Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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MrOtwin
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Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#1

Beitrag von MrOtwin » 19.10.2014, 00:32

Guten Abend!

Ich restauriere des öfteren alte Gitarren mit gespaltenen Hölzern.
Denn wenn z.B. in der Decke ein Riss ist, bekommt man auch fast 100 Jahre alte Gitarren für ein paar euro auf ebay und co.
Das schont den Geldbeutel und ich habe einen schönen Ausgleich neben dem Studium. ;)

Das Problemkind:
Aufgetreten ist dies bei einem kleinen Wiener Modell von 1912.
Die Gitarre hat altersbedingt viele Trocknungsrisse und ich wollte nach deren Reperatur die Decke abschleifen und neu mit Schellack polieren. Dazu habe ich den Steg entfernt.
Das mache ich mit einem Haarfön und der Klinge eines Cutters, die ich langsam unter dem Steg durchziehe.
Damit hatte ich bis dahin noch keine Probleme; Der benutzte Knochen/Hautleim wird ja schon ab 50 Grad relativ leicht schneidbar.

Nach dem Entfernen des Steges lag die Gitarre ein paar Wochen in der Werkstatt.
Nun hatten sich 3 große Risse durch die Decke gebildet, wo zuvor der Steg aufgeleimt war.
Die Decke war also dermaßen ausgetrocknet, dass ohne den Steg zu große Spannungen die Decke regelrecht "zerrissen" haben.

Die Frage:
Kann man ausgetrocknete Decken irgendwie behandeln?
Ich hatte mir gedacht, beispielsweise den Lack abzuschleifen und die Decke beidseitig zu ölen (Griffbrettöl?) und nach ein paar leichten Behandlungen und ein paar Wochen Trockenzeit diese dann neu mit Schellack zu polieren.
Das natürliche Öl im Holz ist ja wohl komplett verhartzt.

Hat da jemand Erfahrungen damit?

Gruß

Markus

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Herr Dalbergia
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Re: Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#2

Beitrag von Herr Dalbergia » 19.10.2014, 12:02

Hallo, hier wird mir gerade etwas schwindelig.....und nein, das ist eine schlechte Idee, und deine werkstat scheint etwas sehr trocken zu sein, wenn selbst 100 jahre alte dekcen reissen... :oops:

MrOtwin
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Re: Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#3

Beitrag von MrOtwin » 19.10.2014, 17:19

An der Luftfeuchtigkeit in der Werkstatt liegt es nicht. ;)

Um mich zu verdeutlichen:
Ich rede hier von keinem alten "Kleinod".
Es handelt sich um einen schlecht erhaltenen Dachbodenfund mit welligen Zargen,
ausgebrochenem Halsfuß (jemand hat vor vielen Jahren mal Stahlsaiten draufgemacht...),
mehrfach gespaltener Decke und teils abgeplatztem Boden.
Der Schellack hat hässliche Wasserflecken und der Leim im Korpus schimmelte offensichtlich vor vielen Jahren.

Die Decke selbst ist nur mit 2 Querstreben am Schalloch stabilisiert, ansonsten keine Verstrebungen.
Die Decke ist auch nur 1,4mm dick.

Warum ich mich darum noch bemühe?
Ich will mich an komplizierteren Leimungen üben und mich interresiert auch immer wie sie denn noch klingen.

Hier ein paar Bilder meines letzten Restarations-"Opfers", Fabrikat Otwin (DRGM):
http://www.abload.de/gallery.php?key=syTraOE8
Boden und Decke war bei dieser bei einem Fall an mehreren Stellen abgeplatzt und am Boden war 2 Teile herausgerochen.
Zudem hatte sie einen Riss in der Decke und 2 Risse im Hals. Schellack wurde auch aufgearbeitet.
Gewicht mit Mechaniken und Saiten ist 900g, Preis war 26€.

Gruß
Markus

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Re: Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#4

Beitrag von bea » 19.10.2014, 17:34

Dann kann das ja auch eine Spätfolge der Aktion mit den Stahlsaiten sein. In meinem jugendlichen Ungestüm hatte ich das auch mal gemacht; ein paar Jahre später, als schon längst wieder Nylonsaiten drauf waren, durfte ich den Steg neu aufleimen.

Grundsätzlich sollte man Risse in der Decke hinterfüttern können. Und wenns unter dem Steg ist und die Deck so sehr dünn, könnte eine Verstärkung an dieser Stelle vielleicht sogar dem Klang guttun.
LG

Beate

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Re: Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#5

Beitrag von MrOtwin » 19.10.2014, 18:18

Ja, ich spiete auch bereits mit dem Gedanken zusätzlich einen Fächer mit 2-3 dünnen Streben unter den Steg zu kleben.
Ganz ohne Bracing kann ich mir kaum vorstellen, dass die Gitarre gut klingt.

Die Spalte an der Stelle des Steges sind auch kein ernstes Problem. Mit dem Steg aufgeleimt sind diese ja schon größtenteils "Überfüttert". ;)

Gewundert hat mich aber die Art der Risse an dieser Stelle:
Es haben sich in so kurzer Zeit richtige Spalten aufgetan; Im Licht kann man durchschauen!
Hätte ich die Gitarre auf einen Heitzkörper gelegt, hätte mich so etwas vllt. nicht gewundert...
Ich konnte mir das nur durch das extrem trockene Holz und die fehlende Stabilisierung durch den Steg erklären.

Vllt. war die Decke ja noch nicht richtig trocken, als der Steg vor 100 Jahren aufgeleimt wurde...

Gruß
Markus

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Re: Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#6

Beitrag von dreizehnbass » 20.10.2014, 09:51

Hallo, also viele der alten Gitarren haben diese Deckenrisse. Speziell auch im Bereich des Steges.
Das Holz schwindet mit der Zeit, es entstehen Spannungen die sich dann in Form von Rissen entladen.

Das geniale bei Holz ist ja, dass man alles wieder reparieren kann. Die alten Risse musst du reinigen, so dass kein
Dreck dazwischen ist (warmes Wassser..) Wenn der Riss nicht zu breit ist kann er alleine durch das Quellen des Holzes wieder zu gehen.
Wenn du dann Knochenleim dazwischen gibst, schließt sich der trockene Riss.
Bei breiten Rissen musst du diese mit Holz ausfüllen. Feine Fichtenstreifen werden in den Riss eingeleimt. Danach sollten alle Risse auf der Innenseite mit Rissbelegen gesichert werden. Je nachdem muss man hier den Boden runternehmen.
Aufpassen beim Föhnen! Das belastet das Holz ungemein wenn es zu heiß wird!
Und bitte nicht Ölen.

lg
d
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Re: Ausgetrocknete Fichtendecke behandeln?

#7

Beitrag von MrOtwin » 20.10.2014, 16:39

Danke für die Antwort!
Das mit dem Quellen hatte ich noch nicht bedacht, auch wenn ich Leimstellen natürlich vorher anfeuchte.

Blöde Frage: Wie bekommt Ihr den Knochenleim in dünne Deckenrisse?
Wenn der Riss an einer Stelle ist, die man etwas aufbiegen kann, oder bei einem richtigen Spalt funktioniert das natürlich.

Bei gespaltenen Decken habe ich bisher den Riss mit flüssigem Epoxy getränkt und dann von unten ein feines Stück Fichte gegengeleimt. Poblematisch ist da nur das Enfernen des verbleibenden Epoxys (härter als Lack).

Gruß
Markus

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