrieben:Darf ich raten?
Hat man bei den einfachen alten Geigen nicht gerne mal Birne schwarz gebeizt?
Klar darfst du raten bea! Deine Vermutung ist aber falsch. Das ist irgendein Ebenholz-Derivat, ich habe das letzte Woche abgerichtet.

edit: aber ja, du hast auch recht! vor allem bei Gitarren wurde das gemacht! Oft auch Buche!
lg

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Re: Restaurierung einer Geigenleiche

#69

Beitrag von bea » 13.12.2016, 01:04

Wobei Buche ja technisch dem Ahorn oftmals überlegen ist...
LG

Beate

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