Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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dreizehnbass
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Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von dreizehnbass » 04.02.2015, 19:50

Hallo
hab hier eine interessante Restaurierarbeit
und zwar eine Kontragitarre von Ludwig Reisinger 1926 mit 15 Saiten. In dieser Saitenanzahl
eine äußerst seltene Gitarre von ihm.

Was ist alles kaputt:

1. Partielle Stegablösung
2. Decke ist sehr stark eingefallen
3. Deckenquerriss entlang des Querbalkens!
4. Einige Deckenlängsrisse
5. Offene Stellen am Boden. Aber das ist gut zum Öffnen.
6. Pinlöcher im Steg viel zu groß
7. Wirbel an den Kopfplatten müssen neu gemacht werden (ausbuchsen usw...)
8. Teile der Randeinlagen fehlen und müssen ergänzt werden
9. Bodenquerbalken allesamt lose
10. Unterklotz ist lose
11. Die Gitarre wurde schon mal nicht fachgerecht repariert



Was ist noch gut:

Die Bünde müssen nicht gewechselt werden. Es sind noch alte Bünde mit rechteckigem Querschnitt verbaut
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dreizehnbass
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von dreizehnbass » 04.02.2015, 20:11

So als erstes wird die Kiste aufgeknackt. Der Boden kommt runter.
Im Inneren kommt dann neben den üblichen Wollmäusen auch eine alte Reparatur zum Vorschein.
Es befindet sich ein sehr dickes Ahornbrett an der Stelle des Stegfutters.

Der Steg lässt sich sehr leicht abnehmen und darunter kommt eine ausgerissene Decke zum Vorschein.
Einige rostige Schrauben mussten aus dem Steg aber vorher entfernt werden!
Anscheinend hat es den Steg schon mal runtergerissen. Die 15 Saiten machen auch mächtig dampf.
Da hilft auch nicht die Eisenstützstange im Korpus zu wenig.

Das ist noch alles nicht so schlimm. Der Deckenquerriss entlang des Querbalkens tut hier schon mehr weh
Die Stabilität ist hier nicht mehr gegeben und kann auch nicht ohne weiters einfach geleimt werden.
Daher wird eine größere Duplierung aus Fichte eingebaut. Die alte Decke wird innen etwas abgetragen und ein neues Stück Fichte wird eingefügt.
Darüber kommt ein neuer Querbalken mit etwas Vorspannung eingeleimt. Die Balken sind in den Reifchen schlecht eingesezt und manche sind auch ausgebrochen. Damit sich die Balken nicht wieder lösen habe ich 4 Konsolen auf die Balken und Zargen gesetzt. Damit ist Ruhe im Gebälk ;)

Als Stegfutter wird wieder ein dünnes Ahornbrettchen aufgeleimt.
Die Decke hat jetzt wieder eine leichte Wölbung nach aussen.

Der Steg wurde ausgebuchst und neu geschwärzt.
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von maxinferno » 04.02.2015, 21:53

Hallo dreizehnbass,
endlich mal was zu Kontragitarren (clap3)
Auf den Fotos kann ich das schlecht erkennen, aber ist der Boden laminiert? Ich bin gerade am Bau einer 10 saitigen Scherzer. Bei der ist laut Plan der Boden laminiert.

Gruß,
Max

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von Poldi » 05.02.2015, 05:32

Ich kann zwar hierzu nichts beitragen aber es macht wieder Spaß hier zu lesen und zu lernen.

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von Titan-Jan » 05.02.2015, 08:38

Unfassbar... Freu mich schon auf weitere Updates!!

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von Haddock » 05.02.2015, 09:07

Guten Morgen,
Poldi hat geschrieben:Ich kann zwar hierzu nichts beitragen aber es macht wieder Spaß hier zu lesen und zu lernen.
Dito, danke das Du das hier mit uns teilst.

Gruss
Urs

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von EastSide » 05.02.2015, 10:54

Haddock hat geschrieben:Guten Morgen,
Poldi hat geschrieben:Ich kann zwar hierzu nichts beitragen aber es macht wieder Spaß hier zu lesen und zu lernen.
Dito, danke das Du das hier mit uns teilst.

Gruss
Urs
Da kann ich mich nur anschliessen, Danke und gutes Gelingen!

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von dreizehnbass » 06.02.2015, 20:03

maxinferno hat geschrieben:Hallo dreizehnbass,
endlich mal was zu Kontragitarren (clap3)
Auf den Fotos kann ich das schlecht erkennen, aber ist der Boden laminiert? Ich bin gerade am Bau einer 10 saitigen Scherzer. Bei der ist laut Plan der Boden laminiert.

Gruß,
Max
Hallo Max,
bei der Reisinger ist der Boden massiver Ahorn im Tangentialschnitt. Er ist zwischen 6 und 6,5mm dick. Sehr dick also.

Gruß
D
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von dreizehnbass » 06.02.2015, 20:16

Der Korpus wurde wieder zugeleimt. Nicht auf einmal sondern viertel für viertel.
Ist nicht einfach einen vom Schwund befallenen kleineren Boden auf den Korpus zu bringen ohne, dass er irgenwo übersteht
bzw. Zargen überstehen.

Die Wirbellöcher wurden mit Buchsbaum ausgebuchst. Habe hier massive Buchser verwendet, weil die Bohrungen nicht schön in einer Linie gebohrt wurden. So kann man es ausgleichen.

Die Wirbel stecken auch nicht im rechten Winkel in der Kopfplatte sondern sind leicht nach vorne geneigt wohl um ein Abrutschen der Saiten zu verhindern.

Als Wirbel werden Bratschenwirbel verwendet. Die bekommen später an der Spitze noch jeweils ein Perlmuttauge.

Jetzt ist erst mal Feierabend,
13 lg
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von filzkopf » 06.02.2015, 21:49

ganz großes Kino!!! Ich schaue zu und staune!!! (clap3)
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von jhg » 06.02.2015, 23:29

Sieht super aus! Ist die Decke durch das neue Futter wieder einigermaßen gerade geworden? Hast du die ausgedünnt und dann ein Stück neue Fichte von unten drunter geleimt? Wie dick war denn das?

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von dreizehnbass » 07.02.2015, 19:11

jhg hat geschrieben:Sieht super aus! Ist die Decke durch das neue Futter wieder einigermaßen gerade geworden? Hast du die ausgedünnt und dann ein Stück neue Fichte von unten drunter geleimt? Wie dick war denn das?

Ja die Decke ist jetzt wieder gerade. Die Decke war in dem Bereich 3mm +/- dick.
Habe sie von innen auf 1,5mm ausgedünnt und ein 1,5mm starkes Fichtenstück eingeleimt. Am Rand ist das Fichtensück nahezu bei 0mm. Vorher habe ich alle Risse in der Decke gereinigt und mit Knochenleim geleimt. Bie diesem Leimvorgang habe ich sie aber schon mit MDF Platten gerade gepresst. Diese Leimaktion hat die Decke schon fast gerade gemacht.
Der Deckenquerriss jedoch würde so alleine nicht halten. Daher das Futter.
Dadurch wird die Gitarre wieder funktionsfähig und wird mit dem neuen Balken und den Konsolen auch halten. Hoffe ich jedenfalls ;)

Die kaputte Stelle am Steg habe ich rechteckig ausgestochen und auch hier ein Stück Fichte eingesetzt bzw. aufs Futter geleimt.
Die Leimfläche des Steges dann eben gemacht damit der Steg gut hält.
Das Stegahornfutter innen überlappt dann auch noch diese ausgesetzte Stelle unterm Steg.

Klanglich dürfte es also hier keine gröberen Einbußen geben.
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von dreizehnbass » 10.02.2015, 21:41

Hallo,
die Gitarre funktioniert wieder. Die Decke hält und bleibt gerade.
Diese Schraube am Halsfuß ist sehr praktisch zum Verstellen des Halswinkels.
Das würde man sich bei anderen Gitarren auch mal wünschen.

Sie klingt, wobei es natürlich interessant wäre wie sie vor dem Schaden geklungen hat.

lg
D
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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von Poldi » 11.02.2015, 05:41

Hast Du super hinbekommen.

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von pinacoco » 11.02.2015, 10:37

Tolles aging :lol: :lol: :lol: :evil:
Gruß
Uli

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Re: Reisinger Kontragitarre 15 saitig

Beitrag von kontra » 15.09.2016, 21:47

Hallo miteinander,

Ich habe diese Gitarre letzten Winter in meine Werkstatt bekommen. Jetzt hat sie eine neue Decke und einen passenden Reisinger Steg. Der Querbruch vor dem Steg ist leider aufgegangen und das Deckenfutter war auch schon an einer Stelle offen.

Viele Grüße

Kontraspezialist

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