Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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thoro
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Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#1

Beitrag von thoro » 16.09.2014, 17:07

 
Hallo,

ich habe vor ein paar Monaten eine alte Ibanez 2350 aus den Siebzigern etwas aufgemöbelt, die ich vor gut 25 Jahren gekauft habe. Ich habe die Aktion dokumentiert und ins Ibanez Collectors Forum gestellt. Zu dem Zeitpunkt kannte ich GitarreBassBau.de noch nicht – ich kann mir aber vorstellen, dass es für den ein oder anderen hier auch ganz interessant ist. Da ich eigentlich nur Hobby-Handwerker bin, werden den Profis hier bestimmt an vielen Stellen die Haare zu Berge stehen, aber ich sammle ja erst meine Erfahrungen.

Der Vorbesitzer hatte die Gitarre seinerzeit in Weinrot Metallic(!) lackiert und dabei das schöne Binding überdeckt und an der Kopfplatte einfach rundgeschliffen. Ende der Neunziger habe ich sie dann komplett abgeschmirgelt und mit Autolack mattschwarz übersprüht. Bei der ruinierten Kopfplatte wusste ich mir nicht zu helfen, habe einfach die Inlays großflächig abgeklebt und die Kopfplatte inklusive Binding mattschwarz lackiert. Ich habe damals die Gitarre neu verkabelt, aber durch die flachen Bünde, die auch noch sehr heruntergespielt waren, ist sie für mich immer unspielbar gewesen und somit irgendwann in den Keller gewandert, wo sie bis April stand.

Ich hatte sie in mein Gitarrenzimmer gestellt, damit sie nicht vergammelt, und der Sänger meiner Band sah sie bei einem Besuch. Er war ganz angetan von ihr ("endlich mal eine Rock-Gitarre") und so kam ich auf die Idee, sie wieder flottzumachen.

Ich habe erstmal das Binding an der Kopfplatte freigekratzt, um zu schauen, was eigentlich noch zu gebrauchen war.

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Über Mehrfach-Bindings habe ich im Internet nicht gerade viel gefunden. Es sieht aber für mich so aus, als wären sie immer aus zwei Teilen zusammengesetzt. Jedenfalls habe ich in einem Shop Binding-Material in Milchweiß gefunden, mit dem ich mir vorstellen konnte, das wiederherzustellen. Dünnes in weiß/schwarz/weiß/schwarz und das dickere weiße. Ich habe die Reste entfernt und die Kopfplatte wieder in Form geschliffen.

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Dann habe ich meine vorher zurechtgebogenen Stücke angeklebt. Das war eine ziemliche Fummelei, weil sich bei so kleinen Stücken die Schichten von dem dünnen Mehrfachbinding immer lösten. Ich wollte so wenig wie möglich von dem erhaltenen Binding entfernen, deshalb habe ich die eine Kante nicht im 45°-Winkel erstellt. Die Mitte ist etwas krumpelig geworden, das konnte ich aber beim Schleifen noch ganz gut glätten. Bei der Gelegenheit musste ich dann allerdings feststellen, dass das Inlay-Material des Ibanez-Logos viel dünner ist, als ich erwartet hatte...

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Der Mattlack auf dem Hals fühlte sich auch nach all den Jahren noch seltsam klebrig an, wenn man ihn in die Hand nahm. Ich bin durch meine Peavey und EVH Wolfgangs ein Fan von unlackierten Hälsen. Aus diesem Grund kam ich auf die Idee, ihn komplett abzuschleifen und zu ölen.

Danach habe ich die "Fast-schon-fretless-Bünde" gezogen. Ich hatte bisher noch nie etwas in dieser Richtung gemacht, deshalb war es eine echte Herausforderung. Die Bünde ließen sich mit einer modifizierten Kneifzange und einem Lötkolben sehr schön ziehen. Ich bestellte den passenden Bunddraht und kümmerte mich um das Griffbrett (kleine Ausreißer ankleben, schleifen, glätten) und den Hals.

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Aus dem Bunddraht habe ich mir Stücke geschnitten und mit einem Dremel-Ersatz den Fuß jeweils auf beiden Seiten gekürzt, weil das Griffbrett ja ein Binding hat, das ich behalten wollte. Ich habe mir eine abgerundete Ablage für den Hals gesägt und die Bundstäbchen beherzt mit dem Gummihammer eingeschlagen. Ich hatte Glück, dass der Ahornhals so tierisch hart ist. Er hat nicht einen Kratzer davongetragen.

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Ich hatte mir noch eine Bundfeile und eine kleine Feile für das Verrunden der Bundstäbchen-Enden bestellt. Die Bünde habe ich dann auf eine Höhe gebracht und gesehen, dass es eine ziemliche Arbeit ist, die runden Kronen der dadurch teilweise leicht abgeflachten Stäbchen mit Schleifpapier wiederherzustellen. Also habe ich mir noch eine Spezial-Feile dafür bestellt, damit ging es sehr komfortabel. Danach noch fein geschliffen und poliert.

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Der Sattel musste natürlich auch erneuert werden, ich habe einen vorgefertigten aus Knochen angepasst und eingeklebt. Auf den Fotos ist der Übergang vom geölten Hals zur Rückseite der Kopfplatte zu sehen.

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Dann habe ich die Gitarre montiert und mit zur Probe genommen. Es stellte sich heraus, dass sie sich mit den neuen Bundstäbchen wirklich gut spielen lässt, die alten Pickups aber viel zu mikrofonisch für unsere Lautstärke sind. Da es eh keine Original-Pickups mehr waren, habe ich mich dazu entschieden, Tonerider Rocksong Alnico 2-Pickups einzubauen, die wollte ich eh ausprobieren.

Außerdem habe ich noch etwas Graphitlack bestellt und ein Push/Pull Poti, um die Pickups splitten zu können.

Mit den Tonerider Rocksong-Pickups bin ich sehr zufrieden, sie eignen sich meiner Ansicht nach gut für Hardrock. Der Bridge-Pickup ist heißer als ein klassischer PAF, aber nicht zu sehr. Der Hals-Pickup hat einen angenehmen, bluesigen Charakter. Der helle Kunststoff ist schön lichtdurchlässig und warmweiß. Ich habe zwei DiMarzio Zebra-Humbucker, bei denen die cremefarbene Abdeckung aussieht wie lackiert, beige und leblos.

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Das Schlagbrett fehlte, als ich sie damals gekauft habe. Ich habe ein neues bestellt und leicht angepasst. Damit der weiße Kunststoff im Vergleich zu den Bindings nicht zu strahlend weiß leuchtet, habe ich ein wenig experimentiert. Gelöst habe ich es am Ende mit Wachsmalstiften (gelb, grün, rot), mit denen ich den Rand leicht gefärbt habe, das sah recht wild aus. Danach habe ich den Rand auf den gewünschten Ton "zurückpoliert".

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Im Internet habe ich dann noch einen passenden, alten Koffer zu einem vernünftigen Preis gefunden. Der war allerdings ziemlich heruntergekommen und stank nach Keller. Ich habe ihn erstmal sauber gemacht, das Holz neu verleimt und anschließend den Bezug mit Sekundenkleber befestigt.

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Den Geruch bin ich mit Alkohol und einem kleinen Ozon-Generator losgeworden. Habe ihn einfach während des Urlaubs in dem Koffer laufen lassen...

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Vor ein paar Wochen sind dann sogar noch die Knöpfe für die Schaller-Mechaniken angekommen, die ich bereits vor Monaten bestellt hatte. Mit der wesentlich leichteren Kopfplatte scheint die Gitarre noch resonanter zu sein – das gefällt mir gut und ich mag auch den Elfenbein-Look, der kommt in Realität noch viel besser als auf meinen Fotos.

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Ich spiele die Gitarre mittlerweile so gern, dass ich mir einen Bausatz geholt habe, um mal ein wenig tiefer in die Materie einzusteigen und mir eine Les Paul Kopie im Sunburst-Look zu bauen. Wenn mir das Spaß macht, werde ich mir noch eine Oberfräse zulegen und dann mal versuchen, eine komplette Gitarre zu bauen... erstmal aber der Bausatz.

 

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#2

Beitrag von Haddock » 16.09.2014, 17:39

Hallo,

gut hast Du die wieder hingekriegt. (clap3)

Gruss
Urs

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#3

Beitrag von Trollo » 16.09.2014, 18:53

Klasse Arbeit! Meinen Glückwunsch! (clap3)
Γρήγορα ψήνει το ψωμί, αλλά ψήνει άσχημα.
.
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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#4

Beitrag von Poldi » 16.09.2014, 19:56

Jau, ist ein echt schönes Teil geworden.

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#5

Beitrag von filzkopf » 17.09.2014, 11:03

Tolle Arbeit!!!! :D
mfG Simon

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#6

Beitrag von capricky » 17.09.2014, 13:33

Juut jemacht!

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#7

Beitrag von thoro » 18.09.2014, 23:09

Ganz herzlichen Dank. Es freut mich sehr, dass sie euch gefällt.

Viele Grüße

Thorsten

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#8

Beitrag von sunrisebrasil » 18.09.2014, 23:33

Schöne Arbeit!

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#9

Beitrag von bea » 18.09.2014, 23:41

Schön ist sie geworden. Mal davon abgesehen, dass ich mattschwarz nicht so ganz stilecht finde - aber Hauptsache ordentlich, gut spielbar und gut klingend.

Kleiner Tip am Rande: das Bindig lässt sich mit blonder Shellack-Politur hervorragend agen.
LG

Beate

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#10

Beitrag von thoro » 19.09.2014, 00:15

Danke, sunrisebrasil!

Beate, das stimmt natürlich :D.

Der einzige Nachteil ist, dass sie unglaublich schwer ist... habe mit Anfang Vierzig schon spürbare Bandscheibenprobleme und spiele sie nur deshalb mit Band (also im Stehen), weil sie mir so gefällt. Vielleicht wird ja die Les Paul, die ich gerade aus dem Bausatz fertige, leichter. Der Holz-Rohling macht jedenfalls den Eindruck.

Danke für den Tipp mit der Schellack-Politur. Das werde ich ausprobieren... was man hier in so kurzer Zeit lernt ist schon beachtlich.

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#11

Beitrag von Titan-Jan » 19.09.2014, 09:24

Sehr schön geworden!!!

Zum Thema "Alten Koffer entmiefen" könntest du fast ein Tutorial machen, finde ich. Das würde mich noch näher interessieren... ;)
Schade, dass man (noch) keine Geruchsproben im Internet hochladen kann :lol:

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#12

Beitrag von Lupo » 19.09.2014, 17:57

Sehr, sehr schönes Teil, und sauber aufbereitet!

LUPO

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Re: Ibanez Les Paul-Kopie wiederbelebt

#13

Beitrag von thoro » 26.09.2014, 20:46

Herzlichen Dank.

@Titan-Jan:
Ja, keine schlechte Idee. Ich habe im Internet so viele unterschiedliche Ansätze gefunden und habe auch ein wenig herumprobiert. Irgendwann war mir dann klar, dass man dem muffigen, wahrscheinlich schimmeligen Geruch nur mit härteren Mitteln begegenen kann. Dagegen helfen keine Apfel-Stückchen oder ein wenig Kaffeepulver. Ich habe beides probiert und war geduldig.

Habe dann in der Drogerie ein alkoholisches Desinfektionsspray gekauft und den Koffer reichlich damit behandelt. Man muss ein bisschen aufpassen, weil der Alkohol die Verklebung des Futters anlöst. An zwei Stellen musste ich das wieder neu verkleben, ansonsten ist aber alles dringeblieben.

Mein Fehler war, dass ich ein parfürmiertes Mittel gekauft habe. Ich hätte wirklich reinen hochprozentigen Alkohol in der Apotheke dafür kaufen sollen. Nach der Aktion hatte ich dann nämlich den Geruch des Duftzusatzes in dem Koffer und außerdem den Eindruck, dass er immer noch ein wenig muffig roch.

Da habe ich überlegt, ob ich ihn zu einem professionellen Dienstleister bringe, der ihn komplett mit Ozon behandelt. Das soll wohl alle Pilzsporen und Bakterien vernichten. Habe dann aber ein kleines Gerät gefunden, das man sich in den Kleiderschrank hängen kann ("newgen medicals Mini-Lufterfrischer mit Ionisator"). Es setzt batteriebetrieben Ozon frei und ist so klein dimensioniert, dass es auch nur in winzigen Räumen funktioniert. Da das Teil weniger kostet als ich an Sprit verfahren würde, um einmal zu dem Dienstleister zu kommen, habe ich es damit probiert. Frische Akkkus rein, eingeschaltet und für zwei Wochen in Urlaub gefahren. Als ich dann wieder zurück war, habe ich das nochmal gemacht und inzwischen riecht der Koffer nicht mal mehr so schlimm wie unser Proberaum :D.

Ich würde es beim nächsten Mief-Koffer erstmal mit dem kleinen Gerät und dann mit nicht parfümierten Alkohol aus einem Zerstäuber probieren.

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