Hals- und Kopfplattenbruch

Alles um einen alten Schatz aufzufrischen ... auch am Finish
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zappl
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Hals- und Kopfplattenbruch

#1

Beitrag von zappl » 04.12.2017, 23:40

Vor mir liegt ein Hoyer Taurus Bass (Bj. ~1980) mit doppeltem Bruch: 1.) Kopf ab und 2.) ein Riss im Hals.

Hauptziel ist es natürlich das Instrument wieder spielbar zu machen. Zudem soll die Reparatur optisch unauffällig ausfallen - so weit wie möglich bei vertretbarem Aufwand. ;)

1.) Kopfplattenbruch
Beide Teile lassen sich ohne größere Probleme wieder zusammenstecken. Es scheinen keine größeren Splitter abhanden gekommen zu sein. Soweit schonmal gut. ;)

Ich beabsichtige beide Teile mit Titebond 'Original' verleimen. Ein, zwei Zwingen sollten sich problemlos ansetzen lassen, ggf. sorge ich noch für eine Krafteinwirkung Richtung Body.

Passt das, oder wäre Epoxi die bessere Alternative?

2.) Halsriss
Der Riss beginnt am Sattel und setzt sich bis zum 1.-2. Bund fort. Der Saitenzug hat den Riss wohl ganz gut zusammengehalten. Zumindest lassen die Schmutzablagerungen in den Lackplatzern darauf schließen, dass es den damaligen Besitzer längere Zeit nicht besonders gestört zu haben scheint. ;)

Mit mäßigem Druck lässt sich der Bruch zu einem Spalt von <0.5mm öffen. Ich traue mich nicht mit mehr Kraft ran zu gehen.

Nun... wie bekommt man Leim in den Spalt? Meine Idee ist es hier mit einem feinen Pinsel, Titebond und etwas Wasser an den leicht geöffneten Spalt zu gehen - in der Hoffnung, dass der Leim entsprechend eingesaugt wird. Alternativ fällt mir noch eine Spritze mit feiner Kanüle ein um den Leim einzubringen.

Was meint ihr?

3.) Kosmetik

Bei der Lackierung tippe ich mal auf getönten 2K Klarlack. Dafür spricht zumindest die üppige Schichtdicke, Härte und mMn das Rissbild .. richtig?

Seht ihr beim halsseitigem Übergang zur Kopfplatte eine Rettungsmöglichkeit ohne den alten Lack in dem Bereich komplett zu erneuern? Wegen der Schmutzablagerungen im Riss 2.) sehe ich da erst mal keine andere Möglichkeit. Ich wüsste zumindest nicht wie der Schmutz da restlos rauszubekommen wäre. Ansonsten wäre es wohl ein Versuch wert gewesen die Lackrisse mit Sekundenkleber zu füllen, beizuschleifen und zu polieren. :think:

Das Kopfplattenfurnier (ich tippe auf gebeizte Esche) hat's ja auch gut erwischt. Bevor ich da irgendwelche Aktionen plane würde ich aber erstmal abwarten welcher Anblick mich erwartet wenn der Kopf wieder angeleimt ist. Eventuell genügt es ja schon die Bruchkanten mit farbigem Hartwachs aufzufüllen. Von einer kompletten Erneuerung des Furniers möchte ich erstmal absehen... damit wäre dann nämlich auch das goldene Original-Logo futsch.

Ich möchte diesen Thread nutzen um mein Vorhaben abzuklären und vielleicht auch Ratschläge zu bekommen, die mir bisher nicht über den Weg gelaufen sind. Dafür vielen Dank im Voraus! :)
Gruß, Sebastian
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Re: Hals- und Kopfplattenbruch

#2

Beitrag von bea » 05.12.2017, 03:13

Alternative zu Titebond: Fischleim, zumindest für den Riss im Hals. Ganz leicht verdünnter Fischleim fließt fast überall hin. Vorsicht - wenn man zuviel Wasser reinmischt, verliert er seine Klebkraft.
LG

Beate

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Re: Hals- und Kopfplattenbruch

#3

Beitrag von Poldi » 05.12.2017, 05:27

Der Riss geht auch gut mit dünnflüssigen Sekundenkleber zu füllen, oder man nimmt verdünnten Tidebond in eine Spritze.
Für den KP-Bruch kannst Du Epoxi oder Tidebond nehmen, ich persönlich würde da Tidebond nehmen weil da die Sauerei bei austretenden Kleber geringer ist. Das lässt sich besser wegwischen.
Probier doch mal die feinen Risse mit einer feinen Nagelbürste und Seifenlauge zu reinigen.
Edit: sieht gerade das die Risse doch sehr fein sind und vom Schmutz "unterwandert", da bleibt wohl nur die Entfernung des Lacks.

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Re: Hals- und Kopfplattenbruch

#4

Beitrag von capricky » 05.12.2017, 10:46

Verdünnter Fischleim in der Spritze. Hör auf Bea!
Ich finde Fischleim ist noch eine Idee besser zu verarbeiten als titebond.
Für Sekundenkleber wäre mir die Baustelle zu groß, denn damit muss man richtig schnell sein, Fischleim hat die deutlich längere offene Zeit.

capricky

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Re: Hals- und Kopfplattenbruch

#5

Beitrag von zappl » 05.12.2017, 12:52

Okay Fischleim, habe ich bisher noch keiner Erfahrung mit gesammelt - gute Gelegenheit dies zu ändern. ;)
Poldi hat geschrieben:
05.12.2017, 05:27
sieht gerade das die Risse doch sehr fein sind und vom Schmutz "unterwandert", da bleibt wohl nur die Entfernung des Lacks.
Ich hab's befürchtet... den gleichen Tönungsgrad wie am "gesunden" Halsstück zu treffen dürfte dabei eine ganz schöne Herausforderung werden. (think)
Gruß, Sebastian
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Re: Hals- und Kopfplattenbruch

#6

Beitrag von filzkopf » 05.12.2017, 14:46

ich habe sowas bisher immer mit Wasser verdünntem Titebond in einer Spritze + Kanüle erledigt, aber ich denke nach den Tipps hier verwende ich das nächste Mal auch Fischleim!

:)
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