Halsbruch Ibanez II

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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Ganorin
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Halsbruch Ibanez II

#1

Beitrag von Ganorin » 24.05.2014, 21:01

Nach Hansg hier auch ein Bericht ueber einen Halsbruch ...allerdings ist der bei diesem Projekt weiter oben....momentan komme ich vor lauter reparieren gar nicht mehr zum Bauen....

Aber dokumentiern wollte ich es, weil ich die Tehnik zum ersten Mal verwendet habe...abgeschaut hier...kann gerne diskutiert werden...
http://www.mylespaul.com/forums/luthier ... ost5812641

Der Hals wird nur durch das Griffbrett zusammengehalten, denoch ist die Luecke extrem eng...deswegen die Entscheidung zum Sekundenkleber....

Also los gehts...
Bruchstelle moeglichst duenn mit Tesa abgeklebt.
Zweiter Wall aus Krepp
Tuecher zum Saugen etwaiger Sekundenkleberlaeufer (Schwester, Tupfer.... :lol: )
Stelle so weit wie moeglich aufgespannt, viiiel Sekundenkleber rein und dann wieder zu gepresst
Anschliessend die Loecher mit Sekundenkleber augefuellt.

Nach dem Entfernen der Abklebungen mit Ziehklinge und Schleifpapier grob plananrisieren. Erstmal ein Schluck Nitro drueber, der originale Lack ist schon sehr duenn.
Als naechstes wird dann wieder verschliffen und lackiert....die Stelle sollte gut verschwinden...
Gruesse
Alex

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Herr Dalbergia
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Re: Halsbruch Ibanez II

#2

Beitrag von Herr Dalbergia » 24.05.2014, 22:15

Hallo Alex,

hätte ich genauso gemacht mit dem Sekundenkleber. Als ich bei einem großen Musikgeschäft in der Werkstatt gearbeitet habe, haben wir sehr viele Hals / Kopfplattenfrakturen mit Sekundenkleber repariert. Har nie auch nur ein Problem gegeben.

Bevor jetzt hier jemand schockiert ist...wenn die Paulkopie 129 Euro im Geschäft kostet, auf dem Versandweg einen Hals / Kopfplatten Bruch abbekommt....da kann man nicht lange mit Holzleim und Nachlakieren usw...das Ding muss nach 20 Minuten wieder von der Werkbank sein....

Cheers, Alex

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Re: Halsbruch Ibanez II

#3

Beitrag von hansg » 24.05.2014, 22:43

Sauber gelöst. (clap3)
Die Technik mit dem Sekundenkleber kannte ich noch gar nicht.
"again what learned" :D

Gruss
Hans

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Re: Halsbruch Ibanez II

#4

Beitrag von bigherb » 24.05.2014, 23:32

Möchte jetzt mal ganz blöd nachfragen. Ist das eine Schäftnaht, die aufgeplatzt ist ?

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Re: Halsbruch Ibanez II

#5

Beitrag von Herr Dalbergia » 25.05.2014, 00:46

Ja, wird so sein, zumindest gut möglich, und auch genau deshalb ist hier dünnflüssiger Sekundenkleber die beste Wahl....

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Re: Halsbruch Ibanez II

#6

Beitrag von bea » 25.05.2014, 00:52

Diese Frage hatte ich mir auch schon gestellt.

Mir wäre der Sekundenkleber zu unsicher; ich komme mit dem Zeug einfach nicht zurecht. Daher hätte ich vermutlich dünnflüssigen Knochenleim verwendet.

Wenn da aber wirklich die Schäftnaht ist, muss man die Flächen doch unbedingt sauber machen, damit das hält?
LG

Beate

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Re: Halsbruch Ibanez II

#7

Beitrag von Herr Dalbergia » 25.05.2014, 02:08

Nein, wenn keine Faser verschoben sind und kein Dreck drinnen ist kann man das mit Sekundenkleber wieder richten. Haut- Knochen-Fischleim usw. würde alles nicht gut funktioneren, da diese Leime eine saubere Holzoberflache benötigen, der Sekundenkleber aber nicht. Funktionieren würde auch noch Epoxiedharz, Z.B. Laminierharz. Das bekommt man aber schwieriger in den Riss rein, und ist eine noch größere Sauerei als der Sekundenkleber.

Aber nochmal betonen möchte ich, sowas mache ich nur bei Instrumenten der "unteresten" Preisklassen wo eine Rep. demenstprechend auch nix kosten darf / soll / kann.

Cheers, Alex

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Re: Halsbruch Ibanez II

#8

Beitrag von Ganorin » 25.05.2014, 07:30

Hallo Alex
Was waere denn Deine Alternative bei der 4000 Euro Klampfe? Da muesste ja definitiv das Griffbrett runter oder?Wie waere da ein gutes Vorgehen? (Oder noch Stifte rein?)
Gruesse
Alex (Und ja, ich denke auch dass es eine Schaeftnaht ist, so sauber war der Riss....)

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Re: Halsbruch Ibanez II

#9

Beitrag von capricky » 25.05.2014, 09:05

Ganorin hat geschrieben:Hallo Alex
Was waere denn Deine Alternative bei der 4000 Euro Klampfe? Da muesste ja definitiv das Griffbrett runter oder?Wie waere da ein gutes Vorgehen? (Oder noch Stifte rein?)
Gruesse
Alex (Und ja, ich denke auch dass es eine Schaeftnaht ist, so sauber war der Riss....)
Die Alternative wäre Epoxidharz, hat Alex ja schon gesagt. Dafür würde ich wieder ein, zwei Saiten aufziehen und spannen, damit der Riss sich weitet. Dann mit einer dünnen Klinge das Harz im Spalt verteilen, Saiten entspannen, zwingen und ein bis zwei Tage aushärten lassen. Das ist der Unterschied zur "Billigreparatur"! 8)

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Re: Halsbruch Ibanez II

#10

Beitrag von Ganorin » 25.05.2014, 10:00

Hi Capricky
Danke!
Aber ich habe es schon so gemacht wie Du beschrieben hast und dennoch war der Spalt hoechstens 0.5mm, da tief was reinzubekommen halte ich fuer ambitioniert...der Sekundenkleber laeuft ja ueberall rein...waere es in so einem Fall nicht nur die billigere als auch die bessere? (kommt man wirklich tiefer als 2-3mm unter die Oberflaeche?)
Gruesse
Alex

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Re: Halsbruch Ibanez II

#11

Beitrag von capricky » 25.05.2014, 10:21

Ganorin hat geschrieben: Aber ich habe es schon so gemacht wie Du beschrieben hast und dennoch war der Spalt hoechstens 0.5mm, da tief was reinzubekommen halte ich fuer ambitioniert...der Sekundenkleber laeuft ja ueberall rein...waere es in so einem Fall nicht nur die billigere als auch die bessere...
Bei so einer großen Klebefläche ist der Sekundenkleber je nach Holz- und Luftfeuchtigkeit schon teilweise angehärtet, bevor er wirklich an an jeder Stelle ist, oder Du musst den Riss mit Sekundenkleber "fluten", was meistens eine große Sauerei ist und Du Gefahr läufst, an der Gitarre festzukleben. :badgrin:
Mit dünnen Fühlblattlehren, die gibt es preiswert im KFZ Bedarf kannst Du Epoxidharz an (fast) alle Stellen schieben und Du hast einfach mehr Zeit und Ruhe. Eine 0,1 oder 0,15 mm dicke Lehre ist stabiler, als man denkt.
Bei unregelmäßig geformten Brüchen, also solche, wo sich nicht alte Leimflächen geöffnet haben, injiziere ich verdünnten titebond.
Kanülen und Spritzen sind wohl das preisgünstigste, was man in einer Apotheke kaufen kann. Ich glaube ich habe für 10 Nadeln und Spritzen keine 5 € bezahlt. :shock:

capricky

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Re: Halsbruch Ibanez II

#12

Beitrag von bigherb » 25.05.2014, 10:25

Vor einigen Jahren konnte ich eine olle Framus New Sound von 1962 vor der Mülltonne retten, deren Hals sehr ähnlich "Trennungswünsche" zeigte.
Damals bin ich recht unbedarft mittels verdünntem Ponal Classic an die Sache rangegangen. Dazu habe ich vorsichtig den Spalt minimal erweitert und fixiert, die wässrige Suppe rein und schnell zusammengepresst. Später kamen mir dann ebenfalls Bedenken, ob denn die Bruchstelle nicht vom Urleim befreit hätte müssen....zu spät.
Nun, das war so 2006 und die Framus zeigt keinerlei Schwächen bis heute. Mal abgesehen davon, das sie soundlich mit nichts vergleichbar ist (zumindest was ich so als Vergleich kenne)
Dateianhänge

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Re: Halsbruch Ibanez II

#13

Beitrag von Ganorin » 25.05.2014, 11:29

Hi Capricky
Danke! Again what learned...
im uebrgen habe ich ja so abgeklebt, damit ich fluten konnte :D ....
Danke Bigherb...der Thread entwickelt sich genauso wie ich erhofft hatte (clap3)

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Re: Halsbruch Ibanez II

#14

Beitrag von bigherb » 25.05.2014, 13:19

Ach, nochwas zum wässrigen Weißleim. Ich hatte den mal zur "Nachbehandlung" einer nicht optimal verleimten Plattenfügung "nachinjiziert".
Was mich dann etwas erstaunte war die Kapilare Wirkung. Das äußerte sich an den "Austrittstellen" des Leims. Änhlich muss es im Gebirge sein, wo das zu Tal fließende Wasser im Berg verschwindet und an den unmöglichsten Stellen wieder austritt..;-)
Also, wässriger Holzleim läuft erstaunlich tief in alle Spalten.

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Re: Halsbruch Ibanez II

#15

Beitrag von capricky » 25.05.2014, 14:19

bigherb hat geschrieben: Also, wässriger Holzleim läuft erstaunlich tief in alle Spalten.
Ja aber leider lässt er das Holz auch deutlich quellen, was man dann an den äusseren Lackbruchkanten sieht. Das braucht dann Geduld bis es trocken ist, aber meist bleibt es etwas "geschwollen", was dann wiederentsprechende Nacharbeit erfordert. Das muss man in Bezug auf den Wert des Instrumentes abwägen.

capricky

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