Sorgenkind

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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bea
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Sorgenkind

Beitrag von bea » 28.12.2011, 13:36

Hallo in die Runde,

die hier gezeigte Gitarre habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Sie ist mein absolutes Sorgenkind, aber ich besitze das Instrument schon lange, und trotz (oder wegen?) aller Probleme mag ich es. Diese Gitarre gab übrigens den Anstoß, eine große Archtop zu bauen.
Es handelt sich um eine dünne, aber ansonsten klassische einfache Archtop, bei der Decke und Boden aus Sperrholz in die Form gepresst worden sind. Soweit ich es rekonstruieren kann, war der Hersteller Franz Sandner aus Nauheim. Man sieht die Reste eines "Fasan"-Abziehbildes im Lack. Der Hals ist sehr schmal. Er besitzt ein stark gekrümmtes Griffbrett. In den frühen 70ern kursierten mal Gerückte, dass sowas gut sei - und tatsächlich, als Schlaggitarre im Tanzorchester ist die Gitarre klasse. Akustisch gespielt ist sie erstaunlich laut, und wegen der großen Öffnungen im Korpus ist der Ton auch ziemlich voll. Sustain ist bei dem Instrument natürlich ein Fremdwort, und das dürfte der Bauart geschuldet auch der Fall sein, wenn es in Ordnung wäre.

Diese Gitarre hat gleich mehrere Probleme, und zwar ziemlich ernste:
  • Der Hals besteht vermutlich aus Buche. Er ist dreiteilig, scheint keinen Stahlstab zu besitzen. Weil er ziemlich schlank und schmal ist, ist er dem Zug der Saiten kaum gewachsen. Momentan sind 10er Flatwounds aufgezogen. Eigentlich ist bereits das schon zu viel.
  • Der Vorbesitzer hat die Bassbalken durchgetrennt, um Standard-Humbucker einbauen zu können. In der Folge hat sich die Decke gesenkt.
  • Folge eines Versuchs zur Stabilisierung, bei der ich unter dem Hals und als Verlängerung des Korpus so gut es ging, ohne den Korpus zu öffnen, Holz eingepasst hatte, hat den Teil des Halses oberhalb des 12. Bundes leicht nach oben gebogen. Bei der momentanen Halskrümmung stört das nicht, mit dünneren Saiten allerdings schon.
  • Nicht zu unterschätzen ist auch die Frage geeigneter Tonabnehmer. Es gibt nämlich auf dem Markt nichts, was sowohl zu dem schmalen Saitenabstand als insbesondere auch zur Griffbrettwölbung passt.
  • Dass die PU-Rahmen zerlegt sind, habe ich vor allem der Begeisterung meiner Kinder zu verdanken, als diese noch klein waren... da ist was neues fällig.
  • Dann gibt es noch ein paar Feinheiten an der Brücke - die habe ich seinerzeit selbst angefertigt. Weil ich wegen der Stabilität unsicher war, sind die Saitenauflagen etwas zu breit. Momentan nicht wichtig. Die Justierung der Saitenlage schon eher.
Der Hals war verzogen. Vor einiger Zeit hatte ich ihn ausgebaut und im Backofen gerichtet. (mhmm, er kam mir beinahe entgegen, so stabil war die Verleimung). Dabei wurden die Inlays teilweise überhitzt. Im momentanen Zustand des Patienten ein Schönheitsfehler.
Beim Einbau hatte ich eine Schwalbenschwanzverbindung angefertigt. Material war Fichte, wie sie für Halsklötze verwendet wurde. Das ist mir nicht besonders gut gelungen, die Verbindung ist wohl etwas zu weich. Daher denke ich darüber nach, ob es nach Abschluss der anderen, wichtigeren Arbeiten nicht sinnvoll sein könnte, ihn mit einer Schraube zu fixieren.

Am schlimmsten sind natürlich die durchtrennten Bassbalken. Weil die unter den Löchern für die Tonabnehmer herlaufen, ist es kaum möglich, sie zu ersetzen.
PU1.jpg[/attachment [attachment=2]PU_0.jpg
Wie Ihr seht, habe ich schon versucht, das Instrument zu stabilisieren, indem ich die Schwachstelle in der Decke sukzessive mit Klötzchen aus Fichte unterfüttert habe, die ich so gut es ging an die Form angepasst habe. Weil das nicht reichte, habe ich vor kurzem außerhalb der Tonabnehmer Leisten aus Fichte eingefügt. Insgesamt scheint das wenigstens so stabil zu sein, dass ich keine Angest mehr haben muss, dass die Decke weiter einsinkt.

Seit Weihnachten befindet sich die Gitarre wieder unter voller Saitenspannung. Ich habe den Eindruck, dass momentan der schwache Hals das größte Problem sein könnte, besonders, weil ich ja damit rechnen muss, dass er sich wieder verziehen wird.

Auf das Öffnen des Bodens habe ich bewusst verzichtet. Das möchte ich nur dann machen, wenn ich mir weitgehend sicher sein kann, dass mir das so gelingt, dass ich das Binding wieder verwenden kann.

Jetzt geht es darum, die Maßnahmen zu priorisieren, die notwendig sind und auch um ein wenig Brainstorming, was geht, was nicht, was sinnvoll ist und was weniger. Ich hatte z.B. schon die Idee, ein dickes Griffbrett aus Katalox anzufertigen, u.U. sogar breiter als bisher, und es am "linken" Rand bewusst überstehen zu lassen.

Weil jede Reparatur ja den Wert dieser zwar hübschen, aber an sich recht einfachen Gitarre bei weitem übersteigt, wäre all die Arbeit vor allem dann sinnvoll, wenn sich das Instrument dann auch klanglich weiter verbessern würde. Durch meine bisherigen Basteleien hat sich der Ton schon deutlich verbessert - sie klingt erstaunlich voll. Es würde wohl sogar einen Sinn machen, die beiden PU-Öffnungen ins Design einzubeziehen - das könnte dann auf selbstgefertigte PUs hinauslaufen, die sehr schmal und hoch sind und die Öffnungen weitgehend freilassen. Natürlich hübsch von Ahorn umrahmt...

Aber wie gesagt - erstmal müsste sie dazu überhaupt in einen dauerhaft verwendbaren technischen Zustand gebracht werden.

So, und jetzt bin ich gespannt auf Euch.
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LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von www.rall-online.net » 30.12.2011, 17:37

Hallo Beate,
du hast ja Dinger rumliegen... und die möchtest du behalten ja?
Dachte mir zuerst - ja schaut ja schnuckelig aus. Die Teardrop Löcher!
Aber dann: schmaler Hals, instabiler Hals, Decke instabil so dass sie einknickt, Pickups nicht OK... :(

Die leidet ja... sind das lebensverlängernde Maßnahmen bei einem Patienten? Kannst du die auch einfach nur an die Wand hängen ohne ein Bedürfnis was daran zu reparieren?

Ich höre schon auf 8) Und eigentlich finde ich Restaurationen spannend und interessant.

Wenn du das hin bekommen möchtest, dann wäre für mich zu klären was genau du erreichen möchtest. Welchen Zustand, welchen Sound? Was für ein Ziel ist es wert?

Gibt es irgendwo Originalfotos so dass man sich an was orientieren könnte. Welcher Saitenhalter? Welche Pickups waren da mal drauf?

Und von so einer Vorstellung könnte man dann entsprechende Teile suchen und als Ziel definiert anfangen es zu erreichen.

Und erst dann würde ich mir überlegen, was dem heutigen technischen Stand geschuldet werden muss und was damit dann an Umbauten fällig wäre.

Warum nicht den Boden aufmachen? Der Lack...
Kennst du die von Gretsch verwendeten Abdeckungen hinten um vor Gürtelschnellenkratzern zu schützen? Dahinter sind oftmals riesige Löcher mit oder ohne teils lausiger Holzabdeckung. Damit kam man in den Innenraum.
Wenn du so was hinmachen möchtest, dann wäre es möglich auch wieder ein paar Balken einzuziehen.
Wobei man die Balken auch mit Löchlein und Drähten durch die Decke hochgezogen bekommen würde. Aber alles nicht wirklich spaßig.

Das Griffbrett runter machen und einen Stab einlegen ist eigentlich kein Akt. Nur Arbeit. Wenn du z.B. ein 6'er Loch von der Kopfplatte rein bohrst um mit dem Inbus an die Schraube zu kommen (wie z.B. die National Resonator Gitarren), dann fällt das schon mal nicht zu sehr auf.

Hals zu schmal..
Seitlich Streifen anleimen? Zentrisch aufschneiden und ein Stück einsetzen? Komplett neu machen?

Pickups:
Und ob die Polepieces nicht ganz drunter passen.. wen stört das. Klingentonabnehmer könnte man dazu nehmen ohne gleich komplett neue zu machen.

Oder doch lieber was kaufen, wo danach vermeintlich der Wert (deutlicher) gestiegen ist und diesen Patienten doch ableben lassen?
Keep on building!
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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 31.12.2011, 01:06

www.rall-online.net hat geschrieben: Die leidet ja... sind das lebensverlängernde Maßnahmen bei einem Patienten? Kannst du die auch einfach nur an die Wand hängen ohne ein Bedürfnis was daran zu reparieren?
Das tut sie seit einem viertel Jahrhundert, seitdem mein Reparaturversuch nichts gebracht hatte. Das Bedürfnis, sie zu reparieren, ist unvermindert.

Beim Gurgeln habe ich ein paar Artverwandte entdeckt - das war ein anderer Sandner, der ein paar Straßen weiter seine Werkstatt hatte. Meine könnte tatsächlich auch eine Isana sein - der Schatten des Schriftzugs auf dem Korpus lässt es leider nicht zu, das zu unterscheiden. Sie ist dünner, aus Sperrholz, und sie hatte Öffnungen und Bohrlöcher für Tonabnehmer, aber eben nicht für so dicke Brocken wie Gibson sie baute. Die Kopfplatte habe ich als im gleichen Stil wie bei den Isanas in Erinnerung. Das Schlagbrett war eines in dunkelbraunem Celluloid - ich hatte is die Tage nochmal in den Fingern. Original für die Gitarre vorgesehen war es vermutlich nicht, nur mechanisch passend.

Ich muss an dieser Stelle betonen, dass ich die Gitarre Mitte der 70er im Original sah (also Korpus mit Hals in der Fasan-Werkstatt) und etwa 10 Jahre später defekt zum Wert der Hardware übernommen hatte (Gibson PUs, vergoldet mit Prägung, also von 1972, Schaller M6 Mechaniken, Tremolo, zu schwere Brücke (Metall auf Palisanderfuß), hochwertiger Koffer. Der Vorbesitzer ging bereits von "unrettbar" aus.
Gibt es irgendwo Originalfotos so dass man sich an was orientieren könnte. Welcher Saitenhalter? Welche Pickups waren da mal drauf?
Am engsten mit meinem Baby verwandt dürfte vermutlich die Gitarre aus dem dritten Link sein. Dort sieht man auch die Tonabnehmer, die aller Wahrscheinlichkeit hätten verbaut werden sollen.

http://www.schlaggitarren.de/home.php?t ... er&kenn=13
http://jazzgitarren.k-server.org/otherswg.html
http://www.musikkeller.com/mk/_bilderve ... 0140mk.jpg

Wie schon gesagt, war sie wohl niemals komplett fertig.
Wenn du das hin bekommen möchtest, dann wäre für mich zu klären was genau du erreichen möchtest. Welchen Zustand, welchen Sound? Was für ein Ziel ist es wert?
Meine Ideen gehen dahin, aus der Not eine Tugend zu machen - auch nur im Sinne des Originals zu restaurieren ist ja wohl kaum möglich.

Die Gitarre soll an den schwachen Stellen so weit verstärkt werden, dass sie spielbar ist, und sei es mit 9er Saiten. Oder wenigsten 8ern... Es kann sogar gut sein, dass der Korpus das bereits ist - meine letzten Versteifungsmaßnahmen waren wohl nicht wirkungslos. Das Problem ist nur, dass es keine hinreichend dünnen umsponnenen G-Saiten gibt, der Steg aber kompensiert ist (zur Zeit sind 10er D'Addario Halfrounds drauf). Ok, den Steg könnte ich neu anfertigen

Weil die Gitarre akustisch ohne Tonabnehmer deutlich besser klingt als mit Tonabnehmern (bereits das Abdecken auch nur einer der beiden Öffnungen ist deutlich hörbar), muss ich mir hier ebenfalls etwas ausdenken. Erste Idee: PU-Abdeckungen mit Ohren, wieder aus Ahorn, und mit ovalen Öffnungen, die als zusätzliche Schallöcher dienen.


Das Hauptproblem vieler Isanas und wohl auch einiger anderer Gitarren aus deutscher Fertigung ist der schwache Hals. M.W. ist der Hals zugekauft. Gerade bei den etwas einfacheren Instumenten wie meiner Gitarre wurde an dieser Stelle gerne gespart. Hier greift für mich also eins ins andere: ohne eine Lösung für den Hals brauche ich den Korpus nicht weiter zu stabilisieren und vice versa.
Das Griffbrett runter machen und einen Stab einlegen ist eigentlich kein Akt. Nur Arbeit. Wenn du z.B. ein 6'er Loch von der Kopfplatte rein bohrst um mit dem Inbus an die Schraube zu kommen (wie z.B. die National Resonator Gitarren), dann fällt das schon mal nicht zu sehr auf.
Ich kann mir gut vorstellen, dass allein ein Katalox-Griffbrett den Hals bereits ausreichend stabilisiert, besonders, wenn es ein wenig dicker ist. Die Steifigkeit des Halses steigt immerhin mit der dritten Potenz seiner Dicke, und zudem besitzt Katalox ein weitaus größeres E-Modul als der verwendete (wohl Honduras-) Palisander und ganz gewiss als das Holz, aus dem der Hals besteht. Wegen der Optik des dann deutlich höheren Bindings muss ich mir dann noch was ausdenken.
Hals zu schmal..
Da kann ich mich auch auf den Standpunkt stellen, dass das dann halt so ist. Vom Sound her ist und bleibt das eine reine Rhythmusgitarre - und dazu macht sich ein schmaler Hals ja durchaus. Auch wenn mir 46 mm lieber wären.
Klingentonabnehmer könnte man dazu nehmen
Z.B. Höfner 518 - oder sowas ähnliches selbst machen. Am Hals drängt sich ein Jazzgitarren-Tonabnehmer geradezu auf.

Doch nochmal zu den Balken: irgendwelche Versteifungen an die richtige Stelle zu transportieren ist weniger das Problem als dass jeder Balken exakt an die Wölbung der Decke angepasst sein muss. Die Balken habe ich nur deshalb so kurz gemacht, weil ich die Anpassung weiter außen nicht hinbekommen konnte.
Oder doch lieber was kaufen, wo danach vermeintlich der Wert (deutlicher) gestiegen ist und diesen Patienten doch ableben lassen?
Es geht mir nicht um noch ne Gitarre - die wird eh kommen; ich hab noch nen alten Hals übrig, mit Fendermensur, aber symmetrischem Kopf. Vielleicht mach ich aus Jux ne Replik einer Gibson Moderne draus - Grün, goldene Minihumbucker, Buchekorpus, Bauthread bei Nachbars :evil:

Es geht mir wirklich um DIESE Gitarre.

Ach so: absolut versteift auf die Ahorn-Hardware bin ich nicht. Die Platten habe ich allerdings in recht mühevoller Arbeit an die Wölbung der Decke angepasst. Bei einem Ersatz bräuchte ich eine gleichwertige Alternative.

So, und jetzt entspanne ich erstmal wieder die Saiten.
LG

Beate

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 31.12.2011, 02:21

Dokumentation vor allem für mich selbst: Saitenlage unmittelbar vor dem 12. Bund, gemessen vom Holz des Griffbretts am tiefen E: 3.6 mm.

Weil da noch die Dicke des Bundstäbchens abgeht, finde ich das ganz brauchbar. Vor allem: es ginge noch flacher. Also mal beobachten, ob das stabil bleibt.
LG

Beate

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Re: Sorgenkind

Beitrag von www.rall-online.net » 31.12.2011, 09:29

Hallo Beate,
dachte mir schon, dass du dir sicher bist dieses Stück Kultur wieder brauchbar zu machen.
So wie ich es verstanden habe würdest du aber schon so weit wie möglich wieder original machen.

Nach meinem Geschmack wird aus so einer laminierten "Kiste" niemals ein schöner akustischer Jazz-Klang raus kommen. Von der Konstruktion her ist sie auch wegen dem dünneren Body für elektrische Abnahme gebaut. Das würde ich auch wieder in den Vordergrund stellen.

Zu der damaligen Produktionszeit gabe es in Deutschland schon einige Hardware Hersteller - aber so wie es aussieht, bekommst du den Saitenhalter und auch den Steg noch im selben Design.

Steg: ca 20EUR
http://pellarin.the-music-alliance.com/ ... tarre.html

Framus (Warwick) verkauft solche Stege (knapp 25,-EUR),
FRV BRIDGE 00002 in die Suche eingeben
http://www.warwick.de/catalog/de_DE/


Der Saitenhalter wird original von noch von ABM in Berlin hergestellt.

http://www.abmmueller.de/index2.html Typ 1211

Du bekommst aber auch günstige Nachbauten(um die 20EUR):
http://pellarin.the-music-alliance.com/ ... chrom.html
http://pellarin.the-music-alliance.com/ ... alter.html

Bei den Pickups könnte man auch Dog-Ear P90 drüber machen.
http://pellarin.the-music-alliance.com/ ... _coil.html

Oder Mini-Humbucker? (knapp 30EUR)
http://pellarin.the-music-alliance.com/ ... ehmer.html

Oder solche Filter_on Nachbauten (knapp 30EUR):
http://pellarin.the-music-alliance.com/ ... ehmer.html

Das mit dem Holz und E-modul würde ich mal nicht so eng sehen. Das stimmt vom Prinzip her (und es geht proportional in die Rechnung ein) - nur mit welcher Genauigkeit kannst du denn das Holz E-Modul deiner Griffbretts und des anderen Katalox bestimmen? Welchen Wiederstand würde es denn ergeben?
Wirklich würde ja nur die Verdickung in der dritten Potenz eingehen. Und der Hals ist bestimmt jetzt schon ein Prügel.
Mein Schluss: wenn du das Griffbrett eh vor hast runter zu machen - unbedingt einen Stahlstab einbauen.

Den Korpus aufmachen ist Zusatzarbeit aber könnte die größten Probleme bei dem guten Stück auf einmal lösen.
Du könntest die Balken richtig machen, wenn du die Löcher der Pickups wieder in originalgröße machen möchtest, dann könntest du richtig einleimen.
Lackieren würdest du dann wahrscheinlich eh müssen.

Zum Öffnen würde ich den Hals raus machen, das Binding wegfräsen und mit Hitze aus dem Heißluftföhn und einem dünnen Spachtel die Leimfuge öffnen.

Binding gibt es wieder in allen möglichen Größen, Farben, Muster.
Helfe dir gerne das Material zu besorgen.
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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 31.12.2011, 17:46

Hallo Andreas,

erstmal vielen Dank für die vielen Links. Dieser Großhändler führt ja auch Gibson-3-Punkt-Brücken, sogar mit separatem Saitenhalter... Wäre vielleicht was für den RD-Bass.

Den Korpus aufmachen ist Zusatzarbeit aber könnte die größten Probleme bei dem guten Stück auf einmal lösen.
Du könntest die Balken richtig machen, wenn du die Löcher der Pickups wieder in originalgröße machen möchtest, dann könntest du richtig einleimen.
Weil die Decke ja durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse, müsste sie wohl in letzter Konsequenz komplett neu gemacht werden - die Ahornplatten sind ja in kreisrunde Löcher der Decke eingepasst. Das wäre dann die Maximallösung und eher ein neues Instrument. (Aber die Konturen von Decke und Boden lassen sich ja bei Bedarf abnehmen...)

Die Lackierung bereitet weiter Stress: es handelt sich um gefärbten Lack, der sehr spröde ist. Es wurde kein Nitrolack verwendet - er lässt sich leider nicht mit Nitroverdünner anlösen.

Nach meinem Geschmack wird aus so einer laminierten "Kiste" niemals ein schöner akustischer Jazz-Klang raus kommen. Von der Konstruktion her ist sie auch wegen dem dünneren Body für elektrische Abnahme gebaut. Das würde ich auch wieder in den Vordergrund stellen.
Das soll ja auch so bleiben. Spontanreaktion meines Sohnes, als ich sie akustisch angespielt hatte: "Klingt geil".

Und besser als früher. Das spricht allerdings eher gegen eine Restauration des ursprünglichen Stils.
Die Idee des zusätzlichen Mittelschalllochs finde ich außerdem spannend. Wurde ja z.T. bei Jazzgitarren tatsächlich gebaut (Alois Sandner). Da werde ich wohl mit der Zeit ein paar Experimente machen - Blenden für die Löcher sind ja schnell angefertigt und bei Bedarf dann auch ersetzt.

Vorsichtshalber habe ich sie mal einen halben Ton tiefer gestimmt. Klingt immer noch gut, vor allem kein bischen labberig.
Also erste Hilfe, zumindest bis ich Zeit für die Reparatur finde. Bis dahin lohnt sich auf jeden Fall noch ein Satz Saiten, der das Instrument nicht so belastet. Die ja vergleichsweise hohe Spannung der 10er Flats ist einfach zu viel für diese Struktur. Also ein Satz Pyramid Gold customized - habe inzwischen gesehen, dass das geht.


Mein derzeitiger Zwischenstand:

Ich tue mir einen Gefallen mit Maßnahmen zur ersten Hilfe, die die Struktur weniger belasten, besonders also durch die Verwendung dünnerer Saiten. Zum Glück hat sich der Markt so weit entwickelt, dass man auch wieder Einzelsaiten bekommt. Das verschafft mir erstmal Luft für die weitere Planung.

Ihr bestätigt meine ursprüngliche Einschätzung - für eine Komplettreparatur muss der Boden ab, und das jetzt unabhängig davon, ob ich das Instrument im Stil so lasse wie jetzt oder ob ich versuche, es dem Stil des Erbauers anzunähern.

Der Hals sollte zusätzlich überarbeitet werden - der kleine Griffbrettradius bringt mehr Probleme als er hilft, die Struktur ist etwas zu schwach. Er ist nicht mal typisch für den Erbauer der Gitarre. Irgendeine Verstärkung sollte auf jeden Fall rein. Hier werde ich auf jeden Fall noch Alternativen prüfen - Trussrod aus Hartholz (ich habe noch genügend Katalox und auch Machiche), Aluminium-Vierkantrohr wie bei Martin oder aber einstellbar. Wenn ich zu dem Schluß komme, dass eine statische Verstärkung ausreicht, werde ich das machen. Weil ja die Perloid-Einlagen beschädigt sind, sollte da sowieso etwas geschenen

Die Kopfplatte muss zurückgebaut werden. Über die Zeit als ich den Nachbau der Gibson-Kopfplatte mit Original-Schriftzug cool fand, bin ich schon lange hinaus. Diese Gitarre benötigt zudem leichtere Mechaniken.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 06.12.2012, 21:26

Weil ich grad darauf angesprochen wurde: es gärt...

Mit dem Jag-Bass und mit Stormy Monday muss ich noch mehr Land sehen; eine weitere Gitarrengroßbaustelle möchte ich daher jetzt noch nicht eröffnen.


Ich werde wohl eine Form bauen müssen, damit ich den Boden und die Bindings wieder einigermaßen sauber eingebaut bekomme. Der Eingriff als solcher wird kurz in "The Complete Guitar Repair" demonstriert - an einer alten Gibson. Bindings wegzufräsen ist da genausowenig angesagt wie m.E. auch hier.

Weil die Gitarre nie fertig montiert war - ich habe sie selbst mal ind er Werkstatt des benachbarten Namesvetters Franz Sandner rumstehen sehen - gibt es keine Restauration im engeren Sinne. Daher möchte ich mir die Freiheit erlauben, etwas eigenes zu machen, das dem vermutlich intendierten Charakter des Instruments näher kommt, aber mit dem vorhandenen so gut es geht umgeht.

Was also mache ich mit den Löchern in der Decke?

Kommen die PAFs wieder rein? Vom Ton her würden P90 oder eher noch Filtertrons wohl besser zum Charakter der Gitarre passen? Oder sonstwas in Richttung Rockabilly.
Wie aber gehe ich mit der ungewöhnlich starken Halskrümmung um, zu der mechanisch eigentlich nur die alten gebogenen SCs von Höfner passen?

Wie befestige ich den Hals besser?

Was mache ich mit dem Panel, auf dem die Potis montiert sind?

Welche Hardware verwende ich? (Wo, verflixt und zugenäht, ist das Tremolo abgekommen, das der Vorbesitzer montiert hatte... die Brücke mit einstellbarem Metalloberteil gibts noch irgendwo; ich müsste nur den Fuß aufdoppeln und einpassen)

Was erwartet mich, wenn ich das Furnier mit dem Gibson-Logo entferne, das der Vorbesitzer aufgepappt hat? (die ursprüngliche Kopfplatte wurde irgendwie vergrößert und dann mit 2k-Spachtelmasse in Gibson-ähnliche Form gebracht)

Ein paar Ideen habe ich bereits: das Loch oben links im Korpus könnte ich als Schalloch belassen, ggf ein stilistisch passendens Binding einfügen oder zumindest faken. Dem akustischen Ton bekommt das. Auch für die Aussteifung des Korpus bis über den gekürzten Bassbalken hinaus gibts schon erste Ideen - vergrößerter Halsklotz oder vielleicht auch nur Balken, die über die Tonabnehmer-Öffnung hinausreichen. Und von innen eine Schraube in den Halsfuß. Roh, aber effektiv.

Vielleicht sollte ich einfach mal die Form für den Korpus bauen und den Boden abnehmen...
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von headstock » 07.12.2012, 08:25

Moin Bea
bea hat geschrieben:Weil ich grad darauf angesprochen wurde: es gärt...

Mit dem Jag-Bass und mit Stormy Monday muss ich noch mehr Land sehen; eine weitere Gitarrengroßbaustelle möchte ich daher jetzt noch nicht eröffnen.
das kann ich natürlich verstehen.
Es hat mich nur interessiert, weil der Thread vor einem Jahr plötzlich zur Ruhe kam und er einer der ersten war, die ich in diesem Forum gelesen habe, weil er ja meiner Problematik ähnelt. So hätte ich eventuell von Deinen Fortschritten profitieren können. Aber Hauptsache, Du bleibst da am Ball...

Gruß Martin

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Re: Sorgenkind

Beitrag von headstock » 07.12.2012, 10:44

Nochmal moin,
Ich habe Deinen Thread nochmal gelesen und erinnere mich, im Europäischen Gitarrenforum gelesen zu haben, wie jemand den Boden von der Zarge getrennt hat, ohne das Binding zu zerstören. Ich weiß nur nicht, welches Werkzeug er benutzt hat. Diese Methode scheint mir am besten dazu geeignet zu sein.

Ich habe mir dort ne Menge Anregungen für mein Projekt geholt. Allein der Aufbau der alten "Roger Gitarren" die aus Materialmangel nach dem Krieg so gebaut wurden, hat mich inspiriert es ähnlich zu versuchen.
Bei Stefan Lob`s Schlaggitarren Seite, kann man das nachlesen.

Also wenn Du mal wieder viel Zeit hast...

http://www.euroguitars.co.uk/viewtopic. ... 19107ba486
Gruß Martin

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 07.12.2012, 17:45

Hallo Martin,

ist ja toll, was uns da vorgezaubert wird. Soweit ich es erkennen konnte, hat er den Boden direkt mit dem Binding entfernen können. Funktioniert, wenn das Binding direkt auf der Zarge aufsetzt. Ob das bei der Sperrholzkonstruktion meiner Isana auch der Fall ist, kann ich nicht sagen.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 11.12.2012, 02:27

bea hat geschrieben:Weil ich grad darauf angesprochen wurde: es gärt...
...
Vielleicht sollte ich einfach mal die Form für den Korpus bauen und den Boden abnehmen...
... und wenn ich Glück habe, kann ich den Boden drauf lassen.

Das Instrument hing jetzt etwa ein Jahr an der Wand, und das mit leicht reduzierter Saitenspannung. Das hat dazu geführt, dass die Struktur nachgegeben hat. Als ich die Gitarre vorhin mal wieder stimmte, stellte sich eine Saitenlage ein, die nur noch den Begriff "U-Boot" verdiente. Ich jedoch das Gefühl, dass der Hals-Korpus-Übergang nicht mehr so weich war wie bisher. Deshalb habe ich die Distanzhülsen aus der Brücke entfernt und konnte eine brauchbare Saitenlage erzielen. Ich bin mal gespannt, ob das so bleibt - aber im Unterschied zu bisher besteht da Hoffnung. Vielleicht hat sich die Struktur mit den neu eingebauten Versteifungen ja unter der Dauerlast so weit gesetzt, dass sie - endlich - stabil ist?

Ach so, der Ton: natürlich kein großes Volumen, jedoch sehr angenehm warm und erstaunlich voll, wenig Sustain. Was ich bei dieser Gitarre nicht als Problem empfinde.

In der Hoffnung, dass das so ist, habe ich gleich mal einige Stellen, an denen der Lack abgeplatzt war, mit meinen beiden Lieblings-Nagellacksorten kaschiert. Die beiden Rottöne passten zufällig ganz gut.

Wenn das Instrument jetzt endlich wirklich halbwegs stabil ist, kann ich mich um die anderen Themen kümmern:

- die Decke muss angeschliffen werden. Mit etwas Glück reicht danach polieren. Wenn nicht, halt neue Schichten Nitrolack. Der alte Lack wird von Nagellackverdünner doch angelöst. Scheint doch ein Nitrolack zu sein. Praktisch...

- Ich habe beschlossen, die Kopfplatte zurückzubauen. Den Gibson-Schriftzug finde ich schon seit längerem albern. Mal sehen, was sich unter dem Furnier verbirgt.


- Entscheidungen zur sonstigen Hardware stehen noch aus. Weil mir nichts besseres einfällt, bleibt es bis auf weiteres bei der Ahorn-Hardware, ggf. in Verbindung mit vergoldetem Metall. Das greift wenigstens das Motiv der hellen Zargen auf.

- Tonabnehmer: was der Markt hergibt, wenn es um Tonabnehmer ohne Polepieces, aber im Standard-Humbucker-Format geht. Vielleicht doppelte Lipsticks.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von headstock » 11.12.2012, 07:28

Moin Bea,

nur mal eine Vermutung von mir zum fehlenden Sustain. Hast Du mal die Leimnaht zwischen Decke und Halsblock kontrolliert? Gitarren aus dieser Zeit haben öfter mal das Problem, dass die sich verabschiedet.
Ich habe selber so eine und da sieht das -so aus.
Und in dem Forum von oben gibt es fast das gleiche Bild einer anderen Gitarre des selben Erbauers.
http://www.euroguitars.co.uk/viewtopic. ... b&start=40
Das soll aber nur mal ein Hinweis sein - vielleicht hat Deine ja ein anderes Problem.

Gruß Martin

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 11.12.2012, 23:57

Die Halsverbindung habe ich vor einiger Zeit neu angelegt. Sie ist tatsächlich eine Schwachstelle, aber eine konstruktiv bedingte. Die Decke hatte ich bei dieser Gelegenheit natürlich ebenfalls geprüft. Weiterhin ist der Hals schwach und weich (kein Trussrod). Die Bassbalken endeten auch im Ursprungszustand recht weit vom Halsklotz entfernt. Momentan sind sie behelfsmäßig geflickt. Auch im Originalzustand wäre die Gitarre alles andere als ein Sustainmonster, genauso wenig wie die anderen einfachen Schlaggitarren das waren. Nein, zur Zeit in das Sustain zwar eher kurz, bleibt aber im gattungstypischen Rahmen.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 14.12.2012, 01:02

Mall ein paar Schocker-Photos...

Hier das Werk des Vorbesitzers:
Und hier die durchtrennten Bassbalken nebst meinen Flicken. Potthäßlich, ich weiß, aber auf den ersten Blick scheint es jetzt endlich zu funktionieren. Sicher werde ich das aber wohl erst im Januar wissen.
Auf jeden Fall gehts jetzt auch an die optische Restauration.
Die besteht aus:
  • Rekonstruktion der Kopfplatte im originalen Stil. Dazu benötige ich wohl Vulkanfiber und Perloid, letzteres idealerweise in Würde gealtert. Für beides fehlt mir eine Bezugsquelle. Ok, an Stelle des Vulkanfibers könnte ich auch das Ebenholzfurnier nehmen, wenn ich es denn sauber runterbekomme.
  • Reparatur des Finish.
    Es ist nicht mein Zeil, eine Oberfläche zu erzielen, die wie neu aussieht. Gerade um das obere Loch ist sie jedoch arg lädiert. Die Ausbrecher habe ich inzwischen mit Nagellack gefüllt. Sie halbwegs brauchbar aus. Leider hat das Lösungsmittel Spuren im Lack hinterlassen - ich hatte mit Nagellackentferner feucht drübergewischt. Weil ich ja mit dem Lackieren eher auf Kriegsfuß stehe - würde es ggf ausreichen, die lädierten Stellen vorsichtig anzuschleifen (1200) und dann den gesamten Korpus zu polieren, zumindest fürs erste - und mit dem Hintergedanken, dass man im Zweifelsfall ja immer noch weitere Schichten Klarlack aufbringen kann ?
  • Was mach ich bloß mit den runden Löchern? So wie sie nun mal da sind, führen sie m.E. jeden Versuch ad absurdum, den Korpus dem Original entsprechend wiederherzustellen. Also doch Ahorn + rot?
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von white jack » 14.12.2012, 10:26

bea hat geschrieben:Dazu benötige ich wohl Vulkanfiber und Perloid, letzteres idealerweise in Würde gealtert. Für beides fehlt mir eine Bezugsquelle.
Onkel Google sacht z.B. :

:arrow: http://www.flohreus.de/index.php?page=F9

:arrow: http://www.tone-toys.com/shop/Echtes-Zelluloid (auch Perloid...)

Bild
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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 14.12.2012, 10:33

Danke. Leider ist das Perloid in der von mir benötigten Stärke vergriffen. Naja, drängt ja nicht - die Restauration gehört eher zu meinen Langfristprojekten.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 30.12.2012, 21:32

Als vorhin eine Saite riß, konnte ich es nicht lassen, die Kopfplatte freizulegen.
Offenbar hatte der Vorbesitzer versucht, die Kopfplatte in eine "kleinere Gibson-Form" zu bringen. Die ursprüngliche Form ist leider nicht mehr erkennbar. Mhmm. Jetzt darf ich nach den Originalmaßen suchen.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 30.12.2012, 22:34

Tatsächlich habe ich ein paar Schwesterchen entdeckt, die als Vorbild dienen könnten. Diese z.B. war die dickere Variante (von der ich wusste, dass sie existierte):

Bild
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 31.12.2012, 02:22

Und zu guter Letzt noch der Entwurf für die neue alte Form, so weit es ging an die alte Kontur angelehnt und ansonsten frei entsprechend der Vorlagen aus dem Netz gestaltet:
Noch nicht ganz schlüssig bin ich mir, ob ich nicht auch die Form am anderen Ende der Kopfplatte wieder herstellen sollte. Was meint Ihr?
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von capricky » 31.12.2012, 10:03

bea hat geschrieben:Was meint Ihr?
Du versuchst hier ein Tiefkühlhähnchen aus dem Supermarkt wiederzubeleben. Ein, zwei "Experten" vor Dir hatten offensichtlich schon versucht daraus einen "Fasan" zu frankensteinen und sind grandios gescheitert. Ich meine, die "Kühlkette" ist schon zu lange unterbrochen, die Überreste gehören in den Sondermüll. :?
Ich würde Zeit und Energie in lohnende Projekte investieren, es sei denn, es gäbe emotionale oder soziale Gründe.

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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 31.12.2012, 11:02

Ich weiß nur zu gut, dass die Gitarre nicht mehr komplett wiederhergestellt werden kann. Ich weiß auch, dass das kein wertvolles Instrument gewesen ist - auch die ursprünglichen konstruktiven Mängel sind mir voll bewusst - und niemals als solches gedacht war. Die Leute bei Fasan haben diese Gitarren niemals ernst genommen. Die, die noch im Beruf sind, tun das auch heute noch nicht.

Es gibt schlichtweg emotionale Gründe. Dieses Projekt ist genauso irrational wie das andere Wiederaufbau-Projekt hier. Wobei irrational jetzt nicht abwertend gemeint ist.

Akustisch klingt sie momentan übrigens besser denn je. Auch ein Grund, weiterzumachen. Also zu versuchen, etwas eigens zu machen, das der Gitarre besser gerecht wird als das, was früher geschah.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von white jack » 31.12.2012, 19:38

Ich würde auf jeden Fall noch den Bereich zum Sattel hin wieder mit ansetzen !

Die Form gewinnt dadurch enorm. Jetzt ist der KP Fuß zu schmal.

Sehr schönes Originaldesign, gefällt mir gut ! Ist das Dekor ein Inlay oder nur gelackt ?

Würde ich auch mit übernehmen ! ´50 Art.Deko


Das Lila auf´m Foto ist vermutlich schwarz ???
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Re: Sorgenkind

Beitrag von bea » 31.12.2012, 20:14

Hier ist übrigens ein typische Isana-Headstock zu sehen: http://www.euroguitars.co.uk/viewtopic. ... 517#p35734
Das andere Dekor ist wohl eher von Fasan. Man sieht es auch eher bei den Hoyers (die so aussehen, als ob sie aus Nauheim zugekauft worden wären ... irgendwie waren die allesamt miteinander verbandelt...)

Das Dekor dürfte übrigens Perloid in Verbindung mit Vulkanfiber sein, zumindest bei den typischen Mustern. Aufgemalte Muster habe ich bisher nur bei ganz einfachen und alten Fasans gesehen.

Momentan denke ich über die Farbgebung nach. Weil ich ja bis auf weiteres auf die Ahorn-Platten angewiesen bin, könnte eine etwas wärmere Kontrastfarbe, die eher in Richtung Gold/Goldbraun geht, besser wirken als das weiße Perloid. Und/oder etwas sehr viel weniger auffälliges, z.B. drei Sterne zwischen den Mechaniken und sonst alles schwarz.
LG

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Re: Sorgenkind

Beitrag von white jack » 01.01.2013, 17:37

Wow, eine interessanter als die andere. Echt Klasse !!

Und der "Bumble Bee" Korpus... !!!!! Bild


That´s the World on My Way


.
http://www.youtube.com/watch?v=uoD_bh8Tla4
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Re: Sorgenkind

Beitrag von headstock » 10.01.2013, 10:34

Moin Bea,

irrational ist schon richtig. Kann "restaurieren" in unseren Fällen überhaupt rational sein?(oder muß?) (think)

Ich würde white jack auch zustimmen - die unteren Ecken müssen wieder ran.
Allerdings habe auch ich noch nichts gefunden, was Deiner Gitarre zu 100% entspricht.

Übrigens, meinst Du eigentlich, dass da im Original überhaupt PU`s drauf waren?

Gruß Martin

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